BISS sucht Sozialarbeiter/in

Unser langjähriger Sozialarbeiter geht in Altersrente, daher suchen wir möglichst bald zur Nachfolge eine/n Mitarbeiter/in für Sozialarbeit für die Beratung und Begleitung unserer Verkäufer sowie die Organisation des Vertriebs in Zusammenarbeit mit Kollegen und externen Organisationen.

Hier geht´s zur Stellenanzeige:

http://biss-magazin.de/v2/wp-content/uploads/2019/09/Sozialarbeit_Stellenausschreibung2019-1-4.pdf

BISS-Ausgabe Dezember 2019 | Friede auf Erden

Cover des BISS-Magazins Dezember 2019

Thema | Dazugehören | Um sich dazugehörig zu fühlen, braucht es Arbeit, eine Wohnung und einen Ort zum Feiern | 6 Bundesteilhabegesetz (BTHG): Jakob ist jetzt ein Mitarbeiter | 10 Die Schattenseiten des BTHG: Interview mit Karin Majewski | 12 Zwischen den Jahren: Münchner*innen und BISS-Verkäufer*innen erzählen | 16 Ein Zuhause für die BISSler: Unser Haus in Hohenschäftlarn 24 Eine Patenuhr für … Unsere fest angestellten Verkäufer suchen Paten für 2020 | Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 22 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 24 Patenuhren | 29 Freunde und Gönner | 30 Impressum & Mein Projekt | 31 Adressen

Was uns verbindet

In der BISS-Kolumne kommen Menschen zu Wort, die eine persönliche Erfahrung oder ihr Interesse an einem Thema oder Projekt verbindet. In der Begegnung zeigt sich, dass Menschen trotz unterschiedlicher Lebenslagen, Überzeugungen und Persönlichkeiten immer auch etwas gemeinsam haben.

DIE BISS-STADTFÜHRUNGEN

Protokoll: Lea Hampel

Illustration: Martin Fengel

Foto: Barbara Donaubauer

ASTRID BENDA: Zu Dynamo bin ich 2009 gekommen. Ich las die Anzeige und war gleich neugierig auf die Arbeit, weil ich etwas Handwerkliches und Sozialarbeit verbinden wollte. Als Radlerin fand ich die Arbeit mit Fahrrädern spannend. Und irgendwann kamen dann auch die BISS-Stadtführungen dazu.

Torsten Dunkel, Fahrradmechaniker, Dynamo Fahrradservice BISS e. V. und Astrid Benda, Sozialpädagogin, Dynamo Fahrradservice BISS e.V

TORSTEN DUNKEL: Ich bin 2015 zu Dynamo gekommen, das hat mir die Betreuerin von der Wohneinrichtung vermittelt. Mir macht an der Arbeit generell alles Spaß, der Betrieb ist toll, das Arbeitsklima super. Dass ich jetzt auch ein wenig über diese Arbeit und mein Leben spreche, dazu hat mich Frau Benda überredet.

AB: Ich versuche immer wieder, einzelne unserer Mitarbeiter darin zu bestärken, von sich zu erzählen.

TD: Anfangs war ich aufgeregt, wenn ich vor den Leuten, die an den Führungen teilgenommen haben, über mein Leben sprechen sollte – eigentlich bin ich das immer noch jedes Mal. Aber ich bin von Führung zu Führung offener geworden.

AB: Es ist wichtig, dass die Menschen sehen, dass jemand, der arbeitslos war oder ist, kein fauler Mensch ist. Sondern dass dahinter Schicksale stecken und dass viele Menschen arbeiten wollen. Manchmal bremse ich ihn trotzdem, wenn er spricht.

TD: Wenn ich mich wohlfühle, erzähle ich auch von meiner Kindheit bei Pflegeeltern und im Kinderdorf und von meinem früheren Alkoholproblem. Und wenn es vorbei ist, bin ich oft froh – und freu mich, bald nach Hause zu meinem Hund Cheyenne zu kommen.

„Weißt du, ich bin jetzt ein Mitarbeiter!“

Für Jakob ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Er ist einer der wenigen Menschen mit Behinderung, die es geschafft haben, dank des Bundesteilhabegesetzes eine Stelle in einem normalen Betrieb zu finden

Von RUTH ZORAWSKI

Fotos HANNES ROHRER

Seit fast einem Jahr arbeitet Jakob, 30 Jahre, in einem Integrationskindergarten in der oberbayerischen Kleinstadt Bad Tölz, südlich von München. Anfang 2019 unterschrieb Jakob stolz, nach einer langen Praktikumszeit und vielen Gesprächen mit der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM), den Eltern, der Leitung des Kindergartens und dem Bezirk, seinen ersten Arbeitsvertrag mit Tariflohn. Ein großer Wunsch ging in Erfüllung. Jakob ist einer von fünf Menschen mit Behinderung in Oberbayern, die das Budget für Arbeit – eine neue Leistung des Bundesteilhabegesetzes – beziehen und so eine Arbeitsstelle auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wahrnehmen können. Die Geschichte von Jakob soll nicht nur zeigen, dass das Budget die größtmögliche Teilhabe im Arbeitsleben für Menschen mit Behinderung ermöglicht und eine offenere Gesellschaft befördert. Die Geschichte soll auch Menschen dazu ermutigen, sich mit alternativen Arbeitsstellen auseinanderzusetzen, auch wenn der Weg manchmal etwas länger sein kann.

