Günstig wohnen in München?

Was ist eine Wohnungsgenossenschaft?
Eine Wohnungsgenossenschaft oder Wohnbau-Genossenschaft ist eine Gemeinschaft, die bezahlbare Wohnungen anbietet. Die Genossenschaft will keinen Gewinn machen. Darum bleiben die Mieten lange günstig. Um eine Wohnung zu bekommen, muss man Mitglied der Genossenschaft werden. Man zahlt keine Provision, also Geld, das man für die Vermittlung einer Wohnung bezahlt. Und man zahlt keine Kaution, also Geld, das man am Anfang für die Wohnung abgibt.

York Runte, Foto: Wochinger BISS Wohnungsgenossenschaften

Stattdessen kauft man Anteile an der Genossenschaft. Das ist Geld, das man in die Genossenschaft einzahlt. Damit wird man Mitglied. Das Geld gehört einem weiter und man bekommt es oft zurück, wenn man aus der Genossenschaft austritt. Wenn man eine Wohnung in der Genossenschaft mietet, dann zahlt man eine Nutzungsgebühr, eine Kosten-Miete. Das bedeutet, dass die Mieten nur so hoch sind, wie es für das Haus nötig ist. Mit den Mieten bezahlt die Genossenschaft die Reparaturen am Haus, die Verwaltung und den Kredit für das Haus. Also das Geld, das sie sich für den Kauf oder den Bau des Hauses geliehen hat. Die Genossenschaft will keinen Gewinn machen. Wenn Geld übrig bleibt, dann wird es zum Beispiel genutzt, um Wohnungen zu erneuern und die Angebote für die Mitglieder zu verbessern.

Die Vorteile von einer Genossenschaft sind bezahlbare Mieten und Sicherheit.

Es gibt zurzeit etwa 60 Wohnungs- oder Wohnbau-Genossenschaften in München. Sie bieten insgesamt etwa 45.000 Wohnungen an, in denen etwa 100.000 Menschen wohnen. Das sind nicht viele, denn in München leben etwa 1,6 Millionen Menschen.

Menschen mit wenig Geld können sich aber meist das Geld für die Genossenschaft nicht leisten. Oder sie können auch keine neue Genossenschaft gründen, denn auch dafür braucht man viel Geld und Zeit.

Die Genossenschaften haben in München hohe Grundstücks- und Baupreise.

Deshalb sind auch die Mitgliedsanteile und die Mietkosten höher als an anderen Orten. Bei einer 60-Quadratmeter-Wohnung kann der Mitgliedsanteil etwa 63.000 Euro sein.

Thomas Schimmel sagt: „Unsere alten Wohnungen kosten für Mitglieder etwa 7,40 Euro pro Quadratmeter. Für Neubauten sind es etwa 15 Euro. Das ist nicht mehr ganz so billig. Aber viel weniger als das, was ähnliche Wohnungen auf dem freien Mietmarkt kosten. Eine Bewerbung bei uns ist zurzeit nicht möglich. Wir haben nur wenige Wohnungen und eine sehr lange Warteliste.“

Zum Beispiel selbst organisierte Haus-Gemeinschaften wie das Haus Ligsalz8 im Westend. Zwölf Menschen leben dort in Wohn-Gemeinschaften auf insgesamt etwa 430 Quadratmetern. York Runte lebt dort seit dem Jahr 2008. Er hat die Haus-Gemeinschaft mitgegründet. Er sagt: „Die meisten von uns haben davor schon in Wohn-Gemeinschaften gelebt.

Die Miete kostet bei uns etwa 400 Euro. Das sind etwa 8 Euro kalt pro Quadratmeter.“ Bewohner*innen mit höherem Einkommen zahlen etwas mehr Miete als diejenigen, die weniger Geld haben.

Das Haus gehört der Haus-Gemeinschaft und dem Mietshäuser Syndikat. Das Mietshäuser Syndikat sind viele Haus-Projekte in ganz Deutschland, die sich zusammengetan haben. Das Mietshäuser Syndikat hilft dabei, Häuser gemeinsam zu kaufen und die Mieten niedrig zu halten. Und zu verhindern, dass die Häuser verkauft oder genutzt werden, um viel Geld zu verdienen. Das Besondere am Mietshäuser Syndikat ist, dass nicht nur Banken Geld geben. Sondern auch einzelne Personen und Vereine. Dadurch können auch Menschen mit wenig Geld mit dabei sein und eine Wohnung bekommen.

Lena Radau sagt: „Die Politik muss etwas tun! Damit die Menschen nicht aus ihren Stadtvierteln verdrängt werden, weil sie die Miete nicht mehr zahlen können. Das Wohnen muss gerecht, sicher und für alle bezahlbar sein. Es darf nicht darum gehen, Geld zu machen. Aber auch die Bürger*innen können etwas tun: nämlich sich zusammenschließen, Forderungen an die Politik stellen, sich einmischen.

Original-Text von Max Wochinger

Zusammenfassung in Einfacher Sprache von Verena Reinhard, www.einfachverstehen.de