Finanzierung

BISS finanziert seinen Geschäftsbereich (Herstellung der Zeitschrift, Geschäftsführung und Verwaltung, Betriebskosten) durch die Erlöse aus dem Verkauf der Zeitschrift und der Anzeigen.
Um den Vereinszweck erfüllen und seinen Verkäufern sowie anderen armen Menschen Hilfe anbieten und seinen angestellten Verkäufern angemessene Gehälter zahlen zu können, braucht BISS jedoch Spender und Sponsoren. Deswegen möchten wir allen, die unsere Zeitschrift lesen und unser Projekt unterstützen, Rechenschaft geben und dabei die Entwicklung von BISS dokumentieren.

Zusammenfassung Gewinn- und -Verlust-Rechnung BISS e.V. 2019
Ertrag EUR  Aufwand EUR
1) Betriebliche Erträge (Straßenverkauf, Anzeigen, Abos, Einnahmen angestellter Verkäufer, Stadtführungen, Zinserträge…) 1.042.625,75  1) Herstellungs- und Materialaufwand für 11 Ausgaben und den Jubiläumskatalog inklusive Honoraren 223.393,81
2) Sonstige Erträge
(Spenden, Patenschaften, Fördermitgliedsbeiträge, Geldbußen, Vermächtnisse…)
1.841.114,56 2) Sonstige betriebliche Aufwendungen
(Miete, Büromaterial, EDV, AfA …)
175.807,75
3) Eingliederungszuschuss Arbeitsagentur/ Lohnfortzahlung Krankenkassen 22.983,71 3) Aufwendungen für Betroffene (Wohnraumausstattung, Einzelfallhilfe aller Art, Unterstützung von sozialen Projekten …) 482.078,05
4) Personalaufwand für 73 Angestellte
(davon 57 angestellte BISS-Verkäufer)
sowie Aushilfskräfte
* 1.685.198,10
5) Baukosten Hohenschäftlarn ** 269.174,33
Zwischensumme Aufwand 2.835.652,04
Jahresergebnis / Einstellung in Rücklagen 71.071,98
Gesamtsumme 2.906.724,02 Gesamtsumme 2.906.724,02
Der ausführliche Jahresabschluss wurde von einem Wirtschaftsprüfer erstellt.
*2019 setzen sich die Gehälter von 1.685.198,10 Euro (4.) zusammen aus 495.172,66 Euro für den Innendienst und 1.190.025,44 Euro für die Verkäufer. Für Betroffene und soziale Projekte, die sich um Obdach- und Arbeitslose kümmern, wurden insgesamt 1.672.103,49 Euro (1.190.025,44 Euro + 482.078,05 Euro (3.) ) ausgegeben. Die Aufwendungen für unser Geschäft (Herstellung der Zeitschrift inklusive Gehalt Chefredaktion und Honorare für Journalisten und Fotografen, betriebliche Aufwendungen, Gehälter für das Fachpersonal) erwirtschafteten wir aus den 1,10 Euro, die BISS pro Exemplar eingenommen hat, und aus Anzeigen.
** BISS e. V. hat 2018 ein Haus in Hohenschäftlarn geerbt, das nach der erforderlichen Modernisierung als bezahlbarer Wohnraum an ehemals obdachlose und sozial benachteiligte Menschen vermietet wird.

Rückblick mit Ausblick

Wie jedes Jahr möchten wir allen, die unsere Zeitschrift lesen und unser Projekt unterstützen, Rechenschaft geben und die Entwicklung von BISS zusammenfassend darstellen.

Rückblick: 

