Vom Säen und Ernten

Karin Lohr, Geschäftsführung; Foto: Sacha Kletzsch

Zugegeben, auf den ersten Blick hätte der Mann, der vor ein paar Wochen an einem trüben Tag im Untergeschoss der Münchner Freiheit die BISS zum Kauf anbot, auch Mitarbeiter eines nahöstlichen Geheimdienstes sein können: verspiegelte Sonnenbrille, hochgestellter Mantelkragen und die Schirmmütze tief ins Gesicht gezogen. Selbst ich habe ihn erst aus unmittelbarer Nähe als unseren Verkäufer Herrn K. erkannt, als ich ihn angesprochen habe, warum er denn seinen Verkäuferausweis nicht sichtbar trägt. Im Falle von Herrn K. gab es eine harmlose Erklärung, denn an seinem Ausweis war das Bändel abgerissen, was man vor Ort, zumindest provisorisch, mittels einer Paketschnur aus dem nahe gelegenen Kaufhaus reparieren konnte. Trotzdem hatte die Leserin, die auf den vermeintlichen Betrüger hinweisen wollte, recht gehabt, uns anzurufen. Denn leider passiert es immer wieder, dass Betrüger aus dem guten Ruf von BISS Kapital schlagen wollen. Zu diesen Betrügern gehören die falschen „Spendensammlerinnen“, die meist zu zweit mit einer Unterschriftenliste Menschen auf der Straße und in Cafés ansprechen. Und dazu gehören diejenigen, die sich widerrechtlich die aktuelle Ausgabe besorgen und vortäuschen, legale BISS-Verkäufer zu sein. Diese Betrüger schädigen alle: die Menschen, die helfen wollen, und den BISS-Verkäufer, der sich bemüht, aber keine Zeitung verkaufen kann (siehe Seite 25 in dieser Ausgabe). Wir hören von Straßenzeitungen in anderen Städten, dass auch dort Trittbrettfahrer profitieren wollen, besonders gravierend beim Berliner „Straßenfeger“, der 2018 sein Erscheinen einstellte. Nun zeichnet BISS eine sehr intensive Verkäuferbetreuung aus, dazu gehören die monatlichen Treffen mit allen Verkäufern sowie viele Einzelgespräche und Beratungen. Vor allem aber ist unser Sozialarbeiter oft auf der Straße unterwegs und spricht mit den Verkäufern an ihren Standplätzen. Er erfährt so von kleinen und größeren Nöten. Unseren Verkäufern gebührt aller Respekt, denn sie sind es, die sich jeden Tag aufs Neue bemühen, persönliche Schwierigkeiten zu überwinden. Deshalb sollen sie auch die Früchte ihrer Mühen ernten, das ist nur gerecht. Sie, liebe BISS-Leser, können Ihren Teil dazu beitragen, indem Sie bitte nur bei Verkäufern kaufen, die ihren Verkäuferausweis sichtbar tragen. Einige von ihnen tragen seit Kurzem eine rote Weste. Wenn sich das bewährt, werden wir nach und nach unseren „Außendienst“ damit ausstatten. Die Verkäufer wären dann fast wie rote Blumen – größere und kleinere –, die an vielen Orten in der Stadt blühen. Eine ganz schöne Vorstellung, oder?

Herzlichst

Geschäftsführerin Karin Lohr

Karin Lohr, Geschäftsführerin