Novemberfunkeln

BISS-Geschäftsführerin
Karin Lohr
Foto: Sascha Kletzsch

Der November ist für viele Menschen kein einfacher Monat. Er ist nicht mehr Herbst, noch kein Winter und gefühlt vielleicht der dunkelste von allen, wenn die Natur eine Mischung aus braun und grau ist und die Tage schon kürzer geworden sind. In den katholisch geprägten Bundesländern wie Bayern ist der 1. November ein Feiertag, Allerheiligen, der Tag, an dem traditionell die Gräber unserer Verstorbenen geschmückt und gesegnet werden. Im BISS-Grab im Ostfriedhof ist dieses Jahr unsere langjährige Verkäuferin Katarina beerdigt worden. Sie liegt an der Seite ihrer zwölf Kollegen, die dort ebenfalls ihre letzte Ruhe gefunden haben. Diejenigen, die das Grab kennen, wissen, dass es kein trister Ort ist. Im Gegenteil, es ist schön gerichtet, und meist brennen Kerzen zum Andenken an die Verstorbenen. Gerade weil wir BISSler es oft mit Menschen zu tun haben, deren Gesundheit nicht die beste ist und die aufgrund ihres harten und entbehrungsreichen Lebens stark vorbelastet sind, hat das Hier und Jetzt einen hohen Stellenwert. Wir vertrösten diejenigen, die Hilfe in der Not suchen, nicht auf die ferne Zukunft. In der Beratung ist die entscheidende Frage unseres Sozialarbeiters an seine Klienten immer: „Was möchten Sie?“ BISS kann vieles anbieten: eine Beschäftigung zum Einstieg, einen festen Arbeitsplatz, kraftvolle Unterstützung bei der Wohnungssuche, finanzielle Hilfen bei medizinischer Versorgung, Entschuldung und noch vieles mehr. Es tröstet uns BISSler, wenn ein ehemals hilfebedürftiger Mensch nicht nur eine schöne Beerdigung hat, sondern vor seinem Tod auch ein gutes und würdevolles Leben führen konnte. Dieses Jahr ist für BISS ein ganz besonderes Jahr. Mit unserer Kunstaktion im öffentlichen Raum zu unserem 25-jährigen Jubiläum haben wir BISSler einen fantastischen Sommer erlebt, der noch sehr lange nachwirken wird. Der Wittelsbacherplatz mit der Skulptur des britischen Künstlerkollektivs Studio Morison „I will be with you, whatever“ war vom 30. Juni bis 13. Oktober der Ort, an dem sich Tausende von Münchnerinnen und Münchnern begegnet sind, um miteinander zu diskutieren, zu singen, zu lachen und ein Zeichen zu setzen für eine solidarische und friedliche Stadtgesellschaft. Mit dem Rückblick in dieser Ausgabe (Seiten 18 bis 24) möchten wir uns und unsere Leser an die heißen Sommertage und die vielen leuchtenden Abende auf dem Platz erinnern. Das lässt sogar einen dunklen Novembertag noch funkeln.

Herzlichst

 

 

 

Karin Lohr, Geschäftsführerin

PS: Leider gibt es kein Foto von Helmut, dem Fahrradfahrer, der bei einem unserer Offenen Singen höchst eindrucksvoll das Lied „Mercedes Benz“ von Janis Joplin gesungen hat.