Finanzierung

BISS finanziert seinen Geschäftsbereich (Herstellung der Zeitschrift, Geschäftsführung und Verwaltung, Betriebskosten) durch die Erlöse aus dem Verkauf der Zeitschrift und der Anzeigen.
Um den Vereinszweck erfüllen und seinen Verkäufern sowie anderen armen Menschen Hilfe anbieten und seinen angestellten Verkäufern angemessene Gehälter zahlen zu können, braucht BISS jedoch Spender und Sponsoren. Deswegen möchten wir allen, die unsere Zeitschrift lesen und unser Projekt unterstützen, Rechenschaft geben und dabei die Entwicklung von BISS dokumentieren.

Zusammenfassung Gewinn- und -Verlust-Rechnung BISS e.V. 2018
Ertrag EUR  Aufwand EUR
1) Betriebliche Erträge (Straßenverkauf, Anzeigen, Abos, Einnahmen angestellter Verkäufer, Stadtführungen, Zinserträge…) 968.003,80  1) Herstellungs- und Materialaufwand für 11 Ausgaben inklusive Honoraren 217.468,00
2) Sonstige Erträge
(Spenden, Patenschaften, Fördermitgliedsbeiträge, Geldbußen, Vermächtnisse…)
1.663.556,78 2) Sonstige betriebliche Aufwendungen
(Miete, Büromaterial, EDV, AfA …)
156.443,62
3) Eingliederungszuschuss Arbeitsagentur/ Lohnfortzahlung Krankenkassen 27.140,01 3) Aufwendungen für Betroffene (Wohnraumausstattung, Einzelfallhilfe aller Art, Unterstützung von sozialen Projekten …) 301.681,11
4) Personalaufwand für 71 Angestellte
(davon 55 angestellte BISS-Verkäufer)
sowie Aushilfskräfte
*1.659.799,18
5) Kunstwerk/ Jubiläumsveranstaltungen **313.503,97
Zwischensumme Ertrag 2.648.895,88
Einstellung in Rücklagen 9.804,71
Gesamtsumme 2.658.700,59 Gesamtsumme 2.658.700,59
Der ausführliche Jahresabschluss wurde von einem Wirtschaftsprüfer erstellt.
*2018 setzen sich die Gehälter von 1.659.799,18 Euro (4.) zusammen aus 508.972,54 Euro für den Innendienst und 1.150.826,64 Euro für die Verkäufer. Für Betroffene und soziale Projekte, die sich um Obdach- und Arbeitslose kümmern, wurden also insgesamt 1.452.507,75 Euro (1.150.826,64 Euro + 301.681,11 Euro ( 3.)) ausgegeben. Die Aufwendungen für unser Geschäft (Herstellung der Zeitschrift inklusive Gehalt Chefredaktion und Honorare für Journalisten und Fotografen, betriebliche Aufwendungen, Gehälter für das Fachpersonal) erwirtschafteten wir aus den 1,10 Euro, die BISS pro Exemplar eingenommen hat, und aus Anzeigen.
**Von den Jubiläumskosten wurden 168.600,00 Euro durch die Auflösung eines Sonderfonds und zweckgebundene Jubiläumsspenden beglichen.

Rückblick mit Ausblick
Wie jedes Jahr möchten wir allen, die unsere Zeitschrift lesen und unser Projekt unterstützen, Rechenschaft geben und die Entwicklung von BISS zusammenfassend darstellen

