Was uns verbindet

IN DER BISS-KOLUMNE KOMMEN MENSCHEN ZU WORT, DIE EINE PERSÖN LICHE ERFAHRUNG ODER IHR INTERESSE AN EINEM THEMA ODER PROJEKT VERBINDET. IN DER BEGEGNUNG ZEIGT SICH, DASS MENSCHEN TROTZ UNTERSCHIEDLICHER LEBENSLAGEN, ÜBERZEUGUNGEN UND PERSÖNLICHKEITEN IMMER AUCH ETWAS GEMEINSAM HABEN

THOMAS DUSCHINGER, 64, SOZIALPÄDAGOGE IM RUHESTAND … UND SANDA BOCA, 38, BISSVERKÄUFERIN

Protokoll Christine Auerbach; Illustration: Martin Fengel; Foto: Barbara Donaubauer

 

Rechnungen

SANDA BOCA: Ich bin in Rumänien in einem Kinderheim aufgewachsen unter dem Regime von Ceausescu. Eine schreckliche Zeit. In Deutschland habe ich auf der Straße gelebt, denn ohne Arbeit findest du keine Wohnung. Jetzt habe ich dank BISS eine Wohnung.

THOMAS DUSCHINGER: Wenn man nie eine eigene Wohnung hatte, ist es oft schwer, den Überblick zu behalten bei all den Rechnungen und Überweisungen. Wir treffen uns deshalb circa zweimal im Monat, und ich helfe Frau Boca ehrenamtlich damit.

BOCA: Ein, zwei Wochen auf der Straße zu leben ist in Ordnung, aber dann bist du schmutzig und kaputt. In einer Wohnung kannst du sauber bleiben, schlafen, früh aufstehen für die Arbeit.

DUSCHINGER: Klar braucht es Geduld, jemanden langfristig zu unterstützen, und es gibt nicht nur Erfolge. Aber man muss dranbleiben. Frau Boca hat schon viel erlebt und freut sich auch, dass sie mit jemandem darüber sprechen kann.

BOCA: Ich habe einen Sohn, er ist 16. Er ist auch in einem Kinderheim, aber sie leben dort wie eine kleine Familie. Ich möchte ihn gern herholen. Herr Duschinger ist wie ein Papa für mich. So ein herzlicher Mann, er ist echt „Bombe“. Überhaupt ist BISS wie eine Familie, ich vermisse nichts, ich mag die Arbeit.

DUSCHINGER: Respekt, wie sie sich um ihren Sohn kümmert. Aber auch ich nehme von unseren Treffen etwas mit: Sich immer wieder auf Neues einzulassen, kulturelle Unterschiede anzuerkennen und eine Person so direkt zu unterstützen, macht Spaß.