Einmal Berlin und zurück

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

Von Niculae-Ioan Nagy

Mein Leben geriet aus den Fugen, nachdem meine Frau mich verlassen hatte. Bis dahin war alles ganz normal gewesen, ich war behütet aufgewachsen, hatte später geheiratet und eine kleine Tochter bekommen. Mein Geld verdiente ich bei einer Sicherheitsfirma, wo ich nachts Container auf einem Lagerplatz bewachte. Dann aber hatte meine Frau einen anderen Mann, und plötzlich stand ich allein da. Den Anblick meiner ehemaligen Gattin in der Stadt konnte ich nicht ertragen, es machte mich traurig, aber auch wütend. Ich bekam Angst, dass ich ihr irgendwann einmal etwas antun könnte. So beschloss ich fortzugehen, nicht nur weg aus meiner Heimatstadt Klausenburg, am liebsten ganz raus aus Rumänien. In der Innenstadt gab es zahlreiche kleine Büros, Arbeitsvermittlungen, die einem Jobs im Ausland beschafften. In einer von ihnen ließ ich mich beraten. Man versprach mir eine Arbeit in Deutschland mit Vertrag, eine gute Unterkunft und ein ordentliches Gehalt. Alles wirkte seriös, also heuerte ich an. In einem kleinen Bus wurde ich mit anderen Arbeitswilligen nach Berlin gebracht. Dort kam die erste Enttäuschung: Mein Schlafplatz war eine Matratze auf dem Boden, mit neun anderen Männern im Zimmer. Dazu hatten wir noch ein Bad und eine kleine Küche. Ich wurde auf unterschiedlichen Baustellen eingesetzt. Meine Kollegen und ich waren mit dem Abriss von alten Baubeständen beschäftigt, eine harte Arbeit, bei der ich mich acht bis zehn Stunden am Tag abrackerte, an sechs Tagen die Woche. Nur am Sonntag hatte ich frei. Da war ich aber so fertig von der Woche, dass ich eine Dusche nahm und vielleicht ein, zwei Stunden spazieren ging. Die meiste Zeit des Tages ruhte ich mich jedoch einfach nur aus. Von irgendwelchen Freizeitaktivitäten konnte keine Rede sein. Dazu fehlte mir auch das Geld, denn ich erhielt nur 50 Euro pro Woche, von denen ich mir mein Essen kaufte. Erst nach etwa sechs Wochen bekam ich mein Gehalt ausgezahlt, 1000 Euro. Das war nur etwa die Hälfte von dem, was vereinbart war. Einen Vertrag hatte ich immer noch nicht, und das war wohl auch nicht mehr vorgesehen. Der Chef, der uns auf die verschiedenen Baustellen schickte, sagte nur, wem das so nicht passe, der könne ja gehen. Ich ging, wie die anderen, die in meiner Situation waren, übrigens auch, und kehrte zurück nach Rumänien. Dort stand ich nun schlechter da als vorher, denn meinen Job als Nachtwächter hatte mittlerweile ein anderer. Wäre ich doch bloß niemals weggegangen.