BISS / : Seite 3

Vorsicht Betrüger

von Karin Lohr

BISS-Verkäufer präsentieren stolz die neuen Westen: Cuza Dragomir, Ernst Köppel, Ercan Uzun, Udo Güldner und Dirk Schuchardt (v.l.n.r.)

Leider kommt es vor, dass Trittbrettfahrer versuchen, BISS und seinen Verkäufern zu schaden. Sie profitieren von unserem guten Ruf und betrügen alle Menschen, die Gutes tun und anderen helfen wollen. So gibt es einzelne fremde Personen, die widerrechtlich im Besitz von Ausgaben der aktuellen BISS sind und vorgeben, BISS verkaufen zu dürfen. Diese Personen betrügen durch ihr illegales Treiben gleich zweimal: Erstens den Zeitungskäufer, der ihnen etwas abkauft in der irrtümlichen Annahme, damit einem armen oder obdachlosen Menschen zu helfen. Und zweitens schadet der Betrüger dem BISS-Verkäufer, der keine Zeitung verkaufen kann. Wenn Sie also beispielsweise in Freising die BISS kaufen, dann nicht bei dem Trittbrettfahrer ohne Legitimation, der an Markttagen vor dem Freisinger Rathaus steht, sondern bei dem Verkäufer, der einen gültigen Verkäuferausweis vorzeigen kann. Ebenfalls dreist sind Betrügerinnen unterwegs, die vorgeben, Spenden für BISS bzw. eine Suppenküche von BISS zu sammeln. In der Regel sind es zwei Frauen, die mit einer aktuellen BISS-Ausgabe und einer Unterschriftenliste Passanten in Cafés, Restaurants, Biergärten, aber auch auf der Straße direkt ansprechen und um eine Spende bitten. BISS betreibt keine Suppenküche und sammelt keine Spenden an der Haustür oder auf der Straße, das steht in jeder unserer Ausgaben. Der Verein hat Anzeige erstattet und die Polizei ermittelt. Sollte Ihnen also so jemand über den Weg laufen, geben Sie kein Geld, sondern rufen Sie die Polizei unter 110. BISS-Leser kennen und unterstützen seit 25 Jahren die Arbeit von BISS, weil sie unmittelbar an den Verkäufern sehen, dass sich der gemeinnützige Verein mit Herz und Verstand für „Bürger in sozialen Schwierigkeiten“ einsetzt. Die BISS-Verkäufer tragen mit ihrem Mut und ihrer Bereitschaft zum guten Ruf von BISS bei. Sie arbeiten oft schwer daran, persönliche Schwierigkeiten zu überwinden und ein besseres Leben zu beginnen. Die Betrüger, egal ob illegale Spendensammler oder illegale Verkäufer, leisten nichts, sondern wollen abkassieren. Also Augen auf, liebe BISS-Leserinnen und Leser, kaufen Sie die BISS nur bei unseren Verkäufern!

Unser Baby…

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Ercan Uzun

… heißt „Papa“ und ist ein Graupapagei. Vögel dieser Art können bis zu 60 Jahre alt werden. Vergangenen Herbst fuhren wir nach Niederbayern zu einem Züchter und erfüllten uns einen lang gehegten Wunsch. Als wir Papa kauften, war er ein halbes Jahr alt. Wir mussten ihn erst mal zähmen, zwei Wochen war er darum bei uns zu Hause in seiner Voliere eingesperrt. Nach und nach hat meine Frau ihn dann herausgelassen. Das Sprechen hat er schnell gelernt, dafür sind Graupapageien ja auch berühmt. Seine ersten Worte waren „Papa“, „Trabzonspor“ (der Name meines türkischen Fußballvereins) und „Aşkım“, was so viel wie Liebling auf Deutsch bedeutet. Demnächst möchte ich ihm „58, 59, Sechzig“ beibringen, damit er auch hier meinen Verein, den TSV 1860 München, anfeuern kann. Leider hat Papa nicht nur für Freude gesorgt, als er zum Beispiel am Hausmobiliar knabberte. Am meisten haben sich meine Frau und meine Tochter um ihn gekümmert. Meinen ältesten Sohn nervt dagegen sein Pfeifen und Geplapper. Er hätte lieber einen Vierbeiner als Haustier gehabt. Aber ein Hund darf nach unseren religiösen Gepflogenheiten nicht in der Wohnung gehalten werden. Es dauerte lange, bis Papa zutraulich wurde. Dann aber kam er zum Erstaunen aller Familienmitglieder entweder zu mir oder zu meinem zweitältesten Sohn. Immer wenn ich vom Verkauf nach Hause komme, fliegt Papa auf mich zu. Warum er am meisten meine Nähe sucht, ist uns allen ein Rätsel. Auf jeden Fall sind wir froh, mit ihm ein neues Mitglied in der Familie zu haben.
Und wer weiß: Vielleicht stehe ich irgendwann mit ihm auf der Schulter am Sendlinger Tor und verkaufe die BISS? Noch haben wir aber zu viel Angst davor, dass Papa uns wegfliegt.

