Was ist eine Wohnungsgenossenschaft? Eine Wohnungsgenossenschaft oder Wohnbau-Genossenschaft ist eine Gemeinschaft, die bezahlbare Wohnungen anbietet. Die Genossenschaft will keinen Gewinn machen. Darum bleiben die Mieten lange günstig. Um eine Wohnung zu bekommen, muss man Mitglied der Genossenschaft werden. Man zahlt keine Provision, alsoGeld, das man für die Vermittlung einer Wohnung bezahlt. Und man zahlt keine Kaution, also Geld, das man am Anfang für die Wohnung abgibt.
York Runte, Foto: Wochinger BISS Wohnungsgenossenschaften
Stattdessen kauft man Anteile an der Genossenschaft. Das ist Geld, das man in die Genossenschaft einzahlt. Damit wird man Mitglied. Das Geld gehört einem weiter und man bekommt es oft zurück, wenn man aus der Genossenschaft austritt. Wenn man eine Wohnung in der Genossenschaft mietet, dann zahlt man eine Nutzungsgebühr, eine Kosten-Miete. Das bedeutet, dass die Mieten nur so hoch sind, wie es für das Haus nötig ist. Mit den Mieten bezahlt die Genossenschaft die Reparaturen am Haus, die Verwaltung und den Kredit für das Haus. Also das Geld, das sie sich für den Kauf oder den Bau des Hauses geliehen hat. Die Genossenschaft will keinen Gewinn machen. Wenn Geld übrig bleibt, dann wird es zum Beispiel genutzt, um Wohnungen zu erneuern und die Angebote für die Mitglieder zu verbessern.
Die Vorteile von einer Genossenschaft sind bezahlbare Mieten und Sicherheit.
Lena Radau von der Ludwig-Maximilians-Universität München sagt: „Die Genossenschaften bieten stabile Mieten und ermöglichen langfristige Sicherheit. Denn die Mitglieder haben ein lebenslanges Wohnrecht.“ Es ist also klar, dass diese Wohnungen sehr begehrt sind. Bei vielen Genossenschaften gibt es lange Wartelisten für eine Wohnung. Oft kann man sich auch gar nicht mehr dafür bewerben.
Es gibt zurzeit etwa 60 Wohnungs- oder Wohnbau-Genossenschaften in München. Sie bieten insgesamt etwa 45.000 Wohnungen an, in denen etwa 100.000 Menschen wohnen. Das sind nicht viele, denn in München leben etwa 1,6 Millionen Menschen.
Die Genossenschaften sind sehr verschieden: Alte Genossenschaften haben oft Mitglieder aus bestimmten Berufsgruppen. Lena Radau sagt über die neuen Genossenschaften: „Die Bewohnerinnen und Bewohner planen von Anfang an mit. Sie haben Gemeinschaftsräume und gestalten das Miteinander. Das schafft eine Gemeinschaft.“
Menschen mit wenig Geld können sich aber meist das Geld für die Genossenschaft nicht leisten. Oder sie können auch keine neue Genossenschaft gründen, denn auch dafür braucht man viel Geld und Zeit.
Die Genossenschaften haben in München hohe Grundstücks- und Baupreise.
Deshalb sind auch die Mitgliedsanteile und die Mietkosten höher als an anderen Orten. Bei einer 60-Quadratmeter-Wohnung kann der Mitgliedsanteil etwa 63.000 Euro sein.
Thomas Schimmel ist seit 15 Jahren im Vorstand der Wohnungsgenossenschaft München-West. Das Unternehmen hat 3.600 Wohnungen für etwa 7.000 Bewohner*innen. Thomas Schimmel sagt:
„Genossenschaftswohnungen in München können nur mit Hilfe der Stadt gebaut werden Mit den üblichen Grundstückspreisen auf dem freien Immobilienmarkt würde das nicht gehen.“
Das sagt auch die Stadtverwaltung. Auch Lena Radau von der Ludwig-Maximilians-Universität München bestätigt das.
