Videoprojekt „Schieflagen“

Die Petra-Kelly-Stiftung erkundet im Rahmen ihres Videoprojekts „Schieflagen“, was in unserer Gesellschaft schief läuft: Was wird als ungerecht empfunden und vor allem wieso?

Das aktuelle Youtube-Video zum Thema Obdachlosigkeit in München unter Mitwirkung von BISS und Uwe Hinsche wurde gerade veröffentlicht:

 

BISS- Ausgabe Januar 2021 | Perspektivwechsel

Cover des BISS-Magazins Januar 2021

Thema | Neue Sichtweisen | Einen anderen Blickwinkel auszuprobieren ist manchmal irritierend, aber immer bereichernd | 6 Kleinwüchsig: Von der Norm abzuweichen birgt Probleme | 10 Gleiches Recht für alle? Trotz Prozesskostenhilfe kann es schwer sein, einen Anwalt zu finden | 12 Jewish Chamber Orchestra: Ein Stück jüdische Kultur in München | 16 Der Weg durch die Krise: BISS-Anzeigenkunden beschreiben, wie es ihnen durch Corona ergangen ist |18 Die Glücklichen: Die Stiftung BISS blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück | 26 Nachruf Ercan Uzun | Schreibwerkstatt | 5 Wie ich wohne | 24 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 27 Patenuhren | 28 Freunde und Gönner | 30 Mein Projekt, Impressum | 31 Adressen

Wie ich wohne

Wer wohnt wie? In der Kolumne geben BISS-Verkäuferinnen und -Verkäufer Einblicke in ihren Wohnalltag. Sie erzählen, wie sie früher gelebt haben, wie sie momentan wohnen und was sie sich für die Zukunft erhoffen.

Der übers Meer kam

Foto: Martin Fengel; Protokoll: Felicitas Wilke

„Ich wohne seit zwei Jahren in einer Flüchtlingsunterkunft in Forstenried. Wenn ich in dem Haus mit meinem Rollstuhl, an der Gemeinschaftsküche, dem Bad und den anderen Räumen vorbei, den Gang entlangfahre, komme ich ganz hinten rechts in meinem Zimmer an. Es ist nicht sehr groß, wahrscheinlich nicht einmal 20 Quadratmeter, aber ich habe es für mich allein und mag es sehr. Ich habe hier eine Heizung, ein Bett, zwei kleine Sofas, ein paar Schränke, einen Kühlschrank und eine Mikrowelle. Und natürlich meinen Fernseher. Darauf schaue ich immer Cartoons auf Deutsch, zum Beispiel „Bugs Bunny“, um die Sprache noch besser zu lernen. Geboren bin ich in Pakistan, aber schon als Dreijähriger mit meiner Familie nach Libyen gezogen. Meine Eltern, meine drei Brüder, meine zwei Schwestern und ich haben dort in einem Haus gelebt. Ich habe schöne Erinnerungen daran, wie ich mit meiner Familie an einem großen Tisch Biryani gegessen habe. Das ist ein pakistanisches Nationalgericht mit Reis und Hühnchen, das niemand so gut macht wie meine Mutter. Nachdem ich zwischenzeitlich wegen des Libyen-Kriegs noch mal in Pakistan gelebt hatte, bin ich vor fünf Jahren über Libyen nach Deutschland geflohen – auf einem viel zu kleinen Boot nach Italien. In meinem Zimmer hängt ein Bild, das einen Mann auf einem Segelboot auf dem Meer zeigt. Es erinnert mich an die schlimmste Erfahrung meines Lebens und gleichzeitig daran, wie schön das Meer auch sein kann. Ich lebe jetzt seit mehr als fünf Jahren in verschiedenen Flüchtlingsunterkünften in Deutschland. Anfangs habe ich mir mit einem Freund aus Pakistan ein Doppelzimmer geteilt, später habe ich in Einzelzimmern gewohnt. Ich hatte immer viel Glück mit den Unterkünften und den Menschen dort. Obwohl in meinem jetzigen Zuhause viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern leben – Afghanistan, Somalia, Irak und Iran –, haben wir alle ein gutes Miteinander. Unter der Woche kann ich allerdings gar nicht so viel Zeit mit den anderen verbringen. Ich bin nämlich in der glücklichen Lage, inzwischen sogar zwei Jobs in Deutschland zu haben. An zwei bis drei Tagen pro Woche verkaufe ich die BISS in Herrsching, an den anderen Tagen arbeite ich als Goldschmied in Pasing. Das ist der Beruf, den ich in meiner Heimat gelernt habe. Ich bin meinen beiden Arbeitgebern sehr dankbar, dass sie mich trotz meiner Behinderung eingestellt haben, und würde auch anderen Menschen mit Behinderung jemanden wünschen, der an sie und ihre Stärken glaubt. Das ist leider noch keine Selbstverständlichkeit. Mein Zimmer in der Flüchtlingsunterkunft ist für mich der Ort, an dem ich nach der Arbeit abschalten kann. Mein nächstes Ziel ist eine eigene Wohnung. Das ist die Voraussetzung dafür, dass auch meine Frau nach Deutschland nachkommen kann. Ich träume von einer Zweizimmerwohnung, die höchstens 800 Euro kosten sollte. München ist teuer, aber ich hoffe sehr, dass es irgendwann klappt.“

