Was uns verbindet

IN DER BISS-KOLUMNE KOMMEN MENSCHEN ZU WORT, DIE EINE PERSÖN LICHE ERFAHRUNG ODER IHR INTERESSE AN EINEM THEMA ODER PROJEKT VERBINDET. IN DER BEGEGNUNG ZEIGT SICH, DASS MENSCHEN TROTZ UNTERSCHIEDLICHER LEBENSLAGEN, ÜBERZEUGUNGEN UND PERSÖNLICHKEITEN IMMER AUCH ETWAS GEMEINSAM HABEN. UWE HINSCHE, 62, BISS-INNENDIENST UND VERTRIEBSASSISTENT, KOMMT AUF WUNSCH IN FIRMEN UND SCHULEN UND ERZÄHLT AUS SEINEM LEBEN

Protokoll: Christoph Gurk

Foto: Barbara Donaubauer

 

DIE LEBERKÄS-SEMMEL

UWE HINSCHE: Qualität ist mir wichtig, vielleicht, weil ich selbst ein Handwerk gelernt habe. Ich bin im Heim aufgewachsen, es gab strenge Regeln und Schläge, aber immerhin hat mir die Leiterin eine Lehre beim Schreiner verschafft.

IGNAZ VOGL: Schule mochte ich nicht und meine Eltern hatten eine Metzgerei, so hab ich auch Metzger gelernt. Nach der Lehre hab ich in verschiedenen Metzgereien gearbeitet, auch in einer bayerischen Metzgerei in Togo. Weißwürste und Leberkäs am Äquator. Eine tolle Zeit.

UH: Ich war schon immer sportlich. Tagsüber war ich in der Schreinerei, danach beim Training. Irgendwann meinte meine Frau: Entweder dein Kind und ich – oder der Sport. Also hörte ich auf zu trainieren – und fing das Saufen an.

IV: Als ich das Geschäft meiner Eltern übernommen habe, gab es im Viertel über ein Dutzend Metzgereien. Dann wurden die Wohnungen immer teurer und der Geruch von Leberkäs hat auf einmal gestört. Viele Metzger mussten schließen.

UH: Meine Frau wollte die Scheidung. Der Richter verbot mir, unsere Wohnung zu betreten. Ich wurde obdachlos und soff weiter, 13 Jahre lang. 1992 kam ich zur BISS als einer der ersten Mitarbeiter. Die erste Wohnung war um die Ecke von der Metzgerei Vogl.

IV: Uwe ist natürlich ein Glücksfall! Der hat immer Hunger und kommt jeden Tag für seine Leberkässemmel und zum Ratschen.

UH: Bei Ignaz und mir stimmt die Wellenlänge. Und dann ist da noch die Leberkässemmel: Zu der braucht man keinen Senf, so gut ist die. Qualität ist eben einfach wichtig.

Was uns verbindet

SOZIALE GERECHTIGKEIT

Protokoll CHRISTOPH GURK

IN DER BISS-KOLUMNE KOMMEN MENSCHEN ZU WORT, DIE EINE PERSÖNLICHE ERFAHRUNG ODER IHR INTERESSE AN EINEM THEMA ODER PROJEKT VERBINDET. IN DER BEGEGNUNG ZEIGT SICH, DASS MENSCHEN TROTZ UNTERSCHIEDLICHER LEBENSLAGEN, ÜBERZEUGUNGEN UND PERSÖNLICHKEITEN IMMER AUCH ETWAS GEMEINSAM HABEN … UND DR. HANS JOCHEN VOGEL, 91, ALT-OB VON MÜNCHEN UND SPD-POLITIKER HILDEGARD DENNINGER, 69, VORSTANDS- VORSITZENDE DER STIFTUNG BISS …

 

DR. HANS-JOCHEN VOGEL: Vor 20 Jahren bin ich zum ersten Mal in das Büro der BISS gekommen. Mir hat imponiert, dass sich hier Menschen zusammengefunden hatten, die anderen nicht nur mit Spenden helfen wollten, sondern mit einem festen Arbeitsverhältnis.

HILDEGARD DENNINGER:
Von da an kamen Sie einmal im Jahr vorbei. Wir haben schnell Gemeinsamkeiten entdeckt. Sie hatten zum Beispiel immer eine Liste mit Fragen dabei, die Sie abgehakt haben. Als gelernte Bilanzbuchhalterin gefällt mir so etwas natürlich!

VOGEL: Es gab auch gemeinsame Anliegen, das Hotel BISS zum Beispiel. Dafür habe ich mich sehr engagiert – letztlich ist das Projekt aber an der CSU-Landtagsfraktion gescheitert, der finanzielle Aspekt war leider wichtiger als ein soziales Projekt.

DENNINGER: Was wir immer noch gemeinsam haben, ist der Wunsch nach mehr sozialer Gerechtigkeit.

VOGEL: Dabei leben wir ja in einer Zeit des Wohlstands! Trotzdem geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander.

DENNINGER: Da ist aber auch die Politik gefragt. Es muss mehr getan werden gegen Steuerflucht. Der Reichtum der Gutverdiener muss wieder zurück an die Gesellschaft gehen und zum Beispiel in Bildung und Wohnungsbau investiert werden.

VOGEL: Das stimmt. Gesetze und Strukturen müssen verändert werden, damit es mehr Gerechtigkeit gibt. Es müssen aber auch mehr Menschen zusammenkommen, um ihren Mitmenschen zu helfen – und was gäbe es da für ein besseres Beispiel als die BISS!