BISS finanziert seinen Geschäftsbereich (Herstellung der Zeitschrift, Geschäftsführung und Verwaltung, Betriebskosten) durch die Erlöse aus dem Verkauf der Zeitschrift und der Anzeigen.
Um den Vereinszweck erfüllen und seinen Verkäufern sowie anderen armen Menschen Hilfe anbieten und seinen angestellten Verkäufern angemessene Gehälter zahlen zu können, braucht BISS jedoch Spender und Sponsoren. Deswegen möchten wir allen, die unsere Zeitschrift lesen und unser Projekt unterstützen, Rechenschaft geben und dabei die Entwicklung von BISS dokumentieren.

Zusammenfassung Gewinn- und -Verlust-Rechnung BISS e.V. 2016
Ertrag EUR  Aufwand EUR
1) Betriebliche Erträge (Straßenverkauf, Anzeigen, Abos, Einnahmen angestellter Verkäufer, Stadtführungen, Zinserträge…) 943.022,46  1) Herstellungs- und Materialaufwand für 11 Ausgaben inklusive Honoraren 220.891,31
2) Sonstige Erträge
(Spenden, Patenschaften, Fördermitgliedsbeiträge, Geldbußen, Vermächtnisse…)
1.210.256,42 2) Sonstige betriebliche Aufwendungen
(Miete, Büromaterial, EDV, AfA …)
165.290,76
3) Eingliederungszuschuss Arbeitsagentur/ Lohnfortzahlung Krankenkassen 24.229,33 3) Aufwendungen für Betroffene (Wohnraumausstattung, Einzelfallhilfe aller Art, Unterstützung von sozialen Projekten …) *299.480,01
4) Personalaufwand für 66 Angestellte (davon 53 angestellte BISS-Verkäufer, sowie Aushilfskräfte) *1.487.293,95
Der Jahresabschluss wurde von einem Zwischensumme Aufwand 2.172.956,03
Wirtschaftsprüfer erstellt Einstellung in Rücklagen 4.552,18
Gesamtsumme 2.177.508,21 Gesamtsumme 2.177.508,21
Der Jahresabschluss wurde von einem Wirtschaftsprüfer erstellt.
*2016 setzen sich die Gehälter von 1.487.293,95 Euro (4.) zusammen aus 445.270,21 Euro für den Innendienst und 1.042.023,74 Euro für die Verkäufer. Für Betroffene und soziale Projekte, die sich um Obdach- und Arbeitslose kümmern, wurden also insgesamt 1.341.503,75 Euro ( 1.042.023,74 Euro + 299.480,01 Euro (3.)) ausgegeben.

Die Aufwendungen für unser Geschäft (Herstellung der Zeitschrift inklusive der Honorare für Chefredaktion, Journalisten und Fotografen, betriebliche Aufwendungen, Gehälter für das Fachpersonal) erwirtschafteten wir aus den 1,10 Euro, die BISS pro Exemplar eingenommen hat, und aus Anzeigen. Die Bußgelder, die uns, wie anderen gemeinnützigen Vereinen auch, sporadisch vom Amtsgericht oder der Staatsanwaltschaft zugesprochen werden, verwendeten wir ebenfalls für den Geschäftsbereich. Alle Spendengelder wurden für Betroffene direkt eingesetzt oder für Menschen und Projekte, die sich um bedürftige Menschen kümmern.

Rückblick mit Ausblick

Wie jedes Jahr möchten wir allen, die unsere Zeitschrift lesen und unser Projekt unterstützen, Rechenschaft geben und die Entwicklung von BISS zusammenfassend darstellen

Rückblick: 

