BISS-Ausgabe September 2017 | Verpasste Chancen

Cover des BISS-Magazins September 2017

Thema | Eine bessere Zukunft: über genutzte und vertane Möglichkeiten der Integration | 6 Wörthschule: Von der Mittelschule in eine gute Zukunft | 12 Enttäuschte Unternehmer: Viele Arbeitgeber hätten Flüchtlinge gern weiter beschäftigt | 16 Zwangsprostitution: Wie Frauen aus Nigeria zu Sexsklavinnen gemacht werden | 20 Gehörlos zum Triathlon: Im Wasser, auf dem Rad, beim Laufen – Sport verbindet | 24 Neues zum Hotel BISS: Warum das ehemalige Frauengefängnis Am Neudeck seit acht Jahren leer steht | Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 22 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 28 Freunde und Gönner | 27 Patenuhren | 30 Impressum, Mein Projekt | 31 Adressen

 

 

 

Acht Jahre Leerstand

Unser Modell: Ausbildungs- und Arbeitsplätze im Hotel BISS, dazu seniorengerechte Wohnungen

Die Münchner Straßenzeitung BISS plante einst, das ehemalige Frauengefängnis Am Neudeck 10 zu erwerben und darin Hotel BISS als Sozialunternehmen zu gründen. Nachdem 2011 nicht BISS, sondern ein kommerzieller Immobilieninvestor den Zuschlag erhielt, steht das Gebäude bis heute leer. Demnächst starten unter einem anderen Eigentümer die Renovierungsarbeiten. Was ist das für ein Bauprojekt, das nun geplant wird? Wie kam die Entscheidung gegen Hotel BISS damals zustande? Und was ist mit dem Anwesen Am Neudeck 10 seitdem passiert? Eine Spurensuche.

Foto MARGIT ROTH
Text LINUS FREYMARK

Idyllisch ist es Am Neudeck 10. Der Auer Mühlbach plätschert gemächlich vorbei, vom Großstadtlärm kriegt man in der Au sowieso nicht viel mit, hier jedoch ist es extrem ruhig. Es ist eine Wohnlage, um die man sich in München reißt, gerade hier, im Herzen der bayerischen Landeshauptstadt, ist Wohnraum Luxusware. Trotzdem ist an diesem Julisonntag kein Fenster geöffnet, kein Fahrrad parkt vor dem dunklen, wenig einladenden Eingangstor: Das Gebäude steht seit mehr als acht Jahren leer. Die Geschichte des Grundstücks Am Neudeck 10 ist eine Geschichte voller falscher Entscheidungen, Missverständnisse und politischer Verirrungen. Und wie so oft, wenn etwas schiefläuft, möchte niemand dafür verantwortlich sein. Deshalb ist es eine Geschichte, die schwer nachvollziehbar ist, in der immer wieder Lücken auftauchen, die sich auch nach sorgfältiger Recherche nicht schließen lassen. Und trotzdem ist es eine Geschichte, die viel über die Gegensätze in unserer Welt erzählt. Es ist eine Geschichte, in der die Politik gesellschaftliches Engagement und Idealismus dem Verwertungsinteresse von Lobbyisten unterordnet.

AUSBILDUNGSPLÄTZE FÜR 40 JUGENDLICHE – DAS WAR DER PLAN

Die Geschichte beginnt mit einer Idee: Bereits 2001, lange vor dem Umzug des damaligen Frauengefängnisses, das bis 2009 Am Neudeck beheimatet war, plant BISS die Gründung eines erstklassigen Hotels, in dem benachteiligte Jugendliche die Chance auf einen Ausbildungsplatz bekommen sollen. Prominente Unterstützer wie der damalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein, Sportfreunde Stiller, Uschi Glas oder Uli Hoeneß setzen sich für das Hotelprojekt ein, das in dem ehemaligen Gefängnis Am Neudeck 10 realisiert werden soll. Das Areal scheint wie geschaffen für das Projekt: Ruhig, aber zentral gelegen, würde es Platz für über 100 Hotelgäste bieten, hinzu kämen altengerechte Wohnungen und die rund 40 Ausbildungsplätze. Zudem befindet sich das Anwesen in staatlicher Hand, ein Entgegenkommen der Staatsregierung, etwa durch den Verkauf des Anwesens zu einem von unabhängigen Gutachtern festgestellten Preis, scheint zunächst möglich. Alles läuft bestens, denn die Bayerische Landesstiftung sagt zu, Hotel BISS mit 2,5 Millionen Euro zu fördern, die Landeshauptstadt München ist mit 500.000 Euro dabei, und darüber hinaus spenden begeisterte Unterstützer, nicht nur aus München, 1,5 Millionen Euro. Im Jahr 2008 wechselt der Ministerpräsident: Auf Günther Beckstein folgt Horst Seehofer.

