BISS-Ausgabe Juli 2020 | Wendepunkte

Cover des BISS-Magazins Juli 2020

Thema | Wegweiser | Das Ruder noch einmal herumreißen. Bei BISS-Mitarbeiter Uwe Hinsche und vielen anderen Menschen, die schwierige Zeiten erlebt haben, hat es mit Unterstützung geklappt. Er konnte dem Leben noch einmal eine richtige Wendung geben | 6 Blindes Vertrauen: Wie ein Blindenführhund das Leben verbessert | 12 Leben mit der Sucht: Schwierige Situationen gemeinsam meistern | 16 Frauen auf der Flucht: Sichere Alternativen zu Ankerzentren | 22 25 Jahre Festanstellung: Interview mit dem BISS-Urgestein Uwe Hinsche über sein Leben | Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 20 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 26 Patenuhren | 28 Freunde und Gönner | 30 Mein Projekt, Impressum | 31 Adressen

Ein halbes Leben mit BISS

Interview mit Uwe Hinsche von Rainer Stadler; Foto: Julian Baumann

Vor 27 Jahren lernten sich der junge Zeitungspraktikant Rainer Stadler und der ehemals obdachlose Uwe Hinsche kennen, um gemeinsam an der ersten BISS-Nummer zu arbeiten. Mehr als ein Vierteljahrhundert ist seitdem vergangen – Rainer Stadler ist heute Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, Uwe Hinsche der Mann für alle Fälle und auch derjenige, der in Schulen geht, um die BISS vorzustellen und von seinem Leben in der Obdachlosigkeit zu berichten.

Uwe Hinsche, 25 Jahre bei BISS

Glückwunsch, Uwe, du bist gerade 65 Jahre alt geworden und seit 25 Jahren bei BISS angestellt! Danke.

Genau gesagt, hatte ich am 1. Mai 1995 meinen ersten Arbeitstag im Büro von BISS.

Knapp zwei Jahre zuvor warst du schon Teil der Gründungsmannschaft, die im Oktober 1993 das erste Heft herausbrachte. Wie hattest du von BISS erfahren?

Schon ein halbes Jahr bevor die erste Ausgabe erschien, haben mich die Sozialarbeiter der Teestube „komm“ gefragt, ob ich bei einer Straßenzeitung mitmachen würde. Ich hab sofort gesagt: Ja, will ich. Hab da auch genügend Ahnung davon. Die Teestube im Schlachthofviertel ist bis heute Anlaufstelle und Aufenthaltsraum für Wohnungslose.

Du hast selbst lange auf der Straße gelebt.

13,5 Jahre, wenn ich auch die Zeit dazuzähle, die ich in der Notunterkunft gelebt habe.

Wie lange hast du getrunken?

Hardcore getrunken habe ich ungefähr 15 Jahre.

Darum ging es ja auch in deinem ersten Text für BISS, den wir damals zusammen geschrieben haben. „Ich war wie ein Walfisch, immer im Tran. Immer besoffen“: So hast du es seinerzeit ausgedrückt.

So war es auch. Ich hab pro Tag einen Kasten Bier und zwei Liter Schnaps gesoffen. Dafür hab ich mich doch ganz gut gehalten, oder?

Na ja, wenn du so weitergemacht hättest, wäre das nicht mehr lange gut gegangen.

Ja, dann wäre ich jetzt wohl nicht mehr da.

Was hattest du damals für Vorstellungen – bei einer Zeitung mitmachen?

Mir ging es darum, die Erfahrungen, die ich auf der Straße und später beim Entzug und in der Therapie gemacht hatte, an andere weiterzugeben. Ich hatte schon damals ein Helfersyndrom und habe in der Suchtberatung gearbeitet. Nach zwei Jahren habe ich damit wieder aufgehört, als ich merkte, dass mir das zu sehr an die Nieren geht, was mir die Betroffenen erzählen.

