Wer wohnt wie? In der Kolumne geben Menschen aus dem BISS-Netzwerk Einblicke in ihren Wohnalltag. Sie erzählen, wie sie früher gelebt haben, wie sie momentan wohnen und was sie sich für die Zukunft erhoffen.
Protokoll HANS ALBRECHT LUSZNAT
Foto MARTIN FENGEL
Die Spartanische

Lange wohne ich noch nicht in dieser Wohnung. Ich bin erst vor knapp einem Jahr eingezogen und hatte zusammen mit meiner Tochter etwas gesucht. Dann hat sie sich kurzfristig anders entschieden und wollte mit ihrem Freund zusammenziehen. Jetzt wohne ich allein auf 60 Quadratmetern in zwei geräumigen Zimmern. Ich habe ganz wenige Möbel, ein großes Bett im Schlafzimmer und eine Couch im Wohnzimmer. Wenn ich nach acht Stunden Verkauf zurück in die Wohnung komme, dann genieße ich es, mich aufs Bett zu legen und auszuruhen, das ist mir ganz wichtig. Die Fenster meiner Wohnung und der Balkon gehen zum Hof hinaus, wo es sehr ruhig ist. Die Miete für meine Wohnung liegt bei 1000 Euro, deshalb muss ich viel arbeiten. Die Woche über habe ich ein volles Programm: Montags bin ich in der Nähe vom Arabellapark, dienstags in Haar, mittwochs in Ebersberg, donnerstags in Harlaching, freitags beim Käfer und am Samstag in Grünwald. Wenn man viel unterwegs ist, dann bekommt man von der Nachbarschaft auch nicht viel mit. Die Umgebung hier ist sehr gut. Es gibt zwei Straßenbahnlinien, Buss und, etwas entfernt, die U-Bahn oder die S-Bahn, ich kann also alle Orte von hier aus gut erreichen. Ich bin in Temeswar (Timișoara) in Rumänien geboren. Als ich vier Jahre alt war, sind meine Eltern nach Frankreich gezogen, wo sie noch immer wohnen. Dort habe ich als 15-Jährige meinen Mann kennengelernt und bin schon mit 16 Jahren Mutter geworden. Mit 19 habe ich eine zweite Tochter bekommen. Wir wohnten in Augsburg. Dann gab es Eheprobleme und ich bin mit den Kindern zu den Eltern nach Frankreich gezogen, dann aber mit 25 wieder zurückgekommen. In der Ehe lief es damals wiedergut und ich habe einen Sohn bekommen. Es war aber ein ewiges Hin und Her. Jetzt lebe ich getrennt, das ist besser so. Die Familie ist zerstreut, aber die Kinder wohnen alle in Augsburg und demnächst kommt schon das vierte Enkelkind. Ich habe keinen Beruf gelernt. Die Schule hat mir nicht gefallen und dann war ich so früh schwanger. Heute bereue ich die fehlende Ausbildung sehr, da habe ich einen großen Fehler gemacht. Mädchen leiden in der rumänischen Gesellschaft viel, deshalb wünsche ich mir Jungen als Enkelkinder. In der Wohnung fehlt es noch an einer Reihe von Einrichtungsgegenständen. Ich will vier Stühle und einen Tisch anschaffen, denn in der Küche kann man nicht sitzen und essen, dafür ist sie zu klein. In die Speisekammer im Flur müssen noch Regale, damit ich dort besser die Vorräte verstauen kann. Im Speicherabteil habe ich ein Klappbett, das kann ich herunterholen, wenn ich Besuch bekomme, der länger bei mir bleibt. Die Einbauküche ist neu, aber es muss noch einiges gemacht werden, damit sie gut benutzbar ist. Deshalb muss der Handwerker noch einmal kommen. Die weißen Wände im Wohnzimmer will ich farbig streichen und dann oben eine umlaufende Bordüre anbringen, damit es wohnlicher wird. Es gibt also noch einiges zu tun.