BISS-Ausgabe März 2018 | Was im Busch

Cover des BISS-Magazins März 2018

Thema | Grüner und bunter: Über Projekte, die München grüner, bunter und damit lebenswerter machen | 6 Urban Gardening: Ein Stück Natur inmitten der Stadt | 12 Aller Anfang ist schwer: „Joblinge“ unterstützen Jugendliche beim Berufseinstieg | 16 Tanz unterm Regenbogen: Pflege für Lesben, Schwule und Trans*menschen | 18 Interview mit Siegfried Benker: „Ein Plus für alle“ | 20 Backen für die Seele: Krapfen, Auszogene und viel Zeit für Geschichten | Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 24 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 26 Patenuhren | 27 Freunde und Gönner | 30 Impressum, Mein Projekt | 31 Adressen

 

 

 

Was uns verbindet

DER ZWEITE ARBEITSMARKT

 

IN DER BISS-KOLUMNE KOMMEN MENSCHEN ZU WORT, DIE EINE PERSÖN LICHE ERFAHRUNG ODER IHR INTERESSE AN EINEM THEMA ODER PROJEKT VERBINDET. IN DER BEGEGNUNG ZEIGT SICH, DASS MENSCHEN TROTZ UNTERSCHIEDLICHER LEBENSLAGEN, ÜBERZEUGUNGEN UND PERSÖNLICHKEITEN IMMER AUCH ETWAS GEMEINSAM HABEN. MICHAEL PANAITESCU, 37, VERWALTUNGSANGESTELLTER BEI BISS UND ULRIKE MASCHER, 79, PRÄSIDENTIN DES SOZIALVERBANDES VDK DEUTSCHLAND


Protokoll CHRISTOPH GURK

Michael Panaitescu: Ich habe heute ein neues Leben. Denn nach langer Arbeitslosigkeit habe ich wieder eine feste Stelle. Dabei hatte ich einen guten Realschulabschluss, und damals, Mitte der 90er, gab es viele Jobs. Dann aber wurde meine Oma krank, und ich dachte: Die Ausbildung kann warten.

Ulrike Mascher: Als Kind habe ich das vom Krieg zerbombte München gesehen. Ich dachte: So etwas darf nie wieder passieren. Also bin ich noch während meines Jurastudiums in die SPD eingetreten.

MP: Als ich eine Ausbildung anfangen wollte, hatte sich die Situation verschlechtert. Ich musste ungelernt im Baumarkt arbeiten. Irgendwann hatte ich endlich eine Lehrstelle, aber kaum war ich fertig, war ich wieder arbeitslos.

UM: Mitte der 80er gab es erste Ansätze, Arbeitslose wieder in die Berufswelt zu integrieren. Ich saß für die SPD im Stadtrat, und wir wollten das auch in München probieren. Mit Erfolg. Viele Projekte gibt es immer noch, zum Beispiel den Dynamo Fahrradservice.

MP: Irgendwann erzählte mir jemand von Dynamo. Mir gefielen das Umfeld und die Arbeit und ich fasste wieder Mut. über Dynamo habe ich eine feste Stelle bei der BISS bekommen. Und bei einer Veranstaltung habe ich Frau Mascher kennengelernt. Davor war ich sehr skeptisch gegenüber Politikern, aber jetzt weiß ich, was Politik bewegen kann. Ich habe bei der Bundestagswahl sogar seit Langem wieder gewählt.

UM: Was in der Zeitung steht, ist immer nur ein kleiner Teil der Politik. In Wirklichkeit bestimmt sie unser Leben, darum ist Politik auch so wichtig.

