BISS / : Seite 4

Da wächst was

Im flach liegenden Kunstwerk wachsen Tomaten

Foto: MANUEL NIEBERLE Text: GABRIELE WINTER

Kunst, die Impulse gibt und die Menschen zum Handeln anregt – das ist ganz im Sinne der britischen Künstler von Studio Morison. Deshalb waren sie begeistert, dass nach dem 25-jährigen BISS-Jubiläum Elemente der Kunstskulptur „I will be with you, whatever“ vom Wittelsbacherplatz eine weitere sinnvolle Verwendung finden. Die Bauunternehmung Lutzenberger hatte die tonnenschwere Skulptur im Oktober vergangenen Jahres so abgebaut, dass 24 Einzelelemente erhalten blieben. Von diesen wurden inzwischen elf an gärtnerisch aktive Schulen und Projekte abgegeben. Der freiberufliche IT-Journalist Oliver Häußler brachte drei in die Waldorfschule München Südwest, in der seine Tochter die 10. Klasse besucht. Gartenbau ist dort sogar Unterrichtsfach, denn laut Waldorfpädagogik „erfahren die Kinder ihre eigenen Gestaltungskräfte im Umgang mit den natürlichen Prozessen“. Die beweglichen Teile „kamen zum Bepflanzen wie gerufen“, denn die Schule musste vorübergehend ihren Garten auflösen und konnte so trotzdem weitersäen – und ernten.

Hochkant ist es ideal für Blumentöpfe und Vogelhäuschen.

Auch die Mittelschule an der Wiesentfelser Straße bepflanzt ein Pavillon-Element – aber erst muss noch das Insektenhotel renoviert werden. Die Schule hatte sich gleich nach dem Abbau der Skulptur den ersten 3,15 Meter langen, mit silbernem Stoff bespannten Holzkörper gesichert. Genau wie Vinko Rubic, der mit BISS-Verkäufer Udo Güldner in Hohenschäftlarn ein Beet mit Tomaten- und anderen Gemüsepflanzen anlegte. Der Münchner Verein Greencity, dessen Ziel es ist, die Stadt grüner und lebenswerter zu machen, bepflanzt zusammen mit Ehrenamtlichen die Holzbeete am Giesinger Grünspitz. Auf dem öffentlichen Platz hat jeder was davon – vor allem die Bienen. Denn durch die Unterstützung der Grünspitz-Imkerin blüht auf den Permakultur-Beeten fast das ganze Jahr etwas. Und damit auch jede/r weiß, woher die ungewöhnlichen Holzgerüste ursprünglich stammen, stecken auf den Beeten Fähnchen mit QR-Codes, durch die man auf die BISS-Homepage kommt. „Damit man sieht, wer die Spender sind und wie die Jubiläumsskulptur mal aussah“, erklärt Irene Nitsch von Greencity. Wer Interesse an einem Pavillon-Element hat, kann gern bei BISS anrufen.

Blut ist dicker als Wasser

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT‘

Von Zuheir Takiyan

Es gab einmal einen Mann im Irak, der hatte zwei Söhne. Als er starb, erbten sie seine Firma. Doch die Brüder waren sich nicht einig, was sie mit ihr machen wollten. Der große Bruder wollte sie übernehmen und weiterführen, der kleine Bruder wollte lieber viel Geld haben, statt zu arbeiten. Und so kaufte der Ältere die Firma dem Jüngeren schließlich ab. Der kleinere Bruder war nun auf einmal sehr reich, er gab all sein Geld einem Börsenmakler. Am Anfang lief alles gut für ihn, die Kurse seiner Aktien stiegen und er machte gute Gewinne. Er kaufte sich daraufhin Autos und Uhren und Schmuck und Kleider für seine Frau, sie reisten durch die Welt und genossen das Leben, doch dann brach die Börse ein, alles Geld war weg. Es kam immer öfter zu Streit zwischen dem kleinen Bruder und seiner Frau, am Ende trennten sie sich. Bei der Scheidung verlor er die gemeinsame Wohnung und so landete er am Schluss auf der Straße, wie ein Bettler. Und so ging er eines Tages zu seinem großen Bruder. Dieser war immer noch Chef der einstigen Firma des Vaters, er hatte sie modernisiert, neue Maschinen gekauft, das Geschäft lief gut, er hatte viel Geld verdient und sogar eine zweite Firma gegründet. Der kleine Bruder sah all das und sagte: „Bruder, hilf mir, ich habe alles Geld verloren, gib mir neues.“ Aber der große Bruder dachte, dass es ein Fehler wäre, seinem kleinen Bruder Geld zu geben, schließlich würde dieser es doch wieder nur für Luxus ausgeben. Also sagte er: „Ich kann dir nicht helfen, du hast dein Erbe schon bekommen. Mein Geld brauche ich für mich und meine Familie.“ Doch als der kleine Bruder gegangen war, hatte der große Bruder ein schlechtes Gewissen: Würde er ihm Geld schenken, wäre es so schnell weg wie das Erbe. Würde er ihm nicht helfen, würde sein Bruder verhungern. Am Ende ging er zu einem seiner Angestellten und sagte: „Geh in den Park, dort sitzt mein kleiner Bruder. Sprich ihn an und frage ihn, warum er traurig ist. Dann sollst du ihm eine Arbeit geben in meiner zweiten Firma, aber sage ihm nicht, dass diese auch mir gehört.“ So geschah es. Der kleine Bruder war nun auch wirklich fleißig, er arbeitete hart in der Firma und hatte bald Erfolg. Er fand eine neue Frau und lebte glücklich. Doch dann gab es ein großes Treffen, alle saßen zusammen, die Firmen sollten zusammengelegt werden und ein neuer Chef gewählt werden. Da sah der kleine Bruder, dass die Firma, in der er arbeitete, auch seinem großen Bruder gehörte. Sie hatten sich seit ihrem letzten Treffen nicht gesehen, der kleine Bruder hatte dem großen nie verziehen, dass dieser ihm damals nicht geholfen hatte. Also stimmte er bei der Wahl gegen ihn. Doch da erklärte ihm der große Bruder, dass er es war, der seinem Angestellten damals gesagt hatte, er solle den kleinen Bruder einstellen. „Ich wollte, dass du dir deinen Reichtum selbst erarbeitest“, sagte der große Bruder. „Denn nun bist du reich, aber du hast dir alles selbst verdient und wirst dein Geld nicht mehr einfach vergeuden.“ Und so war am Ende aller Streit vergessen und die beiden Brüder führten die Firmen gemeinsam bis zu ihrem Tod. 

