Töpfern in der Toskana

BISS-Geschäftsführerin
Karin Lohr
Foto: Sascha Kletzsch

Vor ganz langer Zeit, so in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts, träumten so manche davon, nach ihrem Arbeitsleben in einem sonnigen und schönen Land zu leben, etwa in Italien, und da vor allem in der Toskana, weil, so stellte man sich das damals vor, „bella Italia“ dort besonders italienisch ist. Spätestens die Regierung Berlusconi sorgte für Ernüchterung, und inzwischen weiß man aus der Demenzforschung, dass es eher schlecht für das Gehirn ist, möglichst wenig zu tun, auch wenn das Wenige in einer reizvollen Landschaft stattfindet. Arme Menschen haben meist keine schönen Träume vom Alter, sondern befürchten zu Recht, dass sie dann noch weniger Geld zur Verfügung haben werden als zuvor. Denn wer im erwerbsfähigen Alter ein niedriges Einkommen hatte oder lange arbeitslos war, bekommt in der Regel eine entsprechend kleine Altersrente und ist häufig auf ergänzende Leistungen der Sozialhilfe angewiesen. Insbesondere wurden Einkommen aus einer privaten Rentenversicherung bislang voll auf die Leistungen der Sozialhilfe angerechnet. Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz 2018 wurde eine Freibetragsregelung eingeführt, wonach mindestens 100 Euro anrechnungsfrei bleiben. Diese 100 Euro hat man zusätzlich monatlich im Geldbeutel, auch wenn das Sozialamt ganz oder teilweise den Lebensunterhalt finanziert. BISS-Verkäufer haben jetzt die Möglichkeit, im Rahmen einer Betriebsrente Ansprüche zu erwerben. Wer mindestens noch fünf Jahre bis zum Erreichen der gesetzlichen Rentenversicherung hat, kann mittels Entgeltumwandlung Beiträge einzahlen, die vom Arbeitgeber bis zu einem Betrag von 130 Euro monatlich verdoppelt werden. Wir haben das Modell bei einer Betriebsversammlung vorgestellt und die Fragen unserer Verkäufer diskutiert und ausführlich beantwortet. Für den einen oder anderen hat das Argument, dass die Rentenansprüche an hinterbliebene Kinder und Ehegatten vererbt werden können, den Ausschlag gegeben. Immerhin 17 von ihnen haben sich bereits dafür entschieden, manche überlegen noch. In der Toskana töpfern will weder jetzt noch später keiner von ihnen, denn sie haben hier in München ihre Kunden, die sie, wie unsere Verkäufer sagen, nicht alleine lassen können. Und außerdem – wer will denn nur auf Schafe und Zypressen schauen, den ganzen Tag?
Herzlichst

Karin Lohr, Geschäftsführerin