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BISS-Ausgabe Juli-August 2017 | Fernab – Daheim

Cover des BISS-Magazins Juli-August 2017

Thema: Fernab – Daheim: Kinder besuchen Verwandte in der Ferne, Senior Experten teilen ihr Wissen, Amtschefs gestalten München | 6 Senior Experten unterwegs: Im Ausland Gutes tun im Ruhestand | 10 Urlaub bei der Familie: Junge Menschen erzählen von den Ferien bei fernen Verwandten | 14 Interview: Dorothee Schiwy,  Rudolf Stummvoll und Sabine Schultheiß über Armut, Wohnungsnot und die soziale Schere in München | 22 Radltour mit Heinrich Bedford-Strohm: Der Landesbischof besucht unsere Verkäufer | Schreibwerkstatt | 5 Käufer und Verkäufer | 26 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 28 Freunde und Gönner | 29 Patenuhren | 30 Impressum, Mein Projekt | 31 Adressen

 

 

 

Unterwegs mit Bischof Bedford-Strohm

Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland besucht Münchner BISS-Verkäufer an ihren Standplätzen. Sie haben ihm persönlich ihre Wünsche mit auf den Weg gegeben.

Fotos & Text MARGIT ROTH

START

1 ) METZSTRASSE 

Die Fahrradtour startet in der Redaktion in der Metzstraße. Geschäftsführerin Karin Lohr zeigt dem Bischof die Büroräume und nutzt die Gelegenheit, dem Bischof die Festanstellungen für Zeitungsverkäufer vorzustellen. BISS-Sozialarbeiter und Vertriebsleiter Johannes Denninger radelt mit dem Bischof zu den Standplätzen der Verkäufer. Bevor es losgeht, spricht Herr Bedford-Strohm ein kurzes Gebet für den verstorbenen Herrn Silvestri. Dann setzt er seinen Fahrradhelm auf und schwingt sich aufs Fahrrad.

2) SENDLINGER TOR

Herr Uzuns Arbeitsplatz ist durch den Umbau am U-Bahnhof eine große Baustelle. Schön wäre es, so Herr Uzun, wenn sich Herr Bedford-Strohm dafür einsetzen würde, dass auch in der Innenstadt Moscheen geöffnet bleiben. Als gläubiger Mensch müsse der Bischof wissen, wie wichtig ein Ort für das gemeinsame Gebet sei.

3) MARIENPLATZ

Edelfried Fili vom Marienplatz

Am Marienplatz treffen wir Herrn Adamec und Herrn Fili. Herr Adamec steht an einer Säule vor dem Eingang zum Kaufhof. Von jeder Art von Ismen hält er wenig. Herr Adamec ist der Überzeugung, dass jeder für sich selbst Verantwortung übernehmen muss. Und Herr Fili? Er würde sich wünschen, dass die Religionsführer die Gemeinsamkeiten suchen, anstatt die Unterschiede herauszustellen. Denn so gebe es nur Krieg, wie die Geschichte zeige.

4) STACHUS

Am Stachus Gespräch mit Ernst Köppel

Am Stachus arbeiten Herr Schuchardt und Herr Köppel. Schuchardts Frau stammt aus Wittenberg, dem Geburtsort des Protestantismus. Der Bischof hat Ausstrahlung, findet er, so wie er selbst auch. Herr Köppel, mit Leib und Seele 60iger, merkt noch an, dass die Kirche, wenn sie wirklich etwas Soziales tun möchte, den 60igern eine neue Heimat bauen sollte.

 

5) HAUPTBAHNHOF

Frau Milenkovic ist nur eines wichtig: dass sie und ihr behinderter Sohn einen guten Platz haben. Herrn Güldner mit seiner Leuchtjacke kann man kaum über sehen. Handeln statt reden, so wie es in St. Bonifaz getan wird, das ist für ihn christliche Nächstenliebe.

 

6) ST. BONIFAZ

Bei St. Bonifaz wird nicht verkauft, dafür können die Verkäufer die BISS dort abholen. Bevor wir uns alle  wieder auf  die Räder schwingen, schaut der frühere Abt von St. Bonifaz, Odilo Lechner, kurz vorbei, begrüßt uns und den Bischof und winkt zum Abschied.

ZIEL