Der verflixte 15. November 2013

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Hartmut Jacobs

Ich wollte mich bedanken bei meinen Kunden. Dafür, dass sie zu mir gehalten haben, während ich weg war. Ich bin am verflixten 15. November 2013 beim Ins-Bett-Gehen gestürzt und habe mir drei Rückenwirbel gebrochen. Danach war ich fast ein Jahr im Krankenhaus, in vielen verschiedenen, und ich weiß gar nicht, in welchem Krankenhaus in München ich noch nicht war. Die Ärzte haben mir gesagt, dass ich wahrscheinlich nie wieder richtig gehen können würde. Das war für mich ein Schock. Die ersten Wochen habe ich überlegt, ob es überhaupt einen Sinn hat weiterzuleben. Aber dann kamen die Genesungskarten von meinen Freunden und vor allem von meinen Kunden. Sie haben mir die Kraft gegeben weiterzumachen. Die Ärzte meinten auch, dass ich nie wieder BISS verkaufen könne. Da dachte ich: Denen zeige ich’s! Und so war das BISS-Verkaufen für mich der Ansporn, wieder ins richtige Leben zurückzukehren. Seit April dieses Jahres arbeite ich wieder gelegentlich. Nicht wegen des Geldes, sondern aus Spaß und weil ich gern mit Leuten rede. Als ich das erste Mal wieder an meinem Platz am Rosenheimer Platz stand, da haben mich meine Kunden sehr herzlich begrüßt, manchmal musste ich fast weinen. Seit fast 18 Jahren arbeite ich bei der BISS, und manche Kunden kaufen bei mir von Anfang an. Meine Freunde helfen mir immer, und die meisten habe ich beim BISS-Verkaufen kennengelernt. Mit Hilde zum Beispiel bin ich an meinem Standplatz durch meinen Hund Schetziena ins Gespräch gekommen. Hilde hatte immer Leberkäse in der Tasche und hat Schetziena ein Stück gegeben. Im Januar 2014 ist Schetziena leider gestorben, aber Hilde ist eine gute Freundin geblieben. Heute fährt sie mich jeden Tag nach der Arbeit wieder nach Hause, einfach so. Volker habe ich vor 15 Jahren kennengelernt, auch beim Verkaufen. Er hilft mir bei jeder Gelegenheit, wenn der Fernseher kaputt ist oder die Waschmaschine mal nicht geht. Oft kommt er auch einfach nur vorbei zum Reden. Leider habe ich durch die schwere Zeit im Krankenhaus auch ein paar Freunde verloren. Die kamen mich nicht mehr besuchen oder ließen sich verleugnen. Warum sie das gemacht haben, das weiß ich nicht, aber jetzt weiß ich wenigstens, welche meine wirklichen Freunde sind.

 

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