Weiterlesen „„Weißt du, ich bin jetzt ein Mitarbeiter!““

Die stade Zeit

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

Von Wolfgang Räuschl

Schön langsam geht das Jahr zu Ende und wir feiern das Fest der Geburt Christi. Weihnachten – ein großes Fest der Familie, der Freunde und vor allem der Kinder. Als ich noch im Gastgewerbe gearbeitet habe, hatten wir in dem Hotel an Weihnachten immer alle Hände voll zu tun. Das Hotel war ausgebucht, auch in der Heiligen Nacht. Der Speisesaal war sehr schön geschmückt, genauso die Empfangshalle, in der ein großer, hell erleuchteter Tannenbaum stand. Am Nachmittag waren unsere Gäste auf der Skipiste und so konnten wir den Speisesaal für den Abend festlich schmücken und die Tische in aller Ruhe eindecken. Am frühen Abend begann alles mit einem Dreigängemenü und am Empfang wurden die Gäste mit Stubenmusik und Weihnachtsliedern begrüßt. Jeder Gast bekam ein kleines Präsent von unserem Hotelchef. Nach dem Essen kam der Dorfpfarrer und las das Weihnachtsevangelium vor, danach gab es noch Weihnachtsgebäck und Glühwein. Ich habe noch in Erinnerung, wie alle dieses Fest feierten, egal aus welchen Ländern sie waren. Eben ein friedvolles und harmonisches Fest. Heute bin ich alleinstehend und verbringe die Feiertage zu Hause, weil mir diese Zeit zu hektisch und zu modern ist und ich für diesen Konsumtrubel kein Verständnis habe. Nichts ist mehr übrig von der staden Zeit. Bereits im September kann man in den Supermärkten Lebkuchen kaufen, gleich nach dem Oktoberfest die ersten Adventskalender und ab Mitte November erklingt Weihnachtsmusik und die ersten Weihnachtsmärkte öffnen. Und währenddessen beginnt der große Konsumrausch, der jedes Jahr noch größer wird. Sind die Feiertage dann endlich da, ist jeder nur noch genervt und abgespannt und verspricht sich, dass im nächsten Jahr alles ruhiger werden soll. Doch nach den Feiertagen beginnt die Sause von vorn. Schließlich müssen Gutscheine eingelöst und Geschenke umgetauscht werden. Da lobe ich mir Weihnachten in meiner Kindheit: Welch ein schönes Fest das doch war, vor allem sehr besinnlich. Ich denke gern daran zurück. Ich würde mich freuen, wenn wir alle ein bisschen nachdenklicher werden und uns wieder auf das Wesentliche besinnen würden. Weihnachten sollte wieder eine stade Zeit werden. Ich wünsche allen Kollegen und Stammkunden ein ruhiges und vor allem frohes Weihnachtsfest!

Worauf es ankommt?

Karin Lohr, Geschäftsführung; Foto: Sacha Kletzsch

Auf die Frage, worauf es im Leben ankommt, fällt einem, je nach Tagesform und Laune, schnell einmal etwas anderes ein. Für uns BISSler ist die Antwort immer dieselbe: Jeder braucht eine gute Arbeit und eine bezahlbare Wohnung, das gibt ihm Halt, auch in schwierigen Phasen, die es in jedem Leben gibt. Auf dieser Grundlage verhilft BISS seit 26 Jahren obdachlosen, armen und sozial benachteiligten Menschen zu einem besseren Leben. Wenn Sie in diesem Heft die Seiten 24 bis 28 aufblättern, werden Sie dieses bessere Leben in den Gesichtern der 54 abgebildeten Frauen und Männer sehen. Manche von ihnen verkaufen seit vielen Jahren die BISS, andere erst seit ein paar Monaten. Jeder von ihnen hat einen festen Arbeitsplatz, sozialversicherungspflichtig und unbefristet. Das ist möglich, weil jeder angestellte Verkäufer einen Paten hat, der für ein paar Monate oder vielleicht sogar für ein ganzes Jahr einen Teil des Gehalts übernimmt. Manche Verkäufer brauchen mehr Unterstützung, um überhaupt arbeiten zu können, beispielsweise medizinische und zahnärztliche Versorgung oder einen Deutschkurs. Auch diese dringend notwendigen Einzelfallhilfen sind dank unserer großzügigen Spender möglich. Es ist jedoch nicht nur der Arbeitsplatz alleine, auf den es ankommt, unverzichtbar ist auch ein sicherer Ort zum Leben. Viele unserer Verkäufer haben in der Vergangenheit schlimme Erfahrungen in miserablen und teuren Unterkünften gemacht. Sie hoffen und bauen jetzt auf eine bessere Zukunft, deshalb verkaufen sie mutig und ausdauernd die Zeitschrift, dafür gebührt ihnen größte Anerkennung. BISS wird weiterhin, gegen die Gewalttätigkeit eines boomenden Immobilienmarktes, alles daran setzen, arme und obdachlose Menschen von der Straße in menschenwürdigen und bezahlbaren Wohnraum zu bringen. Dieses Jahr hat ein Glücksfall dazu beigetragen, denn ein Herr aus Hohenschäftlarn hat uns sein Haus vererbt (siehe Seiten 16 bis 21). In diesem Haus wohnen bereits zwei Verkäufer, die sich jeden Tag aufs Neue freuen, wie gut sie es getroffen haben. Ich danke allen Lesern, Spendern, Paten, Anzeigenkunden, Kooperationspartnern, Förderern, Freunden sowie der Abtei St. Bonifaz mit ihrem engagierten Pfortenteam von ganzem Herzen. Sie alle gehören zu unserem starken Netzwerk und setzen sich mit ihrem Handeln für eine sozial gerechtere Gesellschaft ein. Sie erweisen hilfebedürftigen Menschen einen großen Dienst! Im Namen aller BISSler wünsche ich Ihnen frohe und friedliche Weihnachten 2019 und schöne Festtage im Kreise lieber Menschen.

Herzlichst Karin Lohr,

Geschäftsführerin