Der Ball gehört zu mir

Es gibt kostenloses Fußball-Training für Mädchen von 6 bis 16 Jahren. Das Projekt heißt „Mädchen an den Ball“.

Foto: Toby Binder

Das Projekt „Mädchen an den Ball“ gibt es in ganz Deutschland. In München wird es an 19 Standorten angeboten. Und 3 neue Standorte kommen bald noch dazu.

Es ist anders als im Verein: Das Training ist kostenlos, die Mädchen können frei entscheiden, wie oft sie kommen. Niemand muss besonders gut sein. Es gibt auch keine Wettkämpfe.

Amelie, Luisa und Sophie sind 10- und 11-jährige Mädchen. Sie sind begeistert vom Fußball-Training in Moosach. Jungs brauchen sie dazu nicht. Sie sagen: „Die Jungs können gerne zuschauen!“ Amelie sagt: „Jungs spielen manchmal so brutal und tun so, als ob Mädchen nicht genauso gut spielen könnten.“ Luisa sagt grinsend: „Wieso sollten Jungs und Mädchen nicht zusammen Fußball spielen? Wir Mädchen sind doch eh besser!“

Claudia Brandwirth arbeitet als Trainerin bei „Mädchen an den Ball“. Sie ist stolz, dass sie den Mädchen Fußballspielen beibringen kann. In ihrer Jugend war es für sie nicht so leicht. Es gab zwar eine Mädchen-Fußballmannschaft an ihrem Wohnort. Aber Ihre Eltern wollten nicht, dass sie als Mädchen Fußball spielt. Erst mit 36 Jahren begann sie regelmäßig zu spielen.

Anna Seliger leitet das Projekt „Mädchen an den Ball“. Sie hat es im Jahr 2007 für die Philipp-Lahm-Stiftung entwickelt, in Zusammenarbeit mit dem Kinderzirkus-Projekt „Lilalu“. Sie sagt: „Damals spielten nur wenige Mädchen Fußball. Und das in einer Fußball-Stadt wie München!“

Im Jahr 2011 wurde das Projekt beendet. Aber seit 2019 gibt es das Projekt wieder, und es gehört zum gemeinnützigen Verein BIKU. Jeder Trainingsort kostet etwa 25.000 Euro im Jahr. Das Geld dafür bekommen sie durch Spenden und Stiftungen, von Menschen, Firmen und von der Stadt.

Es kommen immer unterschiedlich viele Mädchen jede Woche. Es gibt immer 3 Trainer*innen, die sich um die Mädchen kümmern. Das ist wichtig, denn es wird keine Mannschaft trainiert wie im Verein. Es kommen jedes Mal Mädchen, die ganz unterschiedlich sind. Die Trainer*innen schauen genau, dass jede das machen kann, was zu ihr passt und Spaß macht. Niemand soll überfordert werden.

Es werden keine Ehrenamtlichen beschäftigt. Es sind selbstständige Trainer*innen oder Studierende mit einer passenden Qualifikation. Die Trainer*innen können 30 Euro pro Stunde bekommen.

Beim Training können die Mädchen mitentscheiden. Sie werden selbstbewusst und lernen, Verantwortung zu übernehmen und gut miteinander umzugehen.

Die Leiterin Anna Seliger sagt: „Es geht nicht nur um Fußball. Die Mädchen haben viele Interessen und Hobbys. Wir geben ihnen die Möglichkeit, andere Dinge auszuprobieren. Bei „Mädchen an den Ball“ ist es oft das erste Mal, dass die Mädchen Fußball spielen.“ Wenn ein Mädchen dann mehr Fußball spielen will, dann sprechen die Trainer*innen mit den Eltern. Vielleicht wird das Mädchen dann Mitglied in einem Verein.

Anna Seliger spricht auch mit dem Deutschen Fußballbund über ihre Erfahrungen und Trainingspläne. Sie hat auch Kontakt zu den „Scoring Girls“. Das ist ein ähnliches Projekt für Mädchen, entwickelt von der ehemaligen Profi-Fußballspielerin Tuğba Tekkal.

„Mädchen an den Ball“ besitzt keine eigenen Spielfelder, sondern muss sie sich für die Trainingsstunden mieten. Anna Seliger sagt: „Es ist oft schwierig, in den Vereinen jemanden zu finden, der Mädchen-Fußball unterstützt. Vor kurzem wurde uns ein Standort gekündigt, weil eine Jungen-Mannschaft dort trainieren wollte. Als ich da mal vorbeigefahren bin, liefen da 5 Jungs herum. 5 Jungs! Wir waren jedes Mal 30 bis 40 Mädchen.“

Mehr Infos und Kontakt: https://www.maedchen-an-den-ball.de/standorte/muenchen/

Original-Text von Sophia Coper

Zusammenfassung in Einfacher Sprache von Verena Reinhard, www.einfachverstehen.de

