2025 war für die Stiftung ein gutes Jahr. Es wurde das Haus in Hohenschäftlarn vom Verein BISS auf die Stiftung BISS übertragen, es wurden uns eine Doppelhaushälfte sowie eine Wohnung geschenkt und eine weitere Wohnung vererbt. Und vom Ende her betrachtet, war es auch für mich persönlich ein gutes Jahr, auch wenn es im April noch nicht danach aussah.
Von HILDEGARD DENNINGER
Fotos HANNES ROHRER

Was eine Radiosendung alles bewirkt
Im Juni vergangenen Jahres hatte die Radiosendung „Tagesgespräch“ auf Bayern 2 den Umgang mit Obdachlosen zum Thema. Der Experte für die Zuhörerfragen war mein Mann Johannes Denninger, Sozialarbeiter bei BISS und seit 40 Jahren beruflich tätig für Obdach- und Wohnungslose. Er sprach auch über die Stiftung BISS und legte dar, wie durch Schenkungen, Erbschaften und Immobilienkäufe bezahlbarer Wohnraum für BISS-Verkäufer und andere bedürftige Menschen geschaffen wurde. Wir bekamen viele positive Rückmeldungen nach der Sendung. Ganz besonders begeistert war Frau P., die mir sagte, dass sie gestern „meinen Sohn“ auf Bayern 2 gehört und daraufhin beschlossen habe, der Stiftung eine Doppelhaushälfte in Perlach zukommen zu lassen, die sie von ihrem Bruder geerbt hatte, denn sie selbst habe schon ein Haus. Sie wolle keinen Gewinn machen, aber auch nichts bezahlen müssen. Da konnten wir Frau P. beruhigen, denn laut Gesetz fällt keine Erbschafts- oder Schenkungssteuer an, wenn ein Erbe/eine Erbin sich innerhalb von zwei Jahren entscheidet, die Immobilie unentgeltlich weiterzureichen an eine gemeinnützige Einrichtung.
Die Grundbucheintragung erfolgte am 29. Januar 2025. Danach machten wir uns sofort an die Planung: Die Doppelhaushälfte sollte geräumt, vollständig saniert und erweitert werden, sodass bis Anfang 2027 zwei größere Wohnungen und vier Appartements bezogen werden können. Der Plan ist bei der Lokalbaukommission in Bearbeitung. Zwar haben wir das Grundstück von Frau P. geschenkt bekommen, aber die Kosten für die Sanierung des Bestands und die Um- und Anbauten, die vom Architekten auf 1,6 Millionen Euro geschätzt wurden, muss die Stiftung aufbringen. Auch da wurden wir unverhofft reich beschenkt. Just zu der Zeit, als wir uns fragten, ob wir es wagen sollten, auf die große Lösung mit 1,6 Millionen Euro zu setzen, überwies uns ein Testamentsvollstrecker mehr als 800.000 Euro. Eine Frau aus der Bodensee-Gegend hatte der Stiftung BISS die Hälfte des Erlöses aus dem Verkauf eines Grundstücks vermacht. Sie können sich unseren Jubel vorstellen! Wir bauen also nachhaltig auf energetisch hohem Standard und setzen darauf, dass wir es mithilfe unseres wunderbaren Netzwerks schaffen, auch die zweite Hälfte des Geldes aufzubringen. Dann werden Frau P. und ich beim Richtfest mit einem Glas Champagner anstoßen auf BISS und all die Menschen, die uns unterstützen. Und ganz besonders auf sie, die es der Stiftung ermöglicht hat, auf einen Schlag zu sechs Wohnungen zu kommen.
Die Wiederholungstäter
Es gibt begüterte Menschen, die so sind, wie man sich alle reichen Menschen wünscht: normal, nicht abgehoben, die von ihrem Besitz abgeben, weil sie großzügig sind, denen soziale Gerechtigkeit und Zusammenhalt der Gesellschaft wichtig sind und die Menschen mögen. Was für ein Glück, dass wir zwei dieser Menschen kennen, und was für ein Glück, dass diese Menschen BISS und die Stiftung BISS unterstützen. Sie haben nun schon zum zweiten Mal eine Wohnung gekauft und sie sofort danach an uns weitergegeben! Bereits 2023 hatte uns das Ehepaar eine große Wohnung geschenkt, in der fünf Personen Platz fanden. Jetzt ist es ein Appartement in Schwabing, das seit Oktober an eine BISS-Verkäuferin und ihren Mann vermietet ist. Die beiden, denen gekündigt worden war, da die Wohnung im Umland von München verkauft werden soll, sind überglücklich, dass sie nun eine Bleibe hier in der Stadt gefunden haben. Auch in ihrem Namen danken wir den Spendern von ganzem Herzen für das überaus großzügige und wunderbare Geschenk. Und wir sind sicher, dass die große Freude, die sie uns allen damit bereitet haben, wieder auf sie zurückkommen wird.
