BISS – Einblicke

Fotografien von Rainer Viertlböck

Vernissage am 23. Januar 2020 in der Architekturgalerie München!

Ausstellung 24.1.2020 – 15.2.2020

Grossvormatige Fotos zeigen Einblicke in die Wohnsituationen von BISS-Verkäufern in München.

Die Bilder entstanden im Jahre 2019 in Zusammenarbeit von Reiner Viertlböck mit BISS.

Architekturgalerie München

Im Kunstareal, Türkenstraße 30,

80333 München

Öffnungszeiten:

Mo-Fr: 9.30 Uhr bis 19 Uhr
Sa: 9.30 Uhr bis 18 Uhr

https://www.architekturgalerie-muenchen.de/programm/detail/news/detail/News/biss-einblicke.html

BISS sucht Sozialarbeiter/in

Unser langjähriger Sozialarbeiter geht in Altersrente, daher suchen wir möglichst bald zur Nachfolge eine/n Mitarbeiter/in für Sozialarbeit für die Beratung und Begleitung unserer Verkäufer sowie die Organisation des Vertriebs in Zusammenarbeit mit Kollegen und externen Organisationen.

Hier geht´s zur Stellenanzeige:

http://biss-magazin.de/v2/wp-content/uploads/2019/09/Sozialarbeit_Stellenausschreibung2019-1-4.pdf

BISS-Ausgabe Januar 2020 | Neuanfang

Cover des BISS-Magazins Januar 2020

Thema | Einen neuen Anfang wagen | Der Januar steht für gute Vorsätze. Manchen Menschen geht es aber nicht nur um einen Vorsatz, sondern darum, dem Leben eine neue Wendung zu geben | 6 Der andere Arbeitsmarkt: Chancen zurück in den Beruf durch den zweiten Arbeitsmarkt | 12 Katrin Habenschaden: Interview mit der OB-Kandidatin der Grünen | 16 Reha-Ausbildungen: Ausbildungen für Jugendliche mit erhöhtem Förderbedarf | 26 BISS liest: Literarischer Spaziergang mit Aleš Šteger und Ingo Schulze | Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 24 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 27 Patenuhren | 28 Freunde und Gönner | 30 Impressum & Mein Projekt | 31 Adressen

Was uns verbindet

In der BISS-Kolumne kommen Menschen zu Wort, die eine persönliche Erfahrung oder ihr Interesse an einem Thema oder Projekt verbindet. In der Begegnung zeigt sich, dass Menschen trotz unterschiedlicher Lebenslagen, Überzeugungen und Persönlichkeiten immer auch etwas gemeinsam haben

DIE SECHZGER

Protokoll: Lea Hampel

Illustration: Martin Fengel

Foto: Barbara Donaubauer

HELMUT WEYER: Wir haben uns in den frühen 1980er-Jahren kennengelernt. Damals waren wir bei der Bundespost, im Bahnpostbegleitdienst. Wir haben Postsäcke ein- und ausgeladen, ein Knochenjob. Weil wir Löwen-Fans sind, hatten wir uns immer was zu erzählen! Wir sind viel ins Stadion gegangen und auf Auswärtsfahrten. Als die in der zweiten Liga waren, hatten wir Jahreskarten nebeneinander. Das schönste Spiel war, als wir gegen Nürnberg gewinnen mussten, um nicht vorzeitig abzusteigen. Da sind wir mit gemischten Gefühlen zur Allianz Arena gefahren – und als wir 3 : 1 gewonnen haben, hat das irrsinnig Spaß gemacht.

Helmut Weyer, 1860-Fan, und Ernst Köppel, BISS-Verkäufer

ERNST KÖPPEL: Die Sechzger-Fans sind eine Gemeinschaft. Wir haben nicht so viele auswärtige Fans wie beim FC Bayern, man sieht sich viel und geht anständig miteinander um.

HW: Na ja, und als Sechzger-Fan ist das einfach Teil des Lebens, egal, ob wir grad oben sind oder unten. Einmal Löwe, immer Löwe.

EK: Momentan ist es schwierig mit Stadionbesuchen. Wenn Spiele sind, arbeite ich oft, weil die in der Regionalliga häufig an Wochentagen sind. Und es gibt nur noch 15.000 Plätze, Sitzplätze sind schnell ausverkauft.

HW: Wir sind ja nicht mehr die Rüstigsten, wir brauchen die – aber wir haben schon bei Minustemperaturen gelitten.

EK: Und bei Nebel.

HW: Jedenfalls: Allein mag ich auch nicht gehen. Aber wir schauen oft auch Spiele zusammen im Fernsehen an. Unsere Freundschaft reicht aber weiter: Brauche ich Hilfe, kann ich mich auf den Ernsti verlassen.

EK: Mir geht es genauso.

Der andere Arbeitsmarkt

Martin Lindner arbeitet auf einer AGH-Stelle bei Dynamo Fahrradservice

Seit einem Jahr gibt es das Teilhabechancengesetz. Es soll Langzeitarbeitslosen wieder Perspektiven auf einen festen Arbeitsplatz bieten. Arbeitgeber, die Langzeitarbeitslose beschäftigen, bekommen dabei bis zu fünf Jahre einen Großteil der Lohnkosten erstattet. Gleichzeitig sollen Coaches den Wiedereinstieg begleiten. Doch viele Menschen sind aus gesundheitlichen oder sonstigen Gründen nicht in der Lage, Vollzeit in einem Wirtschaftsbetrieb zu arbeiten. Für sie ist der sogenannte zweite Arbeitsmarkt in einem Sozialen Betrieb geeigneter. Solche Betriebe werden mit öffentlichen Fördermitteln unterstützt.

