Blut ist dicker als Wasser

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT‘

Von Zuheir Takiyan

Es gab einmal einen Mann im Irak, der hatte zwei Söhne. Als er starb, erbten sie seine Firma. Doch die Brüder waren sich nicht einig, was sie mit ihr machen wollten. Der große Bruder wollte sie übernehmen und weiterführen, der kleine Bruder wollte lieber viel Geld haben, statt zu arbeiten. Und so kaufte der Ältere die Firma dem Jüngeren schließlich ab. Der kleinere Bruder war nun auf einmal sehr reich, er gab all sein Geld einem Börsenmakler. Am Anfang lief alles gut für ihn, die Kurse seiner Aktien stiegen und er machte gute Gewinne. Er kaufte sich daraufhin Autos und Uhren und Schmuck und Kleider für seine Frau, sie reisten durch die Welt und genossen das Leben, doch dann brach die Börse ein, alles Geld war weg. Es kam immer öfter zu Streit zwischen dem kleinen Bruder und seiner Frau, am Ende trennten sie sich. Bei der Scheidung verlor er die gemeinsame Wohnung und so landete er am Schluss auf der Straße, wie ein Bettler. Und so ging er eines Tages zu seinem großen Bruder. Dieser war immer noch Chef der einstigen Firma des Vaters, er hatte sie modernisiert, neue Maschinen gekauft, das Geschäft lief gut, er hatte viel Geld verdient und sogar eine zweite Firma gegründet. Der kleine Bruder sah all das und sagte: „Bruder, hilf mir, ich habe alles Geld verloren, gib mir neues.“ Aber der große Bruder dachte, dass es ein Fehler wäre, seinem kleinen Bruder Geld zu geben, schließlich würde dieser es doch wieder nur für Luxus ausgeben. Also sagte er: „Ich kann dir nicht helfen, du hast dein Erbe schon bekommen. Mein Geld brauche ich für mich und meine Familie.“ Doch als der kleine Bruder gegangen war, hatte der große Bruder ein schlechtes Gewissen: Würde er ihm Geld schenken, wäre es so schnell weg wie das Erbe. Würde er ihm nicht helfen, würde sein Bruder verhungern. Am Ende ging er zu einem seiner Angestellten und sagte: „Geh in den Park, dort sitzt mein kleiner Bruder. Sprich ihn an und frage ihn, warum er traurig ist. Dann sollst du ihm eine Arbeit geben in meiner zweiten Firma, aber sage ihm nicht, dass diese auch mir gehört.“ So geschah es. Der kleine Bruder war nun auch wirklich fleißig, er arbeitete hart in der Firma und hatte bald Erfolg. Er fand eine neue Frau und lebte glücklich. Doch dann gab es ein großes Treffen, alle saßen zusammen, die Firmen sollten zusammengelegt werden und ein neuer Chef gewählt werden. Da sah der kleine Bruder, dass die Firma, in der er arbeitete, auch seinem großen Bruder gehörte. Sie hatten sich seit ihrem letzten Treffen nicht gesehen, der kleine Bruder hatte dem großen nie verziehen, dass dieser ihm damals nicht geholfen hatte. Also stimmte er bei der Wahl gegen ihn. Doch da erklärte ihm der große Bruder, dass er es war, der seinem Angestellten damals gesagt hatte, er solle den kleinen Bruder einstellen. „Ich wollte, dass du dir deinen Reichtum selbst erarbeitest“, sagte der große Bruder. „Denn nun bist du reich, aber du hast dir alles selbst verdient und wirst dein Geld nicht mehr einfach vergeuden.“ Und so war am Ende aller Streit vergessen und die beiden Brüder führten die Firmen gemeinsam bis zu ihrem Tod. 

