Finanzierung

BISS finanziert seinen Geschäftsbereich (Herstellung der Zeitschrift, Geschäftsführung und Verwaltung, Betriebskosten) durch die Erlöse aus dem Verkauf der Zeitschrift und der Anzeigen.
Um den Vereinszweck erfüllen und seinen Verkäufern sowie anderen armen Menschen Hilfe anbieten und seinen angestellten Verkäufern angemessene Gehälter zahlen zu können, braucht BISS jedoch Spender und Sponsoren. Deswegen möchten wir allen, die unsere Zeitschrift lesen und unser Projekt unterstützen, Rechenschaft geben und dabei die Entwicklung von BISS dokumentieren.

Zusammenfassung Gewinn- und -Verlust-Rechnung BISS e.V. 2020
Ertrag EUR  Aufwand EUR
1) Betriebliche Erträge (Straßenverkauf, Anzeigen, Abos, Einnahmen angestellter Verkäufer, Stadtführungen, Zinserträge…) 828.541,85  1) Herstellungs- und Materialaufwand für 11 Ausgaben inklusive Honoraren 225.628,06
2) Sonstige Erträge
(Spenden, Patenschaften, Fördermitgliedsbeiträge, Geldbußen, Vermächtnisse…)
2.337.818,54 2) Sonstige betriebliche Aufwendungen
(Miete, Büromaterial, EDV, AfA…)
163.256,42
3) Eingliederungszuschuss Arbeitsagentur/ Lohnfortzahlung Krankenkassen 38.787,34 3) Aufwendungen für Betroffene (Wohnraumausstattung, Einzelfallhilfe aller Art, Unterstützung von sozialen Projekten …) 763.094,38
4) Erstattung Kurzarbeitergeld 53.441,53 4) Personalaufwand für 73 Angestellte
(davon 63 angestellte BISS-Verkäufer)
sowie Aushilfskräfte
* 1.701.449,17
Zwischensumme Aufwand 2.853.428,03
Jahresergebnis / Einstellung in Rücklagen 405.161,23
Gesamtsumme 3.258.589,26 Gesamtsumme 3.258.589,26
Der ausführliche Jahresabschluss wurde von einem Wirtschaftsprüfer erstellt.
*2020 setzen sich die Gehälter von 1.701.449.17 Euro (4.) zusammen aus 557.321,86 Euro für den Innendienst und 1.144.127,31 Euro für die Verkäufer. Für Betroffene und soziale Projekte, die sich um Obdach- und Arbeitslose kümmern, wurden insgesamt 1.907.221,69 Euro (1.144.127,31 Euro + 763.094,38 Euro (3.) ) ausgegeben.

Rückblick mit Ausblick

Wir möchten an dieser Stelle allen, die unsere Zeitschrift lesen und unser Projekt unterstützen, Auskunft geben über die Entwicklung von BISS im Jahr 2020.

Rückblick: 