Eine (fast) unendliche Geschichte
Im Oktober 2025 fand die Schlüsselübergabe statt für die Wohnung in Neuperlach, die wir von der im Mai 2024 verstorbenen Frau L. geerbt hatten. Es war eine Verquickung unglücklicher Umstände, dass es so lange gedauert hat. Und es hat wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, dass Testamente eindeutig formuliert und am besten zusammen mit einem Anwalt oder Notar abgefasst werden. Frau L. hatte uns, kurz bevor sie ins Krankenhaus kam, mitgeteilt, dass sie ein handgeschriebenes Testament verfasst hätte, in dem sie uns ihre Wohnung in München vererben und ihr Haus in Italien einer dortigen gemeinnützigen Einrichtung vermachen wolle. Sie plante, nach ihrem Krankenhausaufenthalt das Testament notariell begleitet „richtig“ zu verfassen. Es kam nicht mehr dazu, da Frau L. leider im Krankenhaus verstarb. So wie im Testament gewünscht, organisierte BISS die Bestattung. Vom Nachlassgericht wurde uns später mitgeteilt, dass das Testament auslegungsbedürftig sei, da die Erblasserin nur Vermächtnisse ausgelobt, aber niemanden als Erben benannt hatte.
Nach vielen Monaten mit Schriftverkehr zwischen Amt und den im Testament genannten Personen und Einrichtungen erhielt die Stiftung BISS als Alleinerbe den Erbschein. Wie lange es dauert, bis das Haus in Italien auf die dortige gemeinnützige Einrichtung überschrieben werden kann, wissen wir nicht. Wir tun von uns aus alles für eine zügige Abwicklung, aber es braucht halt immer zwei dazu!
Auch privat viel los
Im letzten April wurde ich an einer Ampel von einem rechts abbiegenden Auto vom Fahrrad geschmissen, was einen komplizierten Beckenbruch zur Folge hatte und mir zwei Operationen und drei Wochen Krankenhausaufenthalt bescherte. Danach kamen Rollstuhl, Krücken und Nordic-Walking-Stöcke zum Einsatz, bis ich dann im September wieder ohne Hilfen laufen konnte. In diesen Monaten habe ich vieles erst richtig schätzen gelernt: Das Krankenhaus Rechts der Isar mit seinen Unfallchirurgen, die selbst schwer zertrümmerte Becken wieder zusammenflicken können. Die zugewandten, zupackenden Pflegerinnen und Pfleger sowie die Hilfskräfte aus allen Teilen der Welt, die nicht nur professionell und gut arbeiteten, sondern auch noch Mitgefühl und gute Laune zeigten. Und meinen Laptop! Ich konnte arbeiten und mich auch per Mail mit Hanna Wenzel austauschen, die den Laden vor Ort „wuppte“. (Sie ist als Mitarbeiterin so etwas wie ein Hauptgewinn!) Die Stiftung ist also gut aufgestellt, erhält das Alte und ist bereit für Neues. Deshalb, liebe Freunde und Unterstützer, bleiben Sie uns weiterhin verbunden, lassen Sie uns unser Haus in Perlach bauen und uns freuen, dass wir zusammen so viel Gutes zustande bringen können!
Die 21 stiftungseigenen Wohnungen auf einen Blick
ZUGANG 2015:
Das Appartement in Obersendling. Unsere allererste Wohnung haben wir von einer Gönnerin von BISS gekauft und den Mieter, den wir jetzt auch betreuen, zu gleichen Bedingungen übernommen.
ZUGANG 2016:
Die 3-ZimmerWohnung in Solln. Diese Wohnung konnten wir ebenfalls von einer BISS-Gönnerin erwerben und darin nach einer Sanierung unsere erste BISS-Wohngemeinschaft unterbringen. Eigentlich sind die Mietverträge befristet, aber nur einer der drei Herren konnte 2017 ein eigenes Appartement anmieten, sodass ein anderer obdachloser BISS-Verkäufer das Zimmer beziehen konnte.