Thomas Schimmel sagt: „Unsere alten Wohnungen kosten für Mitglieder etwa 7,40 Euro pro Quadratmeter. Für Neubauten sind es etwa 15 Euro. Das ist nicht mehr ganz so billig. Aber viel weniger als das, was ähnliche Wohnungen auf dem freien Mietmarkt kosten. Eine Bewerbung bei uns ist zurzeit nicht möglich. Wir haben nur wenige Wohnungen und eine sehr lange Warteliste.“
Es gibt aber auch andere Wohnformen als bei Genossenschaften:
Zum Beispiel selbst organisierte Haus-Gemeinschaften wie das Haus Ligsalz8 im Westend. Zwölf Menschen leben dort in Wohn-Gemeinschaften auf insgesamt etwa 430 Quadratmetern. York Runte lebt dort seit dem Jahr 2008. Er hat die Haus-Gemeinschaft mitgegründet. Er sagt: „Die meisten von uns haben davor schon in Wohn-Gemeinschaften gelebt.
Wir wollten langfristig zusammenleben, ohne dafür Tausende Euro Miete auszugeben.
Die Miete kostet bei uns etwa 400 Euro. Das sind etwa 8 Euro kalt pro Quadratmeter.“ Bewohner*innen mit höherem Einkommen zahlen etwas mehr Miete als diejenigen, die weniger Geld haben.
Das Haus gehört der Haus-Gemeinschaft und dem Mietshäuser Syndikat.Das Mietshäuser Syndikat sind viele Haus-Projekte in ganz Deutschland, die sich zusammengetan haben. Das Mietshäuser Syndikat hilft dabei, Häuser gemeinsam zu kaufen und die Mieten niedrig zu halten. Und zu verhindern, dass die Häuser verkauft oder genutzt werden, um viel Geld zu verdienen. Das Besondere am Mietshäuser Syndikat ist, dass nicht nur Banken Geld geben. Sondern auch einzelne Personen und Vereine. Dadurch können auch Menschen mit wenig Geld mit dabei sein und eine Wohnung bekommen.
Lena Radau sagt: „Die Politik muss etwas tun! Damit die Menschen nicht aus ihren Stadtvierteln verdrängt werden, weil sie die Miete nicht mehr zahlen können. Das Wohnen muss gerecht, sicher und für alle bezahlbar sein. Es darf nicht darum gehen, Geld zu machen. Aber auch die Bürger*innen können etwas tun: nämlich sich zusammenschließen, Forderungen an die Politik stellen, sich einmischen.
Wenn viele gemeinsam für ihr Recht auf Wohnen eintreten, dann entsteht Druck, der etwas bewegt. Veränderung passiert nicht von selbst.“
Wer wohnt wie? In der Kolumne geben Menschen aus dem BISS-Netzwerk Einblicke in ihren Wohnalltag. Sie erzählen, wie sie früher gelebt haben, wie sie momentan wohnen und was sie sich für die Zukunft erhoffen.
Protokoll ANNELIESE WELTHER
Foto MARTIN FENGEL
Der Tiefschläfer
Manchmal hört man jemanden nachts weinen, manchmal winselt jemand, weil er Schmerzen hat. Mir macht das nicht so viel aus. Ich bin mit elf Geschwistern aufgewachsen, da musste man beim Fernsehen schnell sein, um einen Platz auf dem Sofa zu ergattern, sonst saß man auf dem Boden. Mit drei von meinen Brüdern teilte ich mir das Bett. Später beim Wehrdienst fiel es mir demnach leicht, in einem Saal mit 18 anderen zu schlafen. Eine Zeitlang habe ich allein gewohnt. Es war schön, etwas nur für sich zu haben, aber ich fühlte mich auch einsam. Hier in der neu gebauten Notschlafstelle im Euro-Industriepark sind wir maximal vier in einem Zimmer, verteilt auf zwei Etagenbetten, darin ist jeweils eine Matratze mit abwaschbarem Kunststoffbezug. Dazu kriegt man wöchentlich ein Laken und eine dünne Decke aus Papiervlies. Weiteres Bettzeug gibt es nicht, und es ist aus hygienischen Gründen auch nicht erlaubt, sich welches mitzubringen. Von Wohnen kann nicht die Rede sein, es ist vielmehr ein Platz, an dem man vor Kälte geschützt sein Haupt niederlegen kann. Zudem hat jeder einen Spind zur Verfügung, ich schließe dort meine Kleider ein. Sonst steht in dem Zimmer nur ein kleiner quadratischer Tisch mit drei Stühlen. Vom Fenster aus blickt man auf die gegenüberliegende Hauswand mit ebensolchen Fenstern und Zimmern. Wegen einer Schlägerei saß ich mal im Gefängnis in Bernau am Chiemsee. Dort war ich immer drinnen