Das Jahr 2019 hätte nicht besser laufen können. Von insgesamt 11 Ausgaben waren 9 restlos ausverkauft! Damit erreichte unsere verkaufte Auflage einen neuen Rekord und lag bei durchschnittlich 41.000 Stück im Monat. Das tolle Ergebnis freute alle Beteiligten außerordentlich, allen voran die BISS-Verkäufer im Außendienst. Überhaupt steht und fällt der Verkauf mit der Anzahl und der gesundheitlichen Verfassung unserer Verkäufer. Nur
wenn es ihnen gut geht, können sie die Zeitung überhaupt dauerhaft auf der Straße, auf Wochenmärkten und in den U- und S-Bahnstationen zum Verkauf anbieten. So waren 2019 durchgehend mindestens 45 Verkäufer fest angestellt. Jeder von ihnen verdient ein festes Monatsgehalt, von dem er Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abführt. Das Leben eines jeden wird schlagartig besser, wenn er ein regelmäßiges Einkommen bezieht und durch seine Krankenversicherung Zugang zu ärztlicher und zahnärztlicher Versorgung hat. Deshalb ist für viele von Armut und Obdachlosigkeit betroffene oder bedrohte Menschen ein fester Arbeitsplatz die große Chance, in der Gesellschaft wieder Fuß zu fassen. Vor allem aber erfährt der Einzelne menschliche Anerkennung, denn er wird von Kollegen und den Kunden mit Respekt und Freundlichkeit behandelt. Am Ende gelingt es oft, einen drohenden Wohnungsverlust abzuwenden oder dem Hilfesuchenden wieder zu bezahlbarem Wohnraum zu verhelfen.
Nach wie vor ist BISS die Teilhabe sozial benachteiligter Menschen am gesellschaftlichen Leben eine Herzensangelegenheit. Dazu tragen die internen gemeinschaftlichen Veranstaltungen mit den Verkäufern bei, sei es die monatliche Verkäufersitzung bei einem gemeinsamen Frühstück, der alljährliche BISS-Betriebsausflug oder auch die Weihnachtsfeier. Im Jahr 2019 war der Ausflug im Juli besonders schön – wir haben im Pfaffenwinkel die Wieskirche besichtigt und sind anschließend in eine Gaststätte auf dem Hohenpeißenberg zu einem köstlichen Mittagessen bei fantastischer Fernsicht auf die Alpenkette eingekehrt.
Armut und Obdachlosigkeit betreffen Menschen in der ganzen Welt. Beim Treffen des Internationalen Netzwerks der Straßenzeitungen (INSP) im Juni in Hannover tauschte man Erfahrungen aus und diskutierte über Bekanntes und Neues in der Branche. Ende Juli fuhr eine kleine Gruppe von Verkäufern in Begleitung unseres Sozialarbeiters für ein paar Tage zum Homeless World Cup, also der Fußballweltmeisterschaft der Obdachlosen in Cardiff/Wales.
Gegen Ende des Jahres gab es einen letzten Höhepunkt: Unter dem Titel „BISS Einblicke“ fand im Kunstverein Gräfelfing eine Ausstellung des bekannten Fotografen Rainer Viertlböck statt. Zu sehen waren bekannte Arbeiten des Künstlers, die er aktuellen Innenaufnahmen der  Wohnsituation von BISS-Verkäufern gegenüberstellte.

Ausblick:

BISS ist für viele Verkäufer eine Heimat geworden. So mancher ist schon sehr lange dabei, sogar 15 Jahre und länger. Mich beeindruckt es immer, wenn ich in der Stadt unsere älteren und langjährigen Verkäufer an ihren Standplätzen sehe, oft vertieft im Gespräch mit einem ihrer ebenfalls langjährigen Stammkunden. Es kommen aber auch fast täglich Menschen zum ersten Mal zu BISS. Sie suchen ebenfalls einen Ausweg aus einer schwierigen Lebenssituation. Einige von ihnen fangen an, als Verkäufer zu arbeiten. Sie bringen neue Erfahrungen und auch Fähigkeiten mit. Alle erhoffen sich ein besseres Leben für sich und ihre Lieben, die betagten Eltern und manchmal auch die Kinder, die in den Herkunftsländern zurückgeblieben sind. Die Ungleichheit der Lebensverhältnisse wird auch weiterhin dazu führen, dass Menschen sich auf den Weg machen, dahin, wo man in Frieden und bescheidenem Wohlstand leben kann.
Das Thema „Wohnen“ betrifft alle Menschen gleichermaßen. Wer wenig verdient und Wuchermieten bezahlen muss, weil er sonst keine andere Unterkunft hat, kommt erfahrungsgemäß nicht wieder auf die Beine. Wir haben oft mit Menschen zu tun, die zusammen mit zu vielen anderen in zu kleinen, sündteuren Wohnungen leben müssen. Hier arbeiten wir eng mit der Stiftung BISS zusammen, die sich gleichfalls dafür einsetzt, sozial benachteiligten Menschen zu bezahlbarem Wohnraum zu verhelfen.
Da ist in den vergangenen Jahren schon viel vorangegangen (BISS berichtete). Wenn Sie also eine Wohnung vermieten oder zu einem bezahlbaren Preis verkaufen wollen, sind Sie bei uns an der richtigen Adresse. Denn wir werden uns weiterhin mit allen Kräften dafür einsetzen, dass benachteiligten Menschen unmittelbar geholfen wird, sei es mit individuellen Einzelfallhilfen (Kleidung, Medikamente), Zugang zu zahnärztlicher Versorgung, niedrigschwelliger Beschäftigung, fair bezahlter Arbeit oder dem Angebot an menschenwürdigem Wohnraum. Ich danke allen von Herzen, die unsere Arbeit möglich gemacht haben. Es ist dem wunderbaren Netzwerk aus Unterstützern, Lesern, Freunden und Gönnern, Paten und Spendern, St. Bonifaz mit Abt Johannes, Frater Emmanuel und dem ganzen Pfortenteam zu verdanken, dass wir so viel zum Wohle armer und benachteiligter Menschen bewegen können.
Bitte bleiben Sie auch weiterhin an unserer Seite!