Von GABRIELE WINTER Fotos JANEK STROISCH

Simona Lombardi hat es geschafft. Seit einem halben Jahr arbeitet die 40-Jährige als Anleiterin im Hauswirtschaftsbereich des „Stadtteilcafé Hasenbergl“. Noch vor vier Jahren konnte sich die alleinerziehende Mutter von zwei Mädchen gar nicht vorstellen, je wieder auf die Beine zu kommen. Als selbstständige Gastronomin war sie gescheitert und saß mit einem Säugling und einem Kleinkind auf einem Berg von Schulden. Mit der Rückzahlung geriet sie in Verzug und sie wurde gerichtlich zu Sozialstunden beim „Café Netzwerk“ verurteilt. „Im Grunde war das ein Glück“, sagt Simona Lombardi heute. Denn so lernte sie die Einrichtung kennen und absolvierte dort eine Umschulung zur Restaurantfachfrau. Anschließend konnte Simona Lombardi durch die finanzielle Unterstützung von BISS den Ausbildereignungsschein machen und bewerkstelligte den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt. Damit gehört sie zu den 13 Prozent der Menschen auf dem zweiten Arbeitsmarkt, die in den ersten Arbeitsmarkt wechseln.

Weiterlesen „Der andere Arbeitsmarkt“

BISS-Führung

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Dirk Schuchardt

Seit Oktober 2019 führe ich Interessierte bei der Tour „BISS & Partner“ durch München. Es ist eine durchaus reizvolle Aufgabe, die sich jedes Mal anders gestaltet. Los geht es im Büro, wo ich den Leuten erkläre, was BISS eigentlich ist. Je nachdem, wie groß die Gruppe ist, dauert das 20 bis 30 Minuten. Danach gehen wir durch den Ostbahnhof zum Dynamo Fahrradservice, wo auch Pulpo beheimatet ist. Pulpo macht aus alten Fahrradschläuchen nützliche Accessoires wie Geldbörsen oder Handtaschen. Nach ungefähr 45 Minuten bei Dynamo begeben wir uns dann in Richtung BISS-Grab auf dem Ostfriedhof. Dort erkläre ich, was es mit dem Grab auf sich hat. Als Letztes steht das Mausoleum von Rudolph Moshammer auf dem Plan, auch dort erkläre ich alles Wissenswerte. Nach ungefähr zweieinhalb Stunden endet die Tour. Ich begebe mich wieder zu meinem Verkaufsplatz am Stachus im ersten Untergeschoss und hoffe, dass die Teilnehmer zufrieden sind und mich weiterempfehlen.

Näher ran

Karin Lohr, Geschäftsführung; Foto: Sacha Kletzsch

Neulich morgens am Hauptbahnhof traf ich unseren Verkäufer Herrn R. an seinem Verkaufsplatz. Als gut gelaunte Frühaufsteher unterhielten wir uns bis zur Abfahrt meines Zuges angeregt und ich erfuhr von Herrn R.s Plänen für das neue Jahr. Er hat viel vor, unter anderem einen Urlaub in seiner alten Heimat. Wichtiger jedoch ist ihm die Aussicht auf eine eigene Wohnung, in die er voraussichtlich bald einziehen kann und für deren Einrichtung er Geld zurücklegt. Auch will er wieder zur Zahnärztin seines Vertrauens gehen, denn seine Zahnprothese bereitet ihm Schmerzen, und er hofft auf eine bessere Lösung. Ich bin sicher, dass Herr R. seine Pläne umsetzen wird, so entschlossen, wie er ist, und weil wir ihn als zuverlässigen und aufrichtigen Menschen kennengelernt haben. Überhaupt geht es bei unserer Arbeit vor allem um diese alltäglichen Kontakte und Gespräche der BISS-Verkäufer mit Lesern, Kollegen, Nachbarn und Mitbewohnern, aus denen langjährige Bekanntschaften und sogar Freunde fürs Leben werden können. Diese Begegnungen geben dem Hilfesuchenden Kraft, wieder an sich zu glauben und den Mut zu finden, auf ein besseres Leben mit einem festen Arbeitsplatz und einer ordentlichen Wohnung zu hoffen. Wo Begegnungen von Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und sozialer Schicht stattfinden, trägt jeder Handelnde seinen Teil dazu bei, dass Vorurteile und Hass sich nicht so leicht breitmachen. Soziologen sprechen von „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“, wenn nicht mehr der Einzelne gesehen wird, sondern Gruppen pauschal abgewertet werden, etwa aufgrund einer anderen Hautfarbe, Nationalität, aber auch einer augenscheinlichen Notlage wie Obdachlosigkeit. Anlässlich des 25-jährigen BISS-Jubiläums im Sommer 2018 ist es uns gelungen, die Stadtgesellschaft mittels der Kunstskulptur „I will be with you, whatever“ am Wittelsbacherplatz auf die Themen Armut und Obdachlosigkeit aufmerksam zu machen. Wir BISSler sind vielen Menschen in München nähergekommen und haben neue Freunde gefunden. Einer von ihnen ist der Fotograf Rainer Viertlböck, der das Gruppenbild „von oben“ für die BISS-Jubiläumsausgabe machte. In einem neuen Projekt entstanden Aufnahmen in den Wohnungen von BISS-Verkäufern und anderen nicht privilegierten Menschen. Ab 23. Januar sind diese Arbeiten in der Architekturgalerie München (siehe Ankündigung linke Seite) zu sehen. Ich lade Sie ein, sich einen Eindruck aus nächster Nähe zu machen, und wünsche Ihnen ein gutes neues Jahr! Übrigens hat Herr R. gerne bei dem Projekt mitgemacht, Sie werden ihm und seiner aktuellen Wohnsituation dort begegnen.

Herzlichst Karin Lohr,

Geschäftsführerin