Wie ich wohne

Wer wohnt wie? In der Kolumne geben Menschen aus dem BISS-Netzwerk Einblicke in ihren Wohnalltag. Sie erzählen, wie sie früher gelebt haben, wie sie momentan wohnen und was sie sich für die Zukunft erhoffen.

Protokoll ANNELIESE WELTHER

Der gern Freunde um sich hat

Foto: Martin Fengel

Selten kommt es vor, dass man in eine ganz neu fertiggestellte Wohnung einzieht. Mir war das vor ein paar Jahren vergönnt, als ich mein Einzimmerappartement in Schwabing erhielt, einer Gegend mit vielen Familien. Ein absolutes Kontrastprogramm zu meiner vorherigen Situation: Fünf Jahre lang teilte ich mir ein Zimmer in einer Pension. Anfangs war mir dort etwas mulmig zumute, doch dann freundete ich mich mit meinen beiden Mitbewohnern an. Oft ging es turbulent zu, und nicht selten war die Polizei im Haus. Zweimal hatte ich das Vergnügen, dass Wasser von der Decke tropfte. Der Nachbar von oben hatte vergessen, die Dusche abzudrehen. Ein anderes Mal schmiss einer einen Stuhl und ein Fernsehgerät aus dem Fenster. Eines Morgens ging ich los, um die BISS zu verkaufen, da kamen mir von draußen vermummte Beamte, in Schutzkleidung und mit einem Rammbock ausgestattet, entgegen. Als ich nach der Arbeit zurückkehrte, erfuhr ich, dass sie in unserem Zimmer gewesen waren! Einer meiner Mitbewohner hatte seine Freundin bedroht. In meiner jetzigen Wohnung habe ich mich zunächst daran gewöhnen müssen, dass nicht immer jemand zum Reden da ist. Dabei habe ich schon zuvor allein gelebt, als ich mit 19 von zu Hause ausgezogen bin und eine Dachgeschosswohnung nur für mich hatte. Bis tief in die Nacht hinein spielte ich dort mit meinen Freunden auf der Playstation. Nach zwei Jahren musste ich die Wohnung für den Wehrdienst aufgeben. Bei der Grundausbildung war ich mit fünf weiteren Wehrpflichtigen in einem Zimmer untergebracht. Jeden Morgen weckte uns der Schrei des Offiziers vom Dienst. Nach der Körperpflege mussten wir unser Zimmer putzen. Bei der anschließenden Kontrolle hatte der Offizier immer etwas zu beanstanden. Als Kind hatte ich mit meinen Eltern immer in ländlich gelegenen Dienstwohnungen gelebt, was sehr langweilig war. Freunde zum Spielen gab es nicht. Wenn ich mal einen Schulkameraden besuchen wollte, musste ich drei Kilometer radeln. Aber ich hatte ein eigenes Zimmer, in dem ich alle möglichen Sachen auseinanderschraubte. Nach meiner Wehrdienstzeit zog ich wieder bei meinen Eltern ein. Sie überredeten mich, zu meinem zehn Jahre älteren Bruder nach München umzusiedeln, da die Chancen, eine Arbeit zu finden, dort größer wären. Eine Zeit lang wohnte ich bei ihm und seiner Familie, bis ich in eine Einzimmerwohnung einzog – fast so eine, wie ich jetzt habe, nur etwas kleiner. Ich hatte wechselnde Jobs, wurde arbeitslos und musste meine Bleibe aufgeben. So landete ich in der Pension und dann hier. In der Wohnung gibt es immer etwas, was mir nicht mehr gefällt und verändert werden muss. Als Nächstes werde ich die Wände streichen, denn mit der Zeit ist hier ein Fleck entstanden und dort einer, das nervt mich. Glücklich bin ich über meinen Balkon, wo ich rauchen kann. Dort grille ich zudem hin und wieder mit Freunden, die mich häufig besuchen. Wir kochen auch zusammen oder planen den nächsten gemeinsamen Urlaub.

