Auf dem Weg zur UN

Karin Lohr, Geschäftsführung; Foto: Sacha Kletzsch

Neulich kam Shalimar, Münchnerin, 18 Jahre alt, mit ihrem Schulzeugnis in die BISS-Redaktion. Mit Mund-Nasen-Schutz und in bester Stimmung präsentierte sie ihr Zeugnis, das ihr schwarz auf weiß die Fachhochschulreife bescheinigt. Sie meinte, ihre Noten wären sicher besser gewesen, wenn im zweiten Halbjahr 2020 ausreichend Unterricht stattgefunden hätte. Worauf es aber letztendlich ankommt, wusste Shalimar sehr genau: Mit dem Zeugnis hat sie die Möglichkeit zu wählen, zwischen einer Berufsausbildung und einem Studium oder wofür auch immer sie sich entscheidet. Dabei standen für Shalimar, statistisch gesehen, die Chancen auf einen höheren Schulabschluss eher schlecht – bildungsferner Haushalt mit niedrigem Einkommen, alleinerziehende Mutter, beengte Wohnverhältnisse und das noch in Bayern! Wie extrem schwierig die schulische Situation für Kinder aus benachteiligten Familien in der Corona-Zeit ist, ist auch Thema im Heft (Seite 22 bis 25). Diese Kinder haben das enorme Glück, bei liebevollen und fürsorglichen Eltern aufzuwachsen, die ihnen aber beim Lernen zu Hause trotzdem nicht helfen können. Über den Politikstil des bayerischen Ministerpräsidenten in der Corona-Krise hört man manch Positives. Söder wirkt entschlossen und umtriebig. Das Thema Schulunterricht scheint jedoch nicht ganz oben auf seiner Prioritätenliste zu stehen. Würde ich an allmächtige Chefinnen und Chefs glauben, müsste man fordern, Bildung endlich zur Chefsache zu machen. In praktisches Handeln umgesetzt, müsste Söder die klügsten und besten Leute darauf ansetzen, die er auftreiben kann. Und die bayerische Regierung muss Geld, richtig viel Geld bereitstellen. Nur so könnten endlich Schulzimmer renoviert, Lehrer*innen eingestellt und Material angeschafft werden. An den betroffenen Kindern rächen sich die Versäumnisse der bayerischen Politik. So haben mehr als zwei Drittel aller Schulen in Bayern kein ausreichendes Internet. Andere Länder in der Europäischen Union sind hier besser aufgestellt. Vielleicht kann es im Herbst nur mit halbierten Klassen im Präsenzunterricht wieder losgehen. Das funktioniert aber nur mit einer ordentlichen Ausstattung, offline und online! Die kluge Shalimar würde am liebsten für eine internationale Organisation wie die United Nations arbeiten. Welcher Studiengang sich für dieses Vorhaben besonders eignet, versucht sie gerade herauszufinden. Wir haben ihr aus vollem Herzen und mit einem Fahrrad als Geschenk gratuliert. Damit kann Shalimar durch die Stadt, vielleicht sogar bis zur UN flitzen.

Herzlichst

Karin Lohr, Geschäftsführerin