Das Jahr 2020 war aufgrund der Corona-Pandemie auch für BISS eine große Herausforderung. Zwar haben wir, nach einer kurzen Pause im Frühjahr 2020, den Straßenverkauf wiederaufnehmen können, von den Verkaufszahlen des Vorjahres waren wir jedoch am Jahresende weit entfernt. Eine Straßenzeitung und das öffentliche Leben gehören einfach zusammen, daher war es deutlich zu spüren, dass mehr Menschen zu Hause blieben und ihre Wege in der Stadt reduzierten. Besonders hart war es für die Verkäufer, die abends und nachts in den Restaurants und Bars unterwegs sind, denn da ging gar nichts mehr. Immerhin hat BISS als einzige Straßenzeitung weltweit für seine über 50 angestellten Verkäuferinnen und Verkäufer Kurzarbeitergeld beantragt und für die Monate April und teilweise Mai genehmigt bekommen. Die Arbeitsplätze waren gesichert, dank der Festanstellungen.
Der BISS-Innendienst und die Sozialarbeit hatten das ganze Jahr über alle Hände voll zu tun. Das Büro in der Metzstraße wurde rasch coronatauglich gemacht und mit Trennscheiben bei der Zeitungsausgabe und im Beratungsraum sowie einem Spender mit Desinfektionsgel am Eingang ausgestattet. Wir haben dauernd gelüftet im Herbst und Winter 2020, sodass man an kalten Tagen gerne auch im Mantel am Schreibtisch saß. Es kam uns in erster Linie darauf an, trotz Coronakrise für die Hilfesuchenden zugänglich und ansprechbar zu bleiben, und durch unsere Anwesenheit Mut und Zuversicht zu verbreiten. Unsere Sozialarbeiter waren viel unterwegs in der Stadt und im Umland. Sie sprachen mit den Verkäuferinnen und Verkäufern an den Standorten und erkundeten zusammen Alternativen. Die sogenannte aufsuchende Arbeit in den Wohnungen wurde intensiviert, so konnte der Sozialarbeiter vor Ort falls erforderlich eingreifen. Beispielsweise bei einem Verkäufer, der seit Monaten ohne Strom in seiner Wohnung lebte und bei dem die Stromsperre aufgehoben werden musste.
Es war jedoch nicht nur ein Jahr mit Corona, sondern auch eines mit Wohnungsübergaben: Im August zog eine neunköpfige Familie aus einer Unterkunft in unser Haus in Hohenschäftlarn ein (BISS 12/2020 berichtete). Im selben Monat konnten eine Verkäuferin und ein Verkäufer ihre bisherigen – miserablen und überteuerten – Unterkünfte endlich verlassen und in ein tolles Haus der Münchner Wohnungsbaugenossenschaft Wogeno einziehen. Bis es so weit ist, ist immer viel Vorarbeit nötig: Wohnungen werden renoviert und ausgestattet, die zukünftigen Mieter beim Vertragsabschluss unterstützt, Genossenschaftsanteile und Kautionen vorfinanziert und Bankkonten eingerichtet. Da ist viel zu tun im Vorlauf hinter den Kulissen, das zahlt sich aus, denn am Tag der Übergabe gibt es nichts Schöneres zu sehen als die Freude in den Gesichtern der Betroffenen. Leider gab es Ende des Jahres noch eine sehr traurige Nachricht, als unser langjähriger Verkäufer Ercan Uzun am 20. November mit nur 53 Jahren vollkommen unerwartet starb. Vor ein paar Tagen besuchten uns zwei seiner vier Kinder und präsentierten stolz ihre erfolgreichen Berufsabschlüsse als Erzieherin und Systeminformatiker. Das mitzuerleben hätte ihn so gefreut

Ausblick:

Wir hoffen, dass die Zeit der größten Einschränkungen hinter uns liegt. Es hat sich gezeigt, dass auch in einer Krise nicht alle in einer Gesellschaft im selben Boot sitzen. Um im Bild zu bleiben: Es gibt „Boote“, die komfortabel ausgestattet sind und sich eine ruhige und ansprechende Ecke im See aussuchen können. Andere hingegen befinden sich in schlechtem Zustand und kippeln schon in normalen Zeiten. Die einen haben den „Corona-Sturm“ gut überstanden, die anderen sind gekentert. Damit ein Mensch jedoch die Chance auf ein einigermaßen stabiles und gutes Leben hat, braucht er bezahlbaren Wohnraum und einen Arbeitsplatz mit fairer Entlohnung. Es läuft nicht richtig in einer Gesellschaft, wenn sich die einen nahezu jeden Komfort gönnen und komfortabel zuliefern lassen können, während die anderen, die diese Waren produzieren und Dienste leisten, nur ein schlechtes Auskommen haben. Da muss die Politik eingreifen und die Umverteilung von unten nach oben korrigieren. Und die Politik ist gefordert, in Deutschland endlich gerechtere Chancen für Kinder aus bildungsfernen Familien zu schaffen – nur so können die Kinder zeigen, was in ihnen steckt. Wir erleben jeden Tag, dass viele Menschen, statt nur an ihren persönlichen Vorteil zu denken, aus Freude und Dankbarkeit über ihr gutes Leben anderen etwas abgeben wollen. BISS hat auf diesem Feld auch mit der tatkräftigen Unterstützung von engagierten Ehrenamtlichen viele gute Entwicklungen begleiten und fördern können. Ein besonders erfreuliches Beispiel geben die beiden jungen Uzuns, von denen jeder einen Arbeitsplatz mit gutem Einkommen gefunden hat. Wir werden uns weiterhin mit allen Kräften dafür einsetzen, dass benachteiligten Menschen unmittelbar geholfen wird, sei es mit individuellen Einzelfallhilfen (Kleidung, Medikamenten), Zugang zu ärztlicher und zahnärztlicher Versorgung, niedrigschwelliger Beschäftigung, einem festen Arbeitsplatz und bezahlbarem Wohnraum. Ich danke allen von Herzen, die unsere Arbeit möglich gemacht haben. Dank unserem fantastischen Netzwerk aus Unterstützern, Lesern, Freunden und Gönnern, Paten und Spendern sowie St. Bonifaz mit Abt Johannes, Frater Emmanuel und dem ganzen Pfortenteam haben wir viel zum Wohle armer und benachteiligter Menschen bewegen können. Wir bauen auf Sie, bitte bleiben Sie auch weiterhin an unserer Seite!

