Was uns verbindet

In der BISS-Kolumne kommen Menschen zu Wort, die eine persönliche Erfahrung oder ihr Interesse an einem Thema oder Projekt verbindet. In der Begegnung zeigt sich, dass Menschen trotz unterschiedlicher Lebenslagen, Überzeugungen und Persönlichkeiten immer auch etwas gemeinsam haben.

Protokoll: Lea Hampel

Die Sprachen

Silviya Karamfilova, BISS-Verkäuferin, und …… Giovanna Runggaldier, Kursleiterin

GIOVANNA RUNGGALDIER: Ich gebe seit fünf Jahren den Sprachkurs bei BISS.
SILVIYA KARAMFILOVA: Ich besuche den Kurs seit eineinhalb Jahren, die BISS verkaufe ich seit zwei Jahren. Wir lernen im Kurs, Sachen zu sagen wie „Hallo, grüß Gott, wie geht’s?“
GR: Der Kurs hier läuft ein wenig anders. Die Verkäufer kommen freiwillig, manche nur einige Male, andere permanent. Wir machen Übungen zu konkreten Situationen, zum Beispiel, wie man ein Paket bei der Post abgibt. Und oft frage ich am Anfang: „Und, was haben die Kunden so gesagt diese Woche?“
SK: Ich rede mit meinen Kunden darüber, wie es ihnen geht. Manche kommen auch zu mir und erzählen eine halbe Stunde lang.
GR: Die meisten Teilnehmer in meinem Kurs kommen aus Bulgarien, Rumänien und Ungarn. Sie lernen Deutsch nicht nur, um die BISS verkaufen zu können und mit Kunden zu sprechen, sondern auch, um Fragen von Behördenmitarbeitern zu verstehen und darauf antworten zu können. Sprache bedeutet Zugehörigkeit – ohne sie ist man in einer Gesellschaft schnell ausgegrenzt.
SK: Ich spreche Bulgarisch, Türkisch, Russisch und Deutsch.
GR: Ich spreche Ladinisch, Italienisch, Deutsch, Englisch, Französisch und habe Türkisch gelernt. Manchmal sage ich was Falsches auf Bulgarisch, dann korrigiert mich Silviya.
SK: Nach dem Unterricht bei Frau Runggaldier finde ich auch nicht mehr, dass Deutsch schwierig ist. Noch ist es beispielsweise im Jobcenter kompliziert, aber es fällt mir leichter, seit ich im Kurs bin. Und ein bisschen Bairisch kann ich auch schon: Wenn ich Kunden das Wechselgeld rausgeben will und die sagen „Basst scho“, versteh ich das.

Was uns verbindet

Protokoll: Christoph Gurk, Illustration: Martin Fengel, Foto: Barbara Donaubauer
In der BISS-Kolumne kommen Menschen zu Wort, die eine persönliche Erfahrung oder ihr Interesse an einem Thema oder Projekt verbindet. In der Begegnung zeigt sich, dass Menschen trotz unterschiedlicher Lebenslagen, Überzeugungen und Persönlichkeiten immer auch etwas gemeinsam haben

FAHRRÄDER – UND DIE LIEBE ZUM ESSEN

PETER CWETKO: Angefangen hat alles mit gemeinsamen Mittagessen.
RALF HELM: Wir arbeiten beide bei Dynamo Fahrradservice, einem sozialen Betrieb mit Fahrradwerkstatt und Fahrradladen, der von der Stadt im Rahmen des Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramms gefördert wird.
PC: Ich zum Beispiel war früher Autohändler, dann wurde ich psychisch krank. Als ich nach acht Monaten Klinik wieder arbeiten wollte, vermittelte mich die Sozialarbeiterin zu Dynamo. Ganz langsam ging es mit mir bergauf, auch dank der Patenschaft, die BISS für mich übernommen hat. Ich habe sogar die Meisterprüfung gemacht, das hat am Anfang niemand für möglich gehalten!
RH: Kurz nach Herrn Cwetko bin auch ich zu Dynamo gekommen. Ich war da schon Zweiradmechaniker, der Job als Betriebsleiter hat mich gereizt.
PC: Wir waren jedenfalls immer gemeinsam Mittag essen, und irgendwann haben wir beschlossen, auch mal nach der Arbeit oder an Feiertagen etwas zu unternehmen.

Ralf Helm, 58, Werkstattleiter bei Dynamo (links), Peter Cwetko, 62, Zweiradmechanikermeister

RH: Wir waren schon zusammen im Museum oder haben eine Flughafentour gemacht …
PC: … und meistens gehen wir dann eben auch noch zusammen essen. Wir mögen beide deftige Gerichte.
RH: Gern bayerische Küche.
PC: Echte Hausmannskost eben, nicht so was wie im „Tantris“ oder Gourmetküche.
RH: Wir waren schon in den unterschiedlichsten Restaurants. Manchmal treffen wir uns aber und kochen auch gemeinsam selbst.