ZUGANG 2017:
Das Appartement in Sendling/Westpark. Diese Schenkung hat der Verein BISS 2013 von einem Geschwisterpaar erhalten. Der langjährige Mieter wurde zu gleichen Bedingungen übernommen. 2017 wurde die Immobilie mit Zustimmung der Schenker auf die Stiftung BISS übertragen.
ZUGANG 2017:
Das Appartement in Berg am Laim. Wie die Wohnung in Solln wurde dieses Appartement befristet vermietet, in der Hoffnung, für unsere Verkäuferin dauerhaft außerhalb von BISS eine Wohnung zu finden. Die Hoffnung hat sich bislang nicht erfüllt, die BISS-Verkäuferin wohnt immer noch dort.
ZUANG 2017 / UMWIDMUNG 2020:
Das Dachgeschoss in Karlsfeld. Diese Wohnung wurde bis zum Sommer 2019 vereinbarungsgemäß von den bisherigen Eigentümern bewohnt. Nach der Renovierung im Februar 2020 zog eine vom Verein „Münchner Freiwillige – Wir helfen e.V.“
betreute syrische Flüchtlingsfamilie ein, die schon einige Jahre in einer Unterkunft in Karlsfeld gelebt hatte.
ZUGANG 2019:
Die 2-ZimmerWohnung in Laim. Hier hat eine BISS-Verkäuferin zusammen mit ihren betagten Eltern, die leider 2024 beide verstorben sind, ein Zuhause gefunden. Sie sind damals aus
einer 2-Zimmer-Wohnung, die sie sich mit sieben Personen teilten, „ins Paradies umgezogen“.
ZUGANG 2020:
Die 3-ZimmerWohnung in Starnberg. Die Stiftung ist nur Eigentümerin der Wohnung, Grund
und Boden gehen nach etwa 50 Jahren in den Besitz einer Firma über, an die die Stadt Starnberg das Erbbaugrundstück verkauft hat. Bis Herbst 2023 wohnten hier zwei BISS-Verkäufer, von denen einer leider verstorben ist und der andere ein Appartement bei der Genossenschaft Wogeno in Freiham bekommen hat. 2024 wurde die Wohnung an den Verein „Münchner Freiwillige – Wir helfen e.V.“ vermietet, der sie an eine von ihnen betreute Mutter mit vier Kindern untervermietet hat.
ZUGANG 2021:
Die 2,5-ZimmerWohnung in Martinsried. Diese Wohnung haben wir der Großzügigkeit einer Gönnerin von BISS zu verdanken. Sie verkaufte uns die Wohnung zum Marktpreis, wir mussten nur 25 % bezahlen und durften den Rest mit einer Spendenquittung begleichen. Die Mieter haben wir zu den alten Bedingungen übernommen.
Z U G A N G 2 0 2 1 :
Das Appartement in Laim
In der zweiten Wohnung, die wir in Laim erwerben konnten, lebt ein BISS-Verkäufer, der zuvorlange in einer Pension gewohnt hatte und sich hier nun sehr wohlfühlt.
Z U G A N G 2 0 2 2 :
Die 4-ZimmerWohnung in Hadern
Diese Wohnung haben wir von einem Ehepaar geerbt, das 2021 verstorben ist (wir berichteten in der Januar-BISS 2022). Die Mieter, eine Familie, die schon seit 2015 dort wohnt, wurden
zu gleichen Bedingungen übernommen.
ZUGANG 2022:
Das Appartementi n Berg am Laim
Dieses Appartement hatte der Verein BISS 2015 von einer Unterstützerin angemietet, es hergerichtet und untervermietet an einen BISS-Verkäufer. Die Eigentümerin hatte damals versprochen, das Appartement später an die Stiftung BISS zu verkaufen. Sie hat Wort gehalten
und der BISS-Verkäufer, der in der Zwischenzeit eine Arbeitsstelle außerhalb von BISS gefunden hat, wohnt immer noch da.
ZUGANG 2022:
Die 2-ZimmerWohnung in Sendling
Ende 2022 konnten wir noch eine Wohnung in Sendling erwerben, die wir – wie schon unsere Wohnungen in Karlsfeld und Starnberg – an den Verein „Münchner Freiwillige – Wir helfen e.V.“ vermieteten, der darin 2023 eine Flüchtlingsfamilie aus Afghanistan unterbrachte.
