Gerade in diesen Zeiten

Karin Lohr, Geschäftsführung; Foto: Sacha Kletzsch

Als wir am Montag, den 16. März die Abgabe der Zeitschrift an unsere Verkäufer einstellten, wussten wir nicht, wie lange die Pause dauern würde. Im Vordergrund der Entscheidung stand, Verkäufer und Kunden in der Coronakrise zu schützen und erst einmal die Kontakte der Verkäufer zu anderen Menschen zu reduzieren. An diesem Montag stand frühmorgens einer unserer erst seit Kurzem angestellten Verkäufer zur monatlichen Abrechnung vor der Tür. Es waren damals noch bitterkalte Nächte und jemand wie er, obdachlos, war in besonders großer Not. Eine Wohnung konnte ich nicht anbieten, aber immerhin konnte BISS ihm sein Gehalt ausbezahlen. Insbesondere in der Krise bewährt sich die konsequente Festanstellung der Verkäufer, die eben nicht über Nacht wieder auf Almosen angewiesen sind, sondern als Arbeitnehmer auf die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes und den Schutz der Sozialversicherung vertrauen können. BISS hat den angestellten Verkäufern im März und im April das Gehalt weitergezahlt. Als einzige Straßenzeitung weltweit haben wir für über 50 Verkäufer Kurzarbeitergeld beantragt und auch schon genehmigt bekommen. Zugleich war es wichtig, auch in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen denjenigen Menschen Beratung und Hilfe zu leisten, die sie brauchen. So fand der Kontakt mit der Sozialarbeit, dem Innendienst und den Journalistinnen der Schreibwerkstatt per Telefon und, falls dringend erforderlich, im persönlichen Gespräch mit Termin und Abstand statt. Das alles trägt dazu bei, die Lage stabil zu halten. Trotzdem fehlt unseren Verkäufern der persönliche Kontakt zu ihren Kunden. Sie vermissen die alltäglichen Begegnungen, die freundlichen Grüße und die wohlwollenden Worte, die jeden spüren lassen, dass er ein anerkanntes Mitglied dieser Gesellschaft ist. Das ist unersetzbar und auch deshalb werden wir Schritt für Schritt wieder in den Straßenverkauf einsteigen, freiwillig, für die Verkäufer, die wollen. Im Namen aller BISSler danke ich unseren Freunden und allen Menschen in unserem Netzwerk, die BISS zur Seite stehen. Ihr Zuspruch und Ihre Unterstützung, sei es per E-Mail, am Telefon und persönlich, haben geholfen, dass wir in den letzten Wochen den Humor und die Zuversicht behalten haben. Liebe BISS-Leser, bleiben Sie gesund, wir brauchen Sie, gerade in diesen Zeiten.

Herzlichst

Karin Lohr, Geschäftsführerin

PS: Und sollten Sie das Märzheft noch nicht haben, kaufen Sie es doch zum Maiheft dazu – Nimm 2 sozusagen!