Hilfe, wer hilft mir mit der Hilfe?

Die EUTB hilft!

Im EUTB-Team können viele Probleme gelöst werden.
V. l. n. r.: Iris Golde, Bärbel Gehrer und Ria Berger Steiger.

Die EUTB ist die Ergänzende Unabhängige Teilhabe-Beratung

Das deutsche Sozialsystem hat viele Hilfsangebote. Und es ist schwierig, sich da zurechtzufinden.

Deshalb gibt es seit dem Jahr 2018 die EUTB, die Ergänzende Unabhängige Teilhabe-Beratung.

Sie wurde mit dem Bundes-Teilhabe-Gesetz eingeführt. Es gibt 800 Beratungsstellen der EUTB in Deutschland. In München gibt es 8 Beratungsstellen.Sie bieten kostenlose Beratungen zu den Themen Inklusion und Teilhabe an.

Die Teilhabe-Beratung heißt „ergänzend“, weil es sie zusätzlich zu den schon vorhandenen Angeboten gibt. Und sie ist „unabhängig“, weil die Beratungsstellen selbst keine Leistungen anbieten, sondern nur beraten.

Die Mitarbeitenden schauen sich jede Lebenssituation genau an: Welche Hilfsangebote können sinnvoll sein? Braucht jemand eine Assistenz, also eine Begleitung im Alltag? Braucht jemand einen Fahrdienst? Wie genau kann ein Behindertenausweis helfen?

Lieve Leirs arbeitet bei der EUTB-Stelle beim Club Behinderter und ihrer Freunde in Schwabing.

Sie sagt:

Gerade bei Menschen mit Behinderung sieht man oft nur diese Behinderung. Also das, womit sie Schwierigkeiten haben. Das prägt dann den Menschen. Dabei ist es ein Grundrecht, dass jeder Mensch überall mitmachen kann. Das steht in der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), die Deutschland schon im Jahr 2009 unterschrieben hat. Darin steht, dass Menschen mit Behinderung die gleichen Rechte haben wie Menschen ohne Behinderung. Damit hat sich Deutschland verpflichtet, für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung zu sorgen. Bei der letzten Überprüfung hat Deutschland aber die schlechteste Note bekommen – von allen Ländern, die die UN-BRK unterschrieben haben. Zum Beispiel weil es in Deutschland so viele Förderschulen und Behindertenwerkstätten gibt. Und zu wenig inklusive Schulen und Arbeitsstätten, wo Menschen mit und ohne Behinderung zusammen lernen und arbeiten.

Es geht in Deutschland also nur langsam voran. Aber die Beratungsstellen der EUTB sind ein Erfolg. Die Hilfe-Suchenden sind zufrieden.

Besonders schätzen die Menschen, dass man nicht gedrängt wird, etwas machen zu müssen.

Und die Beratenden sind selbst Menschen mit Behinderung oder Angehörige. Sie sprechen also aus eigener Erfahrung. Die Beraterin Lieve Leirs ist selbst auch Rollstuhlfahrerin. Sie sagt: „Ich kenne natürlich die Probleme, die man in der Stadt mit einem Rollstuhl haben kann.“ Wie kommt man damit überhaupt in Bus und Bahn? Wie muss eine Wohnung für Rollstuhlfahrende aussehen? Lieve Liers berät etwa 3 bis 4 Personen in der Woche, etwa 200 Personen im Jahr. Und jede Person ist anders. Oft berät sie die Menschen mehrere Jahre lang, weil es immer wieder andere Probleme gibt. Lieve Liers erzählt von einer Frau, die schon als Jugendliche zu ihr in die Beratung gekommen ist. Jetzt hat sie für die Frau eine Wohnung gesucht und gefunden. Sie sagt: „Das ist dann eine besondere Freude, wenn man sich schon so lange kennt.“

Ganz wichtig ist: Jede Person, die sich beraten lässt, kann frei entscheiden, was sie machen will.

Man kann die Ratschläge annehmen oder nicht.

Lieve Liers sagt:

Wir sagen nicht: Das ist klug und richtig, also machen Sie das mal. Darum geht es nicht.“

Natürlich haben viele Beratende schon viel Erfahrung und wissen es oft besser.

Aber Teilhabe heißt auch: Ich entscheide selbst, was ich machen will.

https://www.teilhabeberatung.de/de-ls

https://www.teilhabeberatung.de/de-ls/beratung/beratungsangebote-der-eutb

Zum Beispiel bei Fragen wie:

  • Wie komme ich mit einem Hörgerät zurecht?
  • Wie bekomme ich einen Behindertenausweis?
  • Brauche ich eine Arbeitsassistenz?
  • Ist betreutes Wohnen für mein behindertes erwachsenes Kind das Richtige?

