BISS-Ausgabe März 2017 | Wechselhaft

Cover des BISS-Magazins März 2017

Thema | Vielfalt! Vom Leben mit wechselnden Stimmungen und dem Wandel des Geschlechts | 6 Leben als Achterbahn: Wie man mit einer bipolaren Störung zurechtkommt | 10 Transgender: Der lange Weg zum richtigen Körper | 16 Arm und Reich: Wir sprechen mit Studenten, Angestellten und Millionären über Geld | 22 Gegen Ausgrenzung: Die Journalistin und Autorin Carolin Emcke im Gespräch |  Schreibwerkstatt | 5 Käufer und Verkäufer | 24 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 26 Patenuhren | 27 Freunde und Gönner | 30 Impressum, Mein Projekt | 31 Adressen

 

 

 

 
 

Leben in Extremen

Das Leben ist eine Achterbahn? Für Menschen mit bipolarer Störung ist das keine hohle Phrase, sondern harte Realität. Sie leiden unter dem unkontrollierbaren Wechsel zwischen den Hochgefühlen in der Manie und tiefer Traurigkeit in der Depression. Es hilft, wenn die schwere Krankheit früh erkannt wird. Doch das ist oft nicht möglich


Von  ELISA HOLZ

Foto  MAGDALENA JOOSS

Im Leben von Armin K. ist jeder Tag gleich. Spät aufstehen, frühstücken, die Zeitung lesen, eine Stunde spazieren gehen. Den Rest der Zeit schaut er fern oder surft im Internet. Gegen zwei Uhr morgens geht er zu Bett. Sein Schlaf ist ihm heilig. Aufregung, Stress oder große Gefühle versucht er, so gut es geht, zu vermeiden. „Eine unglückliche Liebe zum Beispiel wäre für mich sehr gefährlich“, sagt er. Armin K. lebt das Leben eines greisen Mannes. Dabei ist er gerade einmal 50 Jahre alt. Ein großer, kräftiger Mann mit einem jungenhaften Lachen, der viel von der Welt gesehen hat und ganz offen über sich, sein Leben und seine Krankheit spricht. „Einen gesunden Menschen würde mein Leben wahrscheinlich depressiv machen“, meint er. Ihm hingegen hilft das reizarme Leben, seine Mitte zu halten, denn Armin K. leidet, seitdem er 13 Jahre alt ist, an der sogenannten bipolaren Störung. Die bipolare Störung oder manisch­depressive Erkrankung – wie sie früher noch hieß – ist keine Seltenheit. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu drei Prozent der Bevölkerung von dieser schweren Krankheit betroffen sind, Frauen und Männer gleichermaßen. Damit leiden deutschlandweit mehr Menschen an der bipolaren Störung als an Diabetes mellitus. Die Krankheit verursacht sehr viel Leid. Im Spannungsfeld von himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt entstehen Einsamkeit, Drogensucht und Alkoholismus. Familien zerbrechen, Karrieren scheitern. Bipolare Patienten versuchen sich im Vergleich zu anderen Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen häufiger das Leben zu nehmen. Die besonders hohe Suizidrate ist Ausdruck der zerstörerischen Kraft der Krankheit, deren Wesensmerkmal der Wechsel zwischen den extremen Gefühlslagen der Manie und der Depression ist.

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BISS-Ausgabe Februar 2017 | Spieltrieb

Cover des BISS-Magazins Februar 2017

Cover des BISS-Magazins Februar 2017

Thema | Spielen und verspielen! Die einen spielen sich um Haus und Hof, andere spielen Lebensgeschichten, und für echte Fans ist der Spielverein wie eine zweite Familie | 6 Glücksspielsucht: Wenn der Spaß am Spiel in den finanziellen Ruin führt| 12 Fußballfan: Wenn der Verein zum  Lebensinhalt wird | 18 Brigitte Hobmeier Im Gespräch über den Film  „Ein Teil von uns“ | 22 Déjà-vu durch Donald Trump: Erfahrungen mit  Republikanern in Chicago |  Schreibwerkstatt | 5 Käufer und Verkäufer | 24 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 26 Patenuhren | 27 Freunde und Gönner | 30 Impressum, Mein Projekt| 31 Adressen

 

 

 

 

Glücksspielsucht – Zocken ohne Ende

Ab und an Lotto spielen, ein Rubbellos kaufen oder auf ein Pferd setzen, nur so zum Spaß – das ist kein Problem. Aber allein in Bayern sind rund 34.000 Menschen süchtig nach Glücksspielen und zocken Tag und Nacht

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Foto TOBY BINDER
Text  CLAUDIA STEINER

Hektisch blinkende Zahlen, flackernde Lichter, immer schneller werdende Klingeltöne, die einen glauben lassen, man hätte den Jackpot geknackt – selbst wenn nur ein paar Euro­Münzen in den Ausgabeschacht fallen. Geldspielautomaten sind bei Spielsüchtigen besonders beliebt. „In meinen schlimmsten Zeiten habe ich mein Monatsgehalt als Speditionskaufmann in eineinhalb Stunden verspielt“, erzählt Murat* aus München. Spiele an Geldspielautomaten sind schnell, die Geräte sind in der ganzen Stadt zu finden, der Einsatz ist variabel, und durch Fast­Gewinne wird dem Spieler vermittelt, er habe den Gewinn nur ganz knapp verpasst. Der 37 Jahre alte Murat hat jahrelang an den bunten Automaten gehangen wie ein Heroinsüchtiger an der Nadel. Er zockte bis zu zwölf Stunden am Tag, immer in der Hoffnung auf den nächsten Kick, den großen Gewinn: „Wenn ich wusste, heute kommt das Gehalt, war ich richtig aufgeregt, ich hatte ein Kribbeln im Bauch. In der Spielothek ist man mit sich und dem Spiel allein – das ist wie so ein Bündnis.“
Nach Angaben der Landesstelle für Glücksspielsucht in Bayern gibt es im Freistaat rund 34.000 pathologische Spieler, also Spielabhängige, und noch einmal 33.000 Menschen, deren Spielverhalten problematisch ist. „Grundsätzlich kann jeder von Glücksspielsucht betroffen sein, das geht vom Hartz­IV-Empfänger bis zum Manager, aber junge Männer und Personen, die vom Bildungssystem nicht erreicht wurden, sind besonders gefährdet“, so der Geschäftsführer der Landesstelle, Konrad Landgraf. Es (ver)locken nicht nur Geldspielautomaten in Spielhallen und Eckkneipen, sondern auch staatliche Casinos, wo außerdem Roulette und Blackjack geboten werden, Lotto und Toto, Pferderennen, Sportwetten, Online­Poker und mobile Glücksspiele fürs Handy.

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