Ins Blaue

Karin Lohr, Geschäftsführung; Foto: Sacha Kletzsch

Mit dieser Ausgabe für Juli und August beginnt für uns BISSler endgültig der Sommer. So haben an hoffentlich vielen lauen Abenden Cafés und Biergärten geöffnet, in denen gut gelaunte Menschen sitzen. Denn dort sind auch unsere mobilen Verkäufer besonders gerne mit der Zeitung unterwegs und freuen sich über rege Geschäfte. Außerdem unternehmen wir Mitte Juli wieder unseren traditionellen Betriebsausflug, bei dem Innen- und Außendienst zusammen einen Tag ins Blaue fahren. Dieses Mal geht es in den Pfaffenwinkel, der Reisebus und das Mittagessen sind schon reserviert. Kunst und Kultur kommen natürlich auch nicht zu kurz, denn es ist eine Führung in der Wieskirche in Steingaden vorgesehen. Für die 49 angestellten BISS-Verkäufer gilt August als der Urlaubsmonat, in dem sie ihr Gehalt, auch ohne zu arbeiten, bezahlt bekommen. Für unseren Verkäufer Herrn P. und seine Frau geht die Reise dieses Jahr mit dem Hochgeschwindigkeitszug TGV für ein Wochenende nach Straßburg. Herr P. ist nämlich der glückliche Gewinner der Reise, die BISS unter den Verkäufern, die bei der Europawahl im Mai zur Wahl gegangen sind, ausgelobt hat. So manchen unter ihnen hat man in den Wochen vor der Wahl überzeugen können, wie wichtig unser friedliches Europa ist, das hat uns gefreut. Selbst wenn Sie dieses Jahr nicht wie Herr P. verreisen, haben wir für Sie einige schöne Überraschungen bereit. Unter dem Motto „I will be with you, whatever – 25 Jahre BISS“ zeigen wir in den Räumen des H-Teams in der Plinganserstraße die schönsten Bilder unseres Jubiläumsprojekts 2018, des spektakulären Kunstpavillons am Wittelsbacherplatz. Ab sofort können Sie auch bei dem BISS-Verkäufer Ihres Vertrauens den Katalog zum Projekt kaufen, mit tollen Fotos und vielen spannenden Interviews. Und sollten Sie zufällig mit einem Lieferwagen nach Wales fahren, in dem noch Ladefläche frei ist, könnten Sie uns einen Gefallen tun und für die Künstler von Studio Morison zwei Elemente des Kunstpavillons mitnehmen. Dass aus den vielen Begegnungen und Gesprächen in den Monaten am Wittelsbacherplatz in den Menschen etwas weitergewachsen ist, erleben wir seitdem Tag für Tag. Was aus insgesamt 24 Pavillonelementen sprießt, können Sie auf Seite 26 im Heft lesen. Allen unseren Lesern, Freunden und Unterstützern wünschen wir einen schönen, langen Sommer und freuen uns auf ein Wiedersehen im September!

Herzlichst

Karin Lohr, Geschäftsführerin

BISS-Ausgabe Juni 2019 | Ein guter Start

Cover des BISS-Magazins Juni 2019

Thema | Sprachen lernen | Mit Menschen in Kontakt kommen – das funktioniert nur über eine gemeinsame Sprache. Sich ein anderes Sprachsystem anzueignen, ist jedoch nicht einfach | 6 Spielerisch Deutsch lernen: Sprachförderung bei Kindern | 12 Bundesfreiwilligendienst: Drei Bufdis berichten von ihren Erfahrungen | 16 Gewalt gegen Frauen mit Behinderung: Eine wissenschaftliche Studie belegt das Ausmaß | 20 Wie Erwachsene Sprachen lernen: Das Angebot ist groß, der Weg zum B1-Niveau steinig | 25 Vorsicht: Betrüger geben sich als BISS-Verkäufer aus | Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 26 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 28 Patenuhren | 29 Freunde und Gönner | 30 Impressum & Mein Projekt | 31 Adressen