BISS TRAUERT UM ERCAN UZUN

ERCAN UZUN
2 7.04.1967 – 20.11.2020

Ercan Uzun kam am 4. Mai 2001 zu BISS. Seitdem verkaufte er das Magazin am Sendlinger-Tor-Platz im Zwischengeschoss. Herr Uzun war fest angestellt, zahlte Steuern und Sozialversicherung und führte ein von Sozialleistungen unabhängiges Leben. Das war umso bemerkenswerter, als ihm mit seiner psychischen Erkrankung, mit der er offen umging, eine schwere Bürde im Leben auferlegt war. Die trug er meist stoisch-gelassen und mit dem ihm eigenen Humor. Für uns BISSler war er ein Held, denn er bewies, dass man trotz alledem ein gutes Leben führen kann. Herr Uzun hatte eine Wohnung und ein Arbeitseinkommen, vor allem aber war er anderen Menschen in großer Zuneigung verbunden: Seine Frau und seine Kinder standen bei ihm an erster Stelle, dann kamen seine lieben Stammkunden und treuen Leser und natürlich auch die BISS-Kollegen. Am 20. November 2020 ist er völlig unerwartet zu Hause gestorben. Er wurde nur 53 Jahre alt. Wir werden uns an Ercan Uzun stets in Liebe und Dankbarkeit erinnern.

Karin Lohr

Er nickte immer kurz, reichte die Hand, an manchen Tagen skeptischer, an anderen lächelnd. Wenn Ercan am Dienstag in die Schreibwerkstatt kam, war das – zumindest auf den ersten Blick – ein stiller, unauffälliger Besuch. Seine Geschichten prägten seit vielen Jahren die Doppelseite im Heft: sein Kampf mit dem Rauchen, die Erzählungen von anstrengenden Reisen in die Türkei und, natürlich, die Gedanken um seine Familie. Gerade seine zurückhaltende und höfliche Art hat die zwei Stunden oft wesentlich mitbestimmt. War er fertig, gab Ercan das Blatt ab, wartete, ließ sich das getippte Ergebnis vorlesen – oder sagte, in weichem Münchner Dialekt: „Ich vertrau dir“, und zog gen Sendlinger Tor. Dass er dort nicht mehr stehen wird, erzählen wird, wie es grad mit der Baustelle um ihn herum läuft, dass er nicht mehr schreiben wird und nicht mehr Teil des Alltags in dieser Stadt sein wird, ist unglaublich schwer vorstellbar.

