Ich bin eine alte Leseratte

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Toni Menacher


Schon als Kind verschlang ich Bücher regelrecht! Ich kam durch ein Geschenk meines Bruders auf den Geschmack an Geschichtsbüchern. Insbesondere fas- ziniert mich heute noch die Zeit von etwa 700 vor Christus bis Christi Geburt. Da gab es anfangs die Zeit der Großmacht Assyrien, die mehrere Jahrhunderte das Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris beherrschte. Sie terrorisierte das gesamte Gebiet bis Ägypten. Sehr fasziniert mich auch die Geschichte Babylons, das mehr als 1.000 Jahre lang die religiöse Hochburg im vorderen Orient war. Später las ich mehrere Bücher über das Alte Rom. Als Kind und Jugendlicher interessierte mich am meisten, welcher König oder Feldherr welche Schlacht und welchen Krieg gewann oder verlor. Erst später änderte sich mein Schwerpunkt und ich las mehr über die Kultur, aber auch über die sozialen Spannungen. Als Beispiel möchte ich zwei Punkte hervorheben: den Spartacus-Sklavenaufstand (etwa 70 vor Christus), in dem die verzweifelten Geknechteten sich gegen das mächtige Rom erhoben. Und die große Schere zwischen Arm und Reich im Alten Rom mit den reichen Patriziern und den armen Plebejern. Etwa mit Mitte 20 widmete ich mich anderen Büchern und begann, in meiner Freizeit Western und Gruselromane zu lesen. Dabei kann ich gut entspannen. Allerdings lese ich auch heute noch gern Geschichtsbücher. Mein letztes Buch drehte sich um das faszinierende, aber kurze Leben von Alexander dem Großen (356 bis 323 v. Chr.). Dabei beeindrucken mich insbesondere auch die innerlichen Widersprüche vom beliebten König von Makedonien zum Despoten nach dem Sieg über das persische Großreich. Er führte ein, dass seine getreuen Mitstreiter vor ihm auf die Knie fallen mussten. Dies führte zu großen Spannungen. Heute mache ich mir viel mehr Gedanken über die Hintergründe, was meinen Geist anregt. Sehr viel Spaß macht es mir, mich mit einer Stammkundin über geschichtliche Hintergründe, aber auch über Politik zu unterhalten. Sie weiß genau, wovon sie spricht, denn sie ist pensionierte Gymnasiallehrerin!

BISS-Führung

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Dirk Schuchardt

Seit Oktober 2019 führe ich Interessierte bei der Tour „BISS & Partner“ durch München. Es ist eine durchaus reizvolle Aufgabe, die sich jedes Mal anders gestaltet. Los geht es im Büro, wo ich den Leuten erkläre, was BISS eigentlich ist. Je nachdem, wie groß die Gruppe ist, dauert das 20 bis 30 Minuten. Danach gehen wir durch den Ostbahnhof zum Dynamo Fahrradservice, wo auch Pulpo beheimatet ist. Pulpo macht aus alten Fahrradschläuchen nützliche Accessoires wie Geldbörsen oder Handtaschen. Nach ungefähr 45 Minuten bei Dynamo begeben wir uns dann in Richtung BISS-Grab auf dem Ostfriedhof. Dort erkläre ich, was es mit dem Grab auf sich hat. Als Letztes steht das Mausoleum von Rudolph Moshammer auf dem Plan, auch dort erkläre ich alles Wissenswerte. Nach ungefähr zweieinhalb Stunden endet die Tour. Ich begebe mich wieder zu meinem Verkaufsplatz am Stachus im ersten Untergeschoss und hoffe, dass die Teilnehmer zufrieden sind und mich weiterempfehlen.

