Wer kann eigentlich die BISS verkaufen?

Karin Lohr, Foto: Volker Derlath

Diese Frage wird uns regelmäßig gestellt, die Antwort darauf ist seit über 30 Jahren gleich: Das Straßenmagazin verkaufen können Personen, die von Armut oder Obdachlosigkeit betroffen oder bedroht sind. Interessierte können zu BISS in die Metzstraße kommen und mit unserem Sozialarbeiter ein Bewerbungsgespräch führen. In dem Gespräch geht es darum, wie und von welchen Einkünften der oder die Betroffene im Moment lebt. Es wird danach gefragt, ob man in einer eigenen Wohnung lebt oder, falls nicht, wo er oder sie die Nacht verbringt. Auch über die Gesundheit und familiäre Lebensumstände wird gesprochen. Sofern Unterlagen vorliegen, beispielsweise der Bescheid über Bürgergeld oder Sozialhilfe oder der Ausweis über eine Behinderung, können Interessierte sie gern mitbringen. BISS ist keine Behörde wie das Jobcenter oder das Wohnungsamt, die prüfen, ob Ansprüche berechtigt sind oder nicht. BISS ist ein gemeinnütziger und mildtätiger Verein, der Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten hilft. Daher geht es weniger darum, ob jemand das Straßenmagazin verkaufen „darf “. Sondern es geht darum, einzuschätzen, ob die Betroffenen ihre sozialen Schwierigkeiten mithilfe des BISS-Verkaufs überwinden können. Am besten kann man das an einem Beispiel erklären: Neulich erkundigte sich ein jüngerer Mann nach den Voraussetzungen. Er hatte einige Jahre als Auslieferer für Essensbestellungen gearbeitet und war dazu tagtäglich mit einem schweren Rucksack auf dem Fahrrad unterwegs gewesen. Nun zwingen ihn seine chronischen Rückenschmerzen, sich um eine andere Arbeit zu bemühen. Wäre BISS ein konventionelles Unternehmen, hätten wir ihn sicher eingestellt: mehrjährige Berufserfahrung, freundlich, fleißig und ausreichende Deutschkenntnisse. Es gibt aber die Regel, dass nur ältere Personen ab 40 Jahre das Magazin verkaufen können. Denjenigen, die jünger sind, raten wir, noch eine Ausbildung bzw. Umschulung zu machen. So verbessern sie ihre beruflichen und auch sprachlichen Kenntnisse und steigern ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz im allgemeinen Arbeitsmarkt. Auch wenn der junge Mann zunächst enttäuscht war, konnte er die Gründe nachvollziehen. Das Straßenmagazin wird von rund 100 Menschen in und um München verkauft, die sich durch ihre Lebensumstände sehr unterscheiden. Sei es die Rentnerin, die ihre Minirente aufbessert und wieder Geld und soziale Kontakte hat, bis hin zu ehemals obdachlosen Personen, die wieder eine Wohnung finden und einen kompletten Neustart wagen. Wenn Sie das BISS-Magazin verkaufen wollen oder jemanden kennen, für den das infrage kommt, dann wenden Sie sich vertrauensvoll an uns und reden Sie mit unserer Sozialarbeit.

Herzlichst


Karin Lohr, Geschäftsführerin