oder im Innenhof. Nur wenn ich auf die Krankenstation verlegt wurde, gelangte ich kurz nach draußen auf eine ganz gewöhnliche Straße. Den See habe ich gar nicht zu Gesicht bekommen. In der Notschlafstelle hingegen muss man morgens das Zimmer verlassen. Es gibt die Möglichkeit, sich im Tageszentrum aufzuhalten. Tische und Stühle stehen dort und an einem Ausschank kann man sich Kaffee holen. Oft bin ich da nicht, ich muss ja zur Arbeit. Ein- bis zweimal die Woche ziehe ich Büros um, manchmal auch Privathaushalte. In diesem Job verdiene ich zu wenig, um davon leben zu können, deshalb verkaufe ich zusätzlich die BISS. Ab 17 Uhr kann ich in die Notschlafstelle rein. Wenn man so früh dran ist, muss man allerdings warten, weil viele gleich nach der Arbeit herkommen. Zwei Stunden später ist es besser, aber nicht nach 22 Uhr, dann kriegt man kein Bett mehr, sondern muss sich mit einer Isomatte auf dem Boden eines Ruheraums begnügen. Früher war die Notschlafstelle in der Bayernkaserne. Dort konnte man besser duschen, hier ist mir das Wasser zu kalt und davon dringt auch zu wenig aus dem Brausekopf heraus. Deshalb bevorzuge ich es, für eine Dusche zum Bahnhof oder zur Obdachlosenhilfe von St. Bonifaz zu gehen. Meine Freundin übernachtet draußen, so wie ich es auch lange Zeit getan habe. Manchmal bleibe ich nachts bei ihr, damit sie nicht allein ist. Auf der Straße zu leben heißt, ständig im Stress zu schlafen. Es kann immer sein, dass dir einer eine überbrät oder was stiehlt. Mein großer Wunsch ist es, mit meiner Freundin zusammenzuziehen. Eine kleine Einzimmerwohnung würde uns beiden völlig ausreichen.
Befinden sich in unserem Haus vorübergehend Menschen mit besonderer Faulheit? Möglicherweise lebt auch in Ihrem Haushalt eine Person mit dieser Eigenart, von der Sie nicht wissen, was ihr fehlt. Hüten Sie sich davor, diese Faulheit in Ihrem Haus entstehen zu lassen. Damit Sie wissen, was ich meine, möchte ich einige Szenen schildern: Ein junger Mann oder eine junge Frau steht in der Blüte ihres Lebens. Dieser junge Mensch erfreut sich bester Gesundheit. Er lebt im Haushalt seiner Eltern. Er wacht morgens auf und verlässt sein Bett, ohne es zu machen. Mama macht sein Bett. Er wechselt seine Kleidung und lässt sie zum Waschen liegen, in jede Ecke verstreut. Die Mutter ist für das Einsammeln, das Waschen, Bügeln und Aufbewahren im Schrank seines Zimmers verantwortlich. Serviert sie ihm dann das Frühstück zum Verzehr, ermüdet er sich nicht durch das Abwaschen einer Tasse oder eines Tellers noch stellt er sie in die Küche zurück, bevor er zur Schule oder Universität geht. Nach seiner Rückkehr bleibt er lange auf TikTok und Instagram und schaut Filme. Die Mutter bietet ihm Essen an. Er macht eine Essenspause und schaut sich dann weitere Filme an. Er sitzt nicht bei seiner Familie. Er wird wütend, wenn ihm das Essen nicht schmeckt. Wenn ihm im Haus etwas auffällt, das repariert oder ersetzt werden muss, kümmert er sich nicht darum und überlässt es dem Vater. Der junge Mensch benimmt sich, als wäre er ein Gast im Haus. Er hilft nicht, leistet keinen Beitrag und trägt keine Verantwortung. Er bittet seinen Vater oder seine Mutter um Geld, weil er einen Führerschein machen will. Nachdem die Führerscheinprüfung bestanden ist, bittet der junge Mensch die Eltern, ihm ein Auto zu kaufen. Die Verantwortung bleibt bei Vater und Mutter. Wenn die Kinder heiraten, nehmen sie die Kultur mit, die sie im Elternhaus erworben haben: Es ist in dem geschilderten Fall eine Kultur von Faulheit und mangelnder Verantwortung. Ich habe meinen Kindern schon in jungen Jahren das Arbeiten beigebracht und dass sie für sich selbst verantwortlich und auf sich selbst angewiesen sind. Die Lehre aus der Geschichte ist, dass Eltern ihren Kindern schon früh beibringen sollten, selbstständig zu sein.
