Käufer & Verkäufer

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Sabine Franzke ( rechts ), ( 75 ) Rentnerin Renate Laupheimer ( links , engagiert sich ebenfalls im Helferkreis)

S. Franzke: Ich engagiere mich im Helferkreis Germering. Da ich schon als Jobmentorin für Mittelschüler gearbeitet habe, kam die Idee auf, ob wir nicht auch den Asylbewerbern bei der Jobsuche helfen könnten. So habe ich Husnain getroffen. Wenn wir uns unterhalten, ist das eine Mischung aus Englisch und Deutsch. Mit seiner Behinderung und ohne Sprachkenntnisse ist es für ihn natürlich doppelt schwer, hier eine Arbeit zu finden. Viele Ideen waren nur Sackgassen. Aber er wollte unbedingt etwas tun. So sind wir auf die BISS gekommen. Husnain ist ein Kämpfer, meistert das Leben hier gut und macht so viel es geht selbständig. Er hat ein sehr einnehmendes Wesen und viel gute Laune. Das hilft ihm jetzt hoffentlich auch beim Verkaufen.

Husnain Akbar ( vorn ) ( 29 ) verkauft in Herrsching

Bevor ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich 25 Jahre in Libyen gelebt. Ursprünglich bin ich aber aus Pakistan. Meine Beine habe ich bei einem Autounfall verloren. Nach Europa bin ich mit dem Boot übers Mittelmeer gekommen. Ich bin eigentlich gelernter Goldschmied und habe zehn Jahre lang Ohrringe, Armreife und Ketten aus Gold gemacht. Hier kann ich das gerade nicht machen. Deshalb habe ich eine andere Arbeit gesucht, und jetzt bin ich der 50. angestellte Verkäufer bei BISS. Ich vermisse meine Familie sehr – aber hier bin ich freundlich und nett aufgenommen worden, sonst wäre es auch noch schwerer gewesen. In Pakistan und Lybien gibt es für Behinderte keinen Respekt, kein Leben, hier schon. Auch Projekte wie BISS gibt es dort nicht. Respektiert zu werden ist für mich das Wichtigste. Und vielleicht kann ich auch irgendwann einmal wieder als Goldschmied arbeiten. Wer weiß?

Käufer & Verkäufer

_mg_0070_sw1Christian Protzek ( links ) ( 55 ) arbeitet als Elektroplaner in der Automobilwirtschaft

An Herrn Kurz bewundere ich am meisten seine Freundlichkeit. Er grüßt einfach alle – egal, ob sie nun eine Zeitung kaufen oder nicht. Er macht den Eindruck, als ob man mit ihm Pferde stehlen könnte. Wenn wir ins Gespräch kommen, lasse ich auch manchmal ein paar U-Bahnen sausen, weil ich mich so gern mit ihm unterhalte. Schon das erste Gespräch mit ihm war offen, und inzwischen sind unsere Themen wirklich tief geworden. Es ist ein richtiger Austausch entstanden auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt. Auch wenn es Zeiten gibt, in denen man ihm ansieht, dass es ihm gerade nicht so gut geht, spürt man doch die Lebenslust durch, die er hat. Er war ja auch schon viel unterwegs in seinem Leben. Auch dass er so viel in der Schreibwerkstatt schreibt, bewundere ich. Seine Texte dort sind wirklich stark.

Wolfgang „Butzi“ Kurz ( rechts ) ( 58 ) BISS-Verkäufer an den U-Bahnhöfen Silberhornstraße und Neuperlach Süd

Ich verkaufe die BISS an der Silberhornstraße und in Neuperlach Süd. Beim Verkaufen gefällt mir am meisten der Umgang mit den verschiedenen Menschen – ich verurteile niemanden, egal, ob er Moslem, Christ oder Orthodoxer ist, schwarz oder weiß. Bei mir sind alle gleich. Denselben Respekt wünsche ich mir von den anderen. Zu Herrn Protzek sage ich oft, er ist ein richtiger Haudegen. Und er meint immer, ich soll so bleiben, wie ich bin. Herr Protzek kennt mich schon sehr gut und weiß, wenn es mir einmal schlecht geht. Wir reden auch manchmal über unsere Enkel. In meiner Freizeit bin ich gern an ruhigen Plätzen wie dem Hachinger Bach oder ich schreibe. Zum Beispiel ja auch für die BISS-Schreibwerkstatt. Vielleicht übernehme ich auch bald einige der Stadtführungstouren von BISS. Denn auf BISS bin ich wirklich stolz. Ich habe auch einen guten Draht zu Gott. Auch wenn ich nicht in Geld schwimme, bin ich eigentlich Millionär – denn ich bin gesund.

Foto: Barbara Donaubauer

Protokoll: Christine Auerbach