Ein Dreirad mit 41 Jahren

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Jasmin Nejmi

Ich habe Fahrradfahren, verglichen mit anderen Kindern, erst spät gelernt, mit sieben Jahren. Dann aber hat es mir schnell viel Freude bereitet. Bei jedem Wetter war ich damit unterwegs, sogar freihändig bin ich gefahren. Leider wurde mir das Rad irgendwann geklaut, worüber ich sehr traurig war. Später, als Erwachsene, bekam ich von meiner Kirchengemeinde ein neues geschenkt. Ich hatte wieder viel Spaß damit, doch leider wurde es mir abermals geklaut. Damals dachte ich: Jetzt lasse ich es bleiben, ich habe einfach kein Glück mit Fahrrädern. Doch dann habe ich von meiner Betreuerin bei der Schuldnerberatung den Tipp bekommen, dass es noch Stiftungsmittel gibt, auf die man sich bewerben kann, und dass ich mir damit ein neues Rad kaufen könnte. Da ich es allein raus aus meinen Schulden geschafft habe, schlug sie mich für das Programm vor. Ich kann wegen meiner MS-Erkrankung nicht mehr Fahrrad fahren, aber ein Lastenrad mit drei Rädern kann ich steuern. Tatsächlich bekam ich das nötige Geld und konnte mir in einem Geschäft in Feldkirchen ein Lastenrad aussuchen. Es hat vorne ein Rad und hinten zwei, über denen der große Gepäckträger angebracht ist. Der einzige Nachteil ist die etwas hässliche Farbe irgendwo zwischen Gold und Beige. Dafür hat das Rad zwei Schlösser, die es vor einem Diebstahl schützen. Das Gefährt bringt mich zum Ostbahnhof, zum Arzt oder zur Krankengymnastik. Dank des großen Gepäckträgers kann ich auch Katzenstreu oder Katzenfutter transportieren. Als ich kürzlich einen Platten hatte und das Rad bis zur Reparatur nicht nutzen konnte, habe ich erst gemerkt, was mir fehlt, wenn es mal nicht da ist. Jetzt kann ich aber zum Glück wieder damit fahren.