BISS-Geschäftsführerin Karin Lohr (Foto: Volker Derlath)
Am 8. März findet in München die Kommunalwahl statt, bei der Stadtrat, Oberbürgermeister und die Bezirksausschüsse gewählt werden. In dieser Ausgabe haben wir die drei Oberbürgermeisterkandidaten – der Grünen, der SPD und der CSU – gefragt, wie viel sie sparen wollen und in welchen Bereichen. Besonders interessiert haben uns die Vorhaben der Kandidaten für Sparmaßnahmen im sozialen Bereich. Fragen und Antworten wurden schriftlich übermittelt, das ist nicht so lebendig wie ein persönliches Interview, weist jedoch deutlicher auf die unterschiedlichen Schwerpunkte der zukünftigen Politik hin (siehe Seiten 12 bis 19). BISS besteht als Sozialunternehmen ja ohne staatliche Zuschüsse. Diese Unabhängigkeit lag den Gründerinnen und Gründern schon damals am Herzen. Auch wenn unsere Arbeit daher nicht unmittelbar von drohenden Kürzungen betroffen ist, wissen wir, wie wichtig es ist, dass Menschen in Not sich beraten und helfen lassen können. Dazu braucht es nach wie vor den möglichst persönlichen und unmittelbaren Zugang der Bürgerinnen und Bürger in eine funktionsfähige öffentliche Verwaltung. Das ist nicht selbstverständlich, denn Schlagworte wie Digitalisierung und Bürokratieabbau finden erst einmal Zustimmung. Wenn das aber in der Praxis bedeutet, dass es einem unserer Verkäufer nur mit Unterstützung von zwei Sozialarbeiterinnen, zwei Mobiltelefonen und einem Desktop gelingt, bei der Agentur für Arbeit, einer Bundesbehörde, seinen Antrag auf Arbeitslosengeld abzugeben, dann ist das grotesk. Ich hoffe sehr, er beschreibt diesen Vorgang noch genau in der Schreibwerkstatt, damit wir das in einer unserer nächsten Ausgaben veröffentlichen können. Wir werden jedenfalls für die Wahl am 8. März bei den BISS-Verkäuferinnen und -Verkäufern werben, damit sie ebenfalls ihr Wahlrecht wahrnehmen. Das funktioniert erfahrungsgemäß am besten, wenn vorab Muster der unterschiedlichen Stimmzettel aushängen. Wählen darf jede volljährige Person, die die deutsche oder eine andere EU-Staatsangehörigkeit hat und seit mindestens zwei Monaten in München wohnt. Ich bin ganz zuversichtlich, dass die Wahlbeteiligung aller BISSler mindestens so gut sein wird wie der allgemeine Durchschnitt, oder vielleicht sogar darüber?
2025 war für die Stiftung ein gutes Jahr. Es wurde das Haus in Hohenschäftlarn vom Verein BISS auf die Stiftung BISS übertragen, es wurden uns eine Doppelhaushälfte sowie eine Wohnung geschenkt und eine weitere Wohnung vererbt. Und vom Ende her betrachtet, war es auch für mich persönlich ein gutes Jahr, auch wenn es im April noch nicht danach aussah.
Von HILDEGARD DENNINGER Fotos HANNES ROHRER
Hildegard Denninger (rechts) und Hanna Wenzel gratulieren der Wohltäterin zum Geburtstag und bedanken sich auch bei ihrem Sohn für die Großzügigkeit.
