Geld denkt nicht


Karin Lohr, Geschäftsführung; Foto: Sacha Kletzsch

In München fehlen bezahlbare Wohnungen, das ist sicher. Über den Weg, wie Wohnraum für Menschen, die sich ihren Lebensunterhalt durch Arbeit verdienen, geschaffen werden kann, wird diskutiert und auch gestritten, was erst einmal nicht schlimm ist. Und weil für uns BISSler dieses Thema schon immer eine Herzensangelegenheit ist, habe ich neulich eine Veranstaltung im Münchner Nordosten besucht, auf der es um eine Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme, kurz SEM, ging. Bei dieser sichert sich die Stadt ein Vorkaufsrecht für die Grundstücke und übernimmt die Planung und Entwicklung eines größeren Gebietes, einschließlich Wohnungen, Straßen, Infrastruktur und Grünflächen. Erwartungsgemäß war die Stimmung im Saal lebhaft, und obwohl unter den anwesenden Anwohnern mehr kritische Stimmen als Befürworter zu hören waren, lasen so manche aufmerksam die Broschüre, die Pro-SEM-Aktivisten am Eingang zum Gelände verteilt hatten. Es ist schon richtig, auf der Veranstaltung hat sich keiner lautstark für den Zuzug vieler neuer Bewohner ausgesprochen. Und diejenigen, die zukünftig dort wohnen könnten, wenn es denn Wohnungen für sie gäbe, waren ja logischerweise nicht anwesend. Es hat aber auch keiner der Anwesenden dafür plädiert, im Alter allein in einem zu großen, nicht barrierefreien Haus zu wohnen, ohne Pflegedienst, weil der keine Angestellten findet, ohne nahe gelegene Einkaufsmöglichkeit und ohne öffentliche Parks und Cafés, in denen man andere Menschen außer sich selbst treffen kann. Wir BISSler haben mit unserem an der CSU-Politik gescheiterten Vorhaben, bei dem wir das ehemalige Frauengefängnis am Neudeck in ein erstklassiges Hotel zur Ausbildung benachteiligter Jugendlicher umwandeln wollten, eine leidvolle Erfahrung gemacht. Schlimm, dass die bayerische Regierung die Immobilie einem Investor zugeschlagen hat, der sie jetzt maximal verwertet, mit Preisen von bis zu 20.000 Euro je Quadratmeter. Die CSU-Regierung hat das Interesse eines Investors vor das Gemeinwohl gestellt. Noch schlimmer, dass sie nicht aus Fehlern lernt. Ein profitorientierter Investor rechnet, denkt aber nicht an die Allgemeinheit. Die Stadt und private Bauherren haben in Zusammenarbeit mit Münchner Genossenschaften eine Reihe von beispielhaften Wohnprojekten realisiert. Dort leben Menschen mit mehr und solche mit weniger Geld zusammen. Es gibt Kitas, Schulen, Ateliers für Künstler und Grünflächen, und am Beispiel des DomagkParks endlich auch ein Mobilitätskonzept. Alles nicht perfekt, aber der Weg, der sich zu verfolgen lohnt.


Herzlichst


Karin Lohr, Geschäftsführerin