KARIN LOHR

Die BISS-Maximen

1. Die Prioritäts-Maxime

Der Verkäufer kommt immer zuerst. Die Zeitschrift ist Mittel zum Zweck. Das heißt beispielsweise, die Herstellung der Zeitschrift muss kostengünstig gehalten werden, sie muss aus den Betriebseinnahmen finanziert werden, es dürfen keine Spendengelder in die Herstellung fließen. Dass jeder erwirtschaftete Überschuss wieder den Verkäufern zugute kommen muss, ist ohnehin selbstverständlich und gemeinnützigen Vereinen oder Gesellschaften per Gesetz vorgeschrieben. Verkäufer, die Sozialhilfe oder Grundsicherung beziehen, dürfen nur eine gewisse Anzahl an Zeitungen verkaufen, damit sie nicht in Grauzonen geführt werden, auch wenn diese Regelung der Auflage schadet.

2. Die Fifty-fifty-Maxime

Den Verkäufern soll von allen Erlösen mindestens die Hälfte zukommen. Mindestens 50 Prozent des Verkaufspreises eines Exemplars muss an den Verkäufer gehen. Darüber hinaus müssen die finanziellen Zuwendungen an die Betroffenen in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufwendungen für das Fachpersonal und die Herstellungskosten der Zeitschrift stehen. Das heißt, für die Verkäufer sollte auch so viel ausgegeben werden wie für das Fachpersonal, mindestens jedoch 50 Prozent davon. Abhängig vom Konzept einer Straßenzeitung, können diese 50 Prozent sowohl für die Gehälter der Verkäufer als auch für Einzelfallhilfen aller Art (Entschuldung, gesundheitliche Sanierung, Verbesserung der Wohnverhältnisse) ausgegeben werden.

3. Die Transparenz-Maxime

Einmal im Jahr müssen die Einnahmen und Ausgaben in der eigenen Zeitschrift veröffentlicht werden, so dass die Spender wissen, wie gewirtschaftet und wofür das Geld ausgegeben wurde. Durch die Anstellung der Verkäufer hat BISS schon in den ersten fünf Jahren den öffentlichen Kassen ein Plus von knapp 1 Million Euro beschert. Es wurden 560.000 Euro eingespart an Sozial- und Arbeitslosenhilfe und 420.000 Euro eingezahlt in die Kassen der Sozialversicherung und des Finanzamts. Die Anstellung der Verkäufer hat sich also für alle gelohnt: für die öffentliche Hand, für die Verkäufer selbst und für BISS. Wir konnten unsere Auflage stabil halten und unseren Verkäufern die Spendenfreudigkeit unserer Freunde und Gönner erhalten. Denn wer investiert nicht gern in Arbeitsplätze und in eine nachhaltige Verbesserung der Lebenslagen armer Menschen?