Neuigkeiten

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Franz Sonner

In meinem Leben gibt es ein paar Neuigkeiten. In der 3-Zimmer-Notunterkunft bin ich glücklicherweise immer noch allein, jedoch habe ich ein neues Bett erhalten. Das bisherige war, auf gut Deutsch, „ein Kinderbett“, es war nicht für meine 1,90 Meter Körpergröße ausgelegt. Auch die Breite war mit nur 80 Zentimetern für einen Erwachsenen nicht geeignet. Der „Münchner Merkur“ hat eine Vorweihnachts-Spendenaktion mit dem Namen „Leser helfen Lesern“, bei der sich Bedürftige melden können. Das habe ich gemacht und ein Bett mit Lattenrost und neuer Matratze beantragt. Mit dem, was ich gekriegt habe, bin ich nun sehr zufrieden, ich schlafe wie auf Wolke 7! Die zweite Neuerung: Meine jüngste Tochter wollte jetzt mit 17 eigenständig sein und nicht mehr zu Hause bei meiner Ex-Frau wohnen. Nun hat sie in eine Jugend-WG in der Nähe von Augsburg einziehen können. Da fühlt sie sich momentan sehr wohl, ist mit Gleichgesinnten zusammen und besucht die letzte Klasse der Wirtschaftsschule. Mein 19-jähriger Sohn dagegen ist bereits vor einem halben Jahr in eine WG mit Jugendlichen in der Nähe von Donauwörth gezogen. Ich hatte schon mal geschrieben, dass er mit meiner Ex-Frau massive Probleme hatte. Nachdem die Lage eskaliert war, haben wir schauen müssen, dass wir ihn geeignet unterbringen können. Ich weiß, dass er in seiner WG jetzt gut aufgehoben ist. Er hat auch einen Betreuer, der auf den ersten Blick einen guten Eindruck gemacht hat. Leider hat sich mein Sohn bei mir noch nicht gemeldet und ich hatte keine Gelegenheit, ihn zu besuchen, sodass ich leider nicht weiß, wie er sich dort fühlt. Die dritte Neuerung in meinem Leben ist, dass der für mich zuständige Beamte von der Gemeinde sich als Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde beworben hat und im März auch gewählt wurde. Wenn er sein Amt antritt, kann er nicht weiter mein Ansprechpartner sein. Zu ihm hatte ich einen guten Draht, wir waren auf einer Wellenlänge. Jetzt weiß ich natürlich nicht, wie ich mit dem neuen Zuständigen zurechtkommen werde, hoffe aber, dass wir auch ein gutes Verhältnis haben werden, wie ich auch hoffe, dass es meiner Tochter weiterhin gut geht und wir den Kontakt behalten, und zudem hoffe ich noch, dass mein Sohn sich auch mal wieder meldet.

Das Dorf meiner Kindheit

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Leontin Buda

Ich bin in einem Dorf in Rumänien aufgewachsen, etwa 20 Kilometer von der nächsten Stadt entfernt. Als ich klein war, arbeitete mein Vater in einer Kupfermine. Meine Mutter machte die Büros der Minenverwaltung sauber, hat dann aber ihren Job aufgegeben. Meine Eltern meinten, es sei so einfacher, weil wir vieles selbst anbauten wie Kartoffeln, Mais, Tomaten, Gurken und Obst. Außerdem hatten wir Kühe, Schafe, Ziegen, Schweine, Pferde und Hühner, immer zwei bis drei Tiere von jeder Art, mal mehr, mal weniger, nur Schafe hatten wir immer so um die 10 bis 20 und die Hühner waren auch mindestens 20, manchmal sogar 50. All das reichte für uns aus, es war sogar etwas mehr, als wir brauchten, sodass wir auch ein bisschen was verkaufen konnten. Damals im Sozialismus war das viel wert, da die Lebensmittel rationiert waren und man nicht viel kaufen konnte. Geld hatte man genug, aber die Läden waren leer. Auch halfen uns Leute aus dem Dorf, die dann selbst gemachten Käse oder Kartoffeln von uns erhielten. Mir gefiel es als Kind, dass bei uns immer was los war. Wenn es nach Regen aussah, kamen die Leute und halfen, das Heu einzubringen. Abends, nach getaner Arbeit, grillten wir alle miteinander an einem Lagerfeuer. Wir brieten Speck am Stock, aßen dazu Käse und Gemüse. Fleisch gab es nicht so oft, nur hin und wieder. Welches zu kaufen, war nicht möglich, und unsere Kühe und Kälber durften wir nur schlachten, wenn der Veterinär es sagte. Nur Hühner und Schafe zu schlachten, war dagegen kein Problem. Unsere Schweine waren groß, brachten 200 bis 250 Kilo auf die Waage. Da es keine Möglichkeit gab, zu kühlen, kamen sie nur im Winter, vor Weihnachten, unters Messer, meist schlachteten wir ein Schwein für uns selbst und eins verkauften wir. Das Fleisch wurde eingeräuchert, in Schmalz gelegt oder es wurden Würstchen daraus gemacht. Es wurde genau berechnet, was alles bis Ostern reichte, wenn auch mal ein Lamm geschlachtet wurde. So hatte man das ganze Jahr was vom Schwein.