Was eine Radiosendung alles bewirkt
Im Juni vergangenen Jahres hatte die Radiosendung „Tagesgespräch“ auf Bayern 2 den Umgang mit Obdachlosen zum Thema. Der Experte für die Zuhörerfragen war mein Mann Johannes Denninger, Sozialarbeiter bei BISS und seit 40 Jahren beruflich tätig für Obdach- und Wohnungslose. Er sprach auch über die Stiftung BISS und legte dar, wie durch Schenkungen, Erbschaften und Immobilienkäufe bezahlbarer Wohnraum für BISS-Verkäufer und andere bedürftige Menschen geschaffen wurde. Wir bekamen viele positive Rückmeldungen nach der Sendung. Ganz besonders begeistert war Frau P., die mir sagte, dass sie gestern „meinen Sohn“ auf Bayern 2 gehört und daraufhin beschlossen habe, der Stiftung eine Doppelhaushälfte in Perlach zukommen zu lassen, die sie von ihrem Bruder geerbt hatte, denn sie selbst habe schon ein Haus. Sie wolle keinen Gewinn machen, aber auch nichts bezahlen müssen. Da konnten wir Frau P. beruhigen, denn laut Gesetz fällt keine Erbschafts- oder Schenkungssteuer an, wenn ein Erbe/eine Erbin sich innerhalb von zwei Jahren entscheidet, die Immobilie unentgeltlich weiterzureichen an eine gemeinnützige Einrichtung. Die Grundbucheintragung erfolgte am 29. Januar 2025. Danach machten wir uns sofort an die Planung: Die Doppelhaushälfte sollte geräumt, vollständig saniert und erweitert werden, sodass bis Anfang 2027 zwei größere Wohnungen und vier Appartements bezogen werden können. Der Plan ist bei der Lokalbaukommission in Bearbeitung. Zwar haben wir das Grundstück von Frau P. geschenkt bekommen, aber die Kosten für die Sanierung des Bestands und die Um- und Anbauten, die vom Architekten auf 1,6 Millionen Euro geschätzt wurden, muss die Stiftung aufbringen. Auch da wurden wir unverhofft reich beschenkt. Just zu der Zeit, als wir uns fragten, ob wir es wagen sollten, auf die große Lösung mit 1,6 Millionen Euro zu setzen, überwies uns ein Testamentsvollstrecker mehr als 800.000 Euro. Eine Frau aus der Bodensee-Gegend hatte der Stiftung BISS die Hälfte des Erlöses aus dem Verkauf eines Grundstücks vermacht. Sie können sich unseren Jubel vorstellen! Wir bauen also nachhaltig auf energetisch hohem Standard und setzen darauf, dass wir es mithilfe unseres wunderbaren Netzwerks schaffen, auch die zweite Hälfte des Geldes aufzubringen. Dann werden Frau P. und ich beim Richtfest mit einem Glas Champagner anstoßen auf BISS und all die Menschen, die uns unterstützen. Und ganz besonders auf sie, die es der Stiftung ermöglicht hat, auf einen Schlag zu sechs Wohnungen zu kommen.
Die Wiederholungstäter
Es gibt begüterte Menschen, die so sind, wie man sich alle reichen Menschen wünscht: normal, nicht abgehoben, die von ihrem Besitz abgeben, weil sie großzügig sind, denen soziale Gerechtigkeit und Zusammenhalt der Gesellschaft wichtig sind und die Menschen mögen. Was für ein Glück, dass wir zwei dieser Menschen kennen, und was für ein Glück, dass diese Menschen BISS und die Stiftung BISS unterstützen. Sie haben nun schon zum zweiten Mal eine Wohnung gekauft und sie sofort danach an uns weitergegeben! Bereits 2023 hatte uns das Ehepaar eine große Wohnung geschenkt, in der fünf Personen Platz fanden. Jetzt ist es ein Appartement in Schwabing, das seit Oktober an eine BISS-Verkäuferin und ihren Mann vermietet ist. Die beiden, denen gekündigt worden war, da die Wohnung im Umland von München verkauft werden soll, sind überglücklich, dass sie nun eine Bleibe hier in der Stadt gefunden haben. Auch in ihrem Namen danken wir den Spendern von ganzem Herzen für das überaus großzügige und wunderbare Geschenk. Und wir sind sicher, dass die große Freude, die sie uns allen damit bereitet haben, wieder auf sie zurückkommen wird.