Wie ich wohne

Der Freizeitjäger

Protokoll HANS ALBRECHT LUSZNAT

Foto MARTIN FENGEL

An der Wand über dem Kopfende meines Bettes habe ich vier Jagdtrophäen aufgehängt, „Rehkrickerl“, wie man hier in Bayern sagen würde. Die habe ich aus Rumänien mitgebracht, aus der Zeit, als ich noch auf die Jagd gegangen bin, aber das ist lange her. Ich stamme aus Buhuși in der Nähe der Stadt Bacău, östlich der Karpaten im Nordosten von Rumänien. Jetzt lebe ich seit zehn Monaten in meiner neuen Wohnung und habe sie mir nach meinem Geschmack eingerichtet, obwohl ich vieles von meinem Vormieter übernommen habe. Der war auch ein BISS-Verkäufer. Ich habe ein großes Zimmer, von dem aus man auf einen Balkon gehen kann. Von dort blickt man auf den Garten hinter dem Haus; die nächste Häuserzeile ist etwas entfernt. Tagsüber ist es dort sehr ruhig, obwohl alles nur 400 Meter von der BMW-Zentrale am Mittleren Ring entfernt ist. Gegenüber dem Bett habe ich ein Sideboard aufgestellt, darauf steht ein Fernseher. Es gibt eine Kochnische und einen großen Kühlschrank. 20 Jahre lang habe ich als Koch gearbeitet, bevor ich aus Rumänien weggegangen bin. Heute koche ich noch immer gern, wenn auch nur für mich, und weil ich allein bin, portioniere ich die Gerichte und friere sie ein. Dafür der große Kühlschrank. Ein leerer Kühlschrank würde mich traurig machen. Meine Wohnung liegt in einem Wohnviertel und außer ein paar Gaststätten gibt es kaum Gewerbebetriebe und keine Einkaufsmöglichkeiten. Die Woche über bin ich immer unterwegs. Als Verkäufer habe ich einen Stammplatz in Karlsfeld bei Rewe und mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauert es eine Stunde, um zu meinem Stammplatz zu gelangen. Meine Zeitungen transportiere ich in einem Einkaufs-Trolley, das macht es einfacher. Ich bin noch gut zu Fuß, aber durch eine Operation am Kehlkopf bin ich stark eingeschränkt und habe Probleme beim Luftholen. Unser Haus hat einen Lift, und da ich im zweiten Stock wohne, wird mir das auch in Zukunft das Leben erleichtern, wenn ich nach Hause komme und nicht mit meinem Trolley die Treppen hochmuss. Zur Wohnung gehören ein kleiner Flur als Eingangsbereich und ein Badezimmer. Wenn ich Wäsche wasche, benutze ich die Gemeinschaftswaschmaschine. Zum Trocknen hänge ich die Sachen auf dem Balkon auf. Die Wohnung, es sind vielleicht etwas mehr als 30 Quadratmeter, kostet im Monat 600 Euro. Über die Festanstellung bei BISS und die neue Wohnung bin ich sehr glücklich, weil mir beides eine gewisse Sicherheit gibt. Ich bin nämlich schon seit 30 Jahren staatenlos. 1995 habe ich die Staatsangehörigkeit meines Geburtslandes verloren. Wer aber einen festen Wohnsitz hat und eine Anstellung und seinen Lebensunterhalt selbst verdient, der kann die deutsche Staatsangehörigkeit bekommen. Das sind doch gute Zukunftsaussichten.