Die stade Zeit

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

Von Wolfgang Räuschl

Schön langsam geht das Jahr zu Ende und wir feiern das Fest der Geburt Christi. Weihnachten – ein großes Fest der Familie, der Freunde und vor allem der Kinder. Als ich noch im Gastgewerbe gearbeitet habe, hatten wir in dem Hotel an Weihnachten immer alle Hände voll zu tun. Das Hotel war ausgebucht, auch in der Heiligen Nacht. Der Speisesaal war sehr schön geschmückt, genauso die Empfangshalle, in der ein großer, hell erleuchteter Tannenbaum stand. Am Nachmittag waren unsere Gäste auf der Skipiste und so konnten wir den Speisesaal für den Abend festlich schmücken und die Tische in aller Ruhe eindecken. Am frühen Abend begann alles mit einem Dreigängemenü und am Empfang wurden die Gäste mit Stubenmusik und Weihnachtsliedern begrüßt. Jeder Gast bekam ein kleines Präsent von unserem Hotelchef. Nach dem Essen kam der Dorfpfarrer und las das Weihnachtsevangelium vor, danach gab es noch Weihnachtsgebäck und Glühwein. Ich habe noch in Erinnerung, wie alle dieses Fest feierten, egal aus welchen Ländern sie waren. Eben ein friedvolles und harmonisches Fest. Heute bin ich alleinstehend und verbringe die Feiertage zu Hause, weil mir diese Zeit zu hektisch und zu modern ist und ich für diesen Konsumtrubel kein Verständnis habe. Nichts ist mehr übrig von der staden Zeit. Bereits im September kann man in den Supermärkten Lebkuchen kaufen, gleich nach dem Oktoberfest die ersten Adventskalender und ab Mitte November erklingt Weihnachtsmusik und die ersten Weihnachtsmärkte öffnen. Und währenddessen beginnt der große Konsumrausch, der jedes Jahr noch größer wird. Sind die Feiertage dann endlich da, ist jeder nur noch genervt und abgespannt und verspricht sich, dass im nächsten Jahr alles ruhiger werden soll. Doch nach den Feiertagen beginnt die Sause von vorn. Schließlich müssen Gutscheine eingelöst und Geschenke umgetauscht werden. Da lobe ich mir Weihnachten in meiner Kindheit: Welch ein schönes Fest das doch war, vor allem sehr besinnlich. Ich denke gern daran zurück. Ich würde mich freuen, wenn wir alle ein bisschen nachdenklicher werden und uns wieder auf das Wesentliche besinnen würden. Weihnachten sollte wieder eine stade Zeit werden. Ich wünsche allen Kollegen und Stammkunden ein ruhiges und vor allem frohes Weihnachtsfest!

Meine frühere Arbeit

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Solomon Vantu

Meine Familie in Rumänien war weder arm noch reich. Immerhin war es möglich, dass ich bis zur elften Klasse in die Schule gehen konnte. Aber als meine Mutter schwer krank wurde, musste ich arbeiten, damit die Familie genug Geld hatte – ich war dafür zuständig, dass meine Mutter, mein kleiner Bruder und meine Schwester und ich genug Essen auf dem Tisch hatten, weil mein Vater nicht da war. In Rumänien ist das normal, da arbeiten Kinder ab 14 Jahren öfter, manchmal, wenn sie kräftig sind, schon ab 13 Jahren. Das war unschön: Ich habe bis mittags Unterricht gehabt und bis nachts um zwölf Uhr gearbeitet. Ich habe auf einem großen landwirtschaftlichen Hof geputzt, den Tieren Gras gegeben, die Milch abgeholt und mit zwei Eseln ins Dorf transportiert. Ich habe auch um die 40 Pferde betreut, auf die Weide geführt und dafür gesorgt, dass sie fressen. Das Gleiche auch mit Schafen. Besonders anstrengend war die Arbeit im Winter. Nicht, weil es so kalt war, sondern, weil es mehr zu tun gab. Wenn die Tiere viel draußen sind, fressen sie selbst, man muss weniger putzen. Aber im Winter muss man manchmal die Tiere waschen und das Futter bereitstellen. Auch der Chef war nicht wirklich nett, er war hochnäsig, oft hat er seine Mitarbeiter nicht pünktlich bezahlt. Weil er nicht viel bezahlen wollte, hat er vor allem Kinder beschäftigt. Verdient habe auch ich mit der Arbeit nur sehr wenig Geld, das waren rund 80 Euro im Monat. Diesen Job hatte ich von meinem 14. bis 20. Lebensjahr. Weil ich so viel gearbeitet habe, hatte ich keine Zeit, für die Schule zu lernen. Ich wurde die ganze Zeit von den Lehrern geschlagen, die haben gefragt: „Warum hast du nicht gelernt?“ Ich hätte schon Lust gehabt, zu lernen, aber es war auch unangenehm, in die Schule zu gehen: Ich hatte kaum Klamotten, habe mir ein Paar Schuhe mit meinen Geschwistern geteilt und habe nicht gut gerochen. Gekündigt habe ich erst, als ich mit 19 Jahren beschloss, nach Deutschland zu gehen. Danach wurde alles besser.