Christine Auerbach, Lea Hampel und Felicitas Wilke

Meine Zeit in Istanbul

von Ercan Uzun

Ich gehe zurück ins Jahr 1984. Da kam im türkischsprachigen Programm im WDR die Information, dass in Istanbul eine Schule eigens für Rückkehrer eröffnet wird. Sie war für Jugendliche, deren Eltern sich entschieden hatten, in die Türkei zurückzugehen. Ich beschloss, es zu versuchen. Meine Eltern blieben in Deutschland. Spontan flog ich nach Istanbul, um nach meiner mittleren Reife in einigen Jahren die Hochschulreife zu erlangen. Die plötzlich eingetretene Freiheit von den Eltern nutzte ich aus. Ich wohnte in einer eigenen Wohnung, ging zwar meinen schulischen Verpflichtungen nach, aber sonst war ich recht undiszipliniert und gab sinnlos Geld aus. So fing ich das Rauchen an und ernährte mich recht ungesund. Ich ging an den Wochenenden im Stadtteil Taksim in einschlägige Kinos und sah mir freizügige Filme an. Schöne Erlebnisse waren unter anderem die Annäherungsversuche zweier Mädels, die ich in meine Wohnung einlud. Ich hatte viele Verwandte dort mütterlicherseits, die meine Verhaltensänderung kritisch beobachteten. Aber meine Noten waren gut, nur in den Fächern Philosophie und Logik hatte ich bescheidene Zensuren. Diese Fächer waren für mich Neuland. Und eines Tages kam sogar der damalige türkische Staatspräsident Kenan Evren in unsere Schule, das Üsküdar Anadolu Lisesi. Noch vor dem Zwischenzeugnis sollte sich dann das einstellen, was mich bis heute im Leben prägt: meine psychischen Störungen. Sie kamen einher mit diversen Wahnvorstellungen, Verfolgungsängsten und irrationalen Gedanken. Dreimal innerhalb von drei Monaten war ich stationär in der Klinik im Stadtteil Capa. In meiner Erinnerung waren 50 Kranke in einem Saal, und es gab jeden Tag eine Handvoll Tabletten. Erst kam meine Mutter, um mich vor dem Schlimmsten zu bewahren, nach abgeschlossener Behandlung holte mich mein Vater zurück nach Deutschland, wo ich das Glück hatte, nicht den Aufenthaltstitel verloren zu haben. Daher sehe ich meine Zeit in Istanbul stets mit gemischten Gefühlen. Und möchte hier vielen, die an meiner Stelle stehen, den Rat mitgeben: Bevor jemand studieren will – eine ordentliche Ausbildung tut es auch!

„ Für viele arme Menschen ist es nicht möglich, ihre Rechte vor Gericht wahrzunehmen “

Interview CHRISTINA HERTEL

Warum der Kontostand in vielen Fällen entscheidend ist, ob jemand vor Gericht ziehen kann, erklärt der Jurist Gerhard Grossmann im Interview.

GERHARD GROSSMANN Er ist seit zehn Jahren ehrenamtlich als Rechtsberater für das H-Team tätig. Davor war er Vorsitzender Richter einer Zivilkammer und Dozent für Kommunikation und Rhetorik an der Richterakademie. (Foto: privat)

Jeder hat das Recht auf Verteidigung, heißt ein Grundsatz. Rechtsanwalt Gerhard Grossmann sagt jedoch, dass nicht jeder dieses Recht gleichermaßen einfordern kann. Entscheidend sei in vielen Fällen, wie gut gefüllt der Geldbeutel ist. Zu dieser Meinung kommt Grossmann durch seine Arbeit beim H-Team. Seit zehn Jahren berät er dort arme Menschen in Rechtsfragen und erlebt häufig, dass es schwierig für sie ist, einen Anwalt zu finden oder einen Prozess zu beginnen, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Eigentlich gibt es für bedürftige Menschen die Möglichkeit, Prozesskostenhilfe zu beantragen. Doch nicht immer bewilligen die Gerichte diese. Das Amtsgericht München wies im vergangenen Jahr von rund 4.760 Anträgen 700 ab. Im Bereich des Miet- und Verkehrsrechts zum Beispiel gewährte es 386 von 607 gestellten Anträgen. Interpretieren möchte das Gericht diese Zahlen nicht. Doch Rechtsanwalt Grossmann erklärt im Interview, weshalb es für arme Menschen schwieriger sein kann, vor Gericht zu ziehen, und warum nicht nur die Gier Anwälte dazu bringt, lieber Reiche zu verteidigen.

Bekommt in Deutschland jeder Bürger Rechtsbeistand?