KARIN LOHR

Die BISS-Maximen

1. Die Prioritäts-Maxime

Der Verkäufer kommt immer zuerst. Die Zeitschrift ist Mittel zum Zweck. Das heißt beispielsweise, die Herstellung der Zeitschrift muss kostengünstig gehalten werden, sie muss aus den Betriebseinnahmen finanziert werden, es dürfen keine Spendengelder in die Herstellung fließen. Dass jeder erwirtschaftete Überschuss wieder den Verkäufern zugute kommen muss, ist ohnehin selbstverständlich und gemeinnützigen Vereinen oder Gesellschaften per Gesetz vorgeschrieben. Verkäufer, die Sozialhilfe oder Grundsicherung beziehen, dürfen nur eine gewisse Anzahl an Zeitungen verkaufen, damit sie nicht in Grauzonen geführt werden, auch wenn diese Regelung der Auflage schadet.

2. Die Fifty-fifty-Maxime

Den Verkäufern soll von allen Erlösen mindestens die Hälfte zukommen. Mindestens 50 Prozent des Verkaufspreises eines Exemplars muss an den Verkäufer gehen. Darüber hinaus müssen die finanziellen Zuwendungen an die Betroffenen in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufwendungen für das Fachpersonal und die Herstellungskosten der Zeitschrift stehen. Das heißt, für die Verkäufer sollte auch so viel ausgegeben werden wie für das Fachpersonal, mindestens jedoch 50 Prozent davon. Abhängig vom Konzept einer Straßenzeitung, können diese 50 Prozent sowohl für die Gehälter der Verkäufer als auch für Einzelfallhilfen aller Art (Entschuldung, gesundheitliche Sanierung, Verbesserung der Wohnverhältnisse) ausgegeben werden.

3. Die Transparenz-Maxime

Einmal im Jahr müssen die Einnahmen und Ausgaben in der eigenen Zeitschrift veröffentlicht werden, so dass die Spender wissen, wie gewirtschaftet und wofür das Geld ausgegeben wurde. Durch die Anstellung der Verkäufer hat BISS schon in den ersten fünf Jahren den öffentlichen Kassen ein Plus von knapp 1 Million Euro beschert. Es wurden 560.000 Euro eingespart an Sozial- und Arbeitslosenhilfe und 420.000 Euro eingezahlt in die Kassen der Sozialversicherung und des Finanzamts. Die Anstellung der Verkäufer hat sich also für alle gelohnt: für die öffentliche Hand, für die Verkäufer selbst und für BISS. Wir konnten unsere Auflage stabil halten und unseren Verkäufern die Spendenfreudigkeit unserer Freunde und Gönner erhalten. Denn wer investiert nicht gern in Arbeitsplätze und in eine nachhaltige Verbesserung der Lebenslagen armer Menschen?