Urlaub in Kroatien

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

VON Dalibor Cacuga Andrea Schönle

Wir sind im Mai zusammen im Urlaub gewesen. Es war unser erster gemeinsamer Urlaub. Am liebsten wären wir gar nicht mehr zurückgekommen. Wir waren 14 Tage weg, mit einem geliehenen Wohnmobil. Unterwegs waren wir zu dritt, noch mit meinem Mann, der ist gefahren. Wir kennen uns vom BISS-Verkaufen und sind gute Freunde geworden. Nachts sind wir losgefahren, erst durch Österreich, dann durch Slowenien. Es ist eine etwas kurvige Strecke, aber wir haben uns immer auf unser Navigationsgerät verlassen. Als wir ankamen, war es schon hell. Unser Ziel war ein Campingplatz bei Zadar, den hatten wir im Internet gefunden. Wir haben unser Wohnmobil aufgestellt und sind erst mal einkaufen gegangen. Während des Urlaubs waren wir mal auf einem Campingplatz, mal sind wir rumgefahren. Ans Meer konnte man nicht, dafür war es zu kalt. Aber wir haben Nin angeschaut, Krk angeschaut und in Zadar den Fischmarkt. Dort gibt es eine schöne Altstadt, man kann eigentlich Bootsfahrten machen, aber die Saison war noch nicht losgegangen. Die Leute waren nett und sehr hilfsbereit. Wir sind viel essen gegangen, haben Pizza, Tintenfisch und Schwertfisch gegessen. Der war ein bisschen ungewohnt und bitter. Aber es war frischer Fisch und er war lecker. Wir haben auch am Campingplatz gegrillt, Fisch und Fleisch. Einmal haben wir auch im Wohnmobil gekocht, Carbonara gab es. Es war toll: Die salzhaltige Luft, man geht raus aus dem Wohnmobil, hat sofort frische Luft und den Blick aufs Meer. Und wir haben uns alle gut verstanden, sind abends spazieren gegangen. Anfangs hatten wir noch schönes Wetter, am Abend fing es aber dann auch an, schlecht zu werden. In den folgenden Tagen kamen ein paar Stürme, da hat alles gewackelt und es sind sogar Wohnmobile umgestürzt. Wir waren dann viel im Wohnmobil, haben Karten gespielt, Poker. Am vierten Tag, als es wieder sonnig war, kamen die Betreiber des Campingplatzes und haben uns Schnaps angeboten. Wir haben viele nette Bekanntschaften auf dem Campingplatz geschlossen. Es gibt sogar Camper, die wohnen da! Wenn wir gekonnt hätten, wären wir auch dageblieben. Bevor wir gefahren sind, haben wir andere Campingplätze angeschaut, um zu gucken, wo wir das nächste Mal hinfahren. Bevor wir gefahren sind, mussten wir alles wieder einräumen. Die Rückfahrt haben wir gegen zwölf Uhr Mittag angetreten. Kaum waren wir hier angekommen, hatten wir schon wieder Fernweh. Nächstes Jahr geht es auf jeden Fall wieder nach Kroatien, hoffentlich wieder mit dem Wohnmobil.