Trauerfeier für BISS-Verkäufer Hartmut „Jackie“ Jacobs am 6. April abgesagt

Wir möchten alle Freunde, Bekannten und Kunden von Jackie informieren, dass die geplante Trauerfeier abgesagt ist. Sie hätte ursprünglich am 6. April um 11.15 Uhr in der Aussegnungshalle im Ostfriedhof mit anschließender Urnenbestattung im BISS-Grab stattfinden sollen.

Ein neuer Termin steht noch nicht fest, wir geben ihn bekannt, sobald wir ihn wissen.

Herzliche Grüße

Die BISSler

BISS macht Pause!

Pressemitteilung zur Coronakrise – 16. März 2020

BISS stellt die Abgabe der Straßenzeitung ab sofort ein – Verkäufer und Kunden sollen vor eventueller Ansteckung mit Corona geschützt werden.

Die Münchner Straßenzeitschrift BISS wird von über 100 Verkäuferinnen und Verkäufern in der Stadt verkauft. Aufgrund der aktuellen Coronakrise möchten wir Vorsorge treffen und unsere Verkäufer sowie unsere Kunden vor einer eventuellen Ansteckung schützen. Wir haben schon am Wochenende die Abgabe der Zeitschrift zurückgefahren und stellen sie ab heute, vorerst bis zum 31. März 2020, ein. BISS-Geschäftsführerin Karin Lohr sagt: „Wir lassen unsere Verkäufer nicht hängen, keiner muss Angst um seinen Arbeitsplatz haben“. In dieser Krise bewährt sich die konsequente Festanstellung der Verkäufer. Sie behalten ihren Arbeitsplatz. Vor allem haben sie den vollen Schutz ihrer Krankenversicherung und können, falls erforderlich, ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Wir danken allen Lesern, Spendern, Paten, Anzeigenkunden, Kooperationspartnern, Freunden, Förderern sowie der Abtei St. Bonifaz für ihr Verständnis. Wir wünschen allen, dass sie gesund bleiben. Gemeinsam werden wir die Krise überstehen!

BISS-Ausgabe März 2020 | Rassismus

Cover des BISS-Magazins März 2020

Thema | Rassismus im Alltag | Von kleinen Sticheleien bis zu offenen Übergriffen: Kaum ein Tag vergeht, an dem Betroffene nicht mit ihrem Anderssein konfrontiert werden |6 Alltagsrassismus: Betroffene erzählen von ihren Erlebnissen? | 12 Altersarmut von Frauen: Interview mit Prof. Dr. Irene Götz | 16 Was denken junge Menschen? Einblicke in die aktuelle Shell Jugendstudie | 20 Internationale Wochen gegen Rassismus: Interview mit BISS-Mitbegründer Dr. Jürgen Micksch| Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 24 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 26 Patenuhren | 27 Freunde und Gönner | 30 Impressum & Mein Projekt | 31 Adressen

Was uns verbindet

In der BISS-Kolumne kommen Menschen zu Wort, die eine persönliche Erfahrung oder ihr Interesse an einem Thema oder Projekt verbindet. In der Begegnung zeigt sich, dass Menschen trotz unterschiedlicher Lebenslagen, Überzeugungen und Persönlichkeiten immer auch etwas gemeinsam haben

NACHBARSCHAFT

Protokoll: Felicitas Wilke

Illustration: Martin Fengel

Foto: Barbara Donaubauer

WALTRAUD RÖVEKAMP: Wir beide haben jahrelang in demselben Hochhaus im Norden von Schwabing gewohnt. Kennengelernt haben wir uns bei einem Sommerfest in unserem Hof.

HANS PÜTZ: Wir sind beide „Zugezogene“. Ich komme ursprünglich aus Düsseldorf. Als ich in den Achtzigern nach München gezogen bin, war mir die Münchner Schickeria erst einmal fremd. Aber nach ein paar Monaten habe ich mich eingelebt.

Hans Pütz, ehemaliger BISSVerkäufer und Waltraud Rövekamp, Rentnerin

WR: Ihr Rheinländer geht auf Menschen zu! Ich bin in Münster geboren und 1977 nach München gekommen. Auch ich fühlte mich hier nicht sofort zu Hause, doch nach circa zwei Jahren lernte ich meinen späteren Mann und über ihn viele Freunde und Bekannte kennen. Später kam auch Hans dazu. Als wir noch Nachbarn waren, sind mein Mann und ich mit Hans öfter mal ein Bier trinken oder essen gegangen.

