BISS finanziert seinen Geschäftsbereich (Herstellung der Zeitschrift, Geschäftsführung und Verwaltung, Betriebskosten) durch die Erlöse aus dem Verkauf der Zeitschrift und der Anzeigen.
Um den Vereinszweck erfüllen und seinen Verkäufern sowie anderen armen Menschen Hilfe anbieten und seinen angestellten Verkäufern angemessene Gehälter zahlen zu können, braucht BISS jedoch Spender und Sponsoren. Deswegen möchten wir allen, die unsere Zeitschrift lesen und unser Projekt unterstützen, Rechenschaft geben und dabei die Entwicklung von BISS dokumentieren.

Zusammenfassung Gewinn- und Verlust-Rechnung BISS e.V. 2015
Ertrag EUR  Aufwand EUR
1) Betriebliche Erträge (Straßenverkauf, Anzeigen, Abos, Einnahmen angestellter Verkäufer, Stadtführungen, Zinserträge…) 980.572,69  1) Herstellungs- und Materialaufwand für 11 Ausgaben inklusive Honoraren 204.625,13
2) Sonstige Erträge
(Spenden, Patenschaften, Fördermitgliedsbeiträge, Geldbußen, Vermächtnisse…)
1.245.378,05 2) Sonstige betriebliche Aufwendungen
(Miete, Büromaterial, EDV, AfA …)
143.772,08
3) Eingliederungszuschuss Arbeitsagentur/ Lohnfortzahlung Krankenkassen 27.515,49 3) Aufwendungen für Betroffene (Wohnraumausstattung, Einzelfallhilfe aller Art, Unterstützung von sozialen Projekten …) *361.037,95
4) Personalaufwand für 62 Angestellte (davon 53 angestellte BISS-Verkäufer, sowie Aushilfskräfte) *1.478.282,26
Der Jahresabschluss wurde von einem Zwischensumme Aufwand 2.187.717,42
Wirtschaftsprüfer erstellt Einstellung in Rücklagen 65.748,81
Gesamtsumme 2.253.466,23 Gesamtsumme 2.253.466,23
Der Jahresabschluss wurde von einem Wirtschaftsprüfer erstellt.
*2015 setzen sich die Gehälter von 1.478.282,26 Euro (4.) zusammen aus 437.589,96 Euro für den Innendienst und 1.040.692,30 Euro für die Verkäufer. Für Betroffene und soziale Projekte, die sich um Obdach- und Arbeitslose kümmern, wurden also insgesamt 1.401.730,25 Euro ( 1.040.692,30 Euro + 361.037,95 Euro (3.)) ausgegeben.

Die Aufwendungen für unser Geschäft (Herstellung der Zeitschrift inklusive der Honorare für Chefredaktion, Journalisten und Fotografen, betriebliche Aufwendungen, Gehälter für das Fachpersonal) erwirtschafteten wir aus den 1,10 Euro, die BISS pro Exemplar eingenommen hat, und aus Anzeigen. Die Bußgelder, die uns, wie anderen gemeinnützigen Vereinen auch, sporadisch vom Amtsgericht oder der Staatsanwaltschaft zugesprochen werden, verwendeten wir ebenfalls für den Geschäftsbereich. Alle Spendengelder wurden für Betroffene direkt eingesetzt oder für Menschen und Projekte, die sich um bedürftige Menschen kümmern.

Rückblick mit Ausblick

Wie jedes Jahr möchten wir allen, die unsere Zeitschrift lesen und unser Projekt unterstützen, Rechenschaft geben und die Entwicklung von BISS zusammenfassend darstellen

