Käufer & Verkäufer

Marianne Wagner ( links ) ( 58) Lektoratsassistentin aus München

Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man keine Wurzeln hat. Mein Vater war Diplomat, geboren bin ich darum in Osaka, aufgewachsen aber in Mailand, Addis Abeba, New York und Hongkong. Das klingt toll, aber für uns Kinder war es nicht leicht. Alle vier Jahre mussten wir umziehen, neue Freunde suchen, uns neu eingewöhnen. Nach der Schule habe ich dann in New York gearbeitet, für mein Studium bin ich aber nach München gezogen, hier habe ich einen Sohn bekommen, Freunde gefunden und Wurzeln geschlagen. Trotzdem weiß ich immer noch genau, wie es ist, wenn man sich nirgends zu Hause fühlt. Als vor Jahren ein BISS-Verkäufer in einer Kneipe auf mich zukam, habe ich darum sofort ein Heft gekauft. So mache ich das noch heute. Ich mag die Idee hinter BISS und den sozialen Anspruch. Außerdem erfährt man in den Artikeln viel über München. Das finde ich gut, schließlich ist die Stadt ja meine Heimat.

Solomon Vantu ( rechts ) ( 30 ) BISS-Verkäufer am Goetheplatz

Ich bin Straßenzeitungsverkäufer aus Leidenschaft! Mein Deutsch zum Beispiel verdanke ich nur meinen Kunden. Denn eigentlich komme ich aus einem kleinen Dorf in Rumänien, sieben Kilometer waren es bis in die nächste Schule. Nach der 8. Klasse habe ich darum eine Schneiderlehre angefangen. Jobs aber gab es nicht, also ging ich nach Deutschland und wurde Möbelpacker, alles schwarz, irgendwann flog die Firma auf, und ich war meinen Job los. So landete ich in Berlin auf der Straße. Ich musste betteln, dann erzählte mir jemand von einer Straßenzeitung. Ich versuchte es, und die Arbeit machte mir Spaß. Durch einen Zufall kam ich dann nach München, und als ich auf der Straße einen BISS-Verkäufer gesehen habe, hab ich ihn sofort angesprochen. Seitdem verkaufe ich, egal ob es regnet oder die Sonne scheint, denn wie gesagt: Ich bin Verkäufer aus Leidenschaft, und bei BISS sogar mit fester Anstellung!

Foto: Barbara Donaubauer

Protokoll: Christoph Gurk