2016 war eines der besten Jahre in der BISS-Geschichte mit insgesamt 464.463 verkauften Exemplaren. Den größten Anteil daran leisteten unsere angestellten Verkäufer, die für eine vertraglich vereinbarte Stückzahl ein festes Gehalt beziehen. Sie zahlen Lohnsteuer und sind sozialversichert, d.h. sie führen Arbeitnehmerbeiträge zur Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung ab. Im Krankheitsfall und während des Urlaubs zahlt BISS als Arbeitgeber das Entgelt fort. Mittlerweile ist sogar rund die Hälfte unserer Verkäufer fest angestellt. Wir machen die Erfahrung, dass ein sicherer Arbeitsplatz der wichtigste Faktor ist, um einen armen und oft obdachlosen Menschen wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Aus diesem Grund bieten wir unseren Verkäufern, die nach einer individuellen Orientierungsphase mindestens 400 Exemplare monatlich verkaufen, einen Arbeitsvertrag an. Sollte sich herausstellen, dass sich jemand nicht an die Verkäuferregeln hält, nach denen er beispielsweise keinen Alkohol oder andere Drogen am Arbeitsplatz konsumieren darf, wird das Arbeitsverhältnis in der Probezeit beendet. Das ist in den vergangenen Jahren erfreulicherweise kein einziges Mal vorgekommen. Unsere Verkäufer erleben, dass sie in der Stadt angesehen sind und geachtet werden. Sie haben Geld, erfahren Zuspruch, und ihnen wird in jeder Hinsicht Unterstützung angeboten, beispielsweise bei einer Entschuldung oder einer Zahnsanierung. Und unsere Verkäufer verhalten sich so wie andere Menschen, die wirklich schlechte Zeiten hinter sich haben und denen es endlich besser geht: Sie bemühen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, das zu erhalten.

Neue Verkäufer sind fast immer obdachlos oder wohnen in prekären Verhältnissen, in denen sie ein Bett in einem Mehrbettzimmer gemietet haben, auf einem Campingplatz oder auf dem Sofa von Bekannten übernachten. BISS setzt sich dafür ein, dass obdachlose Menschen wieder ein Zimmer oder im besten Fall eine kleine Wohnung mieten können. Wir helfen bei der Suche, vermitteln bei Abschluss des Mietvertrags, leisten Hilfe, wenn die Kaution fällig ist, und fördern den Kauf von Möbeln. Und ganz toll ist, dass uns hin und wieder Leute kontaktieren, die eine Wohnung oder ein Zimmer zu vermieten haben.

An unserer Verkäuferstatistik sieht man, dass BISS für viele Menschen ein sicherer Hafen geworden ist. So sind 40 unserer Verkäufer schon 10 Jahre und länger bei BISS. Nahezu alle langjährigen Verkäufer leben wieder in einer eigenen Wohnung. Selbst wenn man nicht wüsste, wie umfassend die geleistete Hilfe ist, so sieht man es den Menschen doch an, wenn es ihnen endlich besser geht. Wenn ich auf Reisen bin, vergleiche ich jedes Mal die Zeitungsverkäufer, denen ich in anderen Städten begegne, mit den Münchner BISS-Verkäufern. Ich finde, man erkennt an den BISSlern, dass die eingesetzten Spendengelder Früchte tragen. Es bleibt uns ebenfalls eine Herzensangelegenheit, in der gemeinsamen Sache andere Straßenzeitungen und soziale Projekte, die sich um benachteiligte Menschen kümmern, zu unterstützen.

Ausblick:

Die Mietpreise in München sind so hoch, dass Menschen mit wenig Geld aus der Stadt verdrängt werden. Das Problem der steigenden Miet- und Bodenpreise kann jedoch nicht auf den Einzelnen abgeschoben werden. Hier ist die Politik im Bund, im Land und in der Stadt gefordert, zukunftsfähige Lösungen durchzusetzen. Vorschläge von Expertenkommissionen gibt es, etwa für eine Bodenreform, die Gewinne aus Immobiliengeschäften mit einer zeitgemäßen Grundsteuer besteuert oder öffentlichen Käufern grundsätzlich ein Vorkaufsrecht einräumt. In der Realität wird zu oft gegen besseres Wissen gehandelt, insbesondere beim Bund und in Bayern, wie der skandalöse Verkauf von 32.000 Wohnungen durch das Bayerische Finanzministerium an einen Immobilieninvestor drastisch deutlich macht.