Eine (fast) unendliche Geschichte
Im Oktober 2025 fand die Schlüsselübergabe statt für die Wohnung in Neuperlach, die wir von der im Mai 2024 verstorbenen Frau L. geerbt hatten. Es war eine Verquickung unglücklicher Umstände, dass es so lange gedauert hat. Und es hat wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, dass Testamente eindeutig formuliert und am besten zusammen mit einem Anwalt oder Notar abgefasst werden. Frau L. hatte uns, kurz bevor sie ins Krankenhaus kam, mitgeteilt, dass sie ein handgeschriebenes Testament verfasst hätte, in dem sie uns ihre Wohnung in München vererben und ihr Haus in Italien einer dortigen gemeinnützigen Einrichtung vermachen wolle. Sie plante, nach ihrem Krankenhausaufenthalt das Testament notariell begleitet „richtig“ zu verfassen. Es kam nicht mehr dazu, da Frau L. leider im Krankenhaus verstarb. So wie im Testament gewünscht, organisierte BISS die Bestattung. Vom Nachlassgericht wurde uns später mitgeteilt, dass das Testament auslegungsbedürftig sei, da die Erblasserin nur Vermächtnisse ausgelobt, aber niemanden als Erben benannt hatte. Nach vielen Monaten mit Schriftverkehr zwischen Amt und den im Testament genannten Personen und Einrichtungen erhielt die Stiftung BISS als Alleinerbe den Erbschein. Wie lange es dauert, bis das Haus in Italien auf die dortige gemeinnützige Einrichtung überschrieben werden kann, wissen wir nicht. Wir tun von uns aus alles für eine zügige Abwicklung, aber es braucht halt immer zwei dazu!
Auch privat viel los
Im letzten April wurde ich an einer Ampel von einem rechts abbiegenden Auto vom Fahrrad geschmissen, was einen komplizierten Beckenbruch zur Folge hatte und mir zwei Operationen und drei Wochen Krankenhausaufenthalt bescherte. Danach kamen Rollstuhl, Krücken und Nordic-Walking-Stöcke zum Einsatz, bis ich dann im September wieder ohne Hilfen laufen konnte. In diesen Monaten habe ich vieles erst richtig schätzen gelernt: Das Krankenhaus Rechts der Isar mit seinen Unfallchirurgen, die selbst schwer zertrümmerte Becken wieder zusammenflicken können. Die zugewandten, zupackenden Pflegerinnen und Pfleger sowie die Hilfskräfte aus allen Teilen der Welt, die nicht nur professionell und gut arbeiteten, sondern auch noch Mitgefühl und gute Laune zeigten. Und meinen Laptop! Ich konnte arbeiten und mich auch per Mail mit Hanna Wenzel austauschen, die den Laden vor Ort „wuppte“. (Sie ist als Mitarbeiterin so etwas wie ein Hauptgewinn!) Die Stiftung ist also gut aufgestellt, erhält das Alte und ist bereit für Neues. Deshalb, liebe Freunde und Unterstützer, bleiben Sie uns weiterhin verbunden, lassen Sie uns unser Haus in Perlach bauen und uns freuen, dass wir zusammen so viel Gutes zustande bringen können!