Unser Baby…

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Ercan Uzun

… heißt „Papa“ und ist ein Graupapagei. Vögel dieser Art können bis zu 60 Jahre alt werden. Vergangenen Herbst fuhren wir nach Niederbayern zu einem Züchter und erfüllten uns einen lang gehegten Wunsch. Als wir Papa kauften, war er ein halbes Jahr alt. Wir mussten ihn erst mal zähmen, zwei Wochen war er darum bei uns zu Hause in seiner Voliere eingesperrt. Nach und nach hat meine Frau ihn dann herausgelassen. Das Sprechen hat er schnell gelernt, dafür sind Graupapageien ja auch berühmt. Seine ersten Worte waren „Papa“, „Trabzonspor“ (der Name meines türkischen Fußballvereins) und „Aşkım“, was so viel wie Liebling auf Deutsch bedeutet. Demnächst möchte ich ihm „58, 59, Sechzig“ beibringen, damit er auch hier meinen Verein, den TSV 1860 München, anfeuern kann. Leider hat Papa nicht nur für Freude gesorgt, als er zum Beispiel am Hausmobiliar knabberte. Am meisten haben sich meine Frau und meine Tochter um ihn gekümmert. Meinen ältesten Sohn nervt dagegen sein Pfeifen und Geplapper. Er hätte lieber einen Vierbeiner als Haustier gehabt. Aber ein Hund darf nach unseren religiösen Gepflogenheiten nicht in der Wohnung gehalten werden. Es dauerte lange, bis Papa zutraulich wurde. Dann aber kam er zum Erstaunen aller Familienmitglieder entweder zu mir oder zu meinem zweitältesten Sohn. Immer wenn ich vom Verkauf nach Hause komme, fliegt Papa auf mich zu. Warum er am meisten meine Nähe sucht, ist uns allen ein Rätsel. Auf jeden Fall sind wir froh, mit ihm ein neues Mitglied in der Familie zu haben.
Und wer weiß: Vielleicht stehe ich irgendwann mit ihm auf der Schulter am Sendlinger Tor und verkaufe die BISS? Noch haben wir aber zu viel Angst davor, dass Papa uns wegfliegt.

Hochzeitsreise, Teil 2

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Dirk Schuchardt

Beim zweiten Teil unserer Hochzeitsreise in Wien hatten wir Pech mit dem Wetter. So besuchten wir erst das Möbelmuseum und dann das Uhren- und Feuerwehrmuseum. Besonders Letzteres war für unsere Kinder ein besonderes Highlight. Sie konnten sehen, wie die Menschen in der Vergangenheit Feuer gelöscht und Leben gerettet haben. Am Wiener Rathaus besuchten wir den Weihnachtsmarkt, der, anders als in München, bis zum ersten Januar in Betrieb bleibt. Diesen Markt besuchten wir auch am Silvestermorgen. Von dort aus folgten wir der sogenannten Silvestermeile durch die Innenstadt. Alle paar Meter waren Bühnen aufgebaut, dazwischen Getränke- und Imbissstände. Die zu einer Spirale geschnittene und frittierte Kartoffel ist eine Spezialität und schmeckt wie Chips. Als wir an einer Boutique für Damen vorbeikamen, beschloss ich, meiner Frau, die ja am 09.01. Geburtstag feiern würde, eine neue Handtasche zu kaufen. Meine Frau freute sich riesig. Wir wurden mit Sekt empfangen, es war ja Silvester. Nachdem meine Frau sich für eine Handtasche entschieden hatte, machten wir uns so gegen 13 Uhr auf den Weg zurück zu unserem Hostel. Man hatte uns nämlich empfohlen, spätestens am Nachmittag nach Hause zu gehen, da die Silvestermeile völlig überfüllt sein würde. Womit die Tippgeber Recht behalten sollten. Der Heimweg wurde wegen der Menge an Menschen sehr schwierig. Wir ließen den Tag dann ruhig mit unseren Kindern ausklingen. Am nächsten Tag fuhren wir zurück nach München. Damit war die Hochzeitsreise beendet und uns bleiben nur die schönen Erinnerungen daran, und für Sie, meine Leser, eine schöne Geschichte.