Z U G A N G 2 0 2 3 :
Die 3-ZimmerWohnung in Schwabing
Diese große Wohnung, die uns dankenswerterweise ein Ehepaar geschenkt hat, haben wir der Stadt München zur Belegung überlassen. Mit der Landeshauptstadt haben wir dazu einen Belegbindungsvertrag geschlossen. Die ersten Mieter, eine fünfköpfige Familie aus Albanien, bei der beide Elternteile als Postboten arbeiten, zogen im Juni 2023 glückstrahlend ein(wir berichteten in der Januar BISS 2024).
ZUGANG 2023:
Die 3-Zimmer-Wohnung in Au-Haidhausen
Diese Wohnung mit fast 100 qm konnten wir nur erwerben, weil der Verein BISS e.V. die Hälfte der Wohnung geerbt hatte und seinen Anteil an die Stiftung BISS weitergab. Da sie zu groß war für Wohnungssuchende in unserem Umfeld, wurde sie ebenfalls ins Belegrechtsprogramm der Stadt München aufgenommen. Die Geschichte dieser jungen fünfköpfigen Familie haben wir in der Januar-BISS 2025 erzählt.
ZUGANG 2024:
Die 3-ZimmerWohnung in Solln
Angeboten wurde uns die Wohnung, weil im selben Haus seit 2016 drei BISS-Verkäufer leben und die WG bei allen Hausbewohnern wohlgelitten ist. Da wir direkt bei der Eigentümerin kaufen konnten, mussten wir keine Maklergebühr bezahlen. Auch diese Wohnung wurde wegen ihrer Größe in das Belegrechtsprogramm der Stadt München aufgenommen und ist seit Juni 2024 an eine 4-köpfige Familie vermietet (wir berichteten in der Januar-BISS 2025).
Z U G A N G 2 0 2 4 :
Das Appartement in Fürstenried
Dieses Appartement haben wir den Freunden & Gönnern der Straßenzeitschrift BISS mit zu verdanken, denn ein Teil des Kaufpreises wurde bezahlt mit dem Erlös aus der Versteigerung von Bildern bei der Jubiläumsfeier „30 Jahre BISS“ (wir berichteten in BISS 10/24). Ein vormals obdachloser BISS-Verkäufer hat hier seine Heimat gefunden.
Z U G A N G 2 0 2 5 :
Das Haus in Hohenschäftlarn mit 3 Wohneinheiten
Dieses große Haus, das der Verein BISS e.V. geerbt hat, wurde zum 01.01.2025 auf die Stiftung übertragen, gemäß der Vereinbarung zwischen BISS e.V. und der Stiftung BISS, dass Immobilien immer der Stiftung zukommen sollten. Im Haus sind nun drei Parteien untergebracht: eine 9-köpfige Familie aus Nigeria, ein BISS-Verkäufer und eine Frau aus der Ukraine. Damit wurde der Wunsch des Erblasser Josef Fencl erfüllt, den er in seinem Testament geäußert hatte: Sein Anwesen sollte bedürftigen Menschen zu Wohnzwecken zur Verfügung gestellt werden.
ZUGANG 2025:
Das Appartement in Schwabing
Dieses Appartement ist die Schenkung eines Ehepaars, dem wir zu großem Dank verpflichtet sind. Denn nicht nur hat BISS finanzielle Unterstützung für die Sanierung des Hauses in Hohenschäftlarn von ihnen erhalten, sondern es wurde die Stiftung 2023 schon mit einer
großen Wohnung in Schwabing beschenkt und nun mit diesem Appartement, in dem im Oktober eine BISS-Verkäuferin mit ihrem Ehemann eingezogen ist (s. S. 21).
ZUGANG 2025:
Die 2-ZimmerWohnung in Neuperlach
Eigentlich haben wir diese Wohnung schon 2024 geerbt. Aber da im Testament nicht eindeutig festgelegt war, wer von den aufgeführten Personen Erbe und wer Vermächtnisnehmer ist, dauerte es bis Herbst 2025, bis wir die Schlüssel für die voll ausgestattete schöne Wohnung
beim Amtsgericht abholen konnten. Diese Wohnung – wie schon in den Vorjahren drei andere größere Wohnungen – werden wir der Stadt München zur Belegung zur Verfügung stellen.