Rückblick: 
Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Das Jahr 2018 ist für uns BISSler fantastisch verlaufen. Schon bei den Vorbereitungen haben wir uns gefreut, das 25-jährige Jubiläum zusammen mit unseren Verkäufern, Freunden, Unterstützern und Wegbegleitern zu feiern, und unsere Träume und Hoffnungen sind von der Wirklichkeit noch übertroffen worden. Der erste Höhepunkt war die Premiere unseres Films „BISS und die Angst vorm Fliegen“ auf dem Münchner DOK.fest im Mai. Der Münchner Filmemacher Wolfgang Ettlich und sein Team haben dafür von 2015 bis 2017 vier BISS-Verkäufer begleitet. Das „Rio“-Kino am Rosenheimer Platz war ausverkauft, als die bewegenden Geschichten im Beisein der vier Protagonisten zum ersten Mal öffentlich gezeigt wurden. Der zweite Höhepunkt war unser spektakuläres Vorhaben im öffentlichen Raum, für das das britische Künstlerkollektiv Studio Morison unter dem Motto „I will be with you, whatever“ auf dem Wittelsbacherplatz eine Skulptur um das Denkmal von Kurfürst Maximilian I. errichtet hat. Vom 30. Juni bis 13. Oktober 2018 hat BISS die Chance genutzt, an einem prominenten Ort im Herzen von München die Stadtgesellschaft über die Ursachen von Armut und Obdachlosigkeit aufzuklären. Mit den Mitteln der Kunst haben wir die Herzen der Menschen erreicht. In unserer Gesellschaft gibt es nach wie vor große Berührungsängste gegenüber armen und obdachlosen Menschen. An diesen 106 Tagen war der Kunstpavillon ein Ort der Begegnung, an dem Tausende von Menschen bei 84 Einzelveranstaltungen miteinander gesungen, diskutiert, gelacht und gestaunt haben – es war ein rauschendes Fest!
Wir haben sehr früh damit begonnen, unsere Jubiläumsprojekte zu planen und vorzubereiten. So hat es für die Skulptur auf dem Wittelsbacherplatz rund zwei Jahre gedauert, bis wir die erforderlichen Genehmigungen hatten. Und die Projekte haben, außer ein paar schlaflosen Nächten, auch Geld gekostet, weil wir die Künstler und Handwerker für ihre Arbeit selbstverständlich bezahlt haben. Dafür haben wir aus den Geschäftseinnahmen der vergangenen Jahre einen Sonderfonds innerhalb der Rücklagen gebildet. Und doch hat sich dieses Vorhaben nur realisieren lassen, weil das Projekt auf vielen Schultern geruht hat. Die Mitwirkenden haben ihr Bestes gegeben und zeitweise auch für zwei gearbeitet.
Den krönenden Abschluss unseres Jubiläumsjahres feierten wir am 11. Oktober im Alten Rathaussaal. Es war eine lebhafte Feier mit den BISS-Verkäufern, Freunden und Wegbegleitern, auf der der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter das Grußwort sprach und Bernd Kastner von der „Süddeutschen Zeitung“ den Festvortrag hielt. Und nachdem bei den BISS-Veranstaltungen gerne gesungen wird, hat die Festgesellschaft selbst mehrstimmig für die musikalische Begleitung gesorgt, besonders eindrucksvoll mit dem Lied „Marmor, Stein und Eisen bricht“, das sehr gut zurherzlichen Atmosphäre des Abends passte. Ein besonderer Moment war der Auftritt der BISS-Schreibwerkstatt, als diejenigen Verkäufer, deren Texte zuvor von professionellen Sprechern vorgetragen wurden, auf
der Bühne geehrt wurden.

