
Von unserem Titelbild im Mai bin ich total begeistert. Es zeigt den Musiker und Künstler Hans Well, der sich schon sein Leben lang für soziale Gerechtigkeit und gelebte Demokratie engagiert. Uns BISSlern ist Hans Well seit vielen Jahren treu verbunden. Er kommt, wenn wir ihn brauchen, wie das bei ganz besonderen Ereignissen in der Vergangenheit der Fall war. So bei der Eröffnung des Kunstpavillons am Wittelsbacher Platz zu unserem 25-jährigen Jubiläum am 30. Juni 2018, als er und die Wellbappn an einem perfekten Frühsommertag unter weiß-blauem Himmel vor Hunderten von Gästen aufspielten. Ebenfalls unvergesslich bleibt sein hinreißender Auftritt am 17. Oktober 2023 im Alten Rathaussaal, als BISS sein 30-jähriges Jubiläum feierte. Unsere 400 Gäste, darunter sehr viele BISS-Verkäuferinnen und -Verkäufer, jubelten schon bei den ersten Tönen und so mancher wäre gern auf einen Stuhl gesprungen und hätte mitgetanzt. Überhaupt finde ich es bemerkenswert, wie sehr die Musik Menschen verbinden kann. Hans Well spricht noch dazu so richtig und herzerwärmend Bairisch, das hört man nicht mehr oft und erfordert selbst von mir als „Muttersprachlerin“ volle Aufmerksamkeit. Im Interview (S. 6 bis 11) spricht er von „ranzeln“, bezogen auf durch die Wirklichkeit längst überholte Einstellungen bei politisch Verantwortlichen. Ich bin schon gespannt, wie wir den Ausdruck ranzeln, der ja ranzig bzw. nach verdorbenem Fett riechend bedeutet, bei unserer Verkäufersitzung im Mai vorstellen werden. Sollte es eine entsprechende Bezeichnung in rumänischer und bulgarischer Sprache geben, werden wir es ab 5. Mai wissen. Ein Thema, das Hans Well und die BISS verbindet, ist der Protest gegen die seit vielen Jahren explodierenden Mieten in München und die Tatenlosigkeit der Politiker. Es ist mir unverständlich, wie sehr die steigenden Benzinpreise die aktuelle Diskussion beherrschen und einen Aktionismus in der Bundespolitik auslösen, während die exorbitanten Mieten in München und anderen deutschen Großstädten stillschweigend ignoriert werden. Autofahren kann doch nicht wichtiger sein als bezahlbarer Wohnraum? In den Städten steigt die Mietbelastungsquote unaufhörlich, das heißt, der Anteil der Mietkosten am zur Verfügung stehenden Einkommen wird größer, und damit steht weniger Geld für Lebensmittel und andere Dinge zur Verfügung. Daran ändert nichts, dass einkommensschwächere Haushalte etwa Wohngeld oder ergänzende Leistungen für die Miete beantragen können, denn das wird aus Steuergeldern und damit von der Allgemeinheit finanziert. Die Bayerische Verfassung beauftragt die Politik, die Verteilung und Nutzung des Bodens zu überwachen und Missbräuche abzustellen (Artikel 161). Da ranzelt nichts, dieser Auftrag ist so frisch und zeitgemäß wie im Jahr 1946.
Herzlichst

Karin Lohr, Geschäftsführerin