Skipiste

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

Von Wolfgang Räuschl

Meine Kindheit im Winter war immer ein tolles Erlebnis, da es vor unserem Haus immer sehr viel Schnee gab und die Winter richtig hart waren. Noch bevor ich in die erste Klasse kam, konnte ich schon etwas Skifahren, und wir Dorfkinder freuten uns auch sehr darauf. In Österreich sagt man, dass Skifahren noch vor der Schule kommt, und man lernte es noch vor dem Lesen und Schreiben; und das ist auch wahr. Später durften wir auch immer wieder an Schulskirennen teilnehmen und hatten auch immer wieder Siegläufer dabei. Als Jugendliche durften wir dann allein mit dem Skilift und auch in der Gruppe Ski fahren. Es war eine schöne Zeit: keine Touristen, kein Anstellen am Lift, und das ein oder andere Mal kehrten wir auch in einer Hütte ein, die meinem Onkel gehörte. Wir waren meist fünf bis sechs Jugendliche und genossen so die kalten Wintertage auf der Skipiste, und das Schönste daran war der „Einkehrschwung“. Es war noch die gute alte Zeit, wo es auf manchen Hütten noch keinen Strom gab und wir teilweise auch noch alles vom Tal bergauf mitnehmen mussten. Ein offener Kamin, ein kleines Feuer, über dem der Teekessel hing, und wir machten es uns gemütlich bis spät am Abend, um dann mit Fackeln ins Tal zu fahren. Leider hatten wir auch mal einen riesigen Schneesturm, sodass wir übernachten mussten auf der Hütte, aber es gab ja genug „Jagatee“, sodass wir einige Stunden schlafen konnten und erst in der Früh munter wurden. Heute ist das alles anders, in der Welt von Schicki micki, Pistenpromis und Skihaserl: alle paar hundert Meter ein moderner Skilift und beheizbare Gondeln, ab dem Vormittag schon Ballermann­Musik, Champagner aus der Flasche, und das alles für ein wildes Partyvolk hoch oben in den Bergen. Überall nur noch die Schneekanonen, alles muss schnell gehen, denn die Touristen haben ja keine Zeit mehr, da sie alle Hütten besuchen müssen. Das liebe Geld spielt natürlich auch eine große Rolle, denn ein paar schöne Skitage in Österreich kosten sehr viel Geld. Auch das Problem mit den Lawinen wird immer ernster, weil halt die Versuchung, auf der abgesperrten Strecke zu fahren, zu Leichtsinn führt. Heute bin ich froh, nicht mehr Ski zu fahren, weil ich Angst vor Unfällen habe. Und so denke ich heute an so manchen kalten Wintertag zurück und eine schöne Zeit, wo das Skifahren noch Spaß machte. Manchmal träume ich noch vom selbst gemachten Jagatee und von Schmalzbrot und so manchem Schneesturm, bei dem wir es uns in der Hütte gemütlich machten. In diesem Sinne ein verletzungsfreies Skifahren und ein großes „Ski heil“ an alle Pistenfreunde.

Das Leiden eines (werdenden) Blinden

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Hans Pütz

Ich habe früher auch viel in der Schreibwerkstatt geschrieben, und immer wieder fragen mich Kunden, warum ich das nicht mehr tue. Ich will es Ihnen erklären: Vor eineinhalb Jahren haben die Ärzte bei mir Makulophatie entdeckt. Ich bin Diabetiker, und das hat dazu geführt, dass meine Augen so schlecht geworden sind. Ich sehe auf beiden Augen nur noch 20 Prozent. Alles ist verschwommen, wie wenn die Welt hinter Nebel liegen würde. Zu Hause habe ich eine gute Bekannte, die mir im Alltag hilft, wenn ich Briefe bekomme oder wenn ich Anträge ausfüllen muss. Sie hat mir auch geholfen, den Schwerbehindertenausweis zu bekommen. Den Rest bekomme ich alleine hin, es gibt Tricks: Wenn man zum Beispiel ein Glas Wasser füllt, dann hält man einen Finger an den Rand des Glases und spürt, wenn es voll ist. Ich habe zu Hause mindestens zehn Lupen liegen, und meinen Fernseher muss ich ganz nah ans Bett rücken, damit ich etwas sehe. Beim Verkaufen habe ich manchmal Probleme, das Kleingeld auseinanderzuhalten. Aber mit der Zeit weiß man, wie groß die Münzen sind und wie sie sich anfühlen. Es ist anstrengend für mich, die Leute zu erkennen, auch wenn sie schon seit Jahren zu mir kommen. Ich bin ja schon seit über 20 Jahren bei der BISS, doch viele Kunden wissen nicht, das ich fast blind bin. Wenn ich es ihnen dann sage, sind sie überrascht und wollen mir helfen. Manche Leute wundern sich, dass ich öfter nicht an meinem Standplatz bin. Das liegt an meinen Terminen beim Augenarzt. Zu Weihnachten und für das nächste Jahr wünsche ich mir, dass ich besser sehen kann, und ein paar neue Augen.