HP: Dann bin ich krank geworden. Meine Augen verschlechterten sich, vor  gut  einem Jahr wurde zudem Krebs diagnostiziert, und ich konnte nicht mehr arbeiten. Waltraud hat mich sehr unterstützt, war für mich einkaufen, hat mir beim Papierkram geholfen und mich in verschiedenen Krankenhäusern besucht.

WR: Ich mache das gern. Nächstenliebe  kann jeder,  man  muss nicht unbedingt  ein Christ sein. Heute lebt Hans im Münchenstift, ganz in der Nähe unserer alten Wohnung. Ich besuche ihn  mehrmals  die Woche, dann gehen wir gemeinsam spazieren oder machen Arztbesuche. Eigentlich sind wir immer noch wie Nachbarn!

„Wir können alle zu einem menschenfreundlichen Land beitragen“

In einem unscheinbaren Verwaltungsgebäude in der Nähe des Darmstädter Hauptbahnhofs hat die Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus ihren Sitz. Von hier aus organisiert Jürgen Micksch mit seinem Team jedes Jahr die gleichnamigen Aktionswochen, die in diesem März zum 25. Mal in Deutschland stattfinden und vom 16. bis zum 29. März 2020 unter dem Motto „Gesicht zeigen – Stimme erheben“ stehen. Micksch, 79, setzt sich seit Jahrzehnten für benachteiligte Menschen in der Bevölkerung ein. Er gehört auch zu den Gründern der BISS und hat Pro Asyl ins Leben gerufen. Ein Gespräch über Rassismus früher und heute, über verletzende Sprache und seine eigene Biografie als Flüchtlingskind.

Von FELICITAS WILKE

DR. JÜRGEN MICKSCH wurde 1941 in Breslau geboren und wuchs nach der Flucht in Niederbayern auf. Als Jugendlicher spielte er am Residenztheater und an den Kammerspielen. Anschließend studierte er Theologie, Philosophie und Soziologie. Zwischen 1984 und 1993 war er stellvertretender Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing. Dort trafen sich im Jahr 1991 auf der Tagung „Obdachlosigkeit – ein Skandal und seine Folgen“ Medienleute, Sozialarbeiter, Obdachlose, kirchlich und sozial Engagierte. Dr. Jürgen Miksch regte das Projekt an, nach amerikanischem Vorbild ein Münchner Straßenmagazin herauszugeben. Aufgrund des Einsatzes vieler Engagierter konnte im Oktober 1993 die erste BISS-Ausgabe realisiert werden. Dr. Jürgen Miksch gründete zahlreiche Projekte und Organisationen, darunter Pro Asyl, den Interkulturellen Rat, das Deutsche Islamforum und die Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus.

Herr Micksch, gehen die Menschen hierzulande heute anders mit dem Thema Rassismus um als vor 25 Jahren?

Auf jeden Fall. Heute würde kein vernünftiger Mensch mehr bestreiten, dass Rassismus in unserer Gesellschaft existiert – wahrscheinlich nicht mal die Menschen mit rassistischen Einstellungen selbst. Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung. Vor 25 Jahren war es in Deutschland noch die landläufige Meinung, es gebe hierzulande seit Ende des Zweiten Weltkriegs keinen Rassismus mehr.

Ein Trugschluss.

Natürlich. Der Rassismus ist nie ausgestorben. Das haben die offenkundig rassistisch motivierten Gewalttaten gezeigt, die Neonazis Anfang der Neunzigerjahre in Deutschland verübten. In Hoyerswerda, in Solingen oder Mölln, um nur ein paar zu nennen.

Auch als Reaktion darauf riefen Sie im Jahr 1995 die Wochen gegen Rassismus ins Leben.

Ich bin ein etwas sturer Mensch (lacht). Es irritierte mich, wie wenig Aufmerksamkeit der Internationale Tag gegen Rassismus in Deutschland erfuhr, den es ja schon viel länger gibt. Also habe ich einfach mal angefangen und weitergemacht, auch als die Aktionswochen anfangs auf wenig Interesse stießen. In den ersten Jahren haben wir nur eine Handvoll Veranstaltungen organisiert. Doch nach sechs, sieben Jahren wurden es immer mehr.

Wie erklären Sie sich, dass wir als Gesellschaft heute anders auf die Problematik blicken als damals?

Dazu haben leider viele furchtbare Dinge beigetragen. Die NSU-Morde, zuletzt auch die Ereignisse in Halle, die uns vor Augen führten, dass es heute genau wie damals gewalttätige Rassisten in unserem Land gibt. Andererseits setzen sich aber auch viel mehr Menschen als früher gegen Rassismus ein. Das ist eine ausgesprochen erfreuliche Entwicklung, zu der viele beigetragen haben: die Vereine, die Kirchen, die Flüchtlingshelfer – und sicherlich auch unsere Stiftung.

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