Rückblick: 2015 war ein Jahr mit lebhaftem Geschäftsbetrieb und einem tollen Gesamtergebnis.
Es verkauften insgesamt 103 Verkäufer das Straßenmagazin vor allem im Münchner Stadtgebiet, aber auch in Rosenheim und Ingolstadt. Nahezu die Hälfte unserer Verkäufer hat einen Arbeitsplatz mit Festanstellung, sie verkaufen also monatlich eine vertraglich vereinbarte Anzahl an Zeitschriften und bekommen dafür ein festes Gehalt. Diese angestellten Verkäufer sind sozialversichert und zahlen Steuern und Sozialabgaben. Wenn ein Verkäufer für längere Zeit arbeitsunfähig ist, zahlt BISS als Arbeitgeber das Entgelt weiter, bis nach sechs Wochen die Krankenkasse das Krankengeld übernimmt. Wie wichtig das ist, haben wir an einem unserer langjährigen angestellten Verkäufer gesehen, der aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung über ein halbes Jahr in stationärer Behandlung war. Er konnte mit dem Krankengeld während seines Klinikaufenthalts Miete und Fixkosten bezahlen.
BISS hat sehr viele langjährige Verkäufer, so sind insgesamt 40 Verkäufer zehn Jahre und länger dabei. Auf die sind wir besonders stolz! Wir haben aber auch gerade im letzten Jahr erlebt, wie sehr unsere Arbeit mit armen und obdachlosen Menschen in Bewegung bleibt. So starben im Jahr 2015 mehrere langjährige BISS-Verkäufer. Und es passierte in einzelnen Fällen leider auch, dass Verkäufer, die alle Schwierigkeiten überwunden zu haben schienen, wieder ineine tiefe Krise gerieten oder ohne Ankündigung spurlos verschwanden. Das macht uns bewusst, wie verletzlich das Leben vieler unserer Verkäufer bleibt und wie tief die Spuren sind, die Armut, Obdachlosigkeit und gesellschaftliche Ausgrenzung in der Persönlichkeit von Menschen hinterlassen. Es kommen auch hilfebedürftige Menschen neu zu BISS, denen es nahezu an allem fehlt, was ein menschenwürdiges Dasein ausmacht: Sie haben keine Arbeit und kein Geld, leben auf der Straße und sind gesundheitlich in einer sehr schlechten Verfassung. Hier geht es darum, diese Menschen wieder an die Gesellschaft heranzuführen und sie überhaupt an Arbeit zu gewöhnen. BISS berät Hilfebedürftige und vermittelt sie an andere soziale Einrichtungen, falls für jemand der BISS-Verkauf nicht in Frage kommt. Die Spenden und Patenschaften ermöglichen BISS, vielen Menschen zu helfen: mit einer Zuwendung im Einzelfall (z.B. Medikamente, Kleidung, Zahnersatz), einer niedrigschwelligen Beschäftigung zum Wiedereinstieg bis hin zu einem festen Arbeitsplatz. Wir sind stolz und glücklich, dass wir im Jahr 2015, wie schon in den Vorjahren, alle Spendengelder zum Wohl armer und sozial benachteiligter Menschen einsetzen konnten.

Ausblick: Ein großes Problem für BISS bleibt, bezahlbaren Wohnraum für obdachlose Menschen zu finden. Zwar wohnen fast alle unsere langjährigen Verkäufer mittlerweile in ihrer eigenen Wohnung bzw. einemZimmer in einer (betreuten) Unterkunft. Trotzdem stehen wir bei neuen Verkäufern fast jedes Mal wieder vor der Herausforderung, sie bei der Suche nach einer akzeptablen Wohnmöglichkeit zu unterstützen. Es ist unglaublich, unter welch miserablen Bedingungen Menschen in München „hausen“, anders kann man das bei Schlafplätzen in heruntergekommenen Mehrbettzimmern, die zu Wucherpreisen vermietet werden, nicht nennen. Besonders dramatisch ist die Situation bei mittellosen Menschen, die auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben schon jahrelang durch Europa gewandert sind. So haben wir Menschen kennengelernt, die körperlich schwer auf Baustellen gearbeitet haben, bis mit zunehmendem Alter ihre Kraft nachließ. Wie bei einem unserer rumänischen Verkäufer, mit dem BISS einen unbefristeten Arbeitsvertrag geschlossen hat. Das sei, wie er sagte, überhaupt zum ersten Mal in seinem Leben passiert. Aufgrund unserer Zusammenarbeit mit der Stiftung BISS können wir in Einzelfällen einen befristeten Mietvertrag für ein möbliertes Zimmer vermitteln, damit der Mensch nicht mehr auf der Straße schlafen muss. Und was uns besonders freut, ist,dass uns gewogene Leser anrufen und direkt freie Wohnungen und Zimmer anbieten, sodass wir hoffen, mit der Zeit einen kleinen Bestand aufbauen zu können. Es ist schwer zu ertragen, dass sich trotz aller Einzelfallhilfen und Zuwendungen der soziale Status der betroffenen Menschen kaum verbessert. Wer arm ist, bleibt das häufig bis an sein Lebensende, weil es die Politiker im Bund und im Land versäumen, die zunehmende Ungleichheit von Lebenschancen durch eine konsequente Gesetzgebung zu bekämpfen. Wer die Entwicklung der Münchner Immobilienpreise sieht und auch, wie Menschen mit wenig Geld an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, muss von der Politik eine Bodenrechtsreform fordern, um Spekulanten zu stoppen. Im Namen unserer Verkäufer dankt BISS allen Spendern, Paten, Freunden, Förderern und Lesern für die Unterstützung, den Zuspruch und dafür, dass sie an unserer Seite sind. Wir danken auch der großartigen Abtei St. Bonifaz, Abt Johannes und Frater Emmanuel sowie dem engagierten Pfortenteam. Sie alle sind mit uns ein wichtiger Teil der Stadtgesellschaft und eines Netzwerks, das sich dafür einsetzt, dass München lebenswert für alle bleibt.