Meine vielen Bücher

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Roland Herzog

Ich bin ein Buchliebhaber. Schon meine Mutter hatte viel gelesen und mir die Literaturklassiker überlassen. Meine Schwester und mein Bruder sind beide Lehrer geworden. Ich habe Verwaltungsfachwirt beim Versorgungsamt gelernt und mich zeitweilig um die Kriegsopfer und Hinterbliebenen gekümmert, um Witwen und Waisen aus dem Zweiten Weltkrieg. Das war für einen Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer wie mich natürlich nicht die „ideale Stelle“. 1969 bin ich nach München umgezogen, weil beim Sozialverband VDK ein Verwaltungsmitarbeiter in Rente gehen und die Stelle frei werden sollte. Dochder entsprechende Mitarbeiter wollte dann doch zwei Jahre weiterarbeiten und so saß ich stellungslos in München. Ich habe dann in den folgenden zwei Jahren verschiedene Jobs gemacht, zum Beispiel für die Post gearbeitet. Dann habe ich bei einer Gebäudereinigung angefangen, die unter anderem für das Glasdach des Hauptbahnhofs zuständig war. Auch das Olympiagelände haben wir betreut. Nach fünf Jahren habe ich mich in dieser Branche selbstständig gemacht. An den Wochenenden habe ich als Adventist in der Fußgängerzone zu den Leuten gesprochen. Das hieß damals Straßen Missionsarbeit. Da hatte ich manchmal bis zu 100 Zuhörer und über diese Tätigkeit ergaben sich sehr viele Kontakte zu Menschen, die Hilfe und Beistand benötigten. So habe ich mich beispielsweise um Leute gekümmert, die in Haar in der Anstalt gelandet sind. Lesen ist mir sehr wichtig. Manche Bücher leihe ich mir aus und ich schaue mich in Buchhandlungen um, beispielsweise bei der einen, die im Rathaus beheimatet und schon 327 Jahre alt ist. Im Lauf der Jahre hat sich da bei mir viel angesammelt und in meinem Zimmer im Wohnheim hatte ich bis zu 1.000 Bücher untergebracht, hauptsächlich Sachbücher, die wissenschaftliche und gesellschaftliche Themen behandeln. Durch einen Umzug musste ich sie jetzt auf ein Zehntel reduzieren, aber manche habe ich an Bekannte weitergegeben, und sollte ich sie noch mal brauchen, weiß ich, wo ich sie finden kann.

Ein Museumsbesuch

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Zuheir Takiyan

Vor einer Woche besuchte ich mit einer Gruppe von BISS-Kollegen das Museum Brandhorst. Dort hatten wir eine Führung, bei der uns viele Stücke aus der Sammlung erklärt wurden. Der Museumsführer war ein beachtlicher Mann, der uns über eine Stunde in den Räumen herumgeführt hat. Alle Gemälde und Skulpturen, die wir sahen, waren lieblich und wunderschön. Jeder konnte sich ein Kunstwerk aussuchen, das ihm besonders gefallen hat. Beim nächsten Besuch im kommenden Monat soll man dann etwas zu dem Werk sagen. Zum Abschluss gingen wir gemeinsam in die Cafeteria und haben etwas getrunken und gegessen. In dem Ort im Irak, wo ich geboren bin, gibt es auch ein Museum, das aber ganz anders ist als das Brandhorst. Es zeigt alte Familienfotos, Fotos aus früherer Zeit, auf denen Angehörige der Volksgruppen der Assyrer, Chaldäer und Sumerer in ihrer angestammten Kleidung und Umgebung zu sehen sind.

Eine besondere Form von Faulheit

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Zuheir Takiyan

Befinden sich in unserem Haus vorübergehend Menschen mit besonderer Faulheit? Möglicherweise lebt auch in Ihrem Haushalt eine Person mit dieser Eigenart, von der Sie nicht wissen, was ihr fehlt. Hüten Sie sich davor, diese Faulheit in Ihrem Haus entstehen zu lassen. Damit Sie wissen, was ich meine, möchte ich einige Szenen schildern: Ein junger Mann oder eine junge Frau steht in der Blüte ihres Lebens. Dieser junge Mensch erfreut sich bester Gesundheit. Er lebt im Haushalt seiner Eltern. Er wacht morgens auf und verlässt sein Bett, ohne es zu machen. Mama macht sein Bett. Er wechselt seine Kleidung und lässt sie zum Waschen liegen, in jede Ecke verstreut. Die Mutter ist für das Einsammeln, das Waschen, Bügeln und Aufbewahren im Schrank seines Zimmers verantwortlich. Serviert sie ihm dann das Frühstück zum Verzehr, ermüdet er sich nicht durch das Abwaschen einer Tasse oder eines Tellers noch stellt er sie in die Küche zurück, bevor er zur Schule oder Universität geht. Nach seiner Rückkehr bleibt er lange auf TikTok und Instagram und schaut Filme. Die Mutter bietet ihm Essen an. Er macht eine Essenspause und schaut sich dann weitere Filme an. Er sitzt nicht bei seiner Familie. Er wird wütend, wenn ihm das Essen nicht schmeckt. Wenn ihm im Haus etwas auffällt, das repariert oder ersetzt werden muss, kümmert er sich nicht darum und überlässt es dem Vater. Der junge Mensch benimmt sich, als wäre er ein Gast im Haus.
Er hilft nicht, leistet keinen Beitrag und trägt keine Verantwortung. Er bittet seinen Vater oder seine Mutter um Geld, weil er einen Führerschein machen will. Nachdem die Führerscheinprüfung bestanden ist, bittet der junge Mensch die Eltern, ihm ein Auto zu kaufen. Die Verantwortung bleibt bei Vater und Mutter. Wenn die Kinder heiraten, nehmen sie die Kultur mit, die sie im Elternhaus erworben haben: Es ist in dem geschilderten Fall eine Kultur von Faulheit und mangelnder Verantwortung. Ich habe meinen Kindern schon in jungen Jahren das Arbeiten beigebracht und dass sie für sich selbst verantwortlich und auf sich selbst angewiesen sind. Die Lehre aus der Geschichte ist, dass Eltern ihren Kindern schon früh beibringen sollten, selbstständig zu sein.