BISS-Ausgabe Februar 2018 | Aussortiert?

Cover des BISS-Magazins Februar 2018

Thema | Aussortiert oder integriert? Eine Behinderung, schwere Erkrankung oder Arbeitslosigkeit können dazu führen, dass eine Teilhabe an unserer Gesellschaft schwierig wird. Es kann aber auch anders gehen | 6 Toiletten für alle: Das Grundrecht auf ein stilles, sauberes Örtchen | 10 Spätes Outing Homosexuelle Väter und Mütter | 14 Leben mit MS: Daniel Wildt erzählt von seinem Leben mit der Krankheit | Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 24 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 26 Patenuhren | 27 Freunde und Gönner | 30 Impressum, Mein Projekt | 31 Adressen

 

 

 

Aussortiert?

In München sortieren und recyclen soziale Betriebe wie Anderwerk Elektroschrott. Das Programm bietet 180 Langzeitarbeitslosen Beschäftigung und trägt zur Müllvermeidung bei. 2019 könnte das Projekt eingestellt werden, die Beschäftigten würden ihren  Arbeitsplatz verlieren –  eine Folge komplizierter Verkettungen im Müllgeschäft

Text LINUS FREYMARK
Foto TANJA KERNWEISS

Wenn die Container kommen, weiß Peter Kaufmann genau, was zu tun ist. Gemeinsam mit seinen Kollegen entlädt er die orangen Behälter, die direkt von den Wertstoffhöfen in und um München angeliefert werden, und bringt den gelieferten Elektroschrott in die große Halle. Dort wird zunächst sortiert: Flachbildschirme hierhin, Röhrenfernseher dorthin. An allen Geräten werden die Kabel abgezwickt, anschließend werden sie in ihre Einzelteile zerlegt. Es ist eine aufwendige Arbeit. Sieben Container schaffen Kaufmann und seine 35 Kollegen pro Woche. Sieben Container, das sind zwischen 30 und 40 Tonnen Elektroschrott, die jede Woche in Feldkirchen aufbereitet werden. Kaufmann ist seit zehn Jahren bei der Lernstatt Recycling. Der Betrieb bietet Beschäftigungsmaß nahmen für Langzeitarbeitslose, die zwar vergütet werden, in erster Linie jedoch dabei helfen sollen, den Alltag zu strukturieren und die durch die Arbeitslosigkeit hervorgerufene Perspektivlosigkeit zu lindern. 1,50 Euro erhält Kaufmann pro Stunde; bei einer Arbeitswoche von 30 Stunden macht das 45 Euro pro Woche, etwa 180 Euro im Monat. Für Kaufmann, der Arbeitslosengeld II bezieht, ist diese sogenannte Mehraufwandsentschädigung eine wichtige finanzielle Entlastung. Träger der Lernstatt Recycling in Feldkirchen ist die Anderwerk GmbH, eine Tochtereinrichtung der AWO München. Mitte der 80er-Jahre gegründet, bildet der soziale Betrieb benachteiligte Jugendliche, Menschen mit Behinderung und Langzeitarbeitslose aus und weiter, bietet Deutschkurse für Flüchtlinge an und beschäftigt Menschen, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur geringe Chancen auf einen Job haben. Der Betrieb hat sich auf die Entsorgung von Elektroaltgeräten spezialisiert, sprich Fernseher und Computer. „Hierbei sind wir Dienstleister für ein kommerzielles Entsorgungsunternehmen“, erklärt Uwe Schürch, der Betriebsleiter in Feldkirchen. Anderwerk schließt seine Verträge also nicht direkt mit dem städtischen Abfallwirtschaftsbetrieb, kurz AWM, ab. Vielmehr profitiert der Betrieb von einer Nische der komplizierten Entsorgungsbranche, die durch eine Kooperation des AWM mit privaten Entsorgern entsteht. Der AWM schreibt den Entsorgungsauftrag für Elektroschrott in regelmäßigen Abständen öffentlich aus. Darauf bewerben sich kommerzielle Entsorgungsunternehmen, die, erhalten sie den Zuschlag, vertraglich zu einer Zusammenarbeit mit den vier im Recyclingbereich aktiven Sozialbetrieben verpflichtet sind.

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BISS-Ausgabe Januar 2018 | Kind & Campus

Cover des BISS-Magazins Januar 2018

Thema | Geld und Glück: Wer Geld hat, hat’s leichter. Geld macht nicht glücklich, aber beim Studium mit Kind, beim Arzt oder nach einer Krise erleichtert es vieles | 6 Studieren mit Kind: Eltern erzählen von ihren Erfahrungen | 12 Arm und krank: Wenn Gesundheit zum Luxusgut wird | 16 Nach dem Schlaganfall Christine Müller von Mutabor im Interview | 18 Essen ist Heimat: Pooks Pad Thai und Frühlingsrollen | 21 Nachruf: Altabt Odilo Hans Helmut Lechner OSB | 22 BISS-Stiftung: 5 Wohnungen, 2 Geschichten| Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 26 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 29 Freunde und Gönner | 28 Patenuhren | 30 Impressum, Mein Projekt | 31 Adressen

 

 

Stiftung BISS

Ende 2016 wurde die erste BISS-WG in München Solln gegründet. Drei BISS-Verkäufer kamen in dieser Übergangswohnung unter und sollten möglichst innerhalb eines Jahres eine feste Wohnung finden. Außerdem wollte die Stiftung weitere kleine Wohnungen kaufen zur Vermietung an bedürftige Personen. Wie ist der Stand nach einem Jahr?

Hildegard Denninger (l.), Sanda Boca, die Waschmaschine und Hündchen Cora

Vor einem Jahr haben wir an dieser Stelle unser neues Projekt vorgestellt, die BISS-WG:
In Zusammenarbeit mit dem Verein BISS e. V. möchte die Stiftung einige Übergangswohnungen schaffen, deren Verträge zunächst auf ein Jahr be fristet sind. Die Wohnungen sollen Brücken schlagen von Obdachlosigkeit oder prekären Wohnverhältnissen hin zur eigenen Mietwohnung. Die Nutzer der Wohnungen werden von Sozialpädagogen und ehrenamtlichen Helfern betreut, es wird eine Art „Wohntraining“ gemacht, das auch Strategien zur Bewältigung des Alltags vermitteln soll. Das geht vom Benutzen der Geräte, Putzen, Vorratshaltung bis hin zur Anmeldung bei Behörden und Abwicklung der Bankgeschäfte.

DIE WOHNUNG IN SOLLN
Diese Wohnung, die die Stiftung 2016 von einer dem Projekt BISS gewogenen Person erwerben und umbauen konnte, war unser Pilotprojekt. Seit Ende 2016 wohnen drei BISS-Verkäufer dort und haben sich in dem Haus gut eingelebt. Es gab am Anfang ein paar kleinere Schwierigkeiten mit den Nachbarn, die aber ausgeräumt werden konnten, indem der Standort eines Fernsehers verlegt wurde und unsere Verkäufer die Zigarettenkippen nicht mehr über die Balkonbrüstung auf den Rasen schnippten, sondern im Aschenbecher ausdrückten und korrekt entsorgten. Nachdem wir ihnen nachgewiesen hatten, dass es 250 Kippen waren, die auf dem Rasen lagen, und nicht, wie von ihnen vermutet, 10 bis 20, war das gar kein Problem mehr.

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