Achtung: Die EUTB macht keine Rechtsberatung. Zum Beispiel wenn man gegen amtliche Bescheide widersprechen will.

Aber die EUTB weiß, an wen man sich in jedem Fall wenden kann!

Original-Text von Bernhard Hiergeist

Zusammenfassung in Einfacher Sprache von Verena Reinhard, www.einfachverstehen.de

Wie ich wohne

Protokoll HANS ALBRECHT LUSZNAT

Foto MARTIN FENGEL

Der Akkordeonspieler

Unser Haus ist von Grün umgeben und man kann nicht mit dem Auto vor die Tür fahren. Es gehört zu einer Siedlung von vierstöckigen Mehrfamilien-Doppelhäusern. Die weitere Umgebung ist eine typische Vorstadt, eine Mischung aus Gewerbe- und Wohngebieten mit viel Platz für Autos. Einen wirklichen Ortskern gibt es nicht. Vor acht Jahren habe ich hier eine Wohnung bekommen, eigentlich ein Glücksfall. Drei Jahre hatte ich als Servierhilfe in einem Gastronomiebetrieb gearbeitet und in einem Münchner Asylantenheim Essen an Flüchtlinge ausgegeben. Für diese Arbeit bin ich aus Rumänien nach Deutschland gekommen und habe vor Ort in einem Container gewohnt. Die Waschräume und Toiletten waren außerhalb, man musste dazu immer den Container verlassen. Bei der Arbeit habe ich die Kollegen gefragt, ob jemand eine Wohnung wisse, und so habe ich eines Tages die Adresse eines Maklers bekommen. Vor acht Jahren konnten wir hier in diese Wohnung einziehen. Wir, das sind meine Frau und meine Enkelin. Wir haben zwei Zimmer, die Enkelin, sie ist jetzt 17 Jahre alt, hat das kleinere Zimmer. Meine Frau und ich schlafen im Wohnzimmer auf einem breiten Bett. Die Küche reicht, aber es gibt keinen Platz für einen Tisch, sodass wir immer nebenan am Wohnzimmertisch essen. Der Kühlschrank steht im Flur. Es gibt noch ein Bad und eine extra Dusche. Zusammen sind es ungefähr 60 Quadratmeter, für die wir 850 Euro Miete im Monat zahlen. Die Arbeit im Gastronomiebetrieb musste ich wegen ernsthafter Rückenprobleme aufgeben und so bin ich zu BISS gekommen und arbeite als fest angestellter Verkäufer in der Fasanerie und Starnberg. Morgens um 8 Uhr mache ich mich mit Isarcard und S-Bahn auf den Weg zu meinen Verkaufsstellen. Wir haben hier eine angenehme Nachbarschaft mit Menschen aus verschiedenen Ländern und auch die Versorgungslage ist gut. Die nächsten Lebensmittel- und Drogeriegeschäfte sind ungefähr 300 Meter weg. Meine Frau kümmert sich um den Haushalt, und weil sie zuckerkrank ist, arbeitet sie nicht. Sie hat ein Fahrrad und kann sich so gut bewegen. Die Wohnungseinrichtung haben wir damals beim Einzug angeschafft, manches, wie das Buffet mit den Glastüren, haben wir geschenkt bekommen. Im Winter gibt es immer Probleme mit den kalten Außenwänden, da kondensiert die feuchte Luft und Wasser läuft an den Fensterscheiben herunter bis unters Parkett. Alles Lüften hilft nichts und neulich erst habe ich die Wände neu gestrichen. Wenn sie sich bei uns im Wohnzimmer umschauen, dann werden sie eines nicht finden: einen Fernseher. Wir schauen nicht mehr fern, haben aber einen Internetanschluss, über den wir – falls etwas ganz Besonderes kommt – auf dem Smartphone schauen können. Gern sitze ich hier im Wohnzimmer und spiele auf meinem Akkordeon. Ich habe schon als Siebenjähriger angefangen und dieses Hobby hat mich das ganze Leben begleitet. Vielleicht gibt es mal eine Gelegenheit, dass ich für die Kollegen bei BISS spielen kann.

Ein Museumsbesuch

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Zuheir Takiyan

Vor einer Woche besuchte ich mit einer Gruppe von BISS-Kollegen das Museum Brandhorst. Dort hatten wir eine Führung, bei der uns viele Stücke aus der Sammlung erklärt wurden. Der Museumsführer war ein beachtlicher Mann, der uns über eine Stunde in den Räumen herumgeführt hat. Alle Gemälde und Skulpturen, die wir sahen, waren lieblich und wunderschön. Jeder konnte sich ein Kunstwerk aussuchen, das ihm besonders gefallen hat. Beim nächsten Besuch im kommenden Monat soll man dann etwas zu dem Werk sagen. Zum Abschluss gingen wir gemeinsam in die Cafeteria und haben etwas getrunken und gegessen. In dem Ort im Irak, wo ich geboren bin, gibt es auch ein Museum, das aber ganz anders ist als das Brandhorst. Es zeigt alte Familienfotos, Fotos aus früherer Zeit, auf denen Angehörige der Volksgruppen der Assyrer, Chaldäer und Sumerer in ihrer angestammten Kleidung und Umgebung zu sehen sind.

