Am Abrechnungstag

Karin Lohr, Geschäftsführung; Foto: Sacha Kletzsch

Heute war wieder so ein Tag mit „lebhaftem Geschäftsbetrieb“, denn es sind fast alle unsere 56 angestellten Verkäufer zur Gehaltsabrechnung, die jeweils am 15. des Monats stattfindet, ins Büro in der Metzstraße in Haidhausen gekommen. Die Modalitäten sind „maßgeschneidert“ für die BISS-Verkäufer, denn unsere Festangestellten bekommen den Teil des Gehalts ausbezahlt, den sie nicht direkt beim Verkauf der Zeitschriften einnehmen. Ein Rechenbeispiel dazu: Wenn ein Verkäufer mit einem Festgehalt von 800 Euro brutto angestellt ist, verkauft er dafür 400 Zeitschriften im Monat. Diese Zeitschriften holt er in St. Bonifaz oder im BISS-Büro ab und bezahlt pro Heft 1,10 Euro. Beim Verkauf an die Leser für 2,20 Euro nimmt er pro Exemplar 1,10 Euro ein. Das sind bei 400 Zeitschriften also 440 Euro. Sein Nettoverdienst laut Lohnabrechnung liegt, abhängig von Steuerklasse und Krankenversicherung, bei circa 630 Euro. Die Differenz von 190 Euro bekommt der Verkäufer am 15. des Monats bar ausbezahlt. Eigentlich ganz einfach, oder? Außerdem werden bei der Gelegenheit die Fahrkarten für den Münchner öffentlichen Personennahverkehr ausgegeben bzw. abgerechnet. Dieses „Jobticket“ bewährt sich seit Langem und wird von den BISS-Verkäufern sehr geschätzt, denn es macht sie beruflich und privat so richtig mobil. Nachdem der MVG sein Tarifsystem geändert hat, haben wir heute auch für jeden Verkäufer genau geprüft, welche Karte mit welchen Ringen für ihn zukünftig am besten passt. Für die etwas Älteren geht das Isarcard-65-Abo, das keine Zeitbeschränkung mehr hat. Das ebenfalls günstigere Abo Isarcard 9 Uhr ist wirklich nur für diejenigen geeignet, die nicht vor 9 Uhr das Haus verlassen. Das waren gar nicht mal so viele, denn unsere Verkäufer wollen am Standplatz präsent sein, wenn „ihre“ Kunden zur Arbeit fahren. Am Abrechnungstag ist auch die Sozialarbeit gefordert, denn es bietet sich die Gelegenheit für persönliche Gespräche und Beratungen, je nachdem, was beim Einzelnen gerade ansteht. Viele Verkäufer bringen Schreiben von Behörden oder auch Zahnarztrechnungen mit, die man mit ihnen prüft und bearbeitet. Man sieht, wie sich mit der Zeit nicht nur das äußere Erscheinungsbild verändert, sondern die Menschen auch ihr Selbstvertrauen wiedergewinnen. Wie Frau M. heute, die ihren kranken Mann, der BISS verkauft, begleitet hat. Sie, die vor zwei Jahren noch ganz stumm schien, verstand jede Nachfrage und antwortete ausführlich in Deutsch – was für ein enormer Fortschritt! Dass jemand wie Frau M. wieder die Kraft findet, sich anderen Menschen zu öffnen und mitzuteilen, das war heute besonders schön zu sehen.

Herzlichst

Karin Lohr, Geschäftsführerin