Wer wohnt wie? In der Kolumne geben Menschen aus dem BISS-Netzwerk Einblicke in ihren Wohnalltag. Sie erzählen, wie sie früher gelebt haben, wie sie momentan wohnen und was sie sich für die Zukunft erhoffen.
Protokoll HANS ALBRECHT LUSZNAT
Foto MARTIN FENGEL
Der Brotbäcker

Das Haus, in dem ich wohne, wurde vor 25 Jahren in Riem neu gebaut, auf dem Gelände, wo vorher die Start- und Landebahn des Flughafens Riem war. Ich wohne im dritten Stock und gleich hinter der Haustür – die eigentlich ein Gittertor in einem luftigen Durchgang ist – gibt es einen Lift als frei stehenden Turm. Mit dem komme ich in den dritten Stock. Dann geht es über eine Art Brücke und einen Außengang am Gebäude entlang zu den einzelnen Wohnungstüren. Rechts schaut man in die große Grünfläche zwischen den Häusern. Meine Wohnungstür ist die vorletzte an dem 88 Meter langen Gang. Im ganzen Gebäude gibt es insgesamt 98 Wohnungen. Ich bin hier vor 15 Jahren mit meiner Frau eingezogen. Die Wohnung hat zwei Zimmer und geht über 2 Etagen. Es sieht großzügig aus, es sind aber nur 48 Quadratmeter. Wenn man in meine Wohnung kommt, gibt es zunächst einen Windfang mit Garderobe, dann einen ersten Durchgangsraum mit Küche, einem Tisch und Stühlen und einer Treppe ins obere Stockwerk. Geht man geradeaus, liegt links das Bad und man kommt ins Schlafzimmer, wo auch der Fernseher steht. Oben ist ein weiteres Zimmer, ungefähr so groß wie der Raum darunter. Zusammen kostet es 580 Euro Miete, ich bekomme Rente und etwas Hilfe und mit dem, was ich bei BISS verdiene, kann ich die Miete bezahlen. Gebürtig komme ich aus Breslau, war dort bis zum 30. Lebensjahr und bin dann nach Katowice (Kattowitz) umgezogen. Ich habe Automechaniker gelernt und in diesem Beruf in Polen gearbeitet. Dann bin ich so um die Jahrtausendwende nach Deutschland gekommen und war Fahrer für eine große Apotheke und habe Medikamente ausgeliefert an Filialen in München. Die letzten 15 Jahre sind wie im Flug vergangen und ich bin jetzt schon 75 und habe Probleme mit dem Herzen. Wenn ich Treppen steige oder weit laufe, dann muss ich immer wieder Pausen einlegen. Deshalb habe ich den BISS-Verkauf auch auf ein paar Stunden begrenzt, denn langes Sitzen am Verkaufsplatz verursacht mir dann nach einiger Zeit Schmerzen.
Hier um unsere Wohnung bekommt man alles, was man zum Leben braucht. Es gibt Geschäfte und ein Stück weiter vorn in der Straße gegenüber dem Messegelände auch ein Café mit Bäckerei. Da gehe ich ein- bis zweimal in der Woche einen Kaffee trinken. Mit den Nachbarn haben wir wenig Kontakt; es wohnen hier im Haus sehr viele alleinstehende Personen. Die Tochter und die zwei Enkelkinder leben in Polen und augenblicklich ist meine Frau auch dort, weil sie krank ist und sich dort besser fühlt. Am Wochenende gehe ich manchmal in die Kirche, entweder hier in der Nähe oder in Schwabing am Josephsplatz. Dort wird mittags ein Gottesdienst der polnischen Gemeinde gefeiert. Manchmal besuche ich am Wochenende die „Maratonga Bar“ zum Tanztee, das ist speziell für ältere Leute. Jetzt, wo ich nicht mehr ganz so beweglich bin und nicht mehr viel mit dem Fahrrad durch die Gegend fahre, verbringe ich einen großen Teil meiner Zeit in der Wohnung. Alle zwei Wochen backe ich Brot, weil das ist 1.-Klasse-Brot und schmeckt mir besser als die Ware aus dem Supermarkt.