GERHARD GROSSMANN: Grundsätzlich stimmt das. Menschen, die sich keinen Anwalt leisten können, haben die Möglichkeit, bei Gericht einen Antrag auf Prozesskostenhilfe zu stellen. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich allerdings sagen: Einen Anwalt und dessen Kosten erstattet zu bekommen setzt einiges voraus. Ich sage meinen Klienten deshalb immer, dass sie einen langen Atem haben müssen.

Wie lange dauert es, bis sie einen Anwalt gefunden haben?

Ich würde schätzen, dass meine Klienten vielleicht bei einem von zehn Anwälten Glück haben und er ihren Fall annimmt. Natürlich gibt es dazu keine Statistiken. Doch von Kollegen, die auch beraten, höre ich immer wieder, dass sie ähnliche Erfahrungen machen.

Warum ist es für arme Menschen so schwierig, einen Anwalt zu finden?

Für Anwälte sind solche Verfahren mit einem hohen Aufwand verbunden. Als Erstes, noch bevor der Anwalt den Antrag stellt, muss er prüfen, ob der Mandant bedürftig ist und ob das beabsichtigte Verfahren Aussicht auf Erfolg hat. Nur wenn der Anwalt das eingehend begründet, gewährt das Gericht die Prozesskostenhilfe. Das ist ein enormer Aufwand. Lehnt das Gericht den Antrag am Ende trotzdem ab, bezahlt niemand für seine Arbeit. Ein weiteres Problem entsteht, wenn der Prozess verloren geht. Dann müssen die Mandanten die Kosten des gegnerischen Anwalts übernehmen. Auch das schreckt viele ab.

Was müssen Anwälte und ihre Mandanten tun, um einen Antrag auf Prozesskostenhilfe zu stellen?

Zuerst müssen meine Klienten auf einem vierseitigen Formblatt verschiedene Fragen zu ihrer finanziellen Situation beantworten. Was verdienen Sie? Haben Sie Unterhaltsansprüche? Welche Wohnkosten haben Sie? Das klingt erst einmal banal. Doch oftmals ist es gar nicht so leicht, zu sagen, aus was sich die Wohnkosten insgesamt zusammensetzen. Dann müssen die Mandanten für all diese Fragen Belege finden. Außerdem müssen sie detailliert darüber Auskunft geben, wie viel Bargeld sie besitzen, ob sie Lebensversicherungen oder andere Vermögenswerte haben.

Warum ist das ein Problem?

Vielen Menschen ist es unangenehm, das alles offenzulegen. Es gibt keine Garantie, dass der Antrag bewilligt wird. Bei Klienten, die Hartz IV bekommen, ist das meistens der Fall. Aber wenn sie eine kleine Rente oder ein geringes Einkommen beziehen, schauen die Gerichte in München oft sehr genau hin. Dann kann es sein, dass sie noch mehr Belege sehen wollen. Für den Anwalt geht die Arbeit dann wieder von vorne los.

Können Sie mir von einem typischen Fall erzählen?

Vor Kurzem habe ich eine wohnungslose Frau vertreten, deren früherer Vermieter behauptete, sie habe noch Mietrückstände bei ihm. Sie hat ausgeführt, dass sie in Unfrieden aus der Wohnung ausgezogen sei, die Miete aber immer persönlich bar bezahlt habe. Ich habe ihr dabei geholfen, das Formblatt auszufüllen. Das Nettoeinkommen der Frau schwankte zwischen 1.200 und 750 Euro. Weil ihr Einkommen so gering war, fand sie keine bezahlbare Wohnung und schlief unter der Woche bei Freunden und am Wochenende bei ihrer Tochter. Das Gericht lehnte den Antrag auf Prozesskostenhilfe jedoch ab, weil die Frau angeblich zu viel verdiene.

Wie kam das Gericht darauf ?

