BISS finanziert seinen Geschäftsbereich (Herstellung der Zeitschrift, Geschäftsführung und Verwaltung, Betriebskosten) durch die Erlöse aus dem Verkauf der Zeitschrift und der Anzeigen.
Um den Vereinszweck erfüllen und seinen Verkäufern sowie anderen armen Menschen Hilfe anbieten und seinen angestellten Verkäufern angemessene Gehälter zahlen zu können, braucht BISS jedoch Spender und Sponsoren. Deswegen möchten wir allen, die unsere Zeitschrift lesen und unser Projekt unterstützen, Rechenschaft geben und dabei die Entwicklung von BISS dokumentieren.

Zusammenfassung Gewinn- und -Verlust-Rechnung BISS e.V. 2017
Ertrag EUR  Aufwand EUR
1) Betriebliche Erträge (Straßenverkauf, Anzeigen, Abos, Einnahmen angestellter Verkäufer, Stadtführungen, Zinserträge…) 954.200,93  1) Herstellungs- und Materialaufwand für 11 Ausgaben inklusive Honoraren 203.156,10
2) Sonstige Erträge
(Spenden, Patenschaften, Fördermitgliedsbeiträge, Geldbußen, Vermächtnisse…)
1.373.494,72 2) Sonstige betriebliche Aufwendungen
(Miete, Büromaterial, EDV, AfA …)
113.183,20
3) Eingliederungszuschuss Arbeitsagentur/ Lohnfortzahlung Krankenkassen 32.189,11 3) Aufwendungen für Betroffene (Wohnraumausstattung, Einzelfallhilfe aller Art, Unterstützung von sozialen Projekten …) *469.980,79
4) Personalaufwand für 66 Angestellte (davon 53 angestellte BISS-Verkäufer, sowie Aushilfskräfte) *1.600.233,37
Zwischensumme Ertrag 2.359.884,76
Auflösung Rücklagen 26.668,70
Gesamtsumme 2.386.553,46 Gesamtsumme 2.386.553,46
Der Jahresabschluss wurde von einem Wirtschaftsprüfer erstellt.
*2017 setzen sich die Gehälter von 1.600.233,37 Euro (4.) zusammen aus 466.462,55 Euro für den Innendienst und 1.133.770,82 Euro für die Verkäufer. Für Betroffene und soziale Projekte, die sich um Obdach- und Arbeitslose kümmern, wurden also insgesamt 1.603.751,61 Euro (1.133.770,82 Euro + 469.980,79 Euro ( 3.)) ausgegeben. Die Aufwendungen für unser Geschäft (Herstellung der Zeitschrift inklusive Gehalt Chefredaktion und Honorare für Journalisten und Fotografen, betriebliche Aufwendungen, Gehälter für das Fachpersonal) erwirtschafteten wir aus den 1,10 Euro, die BISS pro Exemplar eingenommen hat, und aus Anzeigen. Die Bußgelder, die uns, wie anderen gemeinnützigen Vereinen auch, sporadisch vom Amtsgericht oder der Staatsanwaltschaft zugesprochen werden, verwenden wir, falls nötig, ebenfalls für den Geschäftsbereich. Alle Spendengelder wurden für Betroffene direkt eingesetzt oder für Menschen und Projekte, die sich um bedürftige Menschen kümmern.

Rückblick mit Ausblick

Wie jedes Jahr möchten wir allen, die unsere Zeitschrift lesen und unser Projekt unterstützen, Rechenschaft geben und die Entwicklung von BISS zusammenfassend darstellen

Rückblick: 

