Vom Aus- und Einsteigen

BISS-Geschäftsführerin
Karin Lohr
Foto: Sascha Kletzsch

Wenn Sie die BISS in den vergangenen Jahren häufiger gelesen haben, dann wissen Sie, dass wir uns jahrelang darum bemüht haben, das ehemalige Münchner Frauengefängnis Am Neudeck 10 von seinem damaligen Besitzer, dem Freistaat Bayern, zu erwerben. Wir wollten das denkmalgeschützte Gebäude am Auer Mühlbach in ein erstklassiges Hotel samt seniorengerechten Wohnungen umbauen. Aus dem Knast sollte ein Ort werden, der Welten zusammenführt, an dem sozial benachteiligte Jugendliche, unterstützt von den Senioren, erstklassig ausgebildet und daran anschließend in den Arbeitsmarkt vermittelt werden. Als die bayerische Regierung die Immobilie 2011 in einem Bieterverfahren einem anonymen Investor zuschlug, war es mit Hotel BISS endgültig vorbei. Wo Ausbildungsplätze und erschwinglicher Wohnraum hätten entstehen können, wurde das Anwesen zum Spielball kommerzieller Immobilienverwerter, die es am Ende als „besonderes Objekt für Anspruchsvolle“ mit Sonderabschreibung feilbieten (Seite 24). Was uns BISSler besonders schockiert hat, war die Ignoranz der handelnden CSU-Politiker im Landtag, die anders hätten entscheiden können. Sie haben nicht erkannt, dass BISS damals von allen Angeboten im Bieterverfahren möglicherweise nicht das höchste, aber das für die Gesellschaft beste Angebot abgegeben hat: Ausbildungsplätze für junge Menschen, die so eine Chance auf einen Einstieg in die Gesellschaft finden! Eine ähnliche Erfahrung mit der Politik in Bayern machen zurzeit Unternehmer, die Flüchtlinge anstellen oder ausbilden (Seite 12). Statt dass sie unterstützt werden, müssen sie fürchten, dass ihre Lehrlinge über Nacht abgeschoben werden. Wenn man sieht, wie eilfertig der bayerische Ministerpräsident einen Dieselgipfel einberuft, weiß man, dass die Integration von Flüchtlingen sehr viel besser vorangehen könnte, wenn sie denn endlich zur Chefsache in Bayern bzw. zur Chefinnensache im Bund erklärt werden würde. Zur jetzigen Politik fällt mir das Bild einer ehemaligen bayerischen Sozialministerin ein, die sich vor ein paar Jahren weigerte, auf dem Gelände einer Gemeinschaftsunterkunft aus ihrer Limousine auszusteigen. Das bringt aber niemanden weiter. Wenn also am 24. September in Deutschland gewählt wird, dann werden hoffentlich die Parteien viele Stimme bekommen, die den Menschen keine Angst vor der Zukunft machen. Die Parteien, die die Zukunft gestalten wollen und wissen, dass jeder durch sein Verhalten einen wichtigen Unterschied macht und dass man gemeinsam viel bewegen kann. Um die Leser der BISS mache ich mir da keine Sorgen, denn die wissen, worauf es ankommt: Auf eine gerechte und solidarische Gesellschaft!

Herzlichst

 

 

 

Karin Lohr, Geschäftsführerin