Hochzeitsreise, Teil 1

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Dirk Schuchardt

Wie schon in einem früheren Artikel erwähnt, machten wir, meine Frau und ich, unsere Hochzeitsreise nach Wien. Vom 23.12.2018 bis zum 1.1.2019 machten also unsere Kinder, meine Frau und ich die österreichische Hauptstadt unsicher. Morgens gegen sechs Uhr ging es von zu Hause los zum Münchner Hauptbahnhof und von dort fuhren wir per Bahn über Salzburg nach Wien. Gegen 13 Uhr kamen wir in unserem Hostel an. Nach dem Einchecken wollte meine Familie gleich los, die Stadt erkunden. Noch am selben Tag besichtigten wir den Stephansdom. Danach besorgten wir uns einen kleinen, schon fertig geschmückten Weihnachtsbaum mit einer Kerze als Spitze für unser Zimmer. Am 24. kauften meine Frau und ich einige kleinere Weihnachtsgeschenke für unsere Kinder (die größeren hatten wir zu Hause in München gelassen). Gegen Mittag gingen wir in der Nähe unseres Hostels in einem mexikanischen Restaurant zum Essen. Danach, so gegen 15 Uhr, war in unserem Zimmer die Weihnachtsbescherung und die Kinder anschließend mit dem Basteln der Lego-Figuren beschäftigt. Am 25.12. war für meine Frau dann „Sissi“-Tag: Wir besichtigten hintereinander Schloss Schönbrunn, die Wiener Hofburg, die Schatzkammer und das Möbelmuseum. In Letzterem befanden sich neben den „alten“, abgelegten Möbeln der verschiedenen Kaiserepochen auch die Requisiten der „Sissi“-Filme. An jedem Möbelstück, welches in den Filmen vorkam, lief die betreffende Filmszene in einer Endlosschleife auf einem Monitor. Meine Frau, ein absoluter „Sissi“-Fan, schaute jede Szene minutenlang an. Irgendwann sagte mein jüngster Sohn, der eigentlich ein absolutes Mamakind ist, zu mir: „Komm, Papa, wir lassen sie einfach hier und gehen weiter.“ Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen, und meine Frau verabschiedete sich wehmütig von einer ihrer Lieblingsszenen.

Abschied von Maximilian I. und der 25-jährigen BISS

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

VON Wolfgang „Butzi“ Kurz

Am letzten Tag unserer Aktion am Wittelsbacherplatz kam ich morgens um circa 9.30 Uhr an. Wir hatten Verkäufer, Käufer und Freunde der BISS eingeladen zu einem Festessen. Ich hatte Frau Lohr gefragt, ob ich helfen kann, „klar“, sagte sie. Ich bin gerne hilfsbereit. Auch Herr Denninger fuhr gerade mit dem Fahrrad vorbei, wobei er wahrscheinlich eine Kontrolle machte, ob alles sauber ist. Es waren dennoch einige Striche an der Skulptur. Etwas später machte ich mit Frau Lohr, unserer Geschäftsführerin, weiße Tischdecken auf die Tische. Es musste sehr genau sein alles, denn die Decken waren gebügelt. Die gebügelten Streifen mussten genau in der Mitte sein! Mit einem Herrn, dessen Namen ich leider nicht weiß, machte ich Knöpfe unten an die Tischdecken, damit sie nicht nach oben rutschten. Insgesamt waren es etwa 10 bis 15 Tische. Es war an diesem Tag sehr windig. Als wir fertig waren mit dieser Arbeit, kam Frau Lohr und brachte die Tischklammern. Wieder wurden die Knöpfe geöffnet, aber Frau Lohr regelte alles ohne Stress. Auch Frau Denninger wusste es sehr genau, die etwas später kam. Mit einem Essen, es gab Kürbissuppe mit Kürbisöl darauf, begann der Tag, danach wurde gesungen, zum Beispiel „Die Gedanken sind frei“, das stand im BISS-Liederbuch und alle haben temperamentvoll mitgesungen. Es war dann ein schöner Tag mit Sonnenschein.