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BISS-Ausgabe Juni 2020 | Weitermachen

Cover des BISS-Magazins Juni 2020

Thema | Weitermachen | Krisen verlangen uns viel ab. Umdenken, anpassen und weitermachen ist die Devise vieler Projekte und Firmen | 6 Langzeitfolgen: Das Leben von Sinti und Roma in München | 12 Aus der Not eine Tugend machen: Soziale Projekte in Zeiten von Corona | 16 Die sozialen Strukturen müssen erhalten bleiben Interview mit Karin Majewski, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Oberbayern | 18 PhönixPreis: Die Stadt zeichnet herausragende Unternehmer*innen mit Migrationshintergrund aus | 22 Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit: Eine Studie gibt Aufschluss | Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 26 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 26 Patenuhren | 28 Freunde und Gönner | 30 Mein Projekt, Impressum | 31 Adressen

Aus der Not eine Tugend machen

Wie viele Betriebe und Selbstständige sind auch die meisten sozialen Dienstleister und Einrichtungen vom Corona- Shutdown betroffen. Sie leisten wichtige soziale Arbeit und fangen benachteiligte Menschen in ihrem Alltag auf. Das Spektrum reicht von Werkstätten für Menschen mit Behinderung bis hin zu Betrieben der Arbeitsförderung und zu Anbietern von Sprachkursen. Sie alle sind infolge der Coronavirus-Pandemie von schwerwiegenden finanziellen Einbußen bis hin zur Insolvenz bedroht

Von GABRIELE WINTER

Illustrationen AISHA FRANZ

Die Lage ist bitter“, meint Anneliese Durst vom Referat für Arbeit und Wirtschaft (RAW) der Stadt München. Während das ganze Land von Hilfen für die Wirtschaft spricht, geraten die Sozialen Betriebe und die Menschen, die darin arbeiten, in Vergessenheit. Letzteren fehlt die Struktur der täglichen Arbeit, während die Betriebe ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Karin Majewski, die Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Bayern, sieht die größten Schwierigkeiten bei den Inklusionsfirmen. Sie können keine Mittel durch das neue Sozialdienstleister-Einsatzgesetz (SodEG) bekommen, weil fast alle Beschäftigten mit Behinderung zu Hause bleiben müssen. Vorerst können nur noch diejenigen Betriebe richtig weiterarbeiten, die eine Sondergenehmigung haben, weil sie systemrelevante Aufgaben übernehmen, wie zum Beispiel die Nähwerkstatt des Netzwerks Geburt und Familie. Dort wurde die Produktion auf Mundschutze umgestellt.

Stoffmasken aus der Nähwerkstatt

Andrea Hubbuch, Geschäftsführerin des Netzwerks Geburt und Familie (NGUF), hat deshalb keine allzu großen finanziellen Einbußen zu verbuchen: „Es werden wohl nur ein paar Tausend Euro sein.“ Zwar musste das Café Netzwerk schließen, aber einzelne Mitarbeiterinnen, die keiner gesundheitlichen Risikogruppe angehören, können zur Arbeit kommen. Sie kümmern sich um Bestellungen für bestimmte Anlässe und haben an Ostern Eier gefärbt oder Osterlämmer gebacken. Allerdings wurden die meisten Warenbestellungen gecancelt, um die Kosten niedrig zu halten. In der Nähwerkstatt arbeiten im Moment acht von 20 Mitarbeiterinnen auf Hochtouren. Sie stellen ausschließlich Stoffmasken her. Nadja Meatchi ist eine von ihnen. „Mein Leben ist gerade sehr anstrengend“, seufzt sie. Ihre drei Kinder im Alter von 9, 14 und 17 Jahren können nicht zur Schule und wollen versorgt und beschäftigt werden. Das ist nicht einfach, vor allem, weil Nadja Meatchi nicht mal eine richtige Wohnung hat, sondern mit ihrer Familie in einer Pension lebt. Sie stammt aus Togo und hat ihren Mann vor drei Jahren verloren. Seitdem versucht sie alles allein zu meistern: eine Wohnung finden, beruflich auf die Beine kommen und die Kinder bestmöglich unterstützen.

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BISS-Ausgabe Mai 2020 | Nimm zwei!

Cover des BISS-Magazins Mai 2020

Thema | Friedliche Orte | Den einen gibt die Nacht ein Gefühl von Ruhe  und Frieden, andere finden in einer Tagesstätte einen Ort, an dem sie spielen, basteln und ausruhen können| 6 Obdachlose EU-Bürger: Nachts schlafen sie in der Bayernkaserne, tagsüber finden sie bei FamAra einen sicheren Ort | 1O Heaven Shall Burn: Eine Metalband engagiert sich für Umweltschutz und gegen rechte Gewalt| 14 Nachtarbeiter: Ihr Arbeitstag beginnt, wenn andere schlafen gehen | 22 Der Mensch dahinter: Gedanken zu den Wohnungen der BISS-Verkäufer, fotografiert von Rainer Viertlböck | Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 26 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 26 Patenuhren | 28 Freunde und Gönner | 30 Mein Projekt, Impressum | 31 Adressen