Unverhofft kommt oft

Von HILDEGARD DENNINGER
Fotos HANNES ROHRER

Hildegard Denninger (rechts) und Hanna Wenzel gratulieren der Wohltäterin zum Geburtstag und bedanken sich auch bei ihrem Sohn für die Großzügigkeit.

Was eine Radiosendung alles bewirkt

Im Juni vergangenen Jahres hatte die Radiosendung „Tagesgespräch“ auf Bayern 2 den Umgang mit Obdachlosen zum Thema. Der Experte für die Zuhörerfragen war mein Mann Johannes Denninger, Sozialarbeiter bei BISS und seit 40 Jahren beruflich tätig für Obdach- und Wohnungslose. Er sprach auch über die Stiftung BISS und legte dar, wie durch Schenkungen, Erbschaften und Immobilienkäufe bezahlbarer Wohnraum für BISS-Verkäufer und andere bedürftige Menschen geschaffen wurde. Wir bekamen viele positive Rückmeldungen nach der Sendung. Ganz besonders begeistert war Frau P., die mir sagte, dass sie gestern „meinen Sohn“ auf Bayern 2 gehört und daraufhin beschlossen habe, der Stiftung eine Doppelhaushälfte in Perlach zukommen zu lassen, die sie von ihrem Bruder geerbt hatte, denn sie selbst habe schon ein Haus. Sie wolle keinen Gewinn machen, aber auch nichts bezahlen müssen. Da konnten wir Frau P. beruhigen, denn laut Gesetz fällt keine Erbschafts- oder Schenkungssteuer an, wenn ein Erbe/eine Erbin sich innerhalb von zwei Jahren entscheidet, die Immobilie unentgeltlich weiterzureichen an eine gemeinnützige Einrichtung.
Die Grundbucheintragung erfolgte am 29. Januar 2025. Danach machten wir uns sofort an die Planung: Die Doppelhaushälfte sollte geräumt, vollständig saniert und erweitert werden, sodass bis Anfang 2027 zwei größere Wohnungen und vier Appartements bezogen werden können. Der Plan ist bei der Lokalbaukommission in Bearbeitung. Zwar haben wir das Grundstück von Frau P. geschenkt bekommen, aber die Kosten für die Sanierung des Bestands und die Um- und Anbauten, die vom Architekten auf 1,6 Millionen Euro geschätzt wurden, muss die Stiftung aufbringen. Auch da wurden wir unverhofft reich beschenkt. Just zu der Zeit, als wir uns fragten, ob wir es wagen sollten, auf die große Lösung mit 1,6 Millionen Euro zu setzen, überwies uns ein Testamentsvollstrecker mehr als 800.000 Euro. Eine Frau aus der Bodensee-Gegend hatte der Stiftung BISS die Hälfte des Erlöses aus dem Verkauf eines Grundstücks vermacht. Sie können sich unseren Jubel vorstellen! Wir bauen also nachhaltig auf energetisch hohem Standard und setzen darauf, dass wir es mithilfe unseres wunderbaren Netzwerks schaffen, auch die zweite Hälfte des Geldes aufzubringen. Dann werden Frau P. und ich beim Richtfest mit einem Glas Champagner anstoßen auf BISS und all die Menschen, die uns unterstützen. Und ganz besonders auf sie, die es der Stiftung ermöglicht hat, auf einen Schlag zu sechs Wohnungen zu kommen.

