BISS-Ausgabe November 2019 | Familienbande

Cover des BISS-Magazins November 2019

Thema | Entspannt und glücklich | Das Leben mit einem behinderten Kind stellt Familien vor neue Herausforderungen. Es kann sehr anstrengend sein, aber auch glücklich machen | 6 Wir machen es uns schön: Leben mit einem Kind mit Behinderung | 12 Der letzte Weg: Sterbende begleiten | 18 Musik ohne Grenzen: Musizieren im Kinderheim | 22 Klimapolitik: Interview mit Prof. Dr. Niko Paech | Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 26 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 25 Patenuhren | 28 Freunde und Gönner | 30 Impressum | 31 Adressen

Wie kann ICH die Welt retten?

Interview ULRIKE BLIEFFERT

Foto HANS ALBRECHT LUSZNAT

Er hat sich einen Namen als konsequenter Wachstumsgegner gemacht. Wenn der Volkswirt Niko Paech (58) nicht als Professor an der Universität Siegen forscht und lehrt, fährt er „mit der Eisenbahn“ durch Deutschland, um unter anderem mit Schülerinnen und Schülern darüber zu sprechen, wie sie ihr Leben nachhaltig gestalten und ihre Zukunft eigenverantwortlich sichern können. Dass er bei der Sache ein Vorbild ist, versteht sich – zumindest für ihn – von selbst: Paech ist erst einmal in seinem Leben mit dem Flugzeug gereist, er besitzt weder ein Auto noch ein Smartphone. Und ernährt sich vegetarisch. „Man kann so sehr gut leben“, findet er, „mir fehlt nichts.“

Herr Paech, wir können heute alles tun – mal eben auf die andere Seite der Erde jetten zum Beispiel. Schwer, da Nein zu sagen, oder?

Portaitshooting Plurale Ökonomik 2018

Wir müssen sogar Nein sagen, denn die Freiheit des Individuums wurde – durch Modernisierung und Demokratisierung – auf ein geradezu perverses Niveau gehievt. Es wurden alle Regulative wegdemokratisiert, die dafür sorgen, dass Menschen eigene Verantwortung für die Konsequenzen ihrer Handlungen übernehmen müssen.

Heißt das, dass der Einzelne jetzt die Verantwortung für den Planeten übernehmen soll? Wo sind denn die Profis – von denen FDP-Chef Christian Lindner gesprochen hat –, denen wir die Umwelt überlassen können?

Klimaschutzpolitik findet bis heute schlicht nirgends statt, am allerwenigsten in Deutschland, und alle technischen Versuche seitens selbst ernannter Experten, unser Wohlstandsmodell von CO2-Emissionen zu reinigen, sind kläglich gescheitert. Der einzig wirksame Klimaschutz besteht darin, sich den ökologisch suizidalen Verführungen zu widersetzen, also individuelle Ansprüche auf ein global übertragbares Maß zu senken. Folglich sind Menschen, die nie in ein Flugzeug steigen, wenig bis gar kein Fleisch essen, möglichst nie Autos nutzen, wenig Wohnraum und Elektronik beanspruchen, viel reparieren und mit anderen gemeinsam nutzen, die wahren Klimaschutz-Profis.

Meistens sieht es doch so aus, dass wir demonstrieren oder kein bzw. etwas weniger Fleisch essen. Aber dann vor den Ferien … sind wir uns selbst wieder am Nächsten und buchen doch die Reise nach Spanien oder Südamerika. Das schlechte Gewissen dabei ist erträglich.

Moderne Menschen waren nie reicher, freier, gebildeter – und lebten nie verantwortungsloser, während gleichzeitig Fanale der moralischen Korrektheit überhandnehmen. Diese bemerkenswerte Doppelmoral lässt sich als reaktivierter, zumeist symbolischer Ablasshandel erklären: Das schlechte Gewissen des Vielfliegers wird in Bionade und fair gehandeltem Kaffee ertränkt. Auf diese Weise schirmen sich Individuen emotional vor der Konfrontation mit den Folgen des eigenen Handelns ab.