2017 war für uns BISSler ein tolles Jahr. So ist es uns wieder gelungen, einer großen Zahl von armen und (ehemals) obdachlosen Menschen einen festen Arbeitsplatz anzubieten. Erstmals in der Geschichte des Vereins waren durchgehend 50 und mehr Verkäufer unbefristet angestellt. Diese Verkäufer erhalten ein festes Monatsgehalt, von dem sie Steuern und Sozialversicherungsbeiträge bezahlen. Wenn sie krank sind oder Urlaub nehmen, zahlt der Arbeitgeber das Entgelt weiter. Viele unserer Verkäufer sagen, es wäre das erste Mal in ihrem Leben, dass sie einen so ordentlichen Arbeitsplatz haben. Für arme und benachteiligte Menschen ist es leider nicht selbstverständlich, dass sie unbefristet beschäftigt sind und ein gutes Gehalt beziehen, das noch dazu pünktlich ausbezahlt wird. Viele Verkäufer bekommen eine Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr. Damit sind sie mobil und müssen nicht vor jeder Fahrt überlegen, ob sie sich ein Einzelticket leisten können. Ein wichtiges Thema ist die Zahnsanierung. Arme Menschen erkennt man fast immer an dem schlechten Zustand ihrer Zähne. Mangelnde Gelegenheit zur Zahnpflege, schlechte Ernährung und fehlende medizinische Versorgung richten oft Verwüstungen an. BISS motiviert diese Menschen, zum Zahnarzt zu gehen, hilft bei der Kostenklärung mit der Krankenkasse und finanziert die fast immer erforderlichen Zuzahlungen aus Spendengeldern. Die Mittel sind gut investiert, denn viele trauen sich erst nach erfolgreicher Behandlung, wieder ohne Hand vor dem Mund zu sprechen oder richtig zu lachen.

BISS-Verkäufer werden in der Stadt geachtet, von ihren Kunden und auch von den Menschen, die in der Nähe ihres Verkaufsplatzes einen Kiosk oder ein anderes Geschäft betreiben. Wir hören oft, dass ein Verkäufer auf einen Kaffee eingeladen wird oder seine Tasche mit den Zeitungen in einem Laden unterstellen darf, wenn er kurz weggeht. Für unseren Verkäufer Herrn W. vom Max-Weber-Platz übernahm die Betreiberin des Kiosks sogar regelmäßig Telefonanrufe, und wir erfuhren von ihr, wenn es ihm gesundheitlich nicht gut ging.

Unsere verkaufte Auflage betrug im Jahr 2017 insgesamt 464.581 Hefte und von den elf Ausgaben waren sechs sogar ausverkauft. Die jeweils aktuelle Ausgabe muss immer so lange reichen, bis die neue Zeitung angeliefert wird, denn über fehlenden Nachschub wären die Verkäufer verstimmt. Vor allem aber hat BISS mithilfe des fantastischen Netzwerks aus Unterstützern, Lesern, Freunden und Gönnern sowie der Paten und Spender und von St. Bonifaz mit Abt Johannes, Frater Emmanuel und dem ganzen Pfortenteam wieder ein weiteres Jahr erfolgreich bewältigt. Dafür ein großes Dankeschön an alle!

Ausblick:

Alle Menschen, die zu BISS kommen und Hilfe brauchen, haben kaum eine Chance, eine ordentliche Wohnung mit einer bezahlbaren Miete zu finden. Wir können nur deshalb diesen Menschen Wohnraum vermitteln, weil wir uns in einem stabilen Netzwerk aus Wohnungsbaugenossenschaften, menschenfreundlichen privaten Vermietern und großzügigen Spendern bewegen. Die explodierten Miet- und Bodenpreise haben arme Menschen längst an den Rand der Stadt und der Gesellschaft gedrängt. Die Zentren von Großstädten fallen weltweit Investoren zum Opfer. Sie hinterlassen eine Wüste, in der keine normalen Leute mehr wohnen, weil sie es sich nicht leisten können. Es fehlen auch kleine Läden und Handwerksbetriebe, denn mit einer Bäckerei oder einem Haushaltswarengeschäft lässt sich nicht die Rendite erwirtschaften, um hohe Gewerbemieten bezahlen zu können. Diese Strukturprobleme kann nicht der einzelne Mensch lösen, sondern die Politik vor allem im Bund und in den Ländern ist gefordert, zukunftsfähige Gesetze zu verabschieden. Ohne diesen Rahmen und ohne Rechtssicherheit kann eine Stadt bzw. Kommune nicht handeln.