Die Wiederholungstäter

Es gibt begüterte Menschen, die so sind, wie man sich alle reichen Menschen wünscht: normal, nicht abgehoben, die von ihrem Besitz abgeben, weil sie großzügig sind, denen soziale Gerechtigkeit und Zusammenhalt der Gesellschaft wichtig sind und die Menschen mögen. Was für ein Glück, dass wir zwei dieser Menschen kennen, und was für ein Glück, dass diese Menschen BISS und die Stiftung BISS unterstützen. Sie haben nun schon zum zweiten Mal eine Wohnung gekauft und sie sofort danach an uns weitergegeben! Bereits 2023 hatte uns das Ehepaar eine große Wohnung geschenkt, in der fünf Personen Platz fanden. Jetzt ist es ein Appartement in Schwabing, das seit Oktober an eine BISS-Verkäuferin und ihren Mann vermietet ist. Die beiden, denen gekündigt worden war, da die Wohnung im Umland von München verkauft werden soll, sind überglücklich, dass sie nun eine Bleibe hier in der Stadt gefunden haben. Auch in ihrem Namen danken wir den Spendern von ganzem Herzen für das überaus großzügige und wunderbare Geschenk. Und wir sind sicher, dass die große Freude, die sie uns allen damit bereitet haben, wieder auf sie zurückkommen wird.

Eine (fast) unendliche Geschichte

Im Oktober 2025 fand die Schlüsselübergabe statt für die Wohnung in Neuperlach, die wir von der im Mai 2024 verstorbenen Frau L. geerbt hatten. Es war eine Verquickung unglücklicher Umstände, dass es so lange gedauert hat. Und es hat wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, dass Testamente eindeutig formuliert und am besten zusammen mit einem Anwalt oder Notar abgefasst werden. Frau L. hatte uns, kurz bevor sie ins Krankenhaus kam, mitgeteilt, dass sie ein handgeschriebenes Testament verfasst hätte, in dem sie uns ihre Wohnung in München vererben und ihr Haus in Italien einer dortigen gemeinnützigen Einrichtung vermachen wolle. Sie plante, nach ihrem Krankenhausaufenthalt das Testament notariell begleitet „richtig“ zu verfassen. Es kam nicht mehr dazu, da Frau L. leider im Krankenhaus verstarb. So wie im Testament gewünscht, organisierte BISS die Bestattung. Vom Nachlassgericht wurde uns später mitgeteilt, dass das Testament auslegungsbedürftig sei, da die Erblasserin nur Vermächtnisse ausgelobt, aber niemanden als Erben benannt hatte.
Nach vielen Monaten mit Schriftverkehr zwischen Amt und den im Testament genannten Personen und Einrichtungen erhielt die Stiftung BISS als Alleinerbe den Erbschein. Wie lange es dauert, bis das Haus in Italien auf die dortige gemeinnützige Einrichtung überschrieben werden kann, wissen wir nicht. Wir tun von uns aus alles für eine zügige Abwicklung, aber es braucht halt immer zwei dazu!

Auch privat viel los

Im letzten April wurde ich an einer Ampel von einem rechts abbiegenden Auto vom Fahrrad geschmissen, was einen komplizierten Beckenbruch zur Folge hatte und mir zwei Operationen und drei Wochen Krankenhausaufenthalt bescherte. Danach kamen Rollstuhl, Krücken und Nordic-Walking-Stöcke zum Einsatz, bis ich dann im September wieder ohne Hilfen laufen konnte. In diesen Monaten habe ich vieles erst richtig schätzen gelernt: Das Krankenhaus Rechts der Isar mit seinen Unfallchirurgen, die selbst schwer zertrümmerte Becken wieder zusammenflicken können. Die zugewandten, zupackenden Pflegerinnen und Pfleger sowie die Hilfskräfte aus allen Teilen der Welt, die nicht nur professionell und gut arbeiteten, sondern auch noch Mitgefühl und gute Laune zeigten. Und meinen Laptop! Ich konnte arbeiten und mich auch per Mail mit Hanna Wenzel austauschen, die den Laden vor Ort „wuppte“. (Sie ist als Mitarbeiterin so etwas wie ein Hauptgewinn!) Die Stiftung ist also gut aufgestellt, erhält das Alte und ist bereit für Neues. Deshalb, liebe Freunde und Unterstützer, bleiben Sie uns weiterhin verbunden, lassen Sie uns unser Haus in Perlach bauen und uns freuen, dass wir zusammen so viel Gutes zustande bringen können!