Wie ich wohne

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Protokoll ANNELIESE WELTHER

Foto: Martin Fengel

Der Autogrammjäger

Es ist etwas in die Jahre gekommen und müsste mal renoviert werden, mein 1-Zimmer-Appartement, in dem ich schon seit 1980 lebe und zu dem ein kleines Bad, eine Kochnische und ein Balkon gehören. Eigentümer ist mein Bruder, ich habe lebenslanges Wohnrecht und muss nur für die Nebenkosten in Höhe von 198 Euro aufkommen. Wenn ich von meinem Balkon im siebten Stock rausschaue, ist alles bebaut, vor vierzig Jahren waren dagegen noch viele Wiesen zu sehen. Von den Parteien, die damals hier gewohnt haben, ist außer mir nur noch eine da. Früher glaubte ich immer, etwas zu verpassen, wenn ich nicht ausging. Mittlerweile bin ich, auch dank Corona, häuslicher geworden. Theater-, Kino- oder Museumsbesuche sind aber immer noch Teil meines Lebens. Zudem lese ich gern. Eine ganze Reihe Bücher habe ich vor ein paar Jahren schon entsorgt, aber ich besitze immer noch viele, und das Besondere daran: Fast alle sind vom Autor signiert!
An meiner Haustür klebt ein Aufkleber, der mit einem Augenzwinkern darauf hinweist, dass man bei mir „Boarisch“ redet, was aber nicht bedeutet, dass ich Bayerntümelei mag. Keineswegs glaube ich, dass die Welt am bayerischen Wesen genesen muss. Aber als gebürtiger Münchner interessiere ich mich für die Geschichte meines Bundeslandes. Eines meiner gesammelten Bücher ist den Schlössern König Ludwigs II. gewidmet. Ich habe es ergänzt mit Schreiben, die ich auf Anfrage von seinen Nachkommen erhielt. Ein anderes Buch, das mich beeindruckt hat, beschäftigt sich mit der Rolle des Schlosses Nymphenburg im Nationalsozialismus. Die Auseinandersetzung mit dieser Zeit hat für mich auch eine ganz persönliche Seite: Mein Vater hat als Gewerkschaftsmitglied zeitweise im Konzentrationslager Dachau eingesessen. Ich selbst hatte als Kind Probleme, mich zu integrieren, und habe sicher auch das eine oder andere angestellt, sodass meine Eltern mich in ein sogenanntes Knabenerziehungsheim nach Österreich gaben. Von außen war es ein schönes Gebäude, ein richtiges Schloss. Hinter den Mauern erlebte ich jedoch alles andere als eine angenehme Zeit. Es waren die 50er Jahre, was bedeutete, dass wir in Schlafsälen mit 30 bis 35 Kindern schliefen und körperliche Züchtigung an der Tagesordnung war. Für meine in dieser Zeit erlebte Misshandlung habe ich bereits eine Entschädigung erhalten, empfinde die Summe aber als viel zu gering gegenüber dem, was mir dort angetan wurde. Deshalb lasse ich nicht locker und kämpfe um mehr. Was ich in Zukunft auch noch machen will, ist, etwas Platz in meiner Wohnung zu schaffen, indem ich mein Etagenbett loswerde. Zum Schlafen brauche ich es nicht, ich habe schon ein Schlafsofa. Als ich es kaufte, schwebte mir vor, es könnten Besucher darauf übernachten, aber dazu ist es so gut wie nie gekommen. Lange Jahre habe ich es genutzt, als ich noch in einer festen Partnerschaft lebte. Nun bin ich aber ganz froh, solo zu sein. Eine erneute Beziehung könnte ich mir auch nur in einer größeren Wohnung vorstellen.

