Meine Zeit in Portugal

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

Von Vladimir Odeljan

In der Abtei Sankt Bonifaz gibt es eine Obdachlosenhilfe und Essensausgabe. Dort habe ich vor etwa vier Jahren Sarah aus Saarbrücken getroffen. Sie war Vegetarierin so wie ich damals auch. So sind wir ins Gespräch gekommen. Sarah hat mir erzählt, dass sie mit ihrem Freund etwas aufbaut in Portugal, eine Ziegenfarm, um Bio käse zu machen. Und ich war ohne Arbeit, ohne Wohnung und dachte gleich: Das ist etwas für mich! Sarah fragte, ob ich fahren will. Sie gab mir ein Ticket für den Bus. Sie selbst trampte bis Portugal, ganz schön verrückt. Die Farm lag in der Mitte von Portugal, in Seia. Ihr Freund holte mich an der Busstation ab. Als er die Tür seines Autos aufmachte, kam ein riesiger Rottweiler herausgesprungen. Na schön, dachte ich, das wird spannend. Auf der Farm wartete schon ein Zelt für mich, und ich konnte es aufbauen, wo ich wollte. Sarah und ihr Freund wohnten in einem alten Militärwagen. Am nächsten Morgen war die erste Arbeit, die Ziegen zu füttern. Dann sollten die Hunde Essen bekommen. Und dann war da noch ein Esel, ich musste ihm Wasser bringen. Eines Morgens hatte er den Strick durchgebissen und unsere Orangen und Kürbisse gefressen. Wir waren Vegetarier, sogenannte Eco­Zone, keine Zigaretten, kein Alkohol. Es gab eine Solaranlage, wir hatten also ein bisschen Strom. Wir verstanden uns gut, jeden Morgen verteilten wir die Arbeit. Tagsüber waren es 40 Grad im Schatten, wir fingen darum um drei Uhr in der Früh an, arbeiteten bis Mittag, dann kam Siesta. Wir bauten einen Stall, einen Schuppen, eine Küche aus Holz und einen Garten. Ein Jahr war ich auf der Farm, dann mussten wir aufgeben. Die portugiesischen Behörden machten uns Probleme, wir konnten den Käse nicht verkaufen, bekamen keine Baugenehmigungen für neue Ställe, und wir konnten nur wenig Portugiesisch. Also landete ich wieder in München, ohne Arbeit, ohne Wohnung. Nach ein paar Monaten traf ich Sarah wieder. Sie sagte zu mir: Geh zur BISS, die helfen dir. Das hat geklappt. Jetzt bin ich bei BISS. Ich würde gern zurück nach Portugal gehen. Aber nicht mehr zum Arbeiten, sondern nur noch als Tourist.