Die 21 stiftungseigenen Wohnungen auf einen Blick
ZUGANG 2015: Das Appartement in Obersendling. Unsere allererste Wohnung haben wir von einer Gönnerin von BISS gekauft und den Mieter, den wir jetzt auch betreuen, zu gleichen Bedingungen übernommen. ZUGANG 2016: Die 3-ZimmerWohnung in Solln. Diese Wohnung konnten wir ebenfalls von einer BISS-Gönnerin erwerben und darin nach einer Sanierung unsere erste BISS-Wohngemeinschaft unterbringen. Eigentlich sind die Mietverträge befristet, aber nur einer der drei Herren konnte 2017 ein eigenes Appartement anmieten, sodass ein anderer obdachloser BISS-Verkäufer das Zimmer beziehen konnte. ZUGANG 2017: Das Appartement in Sendling/Westpark. Diese Schenkung hat der Verein BISS 2013 von einem Geschwisterpaar erhalten. Der langjährige Mieter wurde zu gleichen Bedingungen übernommen. 2017 wurde die Immobilie mit Zustimmung der Schenker auf die Stiftung BISS übertragen. ZUGANG 2017: Das Appartement in Berg am Laim. Wie die Wohnung in Solln wurde dieses Appartement befristet vermietet, in der Hoffnung, für unsere Verkäuferin dauerhaft außerhalb von BISS eine Wohnung zu finden. Die Hoffnung hat sich bislang nicht erfüllt, die BISS-Verkäuferin wohnt immer noch dort. ZUANG 2017 / UMWIDMUNG 2020: Das Dachgeschoss in Karlsfeld. Diese Wohnung wurde bis zum Sommer 2019 vereinbarungsgemäß von den bisherigen Eigentümern bewohnt. Nach der Renovierung im Februar 2020 zog eine vom Verein „Münchner Freiwillige – Wir helfen e.V.“ betreute syrische Flüchtlingsfamilie ein, die schon einige Jahre in einer Unterkunft in Karlsfeld gelebt hatte. ZUGANG 2019: Die 2-ZimmerWohnung in Laim. Hier hat eine BISS-Verkäuferin zusammen mit ihren betagten Eltern, die leider 2024 beide verstorben sind, ein Zuhause gefunden. Sie sind damals aus einer 2-Zimmer-Wohnung, die sie sich mit sieben Personen teilten, „ins Paradies umgezogen“. ZUGANG 2020: Die 3-ZimmerWohnung in Starnberg. Die Stiftung ist nur Eigentümerin der Wohnung, Grund und Boden gehen nach etwa 50 Jahren in den Besitz einer Firma über, an die die Stadt Starnberg das Erbbaugrundstück verkauft hat. Bis Herbst 2023 wohnten hier zwei BISS-Verkäufer, von denen einer leider verstorben ist und der andere ein Appartement bei der Genossenschaft Wogeno in Freiham bekommen hat. 2024 wurde die Wohnung an den Verein „Münchner Freiwillige – Wir helfen e.V.“ vermietet, der sie an eine von ihnen betreute Mutter mit vier Kindern untervermietet hat. ZUGANG 2021: Die 2,5-ZimmerWohnung in Martinsried. Diese Wohnung haben wir der Großzügigkeit einer Gönnerin von BISS zu verdanken. Sie verkaufte uns die Wohnung zum Marktpreis, wir mussten nur 25 % bezahlen und durften den Rest mit einer Spendenquittung begleichen. Die Mieter haben wir zu den alten Bedingungen übernommen. Z U G A N G 2 0 2 1 : Das Appartement in Laim In der zweiten Wohnung, die wir in Laim erwerben konnten, lebt ein BISS-Verkäufer, der zuvorlange in einer Pension gewohnt hatte und sich hier nun sehr wohlfühlt. Z U G A N G 2 0 2 2 : Die 4-ZimmerWohnung in Hadern Diese Wohnung haben wir von einem Ehepaar geerbt, das 2021 verstorben ist (wir berichteten in der Januar-BISS 2022). Die Mieter, eine Familie, die schon seit 2015 dort wohnt, wurden zu gleichen Bedingungen übernommen. ZUGANG 2022: Das Appartementi n Berg am Laim Dieses Appartement hatte der Verein BISS 2015 von einer Unterstützerin angemietet, es hergerichtet und untervermietet an einen BISS-Verkäufer. Die Eigentümerin hatte damals versprochen, das Appartement später an die Stiftung BISS zu verkaufen. Sie hat Wort gehalten und der BISS-Verkäufer, der in der Zwischenzeit eine Arbeitsstelle außerhalb von BISS gefunden hat, wohnt immer noch da. ZUGANG 2022: Die 2-ZimmerWohnung in Sendling Ende 2022 konnten wir noch eine Wohnung in Sendling erwerben, die wir – wie schon unsere Wohnungen in Karlsfeld und Starnberg – an den Verein „Münchner Freiwillige – Wir helfen e.V.