Wie ich wohne

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Protokoll ANNELIESE WELTHER

Foto MARTIN FENGEL

Der Thermophile

Mit zwei anderen BISS-Verkäufern teile ich mir eine Dreizimmerwohnung in einem der zahlreichen Wohnblocks jenseits der Drygalski-Allee. Mein Lieblingsort hier ist der Balkon – aber nur im Sommer! Wenn ich sonntags nicht arbeite, beobachte ich von dort spielende Kinder und die vielen anderen Menschen, die es an schönen Tagen ins Freie zieht. In nur fünf Ländern in Europa war ich noch nicht beruflich unterwegs, alle liegen sie in Skandinavien. Dahin zieht es mich auch nicht. Das warme Klima liegt mir mehr. Zwölf Jahre habe ich in der Stadt Ventimiglia an der italienischen Riviera in einem Einzimmerappartement gelebt – nur zehn Minuten vom Meer entfernt. Jeden Sonntag ging ich zum Baden. Im Winter war es sehr mild, so etwa wie in München im September. Für mein Appartement zahlte ich übrigens 200 Euro, das ist weniger als die Hälfte von dem, was ich jetzt an Miete für mein WG-Zimmer aufbringen muss. Wahrscheinlich wäre ich immer noch dort, wäre mein Chef nicht an den Folgen eines Arbeitsunfalls mit nur 54 Jahren gestorben. Unser Verhältnis war wie das eines Vaters und eines Sohns gewesen. Er hatte mir mit all dem Behördenkram geholfen und die Wohnung besorgt. In meinem Heimatland Rumänien habe ich als Kind mit meinen Eltern in einem Haus mit drei Zimmern gelebt, meine Großmutter wohnte gleich nebenan. Wir ernährten uns hauptsächlich von dem, was in unserem Garten wuchs, also sehr gesund, meine Oma jedenfalls ist 98 Jahre alt geworden. Mit 14 zog ich in die Hauptstadt Bukarest, um die weiterführende Schule zu besuchen. Das erste Jahr wohnte ich zur Untermiete, danach wechselte ich in ein Internat, das gefiel mir besser, weil ich die ganze Zeit mit Kindern zusammen war, auch wenn ich mir nun das Zimmer mit einem Jungen teilen musste. Später erlernte ich den Beruf des Schreiners und arbeitete ein Jahr in der maschinellen Möbelproduktion. Nach der Wende wurde ich entlassen, wie viele andere auch. Weil die Arbeitsmarktlage in Rumänien damals hoffnungslos war, ging ich 1995 nach Italien. Die ersten zwei Wochen lebte ich in Rom auf der Straße, lernte dann zwei Rumänen kennen, in deren Küche ich auf dem Sofa schlafen durfte. Ich zog weiter in den wirtschaftsstarken Norden des Landes, wo ich bei meinem Chef in Ventimiglia landete. Wir machten Innenausbau, brachten Spiegel an, legten Parkett, und das nicht nur in Italien, beinahe täglich fuhren wir rüber an die Côte d’Azur, übernahmen Aufträge in Cannes, Nizza, Monaco. Eine tolle Zeit war das. Nach dem Tod meines Chefs bin ich nach Deutschland gegangen, weil ich gehört hatte, es gebe hier Arbeit. Zunächst war ich in Frankfurt am Main, fand keinen Job, gelangte dann nach München, wo ich auf einige BISS-Verkäufer aufmerksam wurde. Ich kam mit ihnen ins Gespräch und wurde selbst einer von ihnen. Bis dahin hatte ich etliche Monate auf der Straße gelebt. Nun bin ich froh über mein Zimmer. Mit meinen WG-Kollegen komme ich gut aus, wir respektieren uns gegenseitig. Und wenn ich etwas brauche, habe ich alle Läden in der Nachbarschaft.

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Die Ballerina

Protokoll ANNELIESE WELTHER

Foto MARTIN FENGEL

Betritt man meine Wohnung, steht man gleich in der Küche, zu der auch ein Tisch und zwei Stühle gehören. Oft sitzt dort der ein oder andere Nachbar oder Freund. Zu allen Bewohnern der Anlage habe ich ein gutes Verhältnis. Wir schauen nacheinander, unterstützen uns gegenseitig, holen dem anderen mal die Zeitung. Ich versuche den Leuten immer freundlich, offen und ehrlich zu begegnen. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus, ist meine Überzeugung. In meinem 1-Zimmer-Appartement lebe ich seit 20 Jahren, das ist fast so lange, wie es unsere Wohnanlage in Ramersdorf gibt. An der Wand im
Flur hängt ein Paar Ballettschuhe, die mich an die 20 Jahre, die ich getanzt habe, erinnern. Mit viereinhalb Jahren habe ich damit begonnen. Damals lebte ich in New York. Zuvor war ich etwa ein Jahr mit meinen Eltern auf Amrum gewesen. An diese Zeit erinnere ich mich aber nicht mehr. Als ich 18 war, zogen meine Eltern mit mir und meiner Schwester nach Pforzheim. Diese Kleinstadt mitten im Schwarzwald war das Gegenteil von den USA, wo alles riesig, modern und etwas verrückt war. Mir fehlte der Trubel, die Hektik, das Leben. Mein chinesisches Sternzeichen ist der Hahn, das bedeutet, ich stehe gern im Mittelpunkt und habe viel Energie. Bald zog ich wieder aus und ging kurze Zeit später zurück in die Staaten, um an der Theaterakademie zu studieren. Ich genoss es, allein zu leben, unabhängig und selbstständig zu sein. Irgendwann einmal entschied ich mich jedoch, das Tanzen an den Nagel zu hängen, da man damit kein Geld verdienen konnte. Im Urlaub lernte ich meinen Mann kennen und aus drei Tagen München wurde schließlich eine Ehe. Was das Wohnen angeht, hat mein Mann einen anderen Stil als ich. Würde es nur nach mir gehen, hätten wir viel weniger Sachen. Zum Beispiel hängen in unserem Wohn- und Schlafzimmer etliche Bilder: moderne Kunst, Fotografien, Stadtansichten – viel zu viele. Ich mag es gern übersichtlich und ordentlich. Vielleicht weil ich als junger Mensch sehr viel umgezogen bin, kann ich mir nicht vorstellen, auf Dauer hier in diesem Appartement zu bleiben. Von meinen Eltern bin ich gehobenere Viertel gewohnt. Ich mag es gern innerstädtischer, vor allem die Altbauwohnungen mit ihren Stuckdecken haben es mir angetan. Allerdings gehört unsere Anlage zum Sozialen Wohnungsbau, wir zahlen für unser Appartement 386 Euro plus Nebenkosten. Würde ich wegziehen, müsste ich ein Vielfaches davon aufbringen. Ich wäre blöd, wenn ich das machen würde. Angesichts dessen, dass manche BISS-Verkäufer gar keine Wohnung haben, bin ich letztendlich zufrieden. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, trinke ich gern mal einen Tee, relaxe, schaue nach den Nachbarn, putze Zähne und schon falle ich ins Bett. In den Momenten, in denen ich meine Ruhe brauche, lese ich etwas, schaue fern oder höre leise, ruhige Musik. Aber diese Augenblicke sind selten. Ich finde, das Wichtigste ist, dass man agil bleibt.

