Innovationsprämien

Karin Lohr, Geschäftsführung; Foto: Sacha Kletzsch

Erinnern Sie sich noch, was Sie am ersten Tag der bayerischen Ausgangsbeschränkungen gemacht haben? Ich weiß noch, dass es ein eher ungemütlicher und grauer Tag war, an dem ich frühmorgens mit dem Fahrrad zum Einkaufen gefahren bin. Damals ist mir vor einem Wohnblock ein Junge aufgefallen, der allein und mit einer zu dünnen Jacke dort saß. Möglicherweise gab es dafür eine harmlose Erklärung, und doch hätte es sein können, wie es schien: Da hat es einer nicht gut und gemütlich zu Hause, sonst wäre er ja dort, hätte vielleicht nach einem Streit die Tür zu seinem Zimmer zugeknallt und sich vor den Computer gesetzt oder was auch immer man macht, wenn man ein Kind ist und wütend auf die Welt. Kinder aus armen und sozial benachteiligten Familien erleben gerade eine unglaublich schwere Zeit. Sie haben einen besonders großen Nachteil von den Schulschließungen, den ausgefallenen Förderstunden und gestrichenen Sport- und Freizeitangeboten. Sie haben keinen Garten, in dem sie nachmittags spielen und abends mit den Eltern grillen können. Häufig fehlt ein Computer für die Hausaufgaben, die im besten Fall per E-Mail kommen. Und in einer kleinen Wohnung, in der sie mit den Eltern und Geschwistern leben, können sie sich kaum zum Lernen in eine ruhige Ecke oder gar ein eigenes Zimmer zurückziehen. Von den Folgen der Pandemie sind die Menschen, egal ob in Deutschland oder anderswo, unterschiedlich betroffen. Wer Glück hat, ist gesund, arbeitet im Homeoffice und kann seine privaten Vorhaben verschieben. Andere verlieren gerade ihre Existenz, so wie viele Gastronomen oder freischaffende Künstler, die nicht wissen, wie sie die nächste Miete bezahlen sollen. Es ist richtig, dass die Politik in Bund und Land Hilfen beschlossen hat. Aber die Lasten dürfen nicht den Schwachen im selben Maß wie den Wohlhabenden aufgebürdet werden. Die Staatsschulden werden auch so zukünftig von der Generation getragen, die im schlechtesten Fall gerade den Anschluss in den Schulen verliert. Die Automobilindustrie fordert Kaufprämien von bis zu 4.000 Euro je Autokauf. Aber warum soll jemand, der sein Auto selbst bezahlen kann, einen Zuschuss aus Steuermitteln bekommen? Viel sinnvoller wäre es doch, mit dem Geld funktionierende Computer, Fahrräder und Musikunterricht für Kinder aus armen Familien zu finanzieren. Wenn es „Innovationsprämien“ geben soll, dann für die Menschen, die durch ihr Denken und Handeln die zukünftige Gesellschaft gestalten. Kinder ohne Schulabschluss geraten als Erwachsene schneller ins Abseits. Das muss eine gezielte Förderung verhindern!

Herzlichst


Karin Lohr, Geschäftsführerin