Ausblick:
Wir BISSler haben in unserem Jubiläumsjahr aufs Neue erleben dürfen,
wie sehr unsere Arbeit von den Menschen in unserer Heimatstadt München und darüber hinaus getragen wird. Wir dürfen uns nicht Bange machen lassen, dass die Welt zwangsläufig untergehen muss. Denn Angst lähmt, das ist nicht gut, denn das Handeln eines jeden Einzelnen ist gefragt. Jeder Mensch ist für sein konkretes Tun verantwortlich und muss sich dafür einsetzen, dass die Welt und die Lebensgrundlagen für die Menschen erhalten bleiben. Wenn jeder sich an seinem Platz und nach seinen Möglichkeiten für eine demokratische und solidarische Gesellschaft einsetzt, macht das in der Summe einen großen Unterschied.
Und vom Helfen haben alle etwas: diejenigen, denen geholfen wird, und diejenigen, die helfen, denn alle reifen durch die Erfahrungen und werden glücklicher.
Wir werden uns weiterhin mit allen Kräften dafür einsetzen, dass armen Menschen unmittelbar geholfen wird, sei es mit individuellen Einzelfallhilfen (Kleidung, Medikamenten), Zugang zu zahnärztlicher Versorgung, fair bezahlter Arbeit und dem Angebot an menschenwürdigem Wohnraum. Ich danke allen von Herzen, die mitgewirkt und dieses Jahr 2018 möglich gemacht haben. Es ist dem wunderbaren Netzwerk
aus Unterstützern, Lesern, Freunden und Gönnern, Paten und Spendern, St. Bonifaz mit Abt Johannes, Frater Emmanuel und dem ganzen Pfortenteam zu verdanken, dass wir in den vergangenen 25 Jahren so viel zum Wohle armer und benachteiligter Menschen haben bewirken können. Mit solchen Freunden an unserer Seite ist uns nicht bange vor der Zukunft, denn wir können in der Welt etwas zum Guten bewegen. Zusammen haben wir für die nächsten 25 Jahre gesät, wir haben viele neue Leser, Freunde und Unterstützer gewonnen. Die Verkäufer konnten viele neue Kontakte knüpfen mit Menschen, die ihnen Wertschätzung und Anerkennung entgegengebracht haben. Diese Begegnungen und Gespräche werden Früchte tragen. Bitte bleiben auch Sie weiterhin an unserer Seite!

KARIN LOHR

Die BISS-Maximen

1. Die Prioritäts-Maxime

Der Verkäufer kommt immer zuerst. Die Zeitschrift ist Mittel zum Zweck. Das heißt beispielsweise, die Herstellung der Zeitschrift muss kostengünstig gehalten werden, sie muss aus den Betriebseinnahmen finanziert werden, es dürfen keine Spendengelder in die Herstellung fließen. Dass jeder erwirtschaftete Überschuss wieder den Verkäufern zugute kommen muss, ist ohnehin selbstverständlich und gemeinnützigen Vereinen oder Gesellschaften per Gesetz vorgeschrieben. Verkäufer, die Sozialhilfe oder Grundsicherung beziehen, dürfen nur eine gewisse Anzahl an Zeitungen verkaufen, damit sie nicht in Grauzonen geführt werden, auch wenn diese Regelung der Auflage schadet.

2. Die Fifty-fifty-Maxime

Den Verkäufern soll von allen Erlösen mindestens die Hälfte zukommen. Mindestens 50 Prozent des Verkaufspreises eines Exemplars muss an den Verkäufer gehen. Darüber hinaus müssen die finanziellen Zuwendungen an die Betroffenen in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufwendungen für das Fachpersonal und die Herstellungskosten der Zeitschrift stehen. Das heißt, für die Verkäufer sollte auch so viel ausgegeben werden wie für das Fachpersonal, mindestens jedoch 50 Prozent davon. Abhängig vom Konzept einer Straßenzeitung, können diese 50 Prozent sowohl für die Gehälter der Verkäufer als auch für Einzelfallhilfen aller Art (Entschuldung, gesundheitliche Sanierung, Verbesserung der Wohnverhältnisse) ausgegeben werden.

3. Die Transparenz-Maxime

Einmal im Jahr müssen die Einnahmen und Ausgaben in der eigenen Zeitschrift veröffentlicht werden, so dass die Spender wissen, wie gewirtschaftet und wofür das Geld ausgegeben wurde. Durch die Anstellung der Verkäufer hat BISS schon in den ersten fünf Jahren den öffentlichen Kassen ein Plus von knapp 1 Million Euro beschert. Es wurden 560.000 Euro eingespart an Sozial- und Arbeitslosenhilfe und 420.000 Euro eingezahlt in die Kassen der Sozialversicherung und des Finanzamts. Die Anstellung der Verkäufer hat sich also für alle gelohnt: für die öffentliche Hand, für die Verkäufer selbst und für BISS. Wir konnten unsere Auflage stabil halten und unseren Verkäufern die Spendenfreudigkeit unserer Freunde und Gönner erhalten. Denn wer investiert nicht gern in Arbeitsplätze und in eine nachhaltige Verbesserung der Lebenslagen armer Menschen?