Was uns verbindet

In der BISS-Kolumne kommen Menschen zu Wort, die eine persönliche Erfahrung oder ihr Interesse an einem Thema oder Projekt verbindet. In der Begegnung zeigt sich, dass Menschen trotz unterschiedlicher Lebenslagen, Überzeugungen und Persönlichkeiten immer auch etwas gemeinsam haben

NACHBARSCHAFT

Protokoll: Felicitas Wilke

Illustration: Martin Fengel

Foto: Barbara Donaubauer

WALTRAUD RÖVEKAMP: Wir beide haben jahrelang in demselben Hochhaus im Norden von Schwabing gewohnt. Kennengelernt haben wir uns bei einem Sommerfest in unserem Hof.

HANS PÜTZ: Wir sind beide „Zugezogene“. Ich komme ursprünglich aus Düsseldorf. Als ich in den Achtzigern nach München gezogen bin, war mir die Münchner Schickeria erst einmal fremd. Aber nach ein paar Monaten habe ich mich eingelebt.

Hans Pütz, ehemaliger BISSVerkäufer und Waltraud Rövekamp, Rentnerin

WR: Ihr Rheinländer geht auf Menschen zu! Ich bin in Münster geboren und 1977 nach München gekommen. Auch ich fühlte mich hier nicht sofort zu Hause, doch nach circa zwei Jahren lernte ich meinen späteren Mann und über ihn viele Freunde und Bekannte kennen. Später kam auch Hans dazu. Als wir noch Nachbarn waren, sind mein Mann und ich mit Hans öfter mal ein Bier trinken oder essen gegangen.

HP: Dann bin ich krank geworden. Meine Augen verschlechterten sich, vor  gut  einem Jahr wurde zudem Krebs diagnostiziert, und ich konnte nicht mehr arbeiten. Waltraud hat mich sehr unterstützt, war für mich einkaufen, hat mir beim Papierkram geholfen und mich in verschiedenen Krankenhäusern besucht.

WR: Ich mache das gern. Nächstenliebe  kann jeder,  man  muss nicht unbedingt  ein Christ sein. Heute lebt Hans im Münchenstift, ganz in der Nähe unserer alten Wohnung. Ich besuche ihn  mehrmals  die Woche, dann gehen wir gemeinsam spazieren oder machen Arztbesuche. Eigentlich sind wir immer noch wie Nachbarn!

Was uns verbindet

In der BISS-Kolumne kommen Menschen zu Wort, die eine persönliche
Erfahrung oder ihr Interesse an einem Thema oder Projekt verbindet. In der Begegnung zeigt sich, dass Menschen trotz unterschiedlicher Lebenslagen, Überzeugungen und Persönlichkeiten immer auch etwas gemeinsam haben

BARGELDLOSES BEZAHLEN

Protokoll: Felicitas Wilke

Illustration: Martin Fengel

Foto: Barbara Donaubauer

ROBERT LUG: Ins Gespräch gekommen sind wir vor eineinhalb Jahren über ein EC-Karten- Gerät. Als ich mir am Sendlinger Tor eine BISS bei Ercan kaufen wollte, erklärte er mir, dass ich sie auch mit Karte bezahlen könne. Ich dachte: Wow, der geht mit der Zeit! Also habe ich meine BISS bei ihm bargeldlos gekauft.

Ercan Uzun,
BISS-Verkäufer,
und Robert Lug,
BISS-Käufer


ERCAN UZUN: Ich bezahle meine Einkäufe gar nicht so oft mit Karte, aber immer mehr Menschen tun das. Ich möchte keine Kunden wegschicken müssen, nur weil sie kein Bargeld dabeihaben. Deshalb habe ich das Lesegerät angeschafft.
RL: Ercan packt Dinge an – das geht weit über seinen Beruf hinaus. Er hatte es nicht immer
leicht im Leben, so kam er ja auch zur BISS.
Aber du bist jemand, der dem Schicksal immer wieder sagt: Dir zeig ich’s! Das imponiert mir.
EU: Uns verbindet, dass wir beide nicht aufgeben. Mir ging es zuletzt psychisch nicht so gut, ich war in der Klinik. Aber ich habe den Tiefpunkt hinter mir, jetzt geht’s wieder aufwärts! Du bist auch ein Stehaufmännchen, Robert.
RL: Ja, ich komme aus einer Unternehmerfamilie und habe dort gelernt, dass Projekte auch mal schiefgehen können. Ich habe schon mehrere Firmen gegründet und manche leider auch wieder schließen müssen. Das gehört dazu. Das Wichtigste im Leben ist, auf sich selbst und das eigene Umfeld aufzupassen.
EU: Ich schätze an dir von Anfang an, dass du jemand bist, der ein Lächeln erwidert. Und dass du dich mit mir unterhältst, obwohl du finanziell über mir stehst.
RL: Das freut mich sehr. Aber ich finde, dass kein Mensch über einem anderen steht.

Was uns verbindet

In der BISS-Kolumne kommen Menschen zu Wort, die eine persönliche Erfahrung oder ihr Interesse an einem Thema oder Projekt verbindet. In der Begegnung zeigt sich, dass Menschen trotz unterschiedlicher Lebenslagen, Überzeugungen und Persönlichkeiten immer auch etwas gemeinsam haben

DIE SECHZGER

Protokoll: Lea Hampel

Illustration: Martin Fengel

Foto: Barbara Donaubauer

HELMUT WEYER: Wir haben uns in den frühen 1980er-Jahren kennengelernt. Damals waren wir bei der Bundespost, im Bahnpostbegleitdienst. Wir haben Postsäcke ein- und ausgeladen, ein Knochenjob. Weil wir Löwen-Fans sind, hatten wir uns immer was zu erzählen! Wir sind viel ins Stadion gegangen und auf Auswärtsfahrten. Als die in der zweiten Liga waren, hatten wir Jahreskarten nebeneinander. Das schönste Spiel war, als wir gegen Nürnberg gewinnen mussten, um nicht vorzeitig abzusteigen. Da sind wir mit gemischten Gefühlen zur Allianz Arena gefahren – und als wir 3 : 1 gewonnen haben, hat das irrsinnig Spaß gemacht.

Helmut Weyer, 1860-Fan, und Ernst Köppel, BISS-Verkäufer

ERNST KÖPPEL: Die Sechzger-Fans sind eine Gemeinschaft. Wir haben nicht so viele auswärtige Fans wie beim FC Bayern, man sieht sich viel und geht anständig miteinander um.

HW: Na ja, und als Sechzger-Fan ist das einfach Teil des Lebens, egal, ob wir grad oben sind oder unten. Einmal Löwe, immer Löwe.

EK: Momentan ist es schwierig mit Stadionbesuchen. Wenn Spiele sind, arbeite ich oft, weil die in der Regionalliga häufig an Wochentagen sind. Und es gibt nur noch 15.000 Plätze, Sitzplätze sind schnell ausverkauft.

HW: Wir sind ja nicht mehr die Rüstigsten, wir brauchen die – aber wir haben schon bei Minustemperaturen gelitten.

EK: Und bei Nebel.

HW: Jedenfalls: Allein mag ich auch nicht gehen. Aber wir schauen oft auch Spiele zusammen im Fernsehen an. Unsere Freundschaft reicht aber weiter: Brauche ich Hilfe, kann ich mich auf den Ernsti verlassen.

EK: Mir geht es genauso.