“ vermieteten, der darin 2023 eine Flüchtlingsfamilie aus Afghanistan unterbrachte. Z U G A N G 2 0 2 3 : Die 3-ZimmerWohnung in Schwabing Diese große Wohnung, die uns dankenswerterweise ein Ehepaar geschenkt hat, haben wir der Stadt München zur Belegung überlassen. Mit der Landeshauptstadt haben wir dazu einen Belegbindungsvertrag geschlossen. Die ersten Mieter, eine fünfköpfige Familie aus Albanien, bei der beide Elternteile als Postboten arbeiten, zogen im Juni 2023 glückstrahlend ein(wir berichteten in der Januar BISS 2024). ZUGANG 2023: Die 3-Zimmer-Wohnung in Au-Haidhausen Diese Wohnung mit fast 100 qm konnten wir nur erwerben, weil der Verein BISS e.V. die Hälfte der Wohnung geerbt hatte und seinen Anteil an die Stiftung BISS weitergab. Da sie zu groß war für Wohnungssuchende in unserem Umfeld, wurde sie ebenfalls ins Belegrechtsprogramm der Stadt München aufgenommen. Die Geschichte dieser jungen fünfköpfigen Familie haben wir in der Januar-BISS 2025 erzählt. ZUGANG 2024: Die 3-ZimmerWohnung in Solln Angeboten wurde uns die Wohnung, weil im selben Haus seit 2016 drei BISS-Verkäufer leben und die WG bei allen Hausbewohnern wohlgelitten ist. Da wir direkt bei der Eigentümerin kaufen konnten, mussten wir keine Maklergebühr bezahlen. Auch diese Wohnung wurde wegen ihrer Größe in das Belegrechtsprogramm der Stadt München aufgenommen und ist seit Juni 2024 an eine 4-köpfige Familie vermietet (wir berichteten in der Januar-BISS 2025). Z U G A N G 2 0 2 4 : Das Appartement in Fürstenried Dieses Appartement haben wir den Freunden & Gönnern der Straßenzeitschrift BISS mit zu verdanken, denn ein Teil des Kaufpreises wurde bezahlt mit dem Erlös aus der Versteigerung von Bildern bei der Jubiläumsfeier „30 Jahre BISS“ (wir berichteten in BISS 10/24). Ein vormals obdachloser BISS-Verkäufer hat hier seine Heimat gefunden.
Z U G A N G 2 0 2 5 : Das Haus in Hohenschäftlarn mit 3 Wohneinheiten Dieses große Haus, das der Verein BISS e.V. geerbt hat, wurde zum 01.01.2025 auf die Stiftung übertragen, gemäß der Vereinbarung zwischen BISS e.V. und der Stiftung BISS, dass Immobilien immer der Stiftung zukommen sollten. Im Haus sind nun drei Parteien untergebracht: eine 9-köpfige Familie aus Nigeria, ein BISS-Verkäufer und eine Frau aus der Ukraine. Damit wurde der Wunsch des Erblasser Josef Fencl erfüllt, den er in seinem Testament geäußert hatte: Sein Anwesen sollte bedürftigen Menschen zu Wohnzwecken zur Verfügung gestellt werden. ZUGANG 2025: Das Appartement in Schwabing Dieses Appartement ist die Schenkung eines Ehepaars, dem wir zu großem Dank verpflichtet sind. Denn nicht nur hat BISS finanzielle Unterstützung für die Sanierung des Hauses in Hohenschäftlarn von ihnen erhalten, sondern es wurde die Stiftung 2023 schon mit einer großen Wohnung in Schwabing beschenkt und nun mit diesem Appartement, in dem im Oktober eine BISS-Verkäuferin mit ihrem Ehemann eingezogen ist (s. S. 21). ZUGANG 2025: Die 2-ZimmerWohnung in Neuperlach Eigentlich haben wir diese Wohnung schon 2024 geerbt. Aber da im Testament nicht eindeutig festgelegt war, wer von den aufgeführten Personen Erbe und wer Vermächtnisnehmer ist, dauerte es bis Herbst 2025, bis wir die Schlüssel für die voll ausgestattete schöne Wohnung beim Amtsgericht abholen konnten. Diese Wohnung – wie schon in den Vorjahren drei andere größere Wohnungen – werden wir der Stadt München zur Belegung zur Verfügung stellen.