Ich habe drei Freunde

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

VON Jasmin Nejmi

Ja, Sie haben richtig gelesen: Ich habe drei von ihnen, aber nicht das, was Sie vielleicht denken. Ich kenne die Jungs seit meiner Kindheit und sie haben mich während meiner Teenagerjahre begleitet. Ihre Namen sind Justus, Peter und Bob. Sie nennen sich „Die drei ???“ und haben ein Detektivbüro in Rocky Beach. Ihre Zentrale liegt versteckt unter einem Berg von Gerümpel auf dem Schrottplatz von Justus’ Onkel Titus in einem alten Wohnwagen und ihre Fälle werden direkt vom berühmten Hollywoodregisseur Alfred Hitchcock vermittelt. Sie lösen jeden Fall und werden dabei von vielen Bekannten und Freunden unterstützt. Tante Matilda hält sie dabei mit Arbeiten auf dem Schrottplatz ganz schön auf Trab, verwöhnt sie aber ab und an mit ihrem berühmten Kirschkuchen. Von ihnen habe ich viel erfahren, zum Beispiel, was ein Periskop ist und was Metalldetektoren leisten können. Berühmte Persönlichkeiten wie der Pirat Blackbeard, die Philosophen Sokrates und Francis Bacon, der römische Kaiser Augustus, die klassischen Autoren Homer, Dante und Shakespeare sowie Queen Victoria habe ich dabei näher kennengelernt. Aus den Hörspielen weiß ich, was so ein schwieriger Ausdruck wie „Läuterung“ bedeutet. Zudem konnte ich mich immer gut mit Justus identifizieren, der auch ein paar Kilos zu viel hat. Heute, nach mehr als 20 Jahren, bin ich immer noch ein riesengroßer Fan der „Drei ???“, allerdings nur der ursprünglichen Hörspielserie von Europa mit den drei Originalsprechern. Ich bin mit ihnen groß geworden und verbinde sowohl die jungen als auch die erwachsenen Stimmen mit ihnen. Aus Europa ist inzwischen Sony Music geworden, das mittlerweile auch „Die drei ??? Kids“ und „Die drei !!!“ herausbringt. Die lasse ich allerdings links liegen, weil sie für mich nicht die gleiche Faszination und Verbundenheit von damals erzeugen. Die Originalserie jedoch, der ich früher mit meinem kleinen, weißen Kassettenrekorder zuhörte, lausche ich bis heute vor dem Einschlafen und direkt nach dem Aufwachen mit Spannung und großer Freude. Zu alt finde ich mich dafür nicht und habe auf meiner Seite viele gleichgesinnte Fans, die sogar manchmal noch verrückter sind als ich. Vielleicht erinnern Sie sich auch an Ihre Jugendzeit, als Sie die „Drei ???“-Bücher gelesen oder die Hörspiele gehört haben, und ich habe Ihnen ein wenig von der Freude, die Sie damals gespürt haben, zurückgebracht. Dann kann ich Ihnen zusätzlich noch den „Haschimitenfürst – Der Bobcast“, präsentiert von Andreas Fröhlich und Kai Schwind, wärmstens empfehlen. Den höre ich mir auch sehr gern an.

Nahe am Wasser

Karin Lohr, Foto: Volker Derlath

Auch in diesem Jahr erscheint für die Monate Juli und August eine Doppelausgabe, in der es ums Fußballspielen und Verreisen geht und darum, wie man mit der Sommerhitze in einer Großstadt wie München gut leben kann (siehe Seiten 12 bis 15). Ein Platz am oder sogar im Wasser tut gut, sei es an der Isar oder in einem der städtischen Freibäder. Mir gefällt, dass das Orte sind, an denen die ganze Stadtgesellschaft zusammenkommt und sich die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit bestaunen und zugleich friedlich ertragen können. Gute Gründe, die städtischen Bäder zu pflegen und zu erhalten. Das ist bei Weitem keine Selbstverständlichkeit in Kommunen, von denen die meisten ihr Geld zusammenhalten müssen. Deshalb hatte ich auch kein Verständnis für die Dame, die sich neulich im Freibad darüber beschwerte, dass die Bäderbetriebe zu wenige Sonnenliegen am Beckenrand platzierten. Denn die sechs Euro Eintritt decken, wie ein Aushang vor Ort beschreibt, nur rund ein Drittel der tatsächlichen Kosten, der Rest wird aus Steuergeldern bezuschusst. Mein Einwand, es hieße ja „Schwimmbad“ und nicht „Liegenbad“, blieb ohne Resonanz. Stattdessen echauffierte sich die Dame zunehmend, dass ich ihrer Klage widersprach, in Deutschland gehe es aufgrund bekannter Faktoren – Ausländer, Fahrradfahrer und die Bundesregierung – bergab. Ein schönes Beispiel, wie man, statt zu motzen, Dinge besser machen kann, habe ich auf meiner diesjährigen Radltour in Ostfriesland erlebt. Dort wird das kleine Freibad Neuenkruge in Wiefelstede (Nähe Oldenburg) in den Sommermonaten von einer Runde gut gelaunter Ehrenamtlicher unterstützt. Ebenfalls nicht vom Niedergang, sondern von Wegen zu mehr Gerechtigkeit in Deutschland lesen kann man in dem Buch „Alles schrecklich ungerecht?“ von Georg Cremer, das ich Ihnen als Reiselektüre empfehlen kann. Viele unserer angestellten Verkäuferinnen und Verkäufer machen nun ebenfalls Urlaub, also wundern Sie sich nicht, wenn Sie „Ihren Verkäufer“ nicht an seinem Standort antreffen. Der August gilt als Urlaubsmonat, d.h. die angestellten Verkäufer bekommen ihr volles Gehalt aufs Konto überwiesen. Dazu werden vorher noch die Kontoverbindungen abgeglichen und für diejenigen, die (noch) kein eigenes Konto haben, zahlen wir das Gehalt auf Wunsch bar aus. So ist die Reisekasse gefüllt und es kann losgehen auf die Reise, wohin sie auch führt. Auf jeden Fall sehen wir uns im September wieder. Bis dahin wünsche ich Ihnen einen schönen Sommer nahe am Wasser.

Herzlichst

Karin Lohr, Vorstand