Das hat man gesehen, als die bayerische CSU-Regierung 33.000 Wohnungen der GBW an einen privaten Investor verkauft hat, obwohl es ein gemeinsames Gebot von bayerischen Großstädten gegeben hätte. Fundierte Vorschläge von Expertenkommissionen dazu gibt es längst, etwa für eine Bodenreform, die Gewinne aus Immobiliengeschäften mit einer zeitgemäßen Grundsteuer besteuert oder öffentlichen Käufern grundsätzlich ein Vorkaufsrecht einräumt. Seit einigen Jahren kommen verstärkt Menschen aus den Balkanländern, insbesondere aus Rumänien zu uns. Diejenigen, die kommen, sind meist schon in Rumänien bitterarm gewesen und haben eine Odyssee durch Europa hinter sich. Sie haben nichts und brauchen alles, vor allem aber eine Arbeit, eine Unterkunft und medizinische Versorgung. Beeindruckend ist, wie sehr sich viele von ihnen anstrengen, um so Aussicht auf ein besseres Leben zu haben. Was sich hier bewährt, ist der wöchentliche Deutschkurs bei BISS, in dem nicht nur die Sprache vermittelt wird, sondern auch das Drumherum eines Lebens in Deutschland eine wichtige Rolle spielt. Sei es das Kleingedruckte im Handyvertrag oder das Programm des BISS-Betriebsausflugs. Wir sind deshalb mutig und unerschrocken, weil wir täglich sehen, dass Menschen, denen man die Hand reicht, wieder auf die Beine kommen. Jeder kann seinen Teil dazu beitragen, dass die Welt ein bisschen besser wird. Bitte bleiben Sie an unserer Seite!

KARIN LOHR

 

Die BISS-Maximen

1. Die Prioritäts-Maxime

Der Verkäufer kommt immer zuerst. Die Zeitschrift ist Mittel zum Zweck. Das heißt beispielsweise, die Herstellung der Zeitschrift muss kostengünstig gehalten werden, sie muss aus den Betriebseinnahmen finanziert werden, es dürfen keine Spendengelder in die Herstellung fließen. Dass jeder erwirtschaftete Überschuss wieder den Verkäufern zugute kommen muss, ist ohnehin selbstverständlich und gemeinnützigen Vereinen oder Gesellschaften per Gesetz vorgeschrieben. Verkäufer, die Sozialhilfe oder Grundsicherung beziehen, dürfen nur eine gewisse Anzahl an Zeitungen verkaufen, damit sie nicht in Grauzonen geführt werden, auch wenn diese Regelung der Auflage schadet.

2. Die Fifty-fifty-Maxime

Den Verkäufern soll von allen Erlösen mindestens die Hälfte zukommen. Mindestens 50 Prozent des Verkaufspreises eines Exemplars muss an den Verkäufer gehen. Darüber hinaus müssen die finanziellen Zuwendungen an die Betroffenen in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufwendungen für das Fachpersonal und die Herstellungskosten der Zeitschrift stehen. Das heißt, für die Verkäufer sollte auch so viel ausgegeben werden wie für das Fachpersonal, mindestens jedoch 50 Prozent davon. Abhängig vom Konzept einer Straßenzeitung, können diese 50 Prozent sowohl für die Gehälter der Verkäufer als auch für Einzelfallhilfen aller Art (Entschuldung, gesundheitliche Sanierung, Verbesserung der Wohnverhältnisse) ausgegeben werden.

3. Die Transparenz-Maxime

Einmal im Jahr müssen die Einnahmen und Ausgaben in der eigenen Zeitschrift veröffentlicht werden, so dass die Spender wissen, wie gewirtschaftet und wofür das Geld ausgegeben wurde. Durch die Anstellung der Verkäufer hat BISS schon in den ersten fünf Jahren den öffentlichen Kassen ein Plus von knapp 1 Million Euro beschert. Es wurden 560.000 Euro eingespart an Sozial- und Arbeitslosenhilfe und 420.000 Euro eingezahlt in die Kassen der Sozialversicherung und des Finanzamts. Die Anstellung der Verkäufer hat sich also für alle gelohnt: für die öffentliche Hand, für die Verkäufer selbst und für BISS. Wir konnten unsere Auflage stabil halten und unseren Verkäufern die Spendenfreudigkeit unserer Freunde und Gönner erhalten. Denn wer investiert nicht gern in Arbeitsplätze und in eine nachhaltige Verbesserung der Lebenslagen armer Menschen?