Illustration: Martin Fengel; Foto: Barbara Donaubauer

Starthilfe in den Job

Von KERSTIN GÜNTZEL
Illustration ROBERT NICOL

Die bundesweite Initiative „Joblinge“ verhilft Jugendlichen mit schwierigen Ausgangsbedingungen zur Ausbildung. Rund 70 Prozent der Teilnehmer schaffen so den Sprung ins Arbeitsleben. BISS wollte wissen, wie sich die jungen Leute während des sechsmonatigen Programms verändern, und sprach mit zwei von ihnen am Standort auf der Münchner Praterinsel – am Anfang und am Ende ihrer Zeit bei den „Joblingen“

Deutschland sucht händeringend Azubis. 2016 blieben rund 41.000 Lehrstellen unbesetzt – Höchststand seit zwanzig Jahren. In München sieht es für Lehrlinge noch rosiger aus: „Bewerber in Bayern und Baden-Württemberg haben es tendenziell sehr gut, da gibt es mehr freie Plätze als Bewerber“, sagte Andreas Pieper vom Bundesinstitut für Berufsbildung (bibb) in Bonn dem „Spiegel“. Es muss wohl ganz dumm laufen, wenn man leer ausgeht. Trotzdem gelingt es hierzulande mehr als einer halben Million Jugendlichen nicht, von der Schule in eine Ausbildung zu wechseln. Gründe dafür sind schlechte Noten, Sprachprobleme, Krisen, Drogen und das Aufwachsen in kaputten oder sozial benachteiligten Familien. Genau diesen jungen Erwachsenen zwischen 15 und 24 Jahren verhilft die bundesweite Initiative „Joblinge“ – in Kooperation mit der Wirtschaft und der Arbeitsagentur – zu einer Ausbildung. sie bekommen eine eins-zu-eins-Betreuung und einen ehrenamtlichen Mentor zur Seite gestellt. in den ersten sechs Wochen absolvieren die jungen Leute eine Berufsorientierungsphase. Oft hapert es anfangs an alltäglichsten Dingen, zum Beispiel morgens pünktlich da zu sein oder sich bei Krankheit abzumelden. Danach stehen Praktika auf dem Programm, die dank der Kontakte der „Joblinge“ zustande kommen oder die sich die Jugendlichen selbst suchen. meist mündet eines dieser Praktika in eine Ausbildung: die Vermittlungsquote liegt bei 70 Prozent. biss hat zwei von ihnen über mehrere Monate begleitet und mit ihnen und ihren Betreuern am Standort auf der Münchner Praterinsel gesprochen. die Entwicklung hätte unterschiedlicher kaum sein können.

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Streich mit Schaf und Frau

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Zuheir Sobhy Matti Takiyan

Manchmal muss man in der Liebe eine List anwenden. Ich weiß das, weil ich ein gutes Beispiel dafür aus dem Irak kenne. Dort heiratete eine Frau einmal und zog mit ihrem Mann in sein Haus. Sie waren sehr verliebt, doch eines Tages stritten sie sich und die Frau zog aus und ging zurück zu ihrer Familie. Der Mann bat sie, zurückzukommen, einmal, zweimal, dreimal. Vergeblich. Da beschloss der Mann, eine List anzuwenden. Er kaufte auf dem Markt ein Schaf, nahm es mit zu sich nach Hause und zog ihm dort Holzschuhe an und brachte es in den ersten Stock seiner Wohnung. Kurz darauf lud er seine Frau zu sich ein und erklärte ihr, dass er wieder geheiratet habe. Als seine Frau ihm nicht glaubte, erklärte er, dass die Schritte, die man aus dem ersten Stock hörte, von seiner neuen Liebe stammen würden. Seine Frau wurde erst blass und dann sehr eifersüchtig, denn eigentlich liebte sie ihren Mann immer noch. So bat sie ihn, sich scheiden zu lassen von der neuen Frau und wieder zu ihr zurückzukommen. Und tatsächlich: Der Mann willigte sofort ein. „Und was ist mit der anderen?“, fragte die Frau daraufhin. „Komm mit“, sagte der Mann, „ich zeige sie dir.“ Und so führte er sie in den ersten Stock, wo das Schaf immer noch auf Holzschuhen durch die Zimmer lief. „Warum hast du das gemacht?“, wollte seine Frau wissen. „Weil ich wollte, dass du zu mir zurückkommst“, sagte der Mann. „Und jetzt bist du wieder da.“ Von da an ging die Frau nicht mehr weg, und das Ehepaar lebte noch viele Jahre glücklich und zufrieden zusammen. Das Schaf aber, das haben sie gegessen.