Die Richterin ist deshalb zu diesem Ergebnis gekommen, weil meine Mandantin als Wohnungslose keine Miete von ihrem Einkommen absetzen konnte. Als ich eindringlich nachfragte, stellte sich jedoch heraus, dass sie für die Übernachtungen bei ihrer Tochter 200 Euro Miete zahlte. Trotzdem genehmigte das Gericht den Antrag nicht sofort, weil zwischen Mutter und Tochter kein Untermietvertrag bestand. Eigentlich ist das zwischen Verwandten nicht erforderlich, jedoch genehmigte das Gericht die Prozesskostenhilfe erst, als wir diesen vorlegen konnten. Mein Honorar betrug 300 Euro; der Arbeitsaufwand lag bei etwa 20 Stunden. Wenn Anwälte eine Büromiete oder Angestellte bezahlen müssen, können sie sich nicht leisten, solche Fälle häufiger zu übernehmen.

Wonach richtet sich das Honorar in so einem Fall?

Das Honorar richtet sich nach der Höhe des Streitwerts. In dem geschilderten Fall betrug der Streitwert 650 Euro.

Müssen Anwälte solche Fälle trotzdem annehmen?

Theoretisch ja, aber sie können sich immer damit herausreden, dass sie sagen, sie seien gerade überlastet. Ich kann ihnen das nicht verdenken. Denn Anwälte haben mit solchen Fällen auch dann noch Arbeit, wenn sie bereits abgeschlossen sind. Bis zu vier Jahre kann das Gericht von dem Anwalt Nachweise verlangen, die beweisen, dass der Mandant nicht plötzlich einen neuen Job gefunden oder im Lotto gewonnen hat. Der Anwalt ist verpflichtet, zu melden, wenn sein Mandant umzieht.

Könnte ein Grund auch sein, dass sich die Anwälte schämen, wenn ihre Mandanten nicht so aussehen, als würden sie ihre Garderobe auf der Maximilianstraße kaufen?

Sicherlich kann das sein. Aber man kann die Anwälte ja auch schlecht dazu verdonnern, solche Fälle zu übernehmen. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass es für viele arme Menschen nicht möglich ist, ihre Rechte vor Gericht wahrzunehmen.

Was müsste passieren, dass sich daran etwas ändert?

Die rechtlichen Vorschriften müssten geändert werden, die Einkommensgrenzen sollten heraufgesetzt werden und es sollten auch die Kosten für den gegnerischen Anwalt übernommen werden. Für besonders aufwendige Verfahren, etwa Umgangsrecht bei Kindern, sollten die Streitwerte heraufgesetzt werden. Denn heute kommt es oft vor, dass ein Prozesskostenhilfe-Anwalt nur halb so viel Honorar wie ein normaler Anwalt bekommt.

Eine Trauerfeier mit Leid, Segen und Freude

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Wolfgang „Butzi“ Kurz

Ein Kollege von uns ist am 7.2.2020 verstorben. Seine Urnenbeisetzung hat sich wegen Corona verzögert und war erst Mitte September. Zusammen mit anderen BISS-Kollegen fuhr ich dafür zum Ostfriedhof. Insgesamt waren wir um die 50 Leute, es waren auch viele jüngere BISS-Verkäufer in der Aussegnungshalle. Auch Frau und Herr Denninger, Frau Dörsing und Herr Panaitescu waren da – sozusagen die Prominenz von BISS. Es gab eine andächtige Predigt und in der Aussegnungshalle erklang die Musik, die sich Herr Hartmut „Jackie“ Jacobs zu Lebzeiten ausgesucht hatte. Ich hatte so eine Musik noch nie gehört und die Klänge berührten mich sehr. Von Jackie waren zwei Angehörige dabei – seine Tochter weinte bald sehr. Nach der Zeremonie folgten wir dem Pfarrer ans Grab, wo noch einmal andächtig gebetet wurde. Anschließend stellte ich eine rote Kerze auf das Grab. Danach gingen wir alle in eine Gaststätte in der Nähe eines Mofahändlers. Dort saßen wir gemütlich zusammen – wenn man „gemütlich“ in diesem Zusammenhang überhaupt sagen kann. Aber es war wie in meiner Heimat, wo nach Beerdigungen auch geredet und auch mal gelacht wird. Nach circa eineinhalb Stunden verabschiedeten wir uns von den Angehörigen und ich fuhr zusammen mit einem Kollegen nach Hause. Es war ein andächtiger und doch schöner Tag.