München wählt

BISS-Geschäftsführerin Karin Lohr (Foto: Volker Derlath)

Am 8. März findet in München die Kommunalwahl statt, bei der Stadtrat, Oberbürgermeister und die Bezirksausschüsse gewählt werden. In dieser Ausgabe haben wir die drei Oberbürgermeisterkandidaten – der Grünen, der SPD und der CSU – gefragt, wie viel sie sparen wollen und in welchen Bereichen. Besonders interessiert haben uns die Vorhaben der Kandidaten für Sparmaßnahmen im sozialen Bereich. Fragen und Antworten wurden schriftlich übermittelt, das ist nicht so lebendig wie ein persönliches Interview, weist jedoch deutlicher auf die unterschiedlichen Schwerpunkte der zukünftigen Politik hin (siehe Seiten 12 bis 19).
BISS besteht als Sozialunternehmen ja ohne staatliche Zuschüsse. Diese Unabhängigkeit lag den Gründerinnen und Gründern schon damals am Herzen. Auch wenn unsere Arbeit daher nicht unmittelbar von drohenden Kürzungen betroffen ist, wissen wir, wie wichtig es ist, dass Menschen in Not sich beraten und helfen lassen können. Dazu braucht es nach wie vor den möglichst persönlichen und unmittelbaren Zugang der Bürgerinnen und Bürger in eine funktionsfähige öffentliche Verwaltung. Das ist nicht selbstverständlich, denn Schlagworte wie Digitalisierung und Bürokratieabbau finden erst einmal Zustimmung. Wenn das aber in der Praxis bedeutet, dass es einem unserer Verkäufer nur mit Unterstützung von zwei Sozialarbeiterinnen, zwei Mobiltelefonen und einem Desktop gelingt, bei der Agentur für Arbeit, einer Bundesbehörde, seinen Antrag auf Arbeitslosengeld abzugeben, dann ist das grotesk. Ich hoffe sehr, er beschreibt diesen Vorgang noch genau in der Schreibwerkstatt, damit wir das in einer unserer nächsten Ausgaben veröffentlichen können.
Wir werden jedenfalls für die Wahl am 8. März bei den BISS-Verkäuferinnen und -Verkäufern werben, damit sie ebenfalls ihr Wahlrecht wahrnehmen. Das funktioniert erfahrungsgemäß am besten, wenn vorab Muster der unterschiedlichen Stimmzettel aushängen. Wählen darf jede volljährige Person, die die deutsche oder eine andere EU-Staatsangehörigkeit hat und seit mindestens zwei Monaten in München wohnt. Ich bin ganz zuversichtlich, dass die Wahlbeteiligung aller BISSler mindestens so gut sein wird wie der allgemeine Durchschnitt, oder vielleicht sogar darüber?

Herzlichst


Karin Lohr, Geschäftsführerin

Ein guter Plan für 2026

Karin Lohr, BISS-Geschäftsführung (Foto: Volker Derlath)

In den vergangenen Wochen diskutierte die Öffentlichkeit heftig über das neue Rentenpaket. Dabei entstand der Eindruck, die Älteren, die schon in Rente sind oder bald gehen, lebten auf Kosten der Jüngeren in Saus und Braus. Dass das nicht stimmt, sehen wir bei BISS jeden Tag. Denn das Lebensalter allein sagt erst einmal nichts über die soziale Situation eines Menschen aus. Wir wissen, dass Armut in der Kindheit die Heranwachsenden ausbremst und eine unglaublich hohe Hürde für einen aussichtsreichen Schul- und Berufsabschluss ist. Und am Ende eines Lebens sind diejenigen, die schon immer arm waren, arm geblieben. Denn es wird immer schwieriger, sich durch eigene Leistung ein gutes Leben zu erarbeiten. In Deutschland arbeiten rund 16 Prozent aller Beschäftigten im Niedriglohnbereich. Wenn Miete und Essen bezahlt sind, bleibt nichts mehr übrig, was in eine private Altersvorsorge eingezahlt werden könnte. Darum ist es so wichtig, dass wir uns darauf verständigen, was gerecht ist und was nicht in unserer Gesellschaft. Wie ungerecht die Einkommen aus Erwerbsarbeit im Vergleich zu den Einkünften aus Vermögen und Erbschaften besteuert werden, kritisiert die Politikwissenschaftlerin Martyna Linartas im Interview (S. 6 bis S. 9). Obwohl das Bundesverfassungsgericht seit Längerem eine Neuordnung der Vermögenssteuer eingefordert hat, hat die Politik hier nichts zustande gebracht. Im Gegenteil, wenn man sich mit Aufstieg und Fall des Immobilienspekulanten René Benko beschäftigt, stellt sich die Frage, ob diese Milliardenpleite durch Benkos Nähe zur Politik ermöglicht wurde. Zur Rettung seiner Geschäfte sind Millionen Euro aus Steuergeldern ausgegeben worden, vergeblich. In München sind von dem versprochenen Glanz ein paar Spekulationsruinen in prominenter Lage übrig geblieben (S. 16 bis S. 19). Die kann man sich auf einem Stadtspaziergang anschauen und darüber nachdenken, was genau mit dem Graffiti „Benko war es nicht alleine“ gemeint ist. Wie gut, dass wir BISSler mit so vielen Menschen verbündet sind, die sich wie wir für ein gerechtes Miteinander in der Gesellschaft nach ihren Kräften stark machen. Die Bilanz der Stiftung BISS, die sich insbesondere für bezahlbaren Wohnraum für sozial benachteiligte Menschen einsetzt, ist ausgesprochen erfreulich (S. 20 bis S. 23). Wir schauen zuversichtlich auf das neue Jahr 2026, denn bei Redaktionsschluss hatten wir schon für die meisten unserer 57 angestellten Verkäufer und Verkäuferinnen einen Paten gefunden. Überhaupt haben wir viel vor, denn wir wollen mit Ihnen an der Seite die Welt ein bisschen besser machen. Das ist doch ein guter Plan!

Karin Lohr, Geschäftsführerin