BISS macht Pause!

Pressemitteilung zur Coronakrise – 16. März 2020

BISS stellt die Abgabe der Straßenzeitung ab sofort ein – Verkäufer und Kunden sollen vor eventueller Ansteckung mit Corona geschützt werden.

Die Münchner Straßenzeitschrift BISS wird von über 100 Verkäuferinnen und Verkäufern in der Stadt verkauft. Aufgrund der aktuellen Coronakrise möchten wir Vorsorge treffen und unsere Verkäufer sowie unsere Kunden vor einer eventuellen Ansteckung schützen. Wir haben schon am Wochenende die Abgabe der Zeitschrift zurückgefahren und stellen sie ab heute, vorerst bis zum 31. März 2020, ein. BISS-Geschäftsführerin Karin Lohr sagt: „Wir lassen unsere Verkäufer nicht hängen, keiner muss Angst um seinen Arbeitsplatz haben“. In dieser Krise bewährt sich die konsequente Festanstellung der Verkäufer. Sie behalten ihren Arbeitsplatz. Vor allem haben sie den vollen Schutz ihrer Krankenversicherung und können, falls erforderlich, ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Wir danken allen Lesern, Spendern, Paten, Anzeigenkunden, Kooperationspartnern, Freunden, Förderern sowie der Abtei St. Bonifaz für ihr Verständnis. Wir wünschen allen, dass sie gesund bleiben. Gemeinsam werden wir die Krise überstehen!

„Wir können alle zu einem menschenfreundlichen Land beitragen“

In einem unscheinbaren Verwaltungsgebäude in der Nähe des Darmstädter Hauptbahnhofs hat die Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus ihren Sitz. Von hier aus organisiert Jürgen Micksch mit seinem Team jedes Jahr die gleichnamigen Aktionswochen, die in diesem März zum 25. Mal in Deutschland stattfinden und vom 16. bis zum 29. März 2020 unter dem Motto „Gesicht zeigen – Stimme erheben“ stehen. Micksch, 79, setzt sich seit Jahrzehnten für benachteiligte Menschen in der Bevölkerung ein. Er gehört auch zu den Gründern der BISS und hat Pro Asyl ins Leben gerufen. Ein Gespräch über Rassismus früher und heute, über verletzende Sprache und seine eigene Biografie als Flüchtlingskind.

Von FELICITAS WILKE

DR. JÜRGEN MICKSCH wurde 1941 in Breslau geboren und wuchs nach der Flucht in Niederbayern auf. Als Jugendlicher spielte er am Residenztheater und an den Kammerspielen. Anschließend studierte er Theologie, Philosophie und Soziologie. Zwischen 1984 und 1993 war er stellvertretender Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing. Dort trafen sich im Jahr 1991 auf der Tagung „Obdachlosigkeit – ein Skandal und seine Folgen“ Medienleute, Sozialarbeiter, Obdachlose, kirchlich und sozial Engagierte. Dr. Jürgen Miksch regte das Projekt an, nach amerikanischem Vorbild ein Münchner Straßenmagazin herauszugeben. Aufgrund des Einsatzes vieler Engagierter konnte im Oktober 1993 die erste BISS-Ausgabe realisiert werden. Dr. Jürgen Miksch gründete zahlreiche Projekte und Organisationen, darunter Pro Asyl, den Interkulturellen Rat, das Deutsche Islamforum und die Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus.

Herr Micksch, gehen die Menschen hierzulande heute anders mit dem Thema Rassismus um als vor 25 Jahren?

Auf jeden Fall. Heute würde kein vernünftiger Mensch mehr bestreiten, dass Rassismus in unserer Gesellschaft existiert – wahrscheinlich nicht mal die Menschen mit rassistischen Einstellungen selbst. Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung. Vor 25 Jahren war es in Deutschland noch die landläufige Meinung, es gebe hierzulande seit Ende des Zweiten Weltkriegs keinen Rassismus mehr.

Ein Trugschluss.

Natürlich. Der Rassismus ist nie ausgestorben. Das haben die offenkundig rassistisch motivierten Gewalttaten gezeigt, die Neonazis Anfang der Neunzigerjahre in Deutschland verübten. In Hoyerswerda, in Solingen oder Mölln, um nur ein paar zu nennen.

Auch als Reaktion darauf riefen Sie im Jahr 1995 die Wochen gegen Rassismus ins Leben.

Ich bin ein etwas sturer Mensch (lacht). Es irritierte mich, wie wenig Aufmerksamkeit der Internationale Tag gegen Rassismus in Deutschland erfuhr, den es ja schon viel länger gibt. Also habe ich einfach mal angefangen und weitergemacht, auch als die Aktionswochen anfangs auf wenig Interesse stießen. In den ersten Jahren haben wir nur eine Handvoll Veranstaltungen organisiert. Doch nach sechs, sieben Jahren wurden es immer mehr.

Wie erklären Sie sich, dass wir als Gesellschaft heute anders auf die Problematik blicken als damals?

Dazu haben leider viele furchtbare Dinge beigetragen. Die NSU-Morde, zuletzt auch die Ereignisse in Halle, die uns vor Augen führten, dass es heute genau wie damals gewalttätige Rassisten in unserem Land gibt. Andererseits setzen sich aber auch viel mehr Menschen als früher gegen Rassismus ein. Das ist eine ausgesprochen erfreuliche Entwicklung, zu der viele beigetragen haben: die Vereine, die Kirchen, die Flüchtlingshelfer – und sicherlich auch unsere Stiftung.

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Sozialer Trainingskurs

Zu Dominik Karpf und Dieter Oelhaf kommen Jugendliche und junge Männer, die keine andere Wahl haben. Sie haben sich nicht selbst ausgesucht, sich Rat bei den Sozialarbeitern der Jugendgerichtshilfe des Stadtjugendamts München zu holen, sondern haben vom Gericht die Auflage bekommen, an einem Sozialen Trainingskurs teilzunehmen. Sie wurden wegen Körperverletzung oder gefährlicher Körperverletzung verurteilt. „Da sind schlimme Sachen dabei, zum Beispiel U-Bahn-Schlägereien, wo mehrere Leute auf einen anderen losgehen“, sagt Karpf. Wegen ihrer Taten saßen sie teilweise im Arrest, manche nur über das Wochenende, manche auch für mehrere Wochen. Und: Viele haben jetzt auch noch Schulden, denn oft bekommen ihre schwer verletzten Opfer Schmerzensgeld.


WANN IST EIN MANN EIN MANN?


An acht Gruppenabenden, zwei Samstagen und in drei Einzelgesprächen mit den Sozialarbeitern müssen sich die jungen Männer mit ihren Taten auseinandersetzen. Karpf: „Wir versuchen herauszufinden, warum sie immer gleich auf 180 sind. Und wir spielen auch Situationen durch, wie sie sonst reagieren könnten und Ärger aus dem Weg gehen.“ In dem Kurs reden sie auch darüber, wann ein Mann ein Mann ist. Sie schauen sich Fotos an von Sänger Conchita Wurst, Fußballer Thomas Hitzlsperger, der sich als schwul geoutet hat, einem Erzieher oder einem Muskelprotz. Sie reden darüber, warum sie sich rausnehmen, mit anderen Mädchen zu flirten, aber ausflippen, wenn ihre Freundin dasselbe macht. „Manche haben ein sehr konservatives Wertebild“, meint Oelhaf.

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