Meine vielen Bücher

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Roland Herzog

Ich bin ein Buchliebhaber. Schon meine Mutter hatte viel gelesen und mir die Literaturklassiker überlassen. Meine Schwester und mein Bruder sind beide Lehrer geworden. Ich habe Verwaltungsfachwirt beim Versorgungsamt gelernt und mich zeitweilig um die Kriegsopfer und Hinterbliebenen gekümmert, um Witwen und Waisen aus dem Zweiten Weltkrieg. Das war für einen Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer wie mich natürlich nicht die „ideale Stelle“. 1969 bin ich nach München umgezogen, weil beim Sozialverband VDK ein Verwaltungsmitarbeiter in Rente gehen und die Stelle frei werden sollte. Dochder entsprechende Mitarbeiter wollte dann doch zwei Jahre weiterarbeiten und so saß ich stellungslos in München. Ich habe dann in den folgenden zwei Jahren verschiedene Jobs gemacht, zum Beispiel für die Post gearbeitet. Dann habe ich bei einer Gebäudereinigung angefangen, die unter anderem für das Glasdach des Hauptbahnhofs zuständig war. Auch das Olympiagelände haben wir betreut. Nach fünf Jahren habe ich mich in dieser Branche selbstständig gemacht. An den Wochenenden habe ich als Adventist in der Fußgängerzone zu den Leuten gesprochen. Das hieß damals Straßen Missionsarbeit. Da hatte ich manchmal bis zu 100 Zuhörer und über diese Tätigkeit ergaben sich sehr viele Kontakte zu Menschen, die Hilfe und Beistand benötigten. So habe ich mich beispielsweise um Leute gekümmert, die in Haar in der Anstalt gelandet sind. Lesen ist mir sehr wichtig. Manche Bücher leihe ich mir aus und ich schaue mich in Buchhandlungen um, beispielsweise bei der einen, die im Rathaus beheimatet und schon 327 Jahre alt ist. Im Lauf der Jahre hat sich da bei mir viel angesammelt und in meinem Zimmer im Wohnheim hatte ich bis zu 1.000 Bücher untergebracht, hauptsächlich Sachbücher, die wissenschaftliche und gesellschaftliche Themen behandeln. Durch einen Umzug musste ich sie jetzt auf ein Zehntel reduzieren, aber manche habe ich an Bekannte weitergegeben, und sollte ich sie noch mal brauchen, weiß ich, wo ich sie finden kann.