BISS-Ausgabe Juni 2017 | Wahl

Cover des BISS-Magazins Juni 2017

Thema | Wir haben die Wahl: Wählen heißt Verantwortung übernehmen – für das eigene Leben, die Demokratie und die Zukunft aller | 6 Absturz auf Raten: Von der Schuldenspirale und der Entscheidung,  wieder herauszukommen | 10 Frustrierte Ehrenamtliche: Angesichts vermehrter Abschiebungen sind Flüchtlinge und Helferkreise verzweifelt und wütend | 14 Demokratie ist ein Gefühl Drei Menschen aus Afrika beschreiben, was freie Wahlen für sie bedeuten  | 20 Auf Kosten anderer: Soziologieprofessor Stephan Lessenich im Gespräch | 22 Essen ist Heimat: Fahimas „Mantus“ gegen das Heimweh | Schreibwerkstatt | 5 Käufer und Verkäufer | 26 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 28 Freunde und Gönner | 29 Patenuhren | 30 Impressum, Mein Projekt | 31 Adressen

 

 

Helfer in Not

Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre die Flüchtlingswelle nicht zu bewältigen gewesen. Die Stimmung in Deutschland hat sich geändert – und so werden fragwürdige politische Entscheidungen getroffen, die Helfer und Geflüchtete verzweifeln lassen

Text BERNHARD HIERGEIST

Foto FRITZ BECK

In Deutschland ankommen ist schwierig, darum hat sich Hamid* immer an seine „deutschen Eltern“ gehalten. Aber eines Tages sagte der 22 Jahre alte Afghane zu Tatjana Escher*: „Mama, jetzt habe ich alles gemacht, was du gesagt hast – und es geht wieder nicht weiter.“ Monatelang hatte er Bewerbungen geschrieben, Praktika gemacht, Deutsch gelernt. Hat kein Geld verdient wie andere Afghanen, sondern versucht eine Ausbildung zu machen. Und jetzt soll er zurück nach Afghanistan – wie soll das werden, ganz ohne Geld? Tatjana Escher erzählt, wie sie damals zu Hamid sagte: „Du hast recht.“ Ihr Mann und sie hätten immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, sagt sie. „Was haben wir für einen Aufwand betrieben.“ Im Herbst 2015 kam Hamid in München an. Knapp ein Jahr später nahmen das Ehepaar und seine Kinder Hamid bei sich zu Hause auf in ihrem Häuschen mit Garten in einem Münchner Vorort. Haben mit ihm gegessen, haben ferngesehen, haben natürlich auch gestritten. Bald fragte er, ob er sie Mama und Papa nennen darf. Tatjana Escher hat Hamid immer gesagt: Das wird schon, warte nur. Aber so einfach ist es nicht. „Immer werden uns neue Knüppel zwischen die Beine geschmissen.“ Und wenn es nach dem Brief geht, der Mitte März in einem großen Umschlag ankam, soll der afghanische Sohn nun aus diesem Umfeld rausgerissen werden. „Ich habe keine Ahnung, wie die Kinder das verkraften werden“, sagt Escher, „im Moment verdrängen wir das einfach.“

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BISS-Ausgabe Mai 2017 | Die Welt erkunden

Cover des BISS-Magazins Mai 2017

Thema | Hell und dunkel: Für die einen strahlt im der Mai alles, andere sehen den Frühling nur noch schemenhaft. Und die Kinder gestalten sich die Welt selbst bunt – wenn man sie lässt | 6 Ja, ich will: Hochzeitsplaner erzählen aus ihrem Arbeitsalltag mit unterschiedlichen Kulturen | 10 Kunst für Kinder: Wie vor allem sozial benachteiligte Kinder mit Kunst kreativ und selbstbewusst werden | 18 Langsam blind werden:  BISS-Verkäufer Hans Pütz beschreibt, wie er seinen Alltag mit immer weniger Augenlicht meistert | 22 Big Issue South Africa: Über die Bildungsmisere in Südafrika | 24 Bedingte Hilfe: Warum Spender und Bespendete oft nicht dasselbe wollen | Schreibwerkstatt | 5 Käufer und Verkäufer | 26 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 29 Patenuhren | 28 Freunde und Gönner | 30 Impressum, Mein Projekt | 31 Adressen

 

 

 

Ja, ich will

Auf den Münchner Standesämtern hieß es im vergangenen Jahr 4922-mal „Ja, ich will“. Bei mehr als 1500 Paaren hatte einer oder hatten beide Partner ausländische Wurzeln. Wir haben uns umgehört, wie in München geheiratet wird und wohin es Münchner zieht, wenn sie es etwas ungewöhnlicher möchten

Text CHRISTOPH GURK

Ja, i wui! HUBERT „ERDÄPFE
KRAUT“ MITTERMEIER 50, Hochzeitslader, www.erdaepfekraut.de
Vor 120 Jahren war es in Bayern auf dem Land noch nicht so wichtig, dass alle Lesen und Schreiben können. Darum gab es den Hochzeitslader, er ist mit einem mit Bändern geschmückten Stab von Hof zu Hof gegangen und hat einen „Ladspruch“ aufgesagt: „Als Hochzeitslader wohlbekannt, bin ich vom Brautpaar ausgesandt …“ und so weiter. In dem Spruch kamen die Namen des zukünftigen Ehepaars vor, die Namen der eingeladenen Gäste und wann und wo geheiratet wird. Am Ende hat der Brautlader dann mit Kreide einen Brautstrauß an die Tür gemalt und noch mal die wichtigen Daten daruntergeschrieben, dann gab es einen Schnaps, und weiter ging’s zum nächsten Hof. Ich habe vor mehr als 30 Jahren angefangen, als Hochzeitslader und Gstanzlsänger zu arbeiten, erst nebenher, bald ist dann aber ein richtiger Beruf daraus geworden. Damals war das Einladen schon Nebensache, es ging eher um das Organisatorische und die Gstanzln. Denn das sind die anderen Aufgaben des Hochzeitsladers: Während des Festes regelt er den Ablauf, er sorgt dafür, dass die Gäste rechtzeitig zur Kirche kommen, er schaut, dass das Brautpaar fotografiert wird, er regelt, wann es die Torte gibt und wann das „Schenken“ stattfindet. Dabei wird immer ein Gast oder eine Gruppe von Gästen von den Musikanten nach vorne gespielt, dann übergeben sie den Eheleuten ein Geschenk, und der Hochzeitslader singt Gstanzl, Vierzeiler also, die auf die Gäste zugeschnitten sind. Früher gab es von ihnen immer ein Trinkgeld für den Hochzeitslader, je nachdem wie hoch das ausfiel, hat er die Gäste beim Schenken gelobt oder sich über sie lustig gemacht.

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