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„Der Fotograf ist der stumme Zeuge im Krieg“

Michael Kamber arbeitet seit mehr als 25 Jahren als Fotojournalist. Sein Buch beinhaltet
unveröffentlichte Fotos aus dem Irak-Krieg und Interviews mit den Fotografen

KriegsreporterHerr Kamber, Ihr Buch zeigt nie zuvor veröffentlichte Bilder aus dem Irak-Krieg, vor allem aber enthält es auch Interviews mit 39 Fotografen. Viele von ihnen beschreiben grauenvolle Situationen. Wie kamen Sie dazu, dieses Buch zu schreiben?
Ich habe im Irak viel Zeit mit anderen Kriegsfotografen verbracht. Sie erzählten immer außergewöhnliche Geschichten. Irgendwann realisierte ich, dass hier etwas war, das veröffentlicht werden sollte, deshalb zog ich ein Aufnahmegerät heraus und fing an, sie aufzunehmen. Außerdem war ich sehr frustriert über die Zensur – einerseits vom US-Militär, auf der anderen Seite aber auch von der Presse selbst. Viele Zeitungen weigerten sich, Fotos zu veröffentlichen, die die amerikanische Bevölkerung erschüttern könnten. Ich hatte ständig das Gefühl, dass der echte Krieg nicht gezeigt wird. Aber die Menschen müssen wissen, was dort drüben vor sich ging. Viele von uns Fotografen sind beeinflusst vom Vietnam- Krieg, als Fotojournalisten stehen wir in dieser Tradition. Wir wollten darum den Irak-Krieg dokumentieren und so einen
Beitrag zur Geschichtsschreibung leisten. Darum bin ich auch in den Irak gegangen, ich hatte 2003 und 2004 einige schreckliche Erfahrungen, dennoch bin ich freiwillig wieder zurück – nicht weil ich heldenhaft bin, das bin ich nicht. Ich hatte ganz einfach nur eine Kamera, mit der ich Geschichte aufzeichnen konnte.
Das ist eine Chance – und ein Privileg. Wie lief die Berichterstattung?
Am Anfang gab es nur wenige Beschränkungen, aber dann wurden sie im Verlauf des Krieges immer restriktiver, und am Ende des Krieges war es sehr schwierig, überhaupt zu arbeiten. Da wurde der Zutritt zu Krankenhäusern verweigert, man durfte nicht mit Gefangenen sprechen oder verwundeten Amerikanern.
Mehrere Fotojournalisten, mit denen Sie sprachen, wurden mit dem Tode bedroht. Sie und Ihre Kollegen arbeiteten
unter hohem persönlichem Risiko.

Dies waren schreckliche, schreckliche Tage – Tage, an denen man morgens aufwachte und sich fragen musste: „Ist es wert, für eine Reportage getötet zu werden?“ Im Frühjahr und Sommer 2003 war viel Presse im Irak, aber im September waren viele schon wieder abgezogen. Man hatte als Fotograf eine Stadt oder eine ganze Provinz für sich allein. Das war eine große Verantwortung – andererseits auch das, von dem ich immer geträumt hatte: Ich konnte Geschichte dokumentieren.
Ihr Buch befasst sich auch mit der Inkompetenz und Arroganz der US-Politik in Bezug auf den Irak.
Im Rückblick schäme ich mich ein bisschen, aber ich muss ehrlich sein: Ich war ein großer Unterstützer der Invasion. Ich dachte, wir könnten Saddam stürzen und Demokratie einführen. Das war ein großer Irrtum. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass selbst auf höchster Ebene im US-Militär ein Maß an Inkompetenz herrschte, das einem den Atem stocken ließ. Soldaten waren im Einsatz ohne genug Nahrung, ohne ausreichend Unterstützung, mit Ausrüstung, die sie nicht schützte. Die US-Armee rückte in ein Land mit 30 Millionen Einwohnern ein, mit minimaler Gruppenstärke und ohne die benötigten Übersetzer. Vor allem aber hatten wir keinen Plan, was nach dem Kriegsende passieren soll. Das ist einfach verrückt.