Weihnachtszeit

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Wolfgang Räuschl

In meiner Kindheit war die Advents-­ und Weihnachtszeit etwas Besonderes. Nicht, weil wir viel Schnee hatten, sondern, weil es auch etwas Familiäres hatte. Am Land, wo ich aufgewachsen bin, gab es an Adventssonntagen nachmittags immer ein Treffen meiner Verwandtschaft, und wir haben in der Stube zusammengesessen und bei Bäckerei, Kuchen und Kaffee auch sehr schöne Weihnachtslieder gesungen. Mein Großvater erzählte uns auch immer wieder Weihnachtsgeschichten. Meine Lieblingsgeschichte war die von der Kirche in Oberndorf bei Salzburg, als die Leute ein Weihnachtslied suchten, um es in der Heiligen Nacht aufzuführen. Die beiden Volksschullehrer Franz Mohr und Xaver Gruber haben ein Weihnachtslied geschrieben und es zur Christmette 1816 uraufgeführt. Dass es aber das vielleicht schönste und berühmteste werden würde, haben sie damals nicht gedacht. So wird das Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ heuer 200 Jahre alt und auf der ganzen Welt gesungen. Zu diesem Anlass mache ich einen Tagesausflug und besuche nicht nur den Christkindlmarkt, sondern auch die Ortskirche von Oberndorf, um an dem Ursprung des berühmtesten Weihnachtsliedes zu stehen. Heute hat fast keiner mehr Zeit, eine ruhige Adventszeit zu erleben. Die Konsumgesellschaft, der Stress und die Hektik einer Großstadt lassen das alles nicht mehr zu. Vielleicht würde man sich dann wieder an Weihnachten freuen, wenn jeder von uns ein bisschen nachdenkt und in sich geht, um an die Weihnachtszeit von früher zu denken. Bei uns zu Hause gab es immer auch Geschenke: Winterbekleidung bekam ich und ein Paar Ski, auch das ein oder andere Buch. Aber am besten waren diverse selbst gemachte Weihnachtsbäckereien von Tanten und der Großmutter. Und heute sieht man die Lebkuchen und Adventskalender schon ab September in den Regalen von Supermärkten stehen. Die Auslagen großer Kaufhäuser werden schon im Oktober für das große Weihnachtsgeschäft dekoriert, und auch die Weihnachtslieder auf Englisch werden ab November aus den Lautsprecherboxen rauf­ und runtergespielt. Da fällt mir eine berühmte Aussage von Franz Beckenbauer ein: Ja, ist denn heut scho Weihnachten? Da denke ich gern an meine Kindheit zurück. Manchmal habe ich noch den Duft in der Nase vom frisch geschlagenen Tannenbaum. Ich wünsche mir ein friedliches und ruhiges Fest. Denn Weihnachten ist für mich immer noch ein Fest der Familie und des Friedens.

Meine Familie hält zusammen

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Toni Menacher

1993 begann mein Neffe Bernhard mit nur 20 Jahren mit dem Hausbau. Es war selbstverständlich, dass wir ihm alle dabei halfen. Sein Bruder kam jeden Tag zu ihm zum Mauern oder um den Boden zu betonieren. Meine Schwester und meine Nichte halfen beim Abtransport des Bauschutts. Meine Mutter kochte für alle, obwohl sie schon über 70 Jahre alt war und gesundheitlich angeschlagen. Ich selbst opferte zwei Wochen Urlaub und half an den Wochenenden. Ich sagte, dass ich niemals einen Stein mauern würde, dazu fehlt mir das Talent – aber dass ich gerne Steine tragen und Mörtel mischen würde. Dazu sagte der beste Freund von Bernhard: Der beste Maurer ist nichts, wenn er keinen Mörtel, Beton oder Steine hat! Und so war ich genauso wichtig wie ein Maurer. Während der zwei Jahre des Neubaus hielten wir wie Pech und Schwefel zusammen. Seit zwei Jahren fahre ich wieder in unregelmäßigen Abständen zu meiner Familie nach Hause. Zuvor hatte ich nur sporadischen Kontakt. Das lag einzig und alleine an mir, ich schämte mich dafür, dass ich sozial abgestürzt war (ab 1998), mit Obdachlosigkeit, wenig Geld und totaler Einsamkeit. Ich war so blöde, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass meine Familie immer zu mir hält. Nach dem Tod meiner Freundin rief ich vor Weihnachten zu Hause an, um ein frohes Fest zu wünschen. Spontan wurde ich eingeladen zu kommen, und ich nahm kurzentschlossen die Einladung an und verbrachte ein sehr schönes Weihnachtsfest. Ab diesem Zeitpunkt brach der Kontakt nicht mehr ab. Mein Fazit ist: Nie wieder werde ich den Kontakt zu meiner Familie abbrechen. Ich bin dankbar dafür, dass wir in guten und schlechten Zeiten zusammenhalten.