EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT
von Sorin Moga
Mein Pflegevater besaß eine große Autowerkstatt. Von ihm habe ich viel über Motoren und Mechanik gelernt. Ich weiß, was sich in einem Motor bewegt und welche Teile stillstehen, von oben bis unten kenne ich dort alles. Als ich meinen Wehrdienst bei der rumänischen Marine absolvierte, wollte ich daher natürlich zu den Maschinisten. Dafür musste man eine Prüfung ablegen, die ich als Bester bestand. Ich half auch einem Freund, der bislang keine Ahnung von all der Technik hatte, damit er die Prüfung besteht. Dann war ich auf einem Schiff stationiert, das mit vier Motoren angetrieben wurde. Jeder von ihnen hatte 16 Zylinder. Um den Motor zu starten, hatten wir einen großen Schlüssel, mit dem man die Zylinder in eine Linie bringen musste. Im Winter schlief ich nicht wie sonst in der Kaserne, sondern blieb auf dem Schiff. Jede Stunde musste ich die Hauptmotoren einschalten, damit das Wasser darin nicht einfriert. Zu meinen Aufgaben gehörte auch das Auswechseln des Öls und der Filter. Abwechselnd verbrachten wir mit dem Schiff eine Woche auf See, dann eine Woche im Hafen. Mit 17 anderen Soldaten bewachte ich die Grenze. Eines Tages kam auf unser Gebiet ein türkisches Fischerboot. Es war nicht ganz klein und mit Netzen ausgekleidet. Wir haben es zuerst mit Schüssen gewarnt, aber es hat versucht, uns zu rammen, dann haben wir die Besatzung richtig mit denWaffen bedroht und anschließend auf Geheiß des Kommandanten verhaftet. Die Fischer hatten versucht, 23 Tonnen Fisch zu rauben. Man hat das Verfahren gegen die Männer gleich auf dem Schiff eingeleitet, es kamen dafür extra drei Militärjuristen an Bord, das Boot wurde konfisziert wie auch der gesamte Fang. Die Männer wanderten für sieben Jahre ins Gefängnis wegen Raubfischerei. Manchmal hatten wir es auch mit Bulgaren zu tun, sie holten die wertvollsten Fische, Steinbutte und Störe. Sie kamen nachts, auf dem Radar sahen wir einzelne Punkte. Wenn diese sich nicht bewegten, fuhren wir hin, um zu sehen, was los ist, ob einem Boot vielleicht der Motor kaputtgegangen war. Wenn wir Leute bei der Wildfischerei erwischten, nahmen wir sie mit. Von dem Wildfang kriegten wir oft auch was ab, der Rest ging in die Kantine oder an die Geschäfte. Das war 1990. Nach mir gab es keine Wehrpflichtigen mehr in meiner Marineeinheit, nur noch Berufssoldaten. Ich hätte auch beim Militär bleiben können, mein Kommandant hatte es mir angeboten, aber ich wollte nicht. Dabei war die Uniform der Marine die schönste von allen, die es beim Militär gab. Mittlerweile wird die Grenze nicht mehr auf diese Weise überwacht, diese Aufgaben übernehmen heute nicht mehr Wehrdienstler, sondern die Grenzpolizei.