Weiterlesen „Wie kann ICH die Welt retten?“

BISS-Ausgabe Oktober 2019 | Friedenskämpfer

Cover des BISS-Magazins Oktober 2019

Thema | Poesie des Widerstands |Für eine friedlichere Welt kämpfen in München viele:  zum Beispiel Konstantin Wecker mit seinen Lieder, die Seniorpartner in Schulen und MitarbeiterInnen in Frauenhäusern | 6 Konfliktlösung in Schulen: Senioren unterstützen Schüler und Schülerinnen bei Streitigkeiten | 12 Kinder in Frauenhäusern: zwischen Schutz vor Gewalt und Einschränkungen | 16 Poetisch und politisch: Konstantin Wecker im Interview | 22 Finanzwirtschaft: Warum wir eine Wende brauchen | Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 24 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 26 Patenuhren | 27 Freunde & Gönner | 28 Rückblick mit Ausblick | 30 Impressum & unsere Kooperationspartner | 31 Adressen

Heimatlos behütet

Garten, Spielhaus, keine Gewalt. Kinder, die in Frauenhäusern aufwachsen, haben einen schweren Rucksack zu tragen. Sie sind zwar endlich in Sicherheit, aber ohne Freiräume

Von CAROLINE VON EICHHORN Illustration CHARLOTTE FU

Wenn Max*, neun Jahre alt, von der Schule kommt, nimmt er keine Mitschüler mit zu sich nach Hause. Im Gegenteil: Er geht lieber mit zu ihnen. Zu denen, die ein richtiges Zuhause haben. Denn Max lebt in einem Frauenhaus, in einem 20 Quadratmeter großen Zimmer, mit seiner Mutter Natalia*, 37, und seiner kleinen Schwester Emma*, zwei Jahre. Max’ Vater ist Alkoholiker. Er beleidigte seine Frau und seine Kinder. Als er anfing, Max’ Mutter zu schlagen, rief sie die Polizei. Das war vor drei Monaten. Natalia, Max und Emma hatten ein Riesenglück, dass sie sofort in das Frauenhaus einziehen konnten. Doch für Max ist es auch ein Stigma, hier zu leben, auf beengtem Raum, ohne Rückzugsmöglichkeiten. Frauenhäuser bieten misshandelten Frauen und deren Kindern – neben Beratung und Unterstützung – vor allem Schutz und Unterkunft zu jeder Tages- und Nachtzeit. Die ersten deutschen Frauenhäuser öffneten 1976 in Köln und Berlin. Mittlerweile wachsen in Deutschland je – des Jahr etwa 16.000 Kinder in Frauenhäusern auf. Manche bleiben nur ein paar Wochen, andere mehr als ein Jahr. Sie sind nur die Spitze des Eisbergs der Kinder, die häusliche Gewalt erleben, schätzen Experten. Jede vierte Frau erlebt in ihrem Leben häusliche Gewalt – so die Statistik. Und meist auch etliche Kinder. „Wenn sie kommen, haben die Kinder einen schweren Rucksack zu tragen“, sagt Adina Schnabel, die als Sozialpädagogin im Haus für die Kinder zuständig ist. Fast alle haben Gewalt gesehen, viele sie am eigenen Leib erfahren. Von außen ahnt man nicht, dass das Frauenhaus, in dem Max derzeit wohnt, kein eigentliches Zuhause ist.

Weiterlesen „Heimatlos behütet“

BISS-Ausgabe September 2019 | Bücher auf Rädern

Cover des BISS-Magazins September 2019

Thema | Vom Lesen, Klettern und Vergessen |In München gibt es viele Orte, um Neues zu lernen und sich Unterstützung zu holen | 6 Vergessen werden: Angehörige von an Demenz Erkrankten | 1O Ich will da rauf! Inklusives Klettern in München | 14 Bibliotheken in der Stadt Ein Ort, der allen offensteht | 20 SEEWOLF-Studie Psychische Erkrankung und Obdachlosigkeit | 22 Würdigung Walter Lorenz Mit 75 Jahren ist der „Tee-Walter“ gestorben | 24 Ein Vierteljahrhundert INSP Ein Gespräch über Vergangenes und Kommendes |Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 26 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 23 Patenuhren | 28 Freunde und Gönner | 30 Impressum & unsere Kooperationspartner | 31 Adressen