
In diesem Text geht es um zwei junge Frauen aus Kuba. Die beiden Frauen sind Zwillinge und jetzt 26 Jahre alt. Ihre Mutter ist Kubanerin. Ihr Vater ist Deutscher. Sie leben heute in München, aber sie wurden in Kuba geboren. In der Hauptstadt Havanna. Wenn sie dort in ihrem Kinderzimmer aus dem Fenster schauten, dann sahen sie ein riesiges Gebäude. Es war das Gebäude der russischen Botschaft. In der Nacht brannten dort immer zwei Lichter. Es sah aus wie ein riesiger Betonroboter mit leuchtenden Augen. Der machte ihnen Angst. Deshalb heißt die Überschrift: Das Kinderzimmer im Schatten des Monstrums.
Die beiden Frauen wollen nicht, dass man ihren Namen hier liest. Deshalb werden sie hier Carmen und Maria genannt. Sie heißen aber anders. Sie wollen auch nicht, dass ein Foto von ihnen hier gezeigt wird.
Ihre Geschichte soll zeigen, dass man es in Deutschland schaffen kann. Auch wenn man aus einem anderen Land kommt und nicht viel Geld hat.
Carmen und Maria sagen: „Wir fühlen uns nicht benachteiligt. Wir wollen andere ermutigen, erfolgreich zu sein – mit einem starken Willen und dem Mut, zu kämpfen. Hier in Deutschland kann man träumen, in Kuba nicht.“
Ihr Vater hat die Familie verlassen, als die beiden fünf Jahre alt waren. Damals lebten sie in Deutschland und gingen in einen Kindergarten. Sie sagen: „Deutsch war unsere erste Muttersprache!“ Dann mussten sie zurück zur ihrer Oma nach Kuba. Sie konnten aber nicht gut Spanisch und bekamen extra Unterricht. Und auch psychologische Hilfe, um in Kuba klarzukommen. Sie kamen dann auf eine spanische Schule für Diplomatenkinder, um später auch in Europa arbeiten zu können. Sie haben beide Staatsbürgerschaften: als Deutsche und als Kubanerinnen. Deshalb gelten sie in Kuba als „reich“ und als „Fremde mit einer Art Migrationshintergrund“. Denn sie können zum Beispiel leichter verreisen.
Sie gingen in Kuba in die Realschule und auf die Fachoberschule. Die eine Schwester wollte Geisteswissenschaften und Wirtschaft studieren. Die andere Schwester interessierte sich für Malerei, Gestaltung und Mode. Beide konnten in Kuba nicht so studieren wie sie wollten. Deshalb gingen sie nach dem Abitur wieder nach Deutschland, zu ihrem Vater. In Deutschland wurde das kubanische Abitur nicht anerkannt. Deshalb machten sie ein Fernstudium, um das deutsche Abitur nachzuholen. Und sie mussten Deutschkurse machen, weil ihre Deutschkenntnisse zu schlecht waren. Mitten im Prüfungsstress verließ sie ihr Vater wieder: Er hatte eine neue Familie in Thailand.
Die Schwestern hatten schwere Jugendjahre: der Kulturwechsel von Kuba nach Deutschland, die deutsche Bürokratie mit ihren schwierigen Formularen und die Abend- und Fernkurse.
Zusätzlich hatten sie auch Minijobs als Küchenhilfe und im Schuhgeschäft. Das Unterhaltsgeld bekamen sie vom Vater erst nach einem zweijährigen Rechtsstreit.
Beide gaben nie auf: „Wir schaffen das, um beweisen zu können, dass wir es schaffen!“
Carmen musste ihr Fach-Abitur nachmachen, weil das Fern-Abitur nicht anerkannt wurde. Maria wollte eine Ausbildung machen.
Eine Freundin machte sie auf die Einrichtung Lichtblick Hasenbergl und auf BISS aufmerksam.
Beide Organisationen halfen den jungen Frauen mit Beratungen, Anträgen und Infos über Ausbildungen in Deutschland. Auch die Gespräche mit anderen, denen es ähnlich ging, taten gut.
Roman Wilhelm von Lichtblick Hasenbergl betreut Carmen und Maria seit drei Jahren. Er sagt: „Beide Mädchen sind realistisch. Sie träumen nicht, sondern wissen, dass ihr beruflicher Weg nicht einfach wird.“ Er erzählt weiter: „Der Stadtteil Hasenbergl sieht nicht mehr so schlimm aus wie früher. Aber die Lebenssituation der Menschen hier hat sich nicht geändert.“ Das Gebäude von Lichtblick Hasenbergl ist hell und freundlich. Hier stehen Lebensmittelkisten. Es gibt genug junge Leute, die diese Hilfe brauchen und die Lebensmittel zu ihren Familien nach Hause bringen.
Wie hilft BISS?
Johannes Denninger von BISS e.V. sorgte für eine befristete Geldhilfe für die Zwillingsschwestern.
Er vermittelt zwischen Lichtblick und BISS e.V., die als Partner-Organisationen junge Menschen in Not unterstützen.
Wie stellen sich die Zwillinge ihre Zukunft vor? Die nächsten 5 Jahre?
Die beiden denken zuerst an ihren 15-jährigen Halbbruder in Kuba. Sie sagen „Er soll hier in Deutschland eine Zukunft haben!“ Denn sie selbst haben inzwischen schon viel erreicht.
Die eine Schwester hat einen Abschluss in Kommunikationsdesign, als Schnittmacherin und Modedesignerin. Jetzt will sie ihren Master-Abschluss in der Modebranche machen. Die andere Schwester hat ihren Bachelor-Abschluss in Medienmanagement und Digitalmarketing gemacht.
Beide sagen: „Wir sind stark.“ Aber sie sind auch dankbar dafür, wie viel Hilfe sie von anderen Menschen bekommen haben.
Mehr Infos zu Lichtblick Hasenbergl: https://lichtblick-hasenbergl.org/
Original-Text von Christoph Lindenmeyer
Zusammenfassung in Einfacher Sprache von Verena Reinhard, www.einfachverstehen.de



