Was uns verbindet

IN DER BISS-KOLUMNE KOMMEN MENSCHEN ZU WORT, DIE EINE PERSÖN LICHE ERFAHRUNG ODER IHR INTERESSE AN EINEM THEMA ODER PROJEKT VERBINDET. IN DER BEGEGNUNG ZEIGT SICH, DASS MENSCHEN TROTZ UNTERSCHIEDLICHER LEBENSLAGEN, ÜBERZEUGUNGEN UND PERSÖNLICHKEITEN IMMER AUCH ETWAS GEMEINSAM HABEN

Protokoll CHRISTOPH GURK

Gardinen

 

ION PLESA (55), BISS-VERKÄUFER

EVA TRIPP, INNENEINRICHTERIN

EVA TRIPP: Seit Jahren arbeite ich mit der BISS und statte Wohnungen mit Gardinen aus. So habe ich Herrn Plesa kennengelernt. Wir haben uns sofort verstanden, Herr Plesa hat von seinem Leben erzählt, ich von meinem.

ION PLESA: Ich bin in einem Kinderheim in Rumänien aufgewachsen. Einer meiner Lehrer hat mir beigebracht, wie man singt und Gitarre spielt. Später war ich Seemann. Musik habe ich aber weiter gemacht. Und als ich auf der Straße lebte, konnte ich mit der Musik Geld verdienen.

ET: Gardinen sind nicht nur ein Stück Stoff. Sie schaffen Privatsphäre, das ist wichtig, besonders für Menschen, die lange auf der Straße gelebt haben. Schon meine Großeltern haben Gardinen verkauft, meine Eltern haben das Geschäft übernommen, dann ich.

IP: Keine Ahnung mehr, wie ich nach München gekommen bin. Ich habe Arbeit gesucht und bin dann nach Deutschland gefahren. Ein Bekannter hat mich zur BISS geschickt. Heute habe ich eine Festanstellung und dank der BISS auch eine Wohnung.

ET: München ist eine teure Stadt. Viele Geschäfte in Haidhausen mussten schließen wegen der Mieten. Auch ich habe verkauft, Gardinen Schmittner war 92 Jahre in Familienbesitz. Meine Kinder wollen den Laden nicht weiterführen, ein Kollege machte mir ein Angebot. Ich arbeite trotzdem weiter, weil man
tolle Menschen kennenlernt, zum Beispiel Herrn Plesa.

IP: Ich möchte mich noch einmal bei Frau Tripp bedanken. Sie war so nett und hat meine Wohnung so schön gemacht. Es fühlt sich toll an, eigene vier Wände zu haben. Das Einzige, was ich vermisse, ist Musik. Ich spiele nicht Gitarre in der Wohnung, ich möchte die Nachbarn nicht stören.