Wo auf der einen Seite Milliarden keine Rolle spielen, sollen arme Menschen noch weniger bekommen. Uns erreichen immer öfter Hilfegesuche von Menschen, denen das Jobcenter den Regelsatz von 409 Euro monatlich kürzt, weil die Wohnung tatsächlich mehr kostet, als sie es ortsüblich dürfte. Oft widersprechen die betroffenen Menschen dem Bescheid zunächst nicht, weil sie befürchten, ihre Wohnung zu verlieren. Sie versuchen sich zu arrangieren, solange es geht, und erst wenn der Kühlschrank leer und kein Geld mehr auf dem Konto ist, bitten sie um Hilfe.

Niemand soll sich durch negative Beispiele entmutigen lassen. Die Welt gehört nicht den Investoren, sondern den Menschen, und da sind wir in der Mehrzahl. Jeder Mensch, dessen Leben besser wird, ist ein Argument für unsere Arbeit, und davon gab es in den vergangenen 24 Jahren viele. Wir versprechen, dass wir uns weiter nach besten Kräften für eine solidarische Gesellschaft einsetzen werden. BISS hat ein großartiges Netzwerk, dem unsere Paten für die angestellten Verkäufer, unsere Spender, Förderer und natürlich unsere Leser angehören. Mit der Abtei St. Bonifaz, Abt Johannes, Frater Emmanuel und dem engagierten Pfortenteam haben wir weitere Mitstreiter an unserer Seite. Wir erleben Treue und Großzügigkeit in unserem Netzwerk und bemühen uns, das an hilfebedürftige Menschen weiterzugeben. Bleiben Sie uns gewogen! KARIN LOHR

 

Die BISS-Maximen

1. Die Prioritäts-Maxime

Der Verkäufer kommt immer zuerst. Die Zeitschrift ist Mittel zum Zweck. Das heißt beispielsweise, die Herstellung der Zeitschrift muss kostengünstig gehalten werden, sie muss aus den Betriebseinnahmen finanziert werden, es dürfen keine Spendengelder in die Herstellung fließen. Dass jeder erwirtschaftete Überschuss wieder den Verkäufern zugute kommen muss, ist ohnehin selbstverständlich und gemeinnützigen Vereinen oder Gesellschaften per Gesetz vorgeschrieben. Verkäufer, die Sozialhilfe oder Grundsicherung beziehen, dürfen nur eine gewisse Anzahl an Zeitungen verkaufen, damit sie nicht in Grauzonen geführt werden, auch wenn diese Regelung der Auflage schadet.

2. Die Fifty-fifty-Maxime

Den Verkäufern soll von allen Erlösen mindestens die Hälfte zukommen. Mindestens 50 Prozent des Verkaufspreises eines Exemplars muss an den Verkäufer gehen. Darüber hinaus müssen die finanziellen Zuwendungen an die Betroffenen in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufwendungen für das Fachpersonal und die Herstellungskosten der Zeitschrift stehen. Das heißt, für die Verkäufer sollte auch so viel ausgegeben werden wie für das Fachpersonal, mindestens jedoch 50 Prozent davon. Abhängig vom Konzept einer Straßenzeitung, können diese 50 Prozent sowohl für die Gehälter der Verkäufer als auch für Einzelfallhilfen aller Art (Entschuldung, gesundheitliche Sanierung, Verbesserung der Wohnverhältnisse) ausgegeben werden.

3. Die Transparenz-Maxime

Einmal im Jahr müssen die Einnahmen und Ausgaben in der eigenen Zeitschrift veröffentlicht werden, so dass die Spender wissen, wie gewirtschaftet und wofür das Geld ausgegeben wurde. Durch die Anstellung der Verkäufer hat BISS schon in den ersten fünf Jahren den öffentlichen Kassen ein Plus von knapp 1 Million Euro beschert. Es wurden 560.000 Euro eingespart an Sozial- und Arbeitslosenhilfe und 420.000 Euro eingezahlt in die Kassen der Sozialversicherung und des Finanzamts. Die Anstellung der Verkäufer hat sich also für alle gelohnt: für die öffentliche Hand, für die Verkäufer selbst und für BISS. Wir konnten unsere Auflage stabil halten und unseren Verkäufern die Spendenfreudigkeit unserer Freunde und Gönner erhalten. Denn wer investiert nicht gern in Arbeitsplätze und in eine nachhaltige Verbesserung der Lebenslagen armer Menschen?