Vom Säen und Ernten

Karin Lohr, Geschäftsführung; Foto: Sacha Kletzsch

Zugegeben, auf den ersten Blick hätte der Mann, der vor ein paar Wochen an einem trüben Tag im Untergeschoss der Münchner Freiheit die BISS zum Kauf anbot, auch Mitarbeiter eines nahöstlichen Geheimdienstes sein können: verspiegelte Sonnenbrille, hochgestellter Mantelkragen und die Schirmmütze tief ins Gesicht gezogen. Selbst ich habe ihn erst aus unmittelbarer Nähe als unseren Verkäufer Herrn K. erkannt, als ich ihn angesprochen habe, warum er denn seinen Verkäuferausweis nicht sichtbar trägt. Im Falle von Herrn K. gab es eine harmlose Erklärung, denn an seinem Ausweis war das Bändel abgerissen, was man vor Ort, zumindest provisorisch, mittels einer Paketschnur aus dem nahe gelegenen Kaufhaus reparieren konnte. Trotzdem hatte die Leserin, die auf den vermeintlichen Betrüger hinweisen wollte, recht gehabt, uns anzurufen. Denn leider passiert es immer wieder, dass Betrüger aus dem guten Ruf von BISS Kapital schlagen wollen. Zu diesen Betrügern gehören die falschen „Spendensammlerinnen“, die meist zu zweit mit einer Unterschriftenliste Menschen auf der Straße und in Cafés ansprechen. Und dazu gehören diejenigen, die sich widerrechtlich die aktuelle Ausgabe besorgen und vortäuschen, legale BISS-Verkäufer zu sein. Diese Betrüger schädigen alle: die Menschen, die helfen wollen, und den BISS-Verkäufer, der sich bemüht, aber keine Zeitung verkaufen kann (siehe Seite 25 in dieser Ausgabe). Wir hören von Straßenzeitungen in anderen Städten, dass auch dort Trittbrettfahrer profitieren wollen, besonders gravierend beim Berliner „Straßenfeger“, der 2018 sein Erscheinen einstellte. Nun zeichnet BISS eine sehr intensive Verkäuferbetreuung aus, dazu gehören die monatlichen Treffen mit allen Verkäufern sowie viele Einzelgespräche und Beratungen. Vor allem aber ist unser Sozialarbeiter oft auf der Straße unterwegs und spricht mit den Verkäufern an ihren Standplätzen. Er erfährt so von kleinen und größeren Nöten. Unseren Verkäufern gebührt aller Respekt, denn sie sind es, die sich jeden Tag aufs Neue bemühen, persönliche Schwierigkeiten zu überwinden. Deshalb sollen sie auch die Früchte ihrer Mühen ernten, das ist nur gerecht. Sie, liebe BISS-Leser, können Ihren Teil dazu beitragen, indem Sie bitte nur bei Verkäufern kaufen, die ihren Verkäuferausweis sichtbar tragen. Einige von ihnen tragen seit Kurzem eine rote Weste. Wenn sich das bewährt, werden wir nach und nach unseren „Außendienst“ damit ausstatten. Die Verkäufer wären dann fast wie rote Blumen – größere und kleinere –, die an vielen Orten in der Stadt blühen. Eine ganz schöne Vorstellung, oder?

Herzlichst

Geschäftsführerin Karin Lohr

Karin Lohr, Geschäftsführerin

BISS-Ausgabe Mai 2019 | Hilfe annehmen

Cover des BISS-Magazins Mai 2019

Thema | Helfen lassen | Von anderen Hilfe anzunehmen ist ein erster wichtiger Schritt raus aus vielen schwierigen Situationen | 6 Straßenambulanz: Wenn der Arzt zum obdachlosen Patienten kommt | 12 Alkoholismus: Interview mit Prof. Dr. Ulrich Zimmermann | 16 Lohnlücke: Frauen bekommen weniger Lohn und weniger Rente | 18 Soziale Ängste: Wenn andere Menschen Angst auslösen | 24 Abgezockt: Jeder kann Opfer von Telefonbetrügern werden | Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 22 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 27 Patenuhren | 28 Freunde und Gönner | 30 Impressum & Mein Projekt | 31 Adressen

Was uns verbindet

In der BISS-Kolumne kommen Menschen zu Wort, die eine persönliche Erfahrung oder ihr Interesse an einem Thema oder Projekt verbindet. In der Begegnung zeigt sich, dass Menschen trotz unterschiedlicher Lebenslagen, Überzeugungen und Persönlichkeiten immer auch etwas gemeinsam haben

Strickmützen

Protokoll KARIN LOHR

CHRISTA SCHONSCHECK: Ich habe schon immer gern
gestrickt, anfangs nur für den Privatgebrauch. Und dann habe ich für eine Bekannte eine Trachtenjacke gemacht, seitdem hat sie mir immer Wolle geschenkt, die ich dann weiterverarbeitet habe – sehr hochwertiges Material, ganze Berge von Wolle waren das.

PIETRO DORIGO: Frau Schonscheck kauft schon lange bei mir die BISS. Einmal ist mir der Hut aufgefallen, den sie getragen hat, und so sind wir ins Reden gekommen. An meinem Standplatz in Pasing ist es gut, wenn ich im Herbst und Winter eine Mütze trage, so erkälte ich mich auch nicht. Die Mützen sind ein bisschen zu meinem Markenzeichen geworden.

Pietro Dorigo (65), angestellter BISS-Verkäufer, der in Pasing „bella figura“ macht, und Christa Schonscheck (74), gebürtige Münchnerin, die Lieblingsmützen strickt

CS: Zuletzt habe ich zehn Jahre am Weihnachtsmarkt in Obermenzing Stricksachen verkauft. Das mag ich jetzt aber nicht mehr machen. Das hat alles so einen Eventcharakter bekommen. Die BISS kenne ich von Anfang an, der bleibe ich in jedem Fall treu.

PD: Aktuell habe ich fünf Mützen, die sie gemacht hat. Ich mag alle Farben, bloß nicht Schwarz. Am liebsten sind mir rosa- oder roséfarbene Mützen, ich finde das zu meinem dunklen Mantel eine schöne Kombination. Es ist fast schade, dass ab Mai keine Mützen mehr getragen werden. Ich habe schon daran gedacht, dass auch im Sommer eine ganz dünne Kopfbedeckung angenehm wäre.

CS: Aus feiner Wolle und in Rosa, warum nicht?