Miese Masche

BISS-Geschäftsführerin Karin Lohr (Foto: Volker Derlath)

Neulich sprach mich in einer Haidhauser Apotheke eine Frau an. Sie hielt ein aktuelles BISS-Magazin in einer durchsichtigen Dokumentenhülle in der Hand: „Ich sammle Spenden für die BISS-Suppenküche.“ DieDame war gut gekleidet, mittleren Alters und sprach fast akzentfrei Deutsch. Nun weiß ich natürlich, dass BISS erstens keine Suppenküche betreibt und zweitens überhaupt keine Spenden auf der Straße sammelt. Mir stand also eine dreiste Betrügerin gegenüber, der ich mich nicht gleich zu erkennen gab, weil ich mehr aus erster Hand über diese miese Masche erfahren wollte. Auf meine Nachfrage hin zeigte sie mir einen Ausweis, auf dem „Free Streetworker – Vertrieb einer Straßenzeitung“ mit einer Adresse in Darmstadt stand. Im Internet finden sich viele warnende Hinweise dazu, unter anderem, dass die Ordnungsämter in Darmstadt und Rheinland-Pfalz gegen diese Betrügereien längst eingeschritten sind. Das schreckt sie jedoch nicht ab, denn sie versuchen weiterhin, auf Märkten oder in Straßencafés, gut meinende Menschen übers Ohr zu hauen. In München missbrauchen sie dafür die BISS, denn sie wissen, dass wir für seriöse und gute Arbeit stehen. Wahlweise nennen sie andere, ebenfalls seriöse Münchner Organisationen, für die sie angeblich „sammeln“, vorzugsweise für die Suppenküche, die Bahnhofsmission oder die Tafel. Mit dem Verkauf unseres Magazins durch die über 100 Verkäuferinnen und Verkäufer in München hat diese Betrugsmasche rein gar nichts zu tun. Unsere Verkäufer tragen ihren Verkäuferausweis und die aktuelle Verkaufsgenehmigung der Landeshauptstadt München bei sich. Sollte ein Verkäufer mal seinen Verkaufsausweis vergessen haben, fragen Sie freundlich nach. BISS ist eine anerkannt gemeinnützige Organisation, das ist die Voraussetzung dafür, dass man überhaupt Spenden annehmen darf. Deren korrekte Verwendung wird jährlich vom zuständigen Finanzamt überprüft. Und wir leisten eine intensive Sozialarbeit vor Ort auf der Straße. Sollte Sie also eine Person mit einer BISS in der Hand um eine „Spende“ anhauen, halten Sie am besten Ausschau nach Unterstützung durch das Ordnungsamt oder die Polizei. Als ich mit der Betrügerin zusammentraf, war leider niemand zu sehen. Sie reagierte auch zunehmend unwirsch auf meine Fragen und hat mich dann stehen lassen. Ich bin ihr noch nachgegangen und habe sehen können, wie sie sich hinter einem Wahlplakat versteckt hat, bevor sie plötzlich wie vom Erdboden verschluckt war. Diese Betrugsmasche ist doppelt gemein, denn sie schädigt die wohlmeinenden Spender und unsere aufrichtigen Verkäuferinnen und Verkäufer gleichermaßen. Danke dafür, dass Sie die BISS kaufen, und schauen Sie ruhig genau hin, wem Sie Ihr Vertrauen schenken.

Herzlichst


Karin Lohr, Geschäftsführerin

BISS-Ausgabe Februar 2026 | Trotz allem

Cover des BISS-Magazins Februar 2026


Inhalt | Kommunalwahl | Im März wird der Stadtrat von München neu gewählt. Wir haben nachgefragt, ob und wie die Kandidaten sparen wollen. | 6 Trotz allem. Wie sieht das Leben als pflegende Eltern aus?| 12 Wo wollen Sie sparen? Die drei OB-Kandidaten geben Auskunft | 20 Bezahlbar wohnen: Genossenschaften und Co. | 5 Wie ich wohne | 24 SCHREIBWERKSTATT BISS-Verkäufer*innen erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 26 Patenuhren | 27 Freunde und Gönner | 30 Mein Projekt, Impressum | 31 Adressen