 

Die BISS-Maximen

1. Die Prioritäts-Maxime

Der Verkäufer kommt immer zuerst. Die Zeitschrift ist Mittel zum Zweck. Das heißt beispielsweise, die Herstellung der Zeitschrift muss kostengünstig gehalten werden, sie muss aus den Betriebseinnahmen finanziert werden, es dürfen keine Spendengelder in die Herstellung fließen. Dass jeder erwirtschaftete Überschuss wieder den Verkäufern zugute kommen muss, ist ohnehin selbstverständlich und gemeinnützigen Vereinen oder Gesellschaften per Gesetz vorgeschrieben. Verkäufer, die Sozialhilfe oder Grundsicherung beziehen, dürfen nur eine gewisse Anzahl an Zeitungen verkaufen, damit sie nicht in Grauzonen geführt werden, auch wenn diese Regelung der Auflage schadet.

2. Die Fifty-fifty-Maxime

Den Verkäufern soll von allen Erlösen mindestens die Hälfte zukommen. Mindestens 50 Prozent des Verkaufspreises eines Exemplars muss an den Verkäufer gehen. Darüber hinaus müssen die finanziellen Zuwendungen an die Betroffenen in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufwendungen für das Fachpersonal und die Herstellungskosten der Zeitschrift stehen. Das heißt, für die Verkäufer sollte auch so viel ausgegeben werden wie für das Fachpersonal, mindestens jedoch 50 Prozent davon. Abhängig vom Konzept einer Straßenzeitung, können diese 50 Prozent sowohl für die Gehälter der Verkäufer als auch für Einzelfallhilfen aller Art (Entschuldung, gesundheitliche Sanierung, Verbesserung der Wohnverhältnisse) ausgegeben werden.

3. Die Transparenz-Maxime

Einmal im Jahr müssen die Einnahmen und Ausgaben in der eigenen Zeitschrift veröffentlicht werden, so dass die Spender wissen, wie gewirtschaftet und wofür das Geld ausgegeben wurde. Durch die Anstellung der Verkäufer hat BISS schon in den ersten fünf Jahren den öffentlichen Kassen ein Plus von knapp 1 Million Euro beschert. Es wurden 560.000 Euro eingespart an Sozial- und Arbeitslosenhilfe und 420.000 Euro eingezahlt in die Kassen der Sozialversicherung und des Finanzamts. Die Anstellung der Verkäufer hat sich also für alle gelohnt: für die öffentliche Hand, für die Verkäufer selbst und für BISS. Wir konnten unsere Auflage stabil halten und unseren Verkäufern die Spendenfreudigkeit unserer Freunde und Gönner erhalten. Denn wer investiert nicht gern in Arbeitsplätze und in eine nachhaltige Verbesserung der Lebenslagen armer Menschen?