Nachrichten aus Griechenland

In Athen wird eine Straßenzeitung gegründet

Viele Griechen haben durch die Krise ihre WoHnung oder ihr Haus verloren. Sie schlafen in Parks wie diese Frau | Foto: Yannis Behrakis/Reuters

Viele Griechen haben durch die Krise ihre WoHnung oder ihr Haus verloren. Sie schlafen in Parks wie diese Frau | Foto: Yannis Behrakis/Reuters

Mit 350 Milliarden Euro steht Griechenland in der Kreide. Als Gegenleistung für die Finanzhilfen verlangen die internationalen Geldgeber massive Einsparungen. Dazu gehören Einschnitte im öffentlichen Dienst, die Kürzung des Mindestlohns auf 586 Euro im Monat und ein Abbau der Sozialleistungen. Der Sparkurs trifft die Ärmsten. Bis Ende 2012 müssen vermutlich rund 100 000 Geschäfte schließen, dadurch werden weitere 250 000 Menschen ihre Arbeit verlieren. Schon seit 2010 droht ein Staatsbankrott. Nach Angaben der Obdachlosenhilfsorganisation Klimaka ist die Zahl derer, die sich keine Wohnung leisten können, in den vergangenen zwei Jahren um 25 Prozent gestiegen. Eine neue Straßenzeitung will helfen. Ein Gespräch mit dem Redakteur Chris Alefantis, 45. Lesen Sie weiter bei »Nachrichten aus Griechenland«…

Die letzte Generation

Seit März 2012 gilt die Kinderlähmung in Indien als überwunden. Nachdem es ein Jahr lang keine Neuinfektion mehr gab, hat die Weltgesundheitsorganisation Indien von der Liste polioendemischer Länder gestrichen. Das Leben der bereits an Polio Erkrankten ist nach wie vor ein täglicher Kampf – selbst in der IT-Hauptstadt Bangalore, dem so genannten „Silicon Valley Indiens“

Nagma Sultana, 15 Jahre alt, vor dem kleinen Zimmer ihrer Familie in den Slums von Bangalore. Sie trägt eine Beinschiene, um ihr mit Polio infiziertes Bein zu stützen. Links: Nagmas Mutter, die alleine den Haushalt führt | Foto: Simon Murphy

Nagma Sultana, 15 Jahre alt, vor dem kleinen Zimmer ihrer Familie in den Slums von Bangalore. Sie trägt eine Beinschiene, um ihr mit Polio infiziertes Bein zu stützen. Links: Nagmas Mutter, die alleine den Haushalt führt | Foto: Simon Murphy

Mühevoll erklimmt Nagma mit ihren Krücken Stufe für Stufe des schmalen Treppenhauses. Im obersten Stockwerk betritt sie eine winzige Ein-Zimmer-Wohnung, die sie mit ihrer Mutter, ihren vier Schwestern und zwei Brüdern teilt. Der Geruch eines offenen Abwasserkanals liegt penetrant im Raum. Die schmutzigen Zementwände haben keine Fenster; das einzige Licht kommt durch die offene Tür, die in den engen Gang führt. Ein Teil des kalten Steinbodens ist mit einem dünnen Teppich bedeckt; ansonsten ist das Zimmer leer. Man hört die lauten Geräusche aus den umliegenden Straßen des Armenviertels.
Lesen Sie weiter bei »Die letzte Generation«…

Ein Tag im Leben eines Straßenmagazin-Verkäufers in Malawi

Bevor Harton Banda zu Malawis Straßenzeitschrift The Big Issue kam, taumelte er von einem Unglück ins nächste. Seitdem sieht er wieder eine Perspektive für sein Leben

Banda beim Verkaufen von Malawis Straßenzeitschrift »The Big Issue«

Banda beim Verkaufen von Malawis Straßenzeitschrift »The Big Issue« | Foto: Sharon Wibabara

Als Albino geboren, hatte Banda von Anfang an eine besondere Last zu tragen. Sein ungewöhnliches Aussehen und seine blasse Hautfarbe haben ihn bereits im zarten Alter anders als andere erscheinen lassen. Und wie zu erwarten, haben unverhohlene Diskriminierungen bisher jeden seiner Schritte begleitet. „Seit ich jung war, habe ich Aufsehen erregt und Blicke von anderen Menschen angezogen“, sagt Banda. „Als ich älter wurde, stellte ich fest, dass die Menschen mich auch anders behandeln.“ Lesen Sie weiter bei »Ein Tag im Leben eines Straßenmagazin-Verkäufers in Malawi«…