Streich mit Schaf und Frau

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Zuheir Sobhy Matti Takiyan

Manchmal muss man in der Liebe eine List anwenden. Ich weiß das, weil ich ein gutes Beispiel dafür aus dem Irak kenne. Dort heiratete eine Frau einmal und zog mit ihrem Mann in sein Haus. Sie waren sehr verliebt, doch eines Tages stritten sie sich und die Frau zog aus und ging zurück zu ihrer Familie. Der Mann bat sie, zurückzukommen, einmal, zweimal, dreimal. Vergeblich. Da beschloss der Mann, eine List anzuwenden. Er kaufte auf dem Markt ein Schaf, nahm es mit zu sich nach Hause und zog ihm dort Holzschuhe an und brachte es in den ersten Stock seiner Wohnung. Kurz darauf lud er seine Frau zu sich ein und erklärte ihr, dass er wieder geheiratet habe. Als seine Frau ihm nicht glaubte, erklärte er, dass die Schritte, die man aus dem ersten Stock hörte, von seiner neuen Liebe stammen würden. Seine Frau wurde erst blass und dann sehr eifersüchtig, denn eigentlich liebte sie ihren Mann immer noch. So bat sie ihn, sich scheiden zu lassen von der neuen Frau und wieder zu ihr zurückzukommen. Und tatsächlich: Der Mann willigte sofort ein. „Und was ist mit der anderen?“, fragte die Frau daraufhin. „Komm mit“, sagte der Mann, „ich zeige sie dir.“ Und so führte er sie in den ersten Stock, wo das Schaf immer noch auf Holzschuhen durch die Zimmer lief. „Warum hast du das gemacht?“, wollte seine Frau wissen. „Weil ich wollte, dass du zu mir zurückkommst“, sagte der Mann. „Und jetzt bist du wieder da.“ Von da an ging die Frau nicht mehr weg, und das Ehepaar lebte noch viele Jahre glücklich und zufrieden zusammen. Das Schaf aber, das haben sie gegessen.