Wenn Eichhörnchen vom Himmel fallen

BISS-Geschäftsführerin
Karin Lohr
Foto: Sascha Kletzsch

An einem Morgen jener heißen Tage des zurückliegenden Sommers, von dem man damals denken konnte, dass er nie zu Ende geht, lag auf dem Bürgersteig vor dem BISS-Büro ein lebloses Eichhörnchen. Es war ein Jungtier, keine 20 Zentimeter lang, mit blutiger Schnauze, das anscheinend vom Hausdach gestürzt war. Im ersten Moment wussten wir uns nicht so recht zu helfen, abgesehen davon, dass wir die Unfallstelle mit zwei orange-weiß gestreiften Hütchen, die bei der monatlichen Druckereilieferung aufgestellt werden, sicherten und das Tier mit einem Küchenrollenblatt abdeckten. Im Unterschied etwa zu einem jungen Golden Retriever sieht so ein dünn behaartes Eichhörnchen wenig vertrauenserweckend aus, schon allein wegen der Nagezähne und weil es als räuberischer Ausräumer von Vogelnestern einen schlechten Ruf hat. Als jemand das scheinbar tote Tier mit einer kleinen Schaufel hochheben wollte, bewegte es sich unter dem Papier heftig, was unter den versammelten Schaulustigen – bestehend aus dem gesamten BISS-Innendienst, einigen BISS-Verkäufern und Haidhauser Passanten – für kollektive Unruhe sorgte. Nach einigem Hin und Her transportierte ich schließlich das Eichhörnchen, gebettet auf noch mehr Küchenrollenpapier, in einem Karton für Kopierpapier im Gepäckträger meines Fahrrades zu einer nahe gelegenen Tierarztpraxis. Der Tierarzt stellte fest, dass das Tier nur oberflächlich verletzt, sonst aber kerngesund war, und empfahl uns eine Notrufstelle, die pflegebedürftige Eichhörnchen an freiwillige Helfer verteilt. Bei so einer Pflegestelle landete schließlich auch das Eichhörnchen, das mit dem Taxi, begleitet von einer unserer Mitarbeiterinnen, dorthin gebracht wurde. Erst am frühen Nachmittag kehrte wieder Normalbetrieb bei uns ein. Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, ob wir BISSler nichts anderes zu tun haben, als ein Eichhörnchen durch die Stadt zu kutschieren. Doch, das haben wir, wie Sie in dieser Ausgabe in unserem „Rückblick mit Ausblick“ (siehe Seiten 24 und 25) lesen können. Selbst wenn man den Vergleich zwischen Mensch und Tier scheut, könnte man aus der Aktion trotzdem schließen, dass man auch im Kleinen durchs Handeln einen großen Unterschied machen kann. Und überhaupt, so ein kleines Eichhörnchen läuft allemal mit. Wenn Sie also einmal ein besonders vorwitziges und schnelles Eichhörnchen beim herbstlichen Nüssesammeln sehen, dann könnte das auch „unseres“ sein, dasjenige, das schon im Taxi durch die halbe Stadt gefahren ist!

Herzlichst

 

 

 

Karin Lohr, Geschäftsführerin