Meine Zeit in der Türkei

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

Von Zuheir Sobhy Matti Takiyan

Ich komme aus Bagdad, wo die Situation irgendwann so schlimm wurde, dass ich mit meiner Familie fliehen musste. Über Kurdistan sind wir in die Türkei gekommen. Dort bekamen wir ein Visum, aber nur für 15 Tage. Wir hätten wieder in den Irak gemusst, doch zurück konnten wir nicht, also blieben wir. Illegal. Weil ich keine Arbeitserlaubnis hatte, habe ich Telefonkarten verkauft. Das Geschäft war gut, aber das Leben in der Türkei schwierig. Menschen haben versucht, uns zu bestehlen oder zu betrügen. Weil wir illegal waren, konnten wir nicht die Polizei rufen. Über eine Bekannte habe ich eine Wohnung gefunden, 200 Dollar im Monat, keine Küche, nur vier Matratzen und ein kleiner Gaskocher. Die Vermieterin mochte uns nicht, sie war Muslimin, wir sind Christen. Sie hat uns um Geld betrogen. Dann kam ein Mann zu mir und sagte, er könne mich über Bulgarien nach Deutschland bringen. Ich gab ihm meinen Pass, doch als wir uns das nächste Mal sahen, sagte er, er habe ihn verloren. Natürlich wusste ich, dass er nur Geld von mir wollte. Ich gab ihm 300 Dollar, und tatsächlich brachte der Mann mir bald meinen Pass wieder. Was blieb mir übrig? Ohne Pass war ich verloren. Ein anderes Mal sagte ein Mann vor einem Café zu mir: „Gib mir 100 Euro! Sonst rufe ich die Polizei und du musst zurück in den Irak!“ Ich dachte: Was Gott will, passiert ohnehin. Und wenn ich zurück in den Irak soll, dann ist es so. Also sagte ich dem Mann, dass ich ihm nichts geben werde. Doch dann erklärte er mir, dass er krank sei, halbseitig gelähmt, und dass er Geld brauche. Und so beschloss ich, ihm zu helfen. Nicht weil ich musste, sondern weil ich wollte und weil ich Christ bin. Ich gab ihm 100 Euro und schickte ihn ins Krankenhaus.