Wie ich wohne

Wer wohnt wie? In der Kolumne geben BISS-Verkäuferinnen und -Verkäufer Einblicke in ihren Wohnalltag. Sie erzählen, wie sie früher gelebt haben, wie sie momentan wohnen und was sie sich für die Zukunft erhoffen.

Der aus Unterschleißheim

Protokoll ANNELIESE WELTHER

Foto MARTIN FENGEL

Die 2-Zimmer-Wohnung, die ich mir mit einer BISS-Kollegin teile, liegt ganz oben in einem fünfstöckigen Mehrfamilienhaus inmitten eines Wohngebiets in Unterschleißheim. Unser Gebäude ist das höchste in der Umgebung und ich kann über die vielen kleinen Häuser mit ihren Gärten drum herum bis hinaus auf die Felder blicken. Zu meinem Verkaufsplatz in der Münchner Innenstadt habe ich einen langen Weg: Zuerst fahre ich mit der S-Bahn, dann mit der U-Bahn und dann noch ein Stück mit der Tram. Dennoch bin ich mit meiner Wohnsituation sehr zufrieden, mir gefällt es, dass ich so ruhig und ländlich lebe. An zwei Tagen in der Woche verkaufe ich auch in Unterschleißheim. Die BISS kommt bei den Leuten hier draußen gut an. Meine Käufer sind ganz unterschiedlich, Junge, Alte, Familien, jedoch alle ganz bodenständige Menschen, die sich für mich interessieren und auch immer mal wieder fragen, ob ich etwas benötige. Aber auch über die Käufer in München drin kann ich nur Gutes berichten. Einige von ihnen haben selbst schwere Krisen durchlebt und teilen dennoch das Wenige, das sie haben, mit mir. An meiner Wohnung gefällt mir, dass sie über alles verfügt, was man braucht: Küche, Bad, einen Balkon und ein Kellerabteil. Lange Zeit habe ich von so etwas nur geträumt, zum Beispiel, als ich in meinem Heimatland Rumänien als Schafhirte in einer nach vorn offenen Holzkiste mitten auf dem Feld wohnte, deren Grundfläche gerade mal so groß wie meine Matratze war. Waschen musste ich mich am nahe gelegenen Bach. Damals wünschte ich mir sehnlichst, ich würde in der Fabrik arbeiten und in einer Wohnung leben. Bis zu meinem neunten Lebensjahr hatte ich bereits mit meiner Mutter in einem Wohnblock gewohnt. Rosig war diese Zeit allerdings auch nicht, immer wieder gab es Reibereien zwischen uns. Ganz eskalierte die Lage, als sie sich wieder verheiratete und noch ein Kind erwartete, da musste ich ins Heim. Als ich viele Jahre später nach Bukarest gelangte, konnte ich mir dort keine Wohnung leisten, also schlief ich auf Parkbänken. Sogar in einem Kanalschacht übernachtete ich mal, auf den warmen Heizungsrohren. Tagsüber arbeitete ich auf einer Baustelle. Dort gelang es mir, aus Stellwänden ein Kabuff zusammenzuzimmern, wo ich behelfsmäßig bleiben konnte. Dem Leiter der Baustelle gefiel das ganz gut, da somit der Platz auch nachts bewacht war. Ich besorgte mir einen speziellen Draht, den man normalerweise in Öfen hat, legte ihn auf einen Ziegelstein, erhitzte ihn und konnte mir so was zu essen kochen. Eine bessere Lebenssituation erhoffte ich mir in Deutschland, doch auch hier musste ich fast drei Jahre auf der Straße leben. Mein Tagesablauf sah damals folgendermaßen aus: Nach der Arbeit auf dem Bau kehrte ich um 17 oder 18 Uhr zurück, saß auf einer Parkbank, bis die Leute langsam nach Hause gingen, legte dann einen Karton auf den Boden und darauf meinen Schlafsack. So schlief ich bis sechs Uhr morgens. An dem Springbrunnen wusch ich mich. Wenn ich zur Arbeit ging, versteckte ich den Schlafsack und meinen Kleiderbeutel im Gebüsch. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei.