„Junge Arbeit“ ist eine Einrichtung von der „Stiftung zusammen. tun.“ von der Diakonie Hasenbergl. 35 Azubis (kurz für Auszubildende) können hier eine Ausbildung machen: als Schreiner*in, Maler*in oder Medientechnolog*in für Siebdruck. Anleiter*innen und Sozialarbeiter*innen unterstützen sie dabei. Es ist ein Angebot der berufsbezogenen Jugendhilfe. Das bedeutet: Es ist speziell für Jugendliche und junge Erwachsene, die Probleme haben, einen Arbeitsplatz zu finden.
„Junge Arbeit“ ist kein gewöhnlicher Arbeitgeber. Es gibt ein besonderes Programm „der ausgestreckten Hand“. Das bedeutet: Niemand wird zu etwas gezwungen oder wird bestraft. Und man kann jederzeit mit jemandem sprechen, also die ausgestreckte Hand greifen.
Sozialpädagog*innen, Handwerker*innen und Azubis versuchen gemeinsam: passende Ziele zu finden. Die Azubis werden richtig unterstützt, damit sie ihre Ausbildung schaffen. Und später einen Arbeitsplatz finden. Sie lernen und üben, wie man arbeitet. Und wie man Probleme im Alltag und in der Familie löst, damit man besser mit der Arbeit klarkommt.
Das Programm der ausgestreckten Hand ist erfolgreich. Denn vorher hatten viele Azubis woanders schon die Erfahrung gemacht: Bei falschem Verhalten wird man bestraft oder es wird einem gekündigt. Und dann gibt es oft keine zweite Chance mehr.
Für viele Azubis ist die „Junge Arbeit“ die letzte Chance. Und sie nehmen sie ernst.
Mergim Bashota hat bei „Junge Arbeit“ seine Ausbildung gemacht. Vor 9 Jahren.
Seit 6 Jahren ist er selbst Anleiter, das bedeutet: Er zeigt den Azubis, wie man etwas macht,
hilft beim Üben und gibt Tipps. Wie fing alles bei ihm an?
Als er 19 Jahre wurde, da wollte das Arbeitsamt, dass er sich um eine Berufsausbildung kümmert. Das Arbeitsamt schlug ihm die „Junge Arbeit“ vor. Mergim erzählt: „Meine Freundin hat
mir damals die Bewerbung geschrieben.“ Er hat dann einen Praktikumsplatz als Maler bekommen.
Da wusste er noch nicht, dass die Einrichtung kein gewöhnlicher Ausbildungsbetrieb ist.
Mergim hatte Spaß an der Arbeit. Kurz vor Ende der Ausbildung wollten die Chefs mit ihm reden. Mergim erzählt: „Die drei Chefs saßen da mit ernstem Blick.“ Er dachte, er bekommt Ärger. Aber er bekam ein Angebot: Anleiter für die nächsten Maler-Azubis zu werden. Mergim sagt: „Ich hab direkt Ja gesagt“. Er wollte ein guter Chef sein und hat sich weitergebildet. Zum Beispiel hat er seine früheren Chefs gefragt, wenn er etwas nicht wusste. Und er hat auch YouTube-Videos angeschaut.
Jetzt gibt er schon seit 6 Jahren sein Wissen an die Azubis weiter. Aber er hat auch ein offenes Ohr für sie. Er sagt: „Denn zu Hause hat nicht jeder einen zum Reden.“ Als er damals seine Ausbildung anfing, da half ihm die Sozialpädagogin Selina Weber. Sie ist immer noch bei „Junge Arbeit“. Sie ist die sozialpädagogische Leiterin von der „Stiftung zusammen. tun“. Sie und ihr Team hatten sich damals für Mergim stark gemacht. Denn das gab es vorher noch nicht, dass ein Azubi nach der Ausbildung gleich selbst zum Anleiter wird.
Selina Weber sagt: „Mergim ist eine große Bereicherung, weil er einen ganz anderen Blick auf unterschiedliche Probleme hat. Er kennt viele Probleme selbst und kann sich gut einfühlen.“
Junge Leute kommen zu „Junge Arbeit“ zum Beispiel, weil sie wohnungslos sind, Migrationserfahrungen oder seelische Probleme haben. Selina Weber fasst das zusammen: „Weil sie sozial schlechter behandelt wurden.“
Die meisten Jugendlichen haben Probleme in der Familie. Viele hatten nie eine richtige Bezugsperson. Selina Weber sagt: „Viele haben die Erfahrung gemacht, dass Beziehungen nicht lange halten.“ Die Azubis finden hier Halt und Unterstützung bei den fest angestellten Sozialpädagog*innen.
Auch der 20-jährige Luis bekommt hier Unterstützung. Er lief als Jugendlicher von zu Hause weg und ging nicht mehr regelmäßig zur Schule. Seine Eltern hatten sich getrennt und sein Vater war Sucht-krank. Ein Freund erzählte ihm von „Junge Arbeit“. Luis meldete sich beim Integrations- und Beratungszentrum Jugend der Stadt München. Jetzt ist er Praktikant bei Mergim und möchte bald mit der Ausbildung zum Maler beginnen. Luis lebt wieder bei seinem Vater und freut sich auf seine Ausbildung. Er hat Pläne für seine Zukunft. Er sagt grinsend: „Was will man mehr?“
Auch Mergim ist mit seinen Azubis zufrieden. An einige erinnert er sich besonders. Zum Beispiel an einen jungen Mann aus Afghanistan. Mergim erzählt: „Er sprach kaum Deutsch, viel zu wenig, um die Berufsschule zu schaffen.“ Mergim wollte ihn ausbilden, aber er fand keine Firma für ihn. Dann erinnerte er sich, dass er selbst mit einem Afghanen in der Berufsschule war. Er rief ihn an und sagte: „Hey, ich habe einen, der spricht deine Sprache. Kannst du uns helfen?“ Der andere half bei den Sprachproblemen und Mergims Azubi fand eine Firma. Ein paar Wochen später rief er Mergim an, um sich dafür zu bedanken. Er konnte mit seinem ersten Gehalt seine Familie in Afghanistan unterstützen. Mergim sagt: „Das hat mich schon sehr berührt.“
Mergim entdeckt auch ab und zu, dass manche Azubis eine ähnliche Lebensgeschichte wie er haben. Er selbst hatte es auch nicht leicht. Seine Mutter war alleinerziehend. Das Geld war knapp. Er erzählt: „Meine Mutter und ich haben auf vieles verzichtet.“ Damit seine beiden jüngeren Geschwister satt wurden. Mit kleinen Jobs hatte er Geld dazu verdient. Die Schule war ihm nicht so wichtig.
Jetzt will er ein Vorbild für seine Azubis sein. Er will ein guter Anleiter und eine gute Vertrauensperson sein. Und anderen eine echte Chance geben. Denn er hat selbst erlebt:
Wenn jemand dir wirklich vertraut, dann kannst du alles schaffen!
Mehr Infos zu „Junge Arbeit“: https://www.stiftung-zusammentun.de/junge-arbeit
Das Integrations- und Beratungszentrum Jugend: https://www.ibz-jugend.de
Original-Text von Leon Scheffold
Zusammenfassung in